Antibiogramm - Wann ist es sinnvoll?

vom 10.11.2014, 13:45 Uhr

Ich hatte vor kurzem eine Blasenentzündung, bei der ich dann auch Antibiotikum bekommen habe. Normalerweise haben bei mir pflanzliche Mittel immer gut geholfen, aber diesmal war es offenbar schon etwas stärker. Nach dem zweiten Antibiotikum war ich dann auch nochmal zur Kontrolle da und es war alles in Ordnung. Ich wurde trotzdem dazu aufgefordert noch einmal zu kommen, um eine weitere Urinprobe abzugeben. Diese sollte dann an ein Labor geschickt werden, wo dann ein Antibiogramm erstellt werden soll.

Soweit ich weiß, wird ein Antibiogramm erstellt, damit man sehen kann, ob die Bakterien auf bestimmte Antibiotika reagieren oder eben nicht. Bevor man ein Antibiotikum verschrieben bekommt, kann man etwa so ein Antibiogramm erstellen lassen und dann zeigt sich am Besten, welches Antibiotikum das Beste ist. Ansonsten könnte man natürlich auch herumprobieren und dem Patienten auf Verdacht bestimmte Antibiotika verschreiben, aber wenn diese nicht anspringen, dann kann sich die Krankheit verschlimmern und die Bakterien können Resistenzen ausbilden.

Nun frage ich mich aber, in wieweit es denn sinnvoll ist, nach einer Blasenentzündung ein Antibiogramm erstellen zu lassen. Natürlich werden sie jetzt sehen, welche Antibiotika sich am Besten gegen die Bakterien eignen, die ich schon in der Blase habe. Aber ist bei einer Blasenentzündung nicht auch davon auszugehen, dass Bakterien von außen kommen können, die vorher noch nicht in der Blase waren? Natürlich kann es auch sein, dass durch ein geschwächtes Immunsystem oder so, die Population der Bakterien die man sowieso hat steigt und es zu einer Entzündung kommt. Aber ebenso kann es doch auch sein, dass die Bakterien neu sind. In dem Fall würde das Antibiogramm ja keine Aussage darüber machen können, welches Antibiotikum gut ist und welches nicht.

Habt ihr schon mal ein Antibiogramm machen lassen? Hat es auch Sinn, sowas erst nach einer Blasenentzündung durchführen zu lassen? Bekommt man da auch gesagt, um welche Bakterienarten es sich handelt oder wird wirklich nur getestet, welches Antibiotikum das Beste ist?

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ob es für dich sinnvoll war, weiß ich nicht. Das zweite Antibiotikum hat dich ja anscheinend kurieren können? Ich vermute eher, dass diese Untersuchung zu Forschungszwecken unternommen wurde. So kann vielleicht die Pharmaindustrie ihre Produkte optimieren, wenn sie resistente Bakterienstämme zu Forschungszwecken gestellt bekommen kann.

Wenn dem so ist, dann profitierst du indirekt wie alle anderen Patienten auch. Nämlich dadurch, dass auch in Zukunft wirksame Antibiotika für verschiedene Bakterienstämme erhältlich sind und man genau weiß, was man wann nehmen muss. Sinnvoller wäre das auch für Arzt und Patient, wenn man künftig mehr Daten hätte und so Fehlversuche so weit wie möglich vermeiden könnte.

Benutzeravatar

» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


Normalerweise ist es sinnvoll, ein Antibiogramm zu erstellen, bevor ein Antibiotikum gegeben wird. Das macht man immer dann, wenn der auslösender Erreger nicht wirklich bekannt ist. Zum Beispiel wird bei einer schweren Lungenentzündung zuerst die Probe genommen. Dan wird mit einem Breitbandantibiotikum gegen Pneumokokken und einige andere, häufige Erreger anbehandelt.

Tritt nun nicht schnell genau eine Verbesserung ein, dann sind die Laborergebnisse da und es kann schnell auf ein wirklich wirksames Mittel umgestellt werden. Ohne die Untersuchung müssten die Ärzte sich durch die Präparate raten und die Behandlung käme einem Glücksspiel gleich. So viel Zeit bleibt aber nicht jedem Patienten.

Bei der Blasenentzündung sieht die Sache anders aus. Hier hat das erste Antibiotikum nicht gewirkt. Normalerweise sind die häufigen Erreger für die Entzündung bekannt. Also hat der Arzt ein Alternativpräparat gewählt. Das hat gewirkt. Aber da es sich offensichtlich um einen recht widerstandsfähigen Erregerstamm handelt, könnte es sein, dass trotzdem noch Bakterien übrig sind.

Die machen zwar akut keine Beschwerden, werden sich aber in den nächsten Tagen oder Wochen "wieder melden". Dann reagieren sie höchstwahrscheinlich schon nicht mehr auf den zweiten Wirkstoff. Das wäre fatal.

Hier dient das Antibiogramm der Sicherheit, dass eine Behandlung erfolgreich war. Finden sich noch Erreger, ist eine Nachbehandlung angezeigt. Und das Antibiogramm zeigt dann auch gleich, welches Antibiotikum hier endgültig für Ruhe sorgen würde. Daher ist es in diesem Fall auch am Ende einer Behandlung sinnvoll.

» cooper75 » Beiträge: 13450 » Talkpoints: 524,56 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^