Sterben oder nicht sterben, als Patient wissen wollen?
In
diesem Thread geht man davon aus, einem Todkranken die Wahrheit zu verschweigen, dass er sterben wird. In dem Link steht, dass die Verwandten sich unaufrichtig und heuchlerisch vorkamen.
Das kann ich vollkommen verstehen, weil man in meinen Augen etwas getan hat, was wirklich nicht richtig war. Es wird ihnen leichter gefallen sein, den Kranken zu bestärken in dem Glauben, dass die Krankheit bald überwunden ist. Doch durch ihre Unaufrichtigkeit haben sie eine schwere Schuld auf sich geladen, mit der sie nun nicht zurecht kommen. Wer kann sich anmaßen, über die Gedanken, Gefühle und Wünsche eines Kranken so bestimmend zu handeln?
Das ist sehr vermessen. Das sich nun das schlechte Gewissen meldet und sie sich heuchlerisch vorkommen, ist normal. Aber das ist etwas, das sie nie wieder gutmachen können. Und es sollte ihnen für die Zukunft zu denken geben. Ob einer dieser Verwandten wohl wollen würde, dass man mit ihm genauso verfahren würde?
Möchtet ihr die Wahrheit über euren Krankheitszustand wissen? Oder würdet ihr es lieber vorziehen, wenn man euch im Ungewissen lässt, dass ihr nur noch wenige Tage zum Leben habt?
Da ich es nicht ausstehen kann, wenn man mich für dumm verkauft, möchte ich zumindest nicht angelogen werden, wenn es um meinen Gesundheitszustand geht. Man muss den Betroffenen ja nicht jede Hoffnung zerquetschen, aber man kann auch auf diplomatische Art vermitteln, dass es allmählich an der Zeit wäre, seine Angelegenheiten zu regeln. Ich gehe hier natürlich von geistig noch halbwegs klaren Patienten aus, und nicht von der 98jährigen, völlig dementen Oma, die seit fünf Jahren bettlägrig ist.
Gerade Leute, die vielleicht schon seit Jahren krank sind und bessere und schlechtere Phasen erlebt haben, können sich zudem oft selber denken, dass die Behandlungsmöglichkeiten allmählich erschöpft sind oder dass ihr Organismus einfach nichts mehr verkraften kann. Da können die Angehörigen noch so lange so tun, als würde alles wieder gut. Jedenfalls bin ich nicht der Meinung, dass man versuchen sollte, einen Schwerkranken seine Krankheit quasi auszureden. Es ist schon reichlich vermessen, jemanden in einer so wichtigen und entscheidenden Lebensphase anzulügen und allein zu lassen.
Viele Leute, die wissen, dass sie nicht mehr lange zu leben haben, möchten gerne darüber reden und noch einige Dinge klären, solange sie können. Ich halte es daher für ausgesprochen feige und unfair, den Betroffenen diese Chance zu nehmen, weil die Familie bis zum bitteren Ende alle Hinweise auf den nahenden Tod abblockt. Manchmal muss man den Tatsachen eben ins Auge sehen.
Ich möchte gerne wissen, wenn es keine Hoffnung mehr für mich gibt. Klar, ist das kein schöner Gedanke und ich wäre wohl auch ersteinmal total geschockt.
Aber nur dann wenn ich weiß, das ich bald gehen muss kann ich Vorbereitungen dafür treffen, dass es meinen Lieben danach trotzdem halbwegs gut geht. So kann sich z.B. eine Mutter von ihren Kindern verabschieden oder ihnen noch einen Brief für später schreiben.
Ich würde es auf jeden Fall wissen wollen. Immerhin betrifft es mich und dann kann ich ja auch entscheiden wem ich das sage und wem nicht. Man weiß doch in der Regel mit wem man es da zu tun hat und wer sich dann einschleimen würde, einen bemitleiden würde und so weiter und dementsprechend kann man es dann entscheiden wem man es sagt. Man kann doch nicht einfach weiterleben irgendwann sterben und dann hat man vielleicht verpasst etwas Wichtiges zu machen, nur weil man es nicht weiß.
Eure Antworten sind ganz in meinem Sinne. Auch ich möchte es auf jeden Fall wissen, wenn ich schwer krank bin und keine Hoffnung mehr für mich besteht, weiter zu leben. Als Kranker macht man sich in jedem Falle Gedanken über seinen Krankheitszustand. Und etwas kann man es auch einschätzen, ob man wieder gesund werden kann oder bald gehen muss. Kommt da noch ein Verwandter, der einem einreden will, dass es bald besser wird, dann würde ich eine so heuchlerische Person nicht mehr sehen wollen.
Es ist mein Leben und so möchte ich es auch wissen, wann ich es wieder abgeben muss. Diese Entscheidung sollte jeder akzeptieren und nicht nur an sich denken, weil es einfacher ist, dem Kranken etwas vorzuschwindeln, als ihm die bittere Wahrheit zu sagen.
Ich finde, jeder Betroffene hat ein Recht darauf die Wahrheit zu erfahren. Ich würde es auch wissen wollen, egal wie angeblich schlecht mein psychischer Zustand eingestuft wird, um sich vor der Verantwortung zu drücken mir diese Hiobsbotschaft vermitteln zu müssen.
Als Angehöriger könnte ich mir selbst das nicht verzeihen, wenn ich einem Betroffenen die ganze Zeit was vorgemacht hätte, dass er wieder gesund wird obwohl feststeht, dass er sterben wird. Ich finde so etwas macht man nicht, wenn man Anstand besitzt. Ich würde es also vorziehen, es dem Betroffenen zu sagen, egal was die Ärzte sagen, so habe ich wenigstens ein ruhiges Gewissen und lade keine Schuld auf mich, besonders da der Kranke dann selbst entscheiden kann was er mit seiner restlichen Zeit noch anstellen wird. Er kann so bewusster Leben und noch einige Dinge regeln. So würde ich es mir wünschen, wenn ich Betroffener wäre.
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