Menschen helfen, die einen selbst in Gefahr bringen?

vom 24.11.2014, 16:29 Uhr

Beim Kampf um Ebola gab es viele Vorfälle, die sehr deutlich machen, wie schwierig es ist bestimmten Menschen zu helfen. Viele ungebildete Einwohner Afrikas haben sich sehr gegen die Hilfe von Ärzten aufgelehnt und mitunter haben sie diese sogar selbst in Gefahr gebracht, in dem sie beispielsweise Kranke aus Krankenhäusern entführt haben, Behandlungen abgelehnt haben und sich einfach nicht helfen lassen wollten. Sogar Genesene wurden ausgestoßen. Mitunter hat das natürlich auch zu Problemen und Risiken geführt, die die Helfer vor Ort in Gefahr gebracht haben.

Ich selbst muss sagen, dass ab diesem Zeitpunkt für mich auch Schluss wäre. Ich habe nichts dagegen Menschen zu helfen, aber wenn diese sich so sehr gegen die Hilfe auflehnen und einfach nicht dazu bereit sind, sich helfen zu lassen, dann hätte ich irgendwann auch keine Lust mehr. Aufgrund der Dummheit dieser Menschen würde ich nicht sterben wollen und ich denke, dass ich als Helfer vor Ort ab diesem Moment dann auch den Schlussstrich gezogen hätte und gegangen wäre. Ebola ist eigentlich nur ein Beispiel für dieses Phänomen, Aids war ein andere.

Natürlich ist mir bewusst das die mangelnde Bereitschaft zur Kooperation an der fehlenden Bildung liegt und die Menschen oft gar nichts dafür können. Aber ich sehe es dann auch nicht als unsere Aufgabe an, den Menschen zu helfen und sich selbst dabei in Gefahr zu bringen, denn mehr als ihnen die Situation zu erklären kann man auch nicht tun. Wenn ich dann sehe, dass diese Menschen aufgrund ihrer religiösen Ansichten nicht bereits sind, unsere Hilfe anzunehmen, dann würde ich es auch dabei belassen. Vielleicht sind sie ja dann glücklicher damit wenn sie an Ebola sterben.

Das klingt vielleicht hart, aber so sehe ich die Situation. Ich fand es schon sehr erschreckend, wie sich die Völker teilweise gegen die Hilfe aufgelehnt haben und da denke ich mir, muss man als Außenstehender auch nicht so viel Engagement zeigen, wenn dieses sowieso mit Füßen getreten wird. Wie seht ihr das? Würdet ihr auch Menschen helfen, die sich eigentlich nicht helfen lassen wollen und die eure Hilfe ablehnen und euch damit auch selbst in Gefahr bringen? Wo wäre für euch Schluss? Welche Beispiele zu diesem Thema kennt ihr noch?

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Genau aus dem Grund sollten nur Helfer nach Afrika, egal in welchem Bereich, die ein bisschen mehr Einblick haben. Ich habe Afrikanistik studiert und wenn man etwas über die Geschiche und Kulturen afrikanischer Ländern lernt, begreift man viel eher, warum die Menschen dort so auf Hilfe reagieren. Das ist nicht nur mit mangelnder Bildung zu erklären und ein bisschen mehr Bildung oder eine Erklärung vonseiten der Ärzte würden das Problem lösen. Das ist eine viel zu oberflächliche Ansichtsweise.

Es gibt aus dem Bereich Entwicklungshilfe so unglaublich viele Beispiele davon, wie sie schief gehen kann, wenn westliche Helfer mit einer gewissen Arroganz ankommen. Die denken, sie wüssten alles besser. Dabei haben sie keine Ahnung vom Leben in Afrika. Sie kennen nur ein paar Fakten, haben es aber selber nie am eigenen Leib erlebt.

Beim Thema Ebola ist es besonders schwierig. Im Normalfall scheitern Helfer, die keine Ahnung haben, einfach und ziehen deprimiert und desillusioniert wieder ab. Bei Ebola ist das Risiko extrem hoch, selber Schaden zu nehmen und sogar zu sterben.

Aber es gibt offensichtlich viele Menschen, die über diese Probleme hinwegsehen können. Die helfen, obwohl die Hilfe nicht mit offenen Armen empfangen wird. Im Endeffekt ist es ein bisschen wie im Tierschutz. Die Tiere wollen auch nicht eingefangen, untersucht und gechipt werden. Dennoch wird das gemacht, weil man weiß, dass sie einverstanden wären, wenn sie es im vollen Umfang verstehen würden. Weil man weiß, dass es ihnen letztlich hilft.

Ich will Afrikaner bei Weitem nicht mit Tieren vergleichen. Aber die Kommunikationsschwierigkeiten sind ähnlich, weil Westler einfach nicht die gleiche Sprache sprechen. Selbst, wenn man sich rein technisch versteht, kommt man aus unterschiedlichen Welten. Und man wird die afrikanische Sichtweise erst verstehen, wenn man sich wirklich damit auseinandergesetzt hat und begreift, warum sie so anders ist.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


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