Operationen von der Krankenkasse schlechter?

vom 23.11.2014, 23:37 Uhr

Eine Bekannte von mir hat seit einiger Zeit schon Probleme mit sehr großen Brüsten. Bereits als Jugendliche hatte sie sehr große Brüste, diese sind aber leider noch gewachsen, da sie sehr an Gewicht zugenommen hat. Inzwischen hat sie schon sehr viel wieder abgenommen und hat jetzt Normalgewicht. Die Brüste sind aber immer noch überproportional groß. Aus medizinischer Sicht wäre daher ein Eingriff durchaus sinnvoll, da sie sich durch die Brüste in ihren Aktivitäten eingeschränkt fühlt und auch Rückenprobleme hat. Sie hat auch schon mit einem Arzt über das Thema gesprochen und dieser hat bestätigt, dass die Krankenkasse eine Operation übernehmen würde.

Dennoch sträubt sich meine Bekannte gegen die Operation und hat dafür auch einen Grund. Sie will sich über das Thema gut informiert haben und meint, dass es bei von der Krankenkasse übernommenen Operationen in der Regel so ist, dass diese nicht mit den normalen Operationen der plastischen Chirurgie übereinstimmen. Bei dem Eingriff eines plastischen Chirurgen würde es in erster Linie um den Wiederaufbau der Brust gehen, es würde Substanz entfernt und der Chirurg würde die Brüste anschließend schön forme und so wiederherstellen, dass die Narben kaum zu sehen sind und nicht stören.

Bezahlt die Krankenkasse den Eingriff, dann geht es nur um die medizinischen Risiken, dass bedeutet man würde die Brust verkleinern und fertig. Die Schönheit der Brust würde an zweiter Stelle stehen und man würde auf jeden Fall Narben sehen können. Deswegen möchte sie nicht, dass die Kasse den Eingriff übernimmt und spart lieber selbst für eine Operation. Mir war bisher nicht klar, dass es da so große Unterschiede gibt, aber wenn dies wirklich der Fall ist, frage ich mich auch, wieso das so ist. Man möchte schließlich nach einer Brust-Op nicht aussehen wie Frankenstein und ich denke nicht, dass es schön ist, wenn die Brüste anschließend nicht geformt werden und man noch hässliche Narben sehen kann.

Wusstet ihr, dass die Operationen die von der Krankenkasse übernommen werden in der Regel schlechter ausfallen, als die Operationen der plastischen Chirurgie, weil die Ästhetik des Körpers dort gar nicht zum Zuge kommt? Würdet ihr euch trotzdem so einer Operation unterziehen? Ich muss ganze ehrlich sagen, dass ich an ihrer Stelle wahrscheinlich auch eher sparen würde, denn was hat man am Ende von kleinen Brüste, wenn sie einem gar nicht gefallen?

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Verkleinerungen der Brüste auf Kosten der Krankenkasse werden von plastischen Chirurgen vorgenommen. Bei diesen Ärzten kann man sich darauf verlassen, dass sie eine ordentliche Ausbildung im Bereich der Wiederherstellungschirurgie haben und genau wissen, was sie tun.

Anders als bei den Chirurgen, die sich einfach mal plastischer Chirurg nennen und munter losschnippeln. Das sind nämlich nicht wenige, die auf diesem Weg versuchen Geld zu machen.

Bei der Verkleinerung der Brüste entstehen immer große Schnitte und entsprechende Narben. Auch auf Leistung der Kasse gibt es eine intrakutane Naht, die sehr gute optische Ergebnisse bringen kann.

Und das ist bei allen Narben das Problem. Auch wenn die Naht extrem gut gemacht wurde, hängt das Ergebnis zu einem großen Teil von Wundheilung des Patienten ab. Das kann kein Arzt vorher garantieren. Auch wenn es keine Infektion, keine Wundheilungsstörung und keine Wucherungen gibt, unterscheidet sich das Ergebnis je nach Haut enorm.

Ich habe einige plastische Operationen an der Hand hinter mir. Das waren ganz normale Eingriffe auf Kosten der Krankenkasse. Und die Narben sind toll geworden. Man sieht nur sehr wenig. Zusammen mit mir lagen die verschiedensten Patienten auf dieser Station für plastische und Handchirurgie sowie Schwerstbrandverletzte. Über die Ergebnisse hat da niemand gemerkt. Auch Brustverkleinerungen und Rekonstruktionen nach Brustkrebs sind sehr gut gelaufen.

» cooper75 » Beiträge: 13450 » Talkpoints: 524,56 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


Bei einer solchen Operation muss man ja nicht gleich in die erstbeste Klinik gehen. So viel ich weiß. Kann man selbst entscheiden, welche Klinik man bevorzugt. Da muss man sich eben genau informieren und vergleichen. Aber Narben wird man bei einer solchen Operation immer sehen, denke ich.

Eine ehemalige Kollegin hat sich vor Jahren auch die zu große Brust verkleinern lassen, weil sie Rückenschmerzen bekam. Das Krankenhaus hat sie sich ebenfalls selbst aussuchen können. Mit der Operation war sie sehr zufrieden.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Also wenn das wirklich stimmt, dass man sich den Arzt und die Klinik selbst aussuchen darf, die diese Operation dann durchführt, würde ich nicht sagen, dass die von der Krankenkasse bezahlten Operationen automatisch schlechter sind. Ich habe auch erst gedacht, dass die Krankenkasse dann nur die Operation von einer bestimmten Klinik oder einem bestimmten Arzt durchführen lässt, aber dem scheint ja laut einigen Vorrednern nicht so zu sein. In dem Fall hat man ja die freie Wahl, selbst nachzurecherchieren und Erkundigungen einzubeziehen. Wenn man dann an den falschen Arzt gerät, der dann gepfuscht hat, ist man in meinen Augen selbst Schuld.

Ich würde verschiedene Angebote und Gespräche mit diversen Ärzten aus der Umgebung einholen. Es kann ja sein, dass man sich auf Anhieb bei einigen Ärzten besser aufgehoben fühlt als bei anderen. Dann würde ich auch im Internet nach Erfahrungsberichten recherchieren und gegebenenfalls auch mit ehemaligen Patienten sprechen. Es kann ja sein, dass man da den ein oder anderen Blick auf das "Werk" des Chirurgen werfen kann, sodass man beispielsweise eine operierte Hand nach einer Verbrennung sehen kann. Wenn man da mit dem Ergebnis zufrieden ist, kann man sich ja beruhigt für einen bestimmten Chirurgen entscheiden. Bei überwiegend negativen Kritiken über einen Chirurgen würde ich schon vorsichtiger werden.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Natürlich hat man die freie Arztwahl. Meine Hand habe ich zuerst in meiner Heimatstadt richten lassen. Die Klinik hatte den besten Ruf, was solche Probleme angeht.

Über die Jahre musste dann ab und zu noch etwas nachbearbeitet werden. Das lag in der Natur der Sache und war nicht Schuld des behandelnden Arztes. Allerdings war mein Operateur mittlerweile Chef an einer ganz anderen Klinik. Also habe ich alle weiteren Eingriffe eben 250 km entfernt machen lassen. Da war ich einfach der Meinung "Never change a winning team".

Das gab gar keine Probleme mit der Krankenkasse. Das einzige, was sie meist nicht übernehmen, sind die Fahrtkosten, wenn man sich für eine Alternative weit von anderen Möglichkeiten entfernt entschließt. Das ist aber auch schon alles.

» cooper75 » Beiträge: 13450 » Talkpoints: 524,56 » Auszeichnung für 13000 Beiträge


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