Schmerzen beschreiben - Wer kann es?

vom 02.12.2012, 22:35 Uhr

Ich hatte noch nie Zahnschmerzen. Könnte also nicht sagen, wie Zahnschmerzen sind. Ich habe in letzter Zeit wohl manchmal Kopfschmerzen und bin auch beim Arzt gewesen. Er fragte mich, wie die Schmerzen sind. Aber ich konnte den Schmerz nicht beschreiben. Wie beschreibt man einen Schmerz? Der Arzt meinte, ob es ein drückender, ein ziehender, ein klopfender, ein stechender Schmerz ist. Aber ich konnte dennoch nicht sagen, wie der Schmerz ist.

Könnt ihr wirklich einen Schmerz genau beschreiben? Wie beschreibt man einen Schmerz? Kann man unterscheiden in stechend und ziehender Schmerz? Kopfschmerzen sind für mich Kopfschmerzen. Ich bin froh, wenn ich sie lokalisieren kann.

Benutzeravatar

» Sherlock-Holmes » Beiträge: 2025 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Naja, die Kopfschmerzen sind ein blödes Beispiel, weil Kopfschmerzen zu den wenigen Arten von Schmerzen gehören, die man in häufigen Fällen nicht lokalisieren kann - also, nicht genauer, als zu sagen Kopfschmerzen. Denn sie entstehen woanders und wechseln auch ab und zu. Allgemein kann man Schmerz aber sehr gut lokalisieren, ich kann das auch und habe in meiner Ausbildung ganz am Anfang gelernt, wie man es macht und es seitdem unzählige Male versucht auch Patienten beizubringen, wie sie Schmerzen unterscheiden sollten.

Als Physiotherapeut ist man von der Art und Weise wie ein Schmerz beschrieben wird, in gewisser Weise abhängig, weil man eben nicht hineingucken kann in den Patienten. Während irgendwelche Verhärtungen, Einschränkungen, Versteifungen oder sonstiges festzustellen sind, ist die Art eines Schmerzes nur durch die Wahrnehmung des Patienten möglich einzuschätzen. Dazu braucht man ein gutes Körpergefühl. Ich besitze das und habe auch gelernt meinen Schmerz zu beschreiben, was einen Besuch beim Arzt oder Physiotherapeuten einfacher und leichter macht, wenn man exakt lokalisieren kann, wie wann und wo der Schmerz auftritt.

Man unterteilt Schmerz offiziell in verschiedene Kategorien, so gibt es einerseits die Stärke eines Schmerzes auf der Schmerzskala. Man stelle sich eine Skala von 1-10 vor und versuche ihn einzuordnen zwischen "kaum wahrzunehmen" und "kurz vor der Ohnmacht". Darüber hinaus kann ein Schmerz oberflächlich oder tief sein, er kann bohrend, stechend, ziehend, schneidend oder dumpf sein. Doch auch diffus, also nicht zuzuordnen und wechselnd ist möglich, mit Ausstrahlung nach oben, unten, seitlich oder nach innen. Ein Schmerz kann permanent da sein, schubweise auftreten, bei bestimmten Aktivitäten eintreten oder zu bestimmten Tageszeiten. Er kann plötzlich auftreten, sich steigern oder permanent vorhanden sein.

Das Vokabular ist sehr groß und man merkt erst mit der Zeit, welcher Patient mit welchem Wort welchen Schmerz er versucht zu beschreiben - einteilen und beschreiben lässt sich dieser jedoch immer und noch schwerer ihn zu beschreiben, ist es, diese Beschreibung versuchen zu verstehen.

» benutzer7 » Beiträge: 2116 » Talkpoints: 49,80 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Vielleicht wollte dein Arzt einfach darauf hinaus zu erkennen ob es Migränekopfschmerzen oder andere sind. Bei mir ist es schon so dass ich ganz genau beschreiben kann wie sich zumindest die Migränekopfschmerzen gestalten.

Bei mir ist es ein Druck meistens hinter dem linken Auge, der sich stechend und pochend bis zum Nacken zieht. Auch meine Ärztin stellte mir nämlich neulich diese Frage, als ich eben wegen dieser Migräneattacken bei ihr war. Allerdings sind es bei mir noch mehr Faktoren die eine Rolle spielen und so auch noch mehr was ich der Ärztin beschreiben konnte. Allerdings habe ich auch schon schon seit vielen Jahren solche Anfälle und kann es daher wirklich genau bestimmen. Wenn man etwa alle 14 Tage jeweils rund 20 Stunden lang genau die gleichen Schmerzen hat, und das über Jahre hinweg, dann fällt das lokalisieren und beschreiben nicht mehr schwer.

