Wie gut weiß der Hausarzt über Euch Bescheid?

vom 22.07.2016, 16:30 Uhr

Ich hatte gestern eine kleine Auseinandersetzung mit meiner Hausärztin, die dazu führte, dass ich mich nun doch endlich von ihr trenne und zu einer anderen Ärztin wechsle. Ich habe mir daraufhin meine Unterlagen von ihr abgeholt und war doch nicht nur ein wenig erstaunt, wie wenig Unterlagen ich von ihr bekam und wie alt die teilweise waren.

Ich bin bei Beschwerden immer zuerst bei meiner Hausärztin gewesen und habe mich von ihr weiter überweisen lassen zu den Fachärzten. Soweit mir andere Ärzte erklärt haben, hat dieses Überweisungssystem zur Folge, dass die Hausärztin mit ihrer Software ohne Mehrarbeit jeden Arztbericht vom Facharzt anfordern kann und auch macht. Dafür gibt es wohl auch Geld von der Krankenkasse, das aber schon mit der Überweisungsgebühr bezahlt wird.

Dies war auch mein Wunsch, denn bei ihr sollten alle Fäden zusammen laufen, sie sollte über alles Bescheid wissen. Für den Fall, dass ich etwa mal ins Krankenhaus komme und mich nicht selbst äußern kann, sollte sie Auskunft über meinen gegenwärtigen Gesundheitszustand und meine Medikation geben können.

Als ich mir die Unterlagen durch sah, bemerkte ich jedoch, dass sie keinen einzigen der letzten Berichte angefordert hatte. Es fehlte so gut wie alles! Der letzte Bericht war weit über ein Jahr alt. Und dies lag nicht etwa daran, dass ich nur einen Teil bekommen hatte, sondern im nachträglichen Gespräch stellte sich heraus, dass sie über vieles, was meinen momentanen Zustand angeht, wirklich keine Ahnung hat.

Unter anderem fehlen etwa Unterlagen darüber, dass ich seit Monaten wegen tumorösen Gewebes bestrahlt werde und strahlende Implantate in mir trage. Es sind also wirklich wichtige Unterlagen, die fehlen, und die auch für Behandlungen in anderen Bereichen wichtig wären. Mit ihr darüber gesprochen hatte ich nicht, weil ich dachte, sie weiß darüber längst Bescheid, und ich ihre knapp bemessene Zeit nicht überbeanspruchen wollte. Ihre Frage danach, wie es mir geht, hatte ich eigentlich auf diese Behandlung bezogen, aber nur allgemein beantwortet.

Wie gut und genau wissen Eure Hausärzte über Euren Gesundheitszustand Bescheid? Wissen sie, was Ihr derzeit an verschreibungspflichtigen Medikamenten nehmt? Könnten sie genau Auskunft geben, falls Ihr etwa bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert werdet und Euer Partner nur auf den Hausarzt verweist?

» rasenderrolli » Beiträge: 1058 » Talkpoints: 16,66 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Mein Hausarzt weiß schon ziemlich gut Bescheid und hat auch alles an Berichten vorliegen. Ich habe damals auch Unterlagen bei meiner alten Hausärztin angefordert und habe auch nur sehr wenig bekommen. Hauptsächlich waren dies Unterlagen von meiner Zeit im Ausland und ein Bericht von einer kleineren privaten Operation, aber von ihr war nichts Wichtiges dabei.

Das fand ich schon seltsam, aber ich hatte auch das Gefühl, dass die nicht alles herausrücken wollten. Vielleicht wäre dann auch eine massive Fehlbehandlung bestätigt worden, die dafür sorgt, dass ich bis heute Probleme habe. Fakt ist jedoch, dass man als Patient das Einsichtsrecht auf die Patientenakte hat, der Arzt darf jedoch die Einsicht in subjektive Wahrnehmungen oder die Herausgabe des Originals verweigern. Er hat eine Dokumentationspflicht von 10 Jahren und danach darf er dem Patienten im Idealfall auch die Akte komplett aushändigen.

Mich hat es sehr stark gewundert, dass die ganzen Diagnosen der letzten Jahre komplett fehlten, es waren wirklich relevante Themen dabei, die mein neuer Hausarzt bestimmt wissen sollte. Auch fehlten Dokumente aus meiner Vergangenheit, die ich abgeliefert habe, die ich aber problemlos aus den Archiven der jeweiligen Ärzte und Krankenhäuser bekommen habe, aber ich fand das schon etwas suspekt. Wenn ich bedenke, dass ich jede Kopie der an mich gerichtete Arztberichte und Röntgenaufnahmen mittlerweile eingescannt auf dem PC aufbewahre.

Wenn ich bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert werde, dann ist es mir herzlich egal, wie die Ärzte an die Informationen kommen. Solange ich noch bei Verstand bin und sprechen kann, kann ich ja noch erzählen, was mir so fehlt. Wenn ich bewusstlos bin, dann kann ich eh nicht mehr großartig agieren, dann müssen die Ärzte im Notfall so mit mir klar kommen. Ein Allergikerpass ist im Portemonnaie und ein weiterer Ausweis, der ein paar medizinisch relevante Themen zusammenfasst.

» Wibbeldribbel » Beiträge: 12618 » Talkpoints: 5,12 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Im Moment mache ich mir darüber keine Sorgen. Mein aktueller Facharzt sitzt in der Ambulanz einer Uniklinik und die schicken wirklich jeden kleinsten Befund über den kompletten Verteiler raus und damit auch zu meinem Hausarzt. Das weiß ich, weil ich auch im Verteiler bin und so regelmäßig über Sachen informiert werde, die ich eigentlich schon weiß.

Aber das ist eher ein Ausnahmefall, denn normalerweise weiß ich ja, was für einen Facharzt ich brauche, und mache dann direkt selber einen Termin. In der Regel gibt man bei der Anmeldung ja schon seinen Hausarzt an, aber ich weiß nicht, ob ich dann auch jedem die Einwilligung erteilt habe meine Unterlagen weiter zu geben. Ich muss mich da mal erkundigen.

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» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,31 » Auszeichnung für 27000 Beiträge



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