Was passiert wenn man Trauer nicht verarbeitet?
Im Moment bin ich mit der Trauer sehr beschäftigt, wobei ich nicht viel machen kann und mich psychisch wie gelähmt fühle. Eigentlich wollte ich dieses Jahr richtig durchstarten, aber das kann ich wohl schön vergessen, denn ich bin einfach nur fertig. Ich kann nicht schlafen und habe körperliche Beschwerden, etwa wie Kopfschmerzen, Magenkrämpfe und ein Schwächegefühl.
Meine Freunde sagen mir nun immer, dass ich nichts machen darf, sondern einfach Zuhause bleiben soll. Ihrer Meinung nach sollte ich mir nun eine Auszeit von allem nehmen und mich um die Trauerverarbeitung kümmern. Diesen Rat habe ich auch hier im Forum bekommen, aber was würde passieren, wenn ich meine Trauer nicht verarbeiten würde? Kann ich davon ernsthaft krank werden?
Wenn du dich damit nicht auseinander setzt, kann es sein, dass du die Gefühle nur nach hinten schiebst, dann kann irgendwann der große Ausbruch kommen und du bist dann total am Ende, viel schlimmer als es jetzt der Fall ist. Das würde dich dann noch mehr aus der Bahn werfen. Es ist ganz gut, dass du das jetzt alles zulässt, auch wenn es dir jetzt das Herz zerreißt. Ich denke, dass man mit verdrängten Gefühlen viel schlimmere Langzeitschäden hat.
Ich habe zwar keinen Todesfall in dem Sinne zu beklagen, aber ich hab ein meiner Kindheit eine sehr wichtige Bezugsperson verloren, die mir - aus meiner Sicht sehr überraschend - aus dem Leben gerissen wurde ohne jede Form von Erklärung oder so.
Ich habe das als Kind immer versucht zu verdrängen, ich war damals 12 Jahre alt. Es war eine Form von Verlust, keine Frage, auch wenn diese Person noch lebte. Aber für mich war sie wie gestorben, weil ich keine Lebenszeichen mehr mitbekommen habe, die Person praktisch verschollen war und auch sämtlicher Besitz dieser Person verschwunden ist, so als hätte diese Person nie existiert.
Ich hatte daran ziemlich zu knabbern, wenn so wirklich da waren meine Eltern auch nicht für mich, wenn ich Sorgen oder Ängste hatte. Dass da die einzige richtige Bezugsperson weggebrochen ist, nahm mich schon schwer mit, auch wenn ich es verdrängt habe und nicht wahr haben wollte.
Letztendlich kam aber alles nach einiger Zeit wieder hoch, obwohl ich mir eingeredet hatte, dass ich die Lage ganz gut im Griff hatte und die Situation gut verarbeitet hatte. Letzten Endes brauchte es nach einiger Zeit nur Kleinigkeiten und ich habe emotional total überreagiert, weil die Trauer und der Verlust verarbeitet werden musste.
So habe ich beispielsweise einmal einen Heulkrampf gekriegt, als ich eine Person traf (damals war ich schon 20), die meiner Bezugsperson sehr ähnlich war, nicht nur von der Optik, sondern auch vom Wesen und der Ausstrahlung her. Ein anderes Mal wurde ich mit einer Situation konfrontiert, die mich an diese Person erinnerte. Bei solchen Kleinigkeiten konnte ich nicht aufhören zu weinen, isolierte mich und war völlig fertig.
Trauer verarbeiten bedeutet in erster Linie, Trauer auch zuzulassen. Nach dem, was man bisher von dir lesen konnte, machst du das aber durchaus. Zu einem Problem kann es lediglich dann werden, wenn du die Trauer ignorierst und dich beispielsweise mit irgendwelchen Dingen exzessiv ablenkst, damit du die Trauer erst gar nicht spürst. Aber wie gesagt: Das scheint in deinem Fall nicht nicht unbedingt zuzutreffen.
Im schlimmsten Fall kannst du durch eine nicht vorhandene oder unzureichende Trauerbewältigung und -verarbeiten Depressionen, Panikattacken und dergleichen bekommen. Die Trauer kann dich dann zu einem späteren Zeitpunkt, teilweise sogar erst einige Jahre später, auf einen Schlag überwältigen und dir den Boden unter den Füßen wegreißen.
Deswegen ist es eben wichtig, sich gleich mit seiner Trauer und deren Bewältigung auseinanderzusetzen. Du meintest zwar, du wolltest dieses Jahr richtig durchstarten. Aber selbst dann, wenn dich die Trauerarbeit wirklich einige Monate kosten wird, ist das immer noch besser als später, wenn du richtig im Berufsleben und dergleichen stehst, massive Probleme damit zu bekommen.
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