Benutzeravatar

» angelheart1501 » Beiträge: 336 » Talkpoints: 39,65 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Da habe ich in letzter Zeit leider viel Erfahrung gemacht. Im August bekam ich am Zahnfleisch Schmerzen und das war wie ein ziehender Schmerz. Ich konnte den rechten Mund nicht mehr total weit öffnen. Ich tappte mir die ganze Zeit an der Wange herum, um den Schmerz lokalisieren zu können. Komischerweise gelang mir das nicht wirklich. Ich dachte die ganze Zeit, der war direkt am Zahnfleisch. Aber dort konnte ich keinen Punkt ausmachen. Nur wenn ich auf die Wange von außen drückte, spürte ich einen wehen Punkt. Der ist aber inzwischen verschwunden, weil der Arzt mir Antibiotika gab und sich der Punkt verabschiedete. Damit waren die Schmerzen leider nicht vorbei.

5 Tage später spürte ich plötzlich an der rechten Schläfe einen enorm stechenden Schmerz. Der ließ sich mit Massieren der Stellen nicht bändigen. Wenige Zeit später, tat mir der Kopfbereich über dem rechten Ohr so weh, dass ich meine alte Brille mit den strengen Bügeln nicht mehr aufsetzen konnte. Der Schmerz kam von den Nerven und war pulsierend und nicht genau zu orten. Der war so stark, dass es schrecklich auf das rechte Ohr drückte und mein Trommelfell zu flattern begann. Das waren wie Wellen von Schmerzen. Ich war schon bei 10 Ärzten, aber niemand fand etwas. Gut inzwischen ist der auch wieder weg und kam nur mehr ein laufendes Stechen ins Ohr nach. Ich dachte, ich müsse mir das Ohr abschneiden, so schrecklich war das. Ich ging zum HNO und der meinte, es sähe alles normal aus.

Am Tag davor hatten wir eine Landung in Wien und da tat mir erstmals das Ohr höllisch weh, als ob jemand mit einer Nadel ins Trommelfell gestochen hätte. Ich bekam zusätzlich ein Barotrauma und hatte noch mehr Flüssigkeit im Ohr. Beim Vorbeugen hatte ich vorne einen dumpfen Schmerz, als ob das rechte Ohr, schwerer wäre, als das linke Ohr. Das ist auch schon weg, nach 3 Wochen.


Anschließend hatte ich einen dauernden Kälteschmerz im rechten Ohr. Ich hatte das Gefühl, einen Kühlschrank in der Muschel zu haben. Das habe ich mit Watte getunkt in heißes Olivenöl wegbekommen. Vorher dachte ich auch schon bei +5 C, dass mein oberstes Ohrläppchen gleich abfrieren würde und das war ein Frostschmerz.

Im Moment tut es noch beim Ohr an der Schläfe leicht weh und das ist ein leicht ziehender Schmerz. Ich schütte seit Tagen Franzbranntwein drauf und der beruhigt dank des Kampfers wirklich die Nerven. Was die Ursache für all dies war oder ist, weiß ich immer noch nicht, aber ich kann wenigstens „leben“ und nicht leiden. Mal sehen, ob der nächste Arzt etwas findet.

Ich habe im Internet gelesen, dass es Triggerpunkte gibt und das stimmt auch. Man muss alles abtasten und dort wo der Schmerz sein Zentrum hat, ist so ein Punkt. Dann hilft manchmal Akupunktur oder Massieren, aber am besten wäre es die Ursache zu erforschen und sie zu entfernen. Bei mir tippe ich auf einen versteckten Herd am Kiefer, den niemand findet, eine Nervenentzündung durch starken Luftzug oder einen versteckten Weisheitszahn. Jedenfalls geht das alles schon seit Ende August und es wird anders und erträglicher, aber mein Ohr hat noch immer in der Früh einen leichten Schmerz, wie eingeschlafene Füße.

Zu Deiner Information, meine Ausführungen wurden bei den Ärzten schnell abgewürgt, weil niemand Zeit hat und es immer schnell gehen muss.

