Aus Angst vor Krampfadern Beine amputieren lassen?

vom 07.01.2015, 11:39 Uhr

Manche Ängste sind durchaus alltäglich und werden von vielen Menschen als normal empfunden. Dazu gehören beispielsweise die Spinnenphobie oder eben Platzangst. Es gibt aber auch Ängste, die einfach nur seltsam sind. So wollte sich beispielsweise eine Britin ihre gesunden Beine wegen ihrer Angst vor Krampfadern amputieren lassen. Sie meinte wohl, dass sie den Anblick von sich selbst im Rollstuhl eher verkraften könnte als ihre von Krampfadern gezeichneten Beine.

Für die meisten sind Krampfadern ein eher optisches Problem ohne irgendwelche Einschränkungen im Alltag. Deswegen finde ich ihre Reaktion schon ziemlich heftig und kann sie nicht so wirklich nachvollziehen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich überhaupt keine Angst vor körperlichen Makeln habe, sei es in Form von Krampfadern oder eben "Makel", die man durch eine Schwangerschaft bekommt.

Dementsprechend würde ich mir auch nicht die Beine amputieren lassen, egal ob ich jetzt gesundheitliche Beschwerden durch Krampfadern hätte oder nicht. Ich bin da eher praktisch veranlagt und denke mir, solange die Beine noch funktionieren, es keine Beschwerden gibt und man auf ihnen Laufen kann, ist das Problem für mich nicht so schwerwiegend, dass ich mich zu derartig krassen Handlungen gezwungen sehen würde.

Könnt ihr eine derartig stark ausgeprägte Phobie nachvollziehen? Würdet ihr euch aus Angst vor Krampfadern die Beine amputieren lassen oder könntet ihr mit so einem optischen Makel durchaus leben, solange keine gesundheitlichen Beschwerden im Alltag auftreten? Wann ist eine Phobie so stark ausgeprägt, dass man in euren Augen schon eine Therapie bräuchte?

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Phobien sind so gut wie nie für Außenstehende logisch nachvollziehbar. Sonst würde es sich ja nicht um krankhafte, irrationale Ängste handeln, sondern eben um verständliche emotionale Konsequenzen aus negativen Erfahrungen. Wenn man beispielsweise bedenkt, dass Menschen krankhafte, panische Angst oder zumindest starkes Unbehagen beim Anblick von Blumen oder Knöpfen bekommen können, müsste es eigentlich klar sein, dass man vor allem und jedem eine Phobie entwickeln kann.

Ebenso ist es ganz klar, dass Phobien wie andere psychische Krankheiten auch unterschiedlich stark ausgeprägt sind und die Betroffenen mit und ohne Hilfe unterschiedlich gut damit umgehen können. Manchem bricht vielleicht nur der Schweiß aus, wenn er eine Spinne sieht, andere Betroffene würden vielleicht vor lauter Panik vom Balkon springen, wenn sie so ein Krabbeltier nur sehen. Die Angst vor Spinnen ist zumindest hierzulande zudem genauso irrational wie die vor Krampfadern. Und dass es bevorzugt die besonders absurden und extremen Beispiele in die Medien schaffen und allgemeine Aufmerksamkeit bekommen, muss ich nun wirklich niemandem mehr erklären.

Um auf die Frage zurück zu kommen: Nein, ich würde mir wegen Krampfadern nicht die Beine amputieren lassen. Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass jemand diese Maßnahme ernsthaft in Erwägung zieht, wenn es nicht gerade ums nackte Überleben geht. Deswegen handelt es sich bei einer ausgeprägten Phobie ja auch um eine psychische Krankheit, gegen die der oder die Betroffene ohne Hilfe genauso wenig etwas ausrichten kann wie gegen einen Hirntumor.

Meiner Meinung nach ist es empfehlenswert, eine Therapie anzustreben, wenn das Alltagsleben von psychischen Problemen erkennbar beeinträchtigt wird, was in diesem Fall wohl zutreffen wird. Aber das ist natürlich leichter gesagt als getan. Es erfordert viel Mut und Selbsterkenntnis, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht, gerade, was das Seelenleben angeht.

» Gerbera » Beiträge: 11346 » Talkpoints: 56,04 » Auszeichnung für 11000 Beiträge


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