» celles » Beiträge: 8677 » Talkpoints: 4,08 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Ich habe mit Schmerzen in meinem Leben recht umfangreiche Erfahrungen gemacht und auch schnell und bereits in frühen Kinderjahren gelernt, sie möglichst exakt zu beschreiben. Mir wurde sicherlich auch irgendwann erklärt, weshalb das häufig nicht ganz unwichtig ist, wenn man in in der Lage ist, einen Schmerz möglichst exakt zu beschreiben. Wenn ich nun also zum Arzt gehe und irgendwo Schmerzen habe, die ich abklären lassen will, dann warte ich nicht auf die Frage danach, wie sich die Schmerzen anfühlen, sondern gebe direkt an, dass ich ein stechendes Brennen, das sich in kurzen Abständen wiederholt habe oder ziehe einen direkten Vergleich, wenn ich nicht weiß, ob „dumpfer Schmerz“ auch richtig verstanden werden kann.

Schmerzen gibt es in den unterschiedlichsten Formen und gerade bei Kopfschmerzen kenne ich solche, die sich einerseits an unterschiedlichen Teilen des Kopfes abspielen, aber vor allem haben sie häufig auch eine Besonderheit. Manche Schmerzen treten besonders stark beim Liegen auf, andere bei Bewegung, wieder andere ziehen bis in das Kiefergelenk und hinterlassen ein brennendes Gefühl direkt am Knochen. Manche Kopfschmerzen drücken, andere pulsieren und wieder andere stechen. Es gibt durchaus die verschiedensten Formen von Kopfschmerzen und unglaublich viele Möglichkeiten, gerade diese Schmerzen zu beschreiben.

Wenn ich Schmerzen habe, achte ich übrigens auch generell darauf, ob sie bei bestimmten Veränderungen meiner Haltung oder der Gegebenheiten meiner Umgebung anders werden, stärker oder schwächer, oder ob sie sich in Sachen des Schmerzes selbst verändern. So kann es auch sein, dass ein dumpfer Schmerz plötzlich zu einem Stechen, Ziehen oder Drücken wird. Meinen Hausarzt interessiert es auch durchaus, wo sich die Schmerzen genau abspielen, wie sie sich anfühlen und wann sie sich jeweils verändern, weil das häufig eine genauere Vermutung einer möglichen Diagnose zulässt, sodass der Weg hin zur Diagnose nicht selten eben dadurch verkürzt wird. Allein Bauchschmerzen anzugeben, würde einen ziemlich Untersuchungsaufwand nach sich ziehen, denn das erste, was bei einer solchen Angabe gemacht wird, ist ein Abtasten durch den Arzt, der fragt, ob es hier oder dort oder eben woanders wehtut, um sich besser festlegen zu können.

Benutzeravatar

» moin! » Beiträge: 7218 » Talkpoints: 22,73 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Schmerzen zu beschreiben ist für den Arzt schon wichtig, allerdings kann ich es auch nicht so gut. Ich habe das auch schon erklärt bekommen, wie man es unterscheiden kann, aber ich kann es einfach nicht beschreiben. Für mich fühlt sich das irgendwie ähnlich an, aber ich kann kleine Unterschiede sehen und diese versuche ich dann dem Arzt auch zu erklären. Gerade bei Kopfschmerzen macht es sicher Sinn, wenn man es genau beschreiben kann, da es da viele Unterschiede gibt. Man kann ja Migräne haben oder eine Entzündung der Nasennebenhöhle oder eben einfach nur Kopfschmerzen.

Benutzeravatar

» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


Manche Schmerzen sind vielleicht keine Schmerzen und es tut dennoch irgendwie weh. Ich habe auch in einem Zahn ein taubes Gefühl oder ich kann auch sagen, dass der Zahn sich "unecht" anfühlt. So eine Beschreibung nützt aber kaum einem Arzt. Ich weiß umgekehrt auch nicht, wie ich nach solchen Unregelmäßigkeiten in Ärztebücher oder im Internet suchen sollte. Vielleicht gibt es irgendwo eine Tabelle, mit welchen Worten man welches Unbehagen beschreiben sollte. :|

» celles » Beiträge: 8677 » Talkpoints: 4,08 » Auszeichnung für 8000 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^