Schmerzen beim Spielen der Akustik-Gitarre?

vom 02.11.2014, 21:10 Uhr

Ich spiele sowohl auf der klassischen als auch auf der elektrischen Gitarre. Bei der elektrischen Gitarre muss man überhaupt keinen Kraftaufwand betreiben, wenn man Töne oder Griffe darauf spielen möchte, weil die Saiten ganz dünn sind und auch leicht gedrückt werden können.

Bei der klassischen Gitarre ist es schon etwas schwieriger. Als ich begonnen hatte, klassische Gitarre zu lernen, hatte ich auch oft noch Schmerzen, weil ich so fest andrücken musste. Allerdings vergingen die dann, denn erstens war ich es dann mit der Zeit gewohnt und zweitens wuchs mir eine Hornhaut bei der linken Hand, dort wo ich immer greifen musste.

Natürlich ändert sich für mich von den Griffen her auch nichts, wenn ich auf der Akustik Gitarre spiele. Allerdings ist es so schmerzhaft, da hier die Saiten ganz anders sind. Sie sind sehr hart und man braucht ganz viel Kraftaufwand, um die Saite zum Bund zu drücken, sodass sie schön klingt und nicht summt. Ich fühle mich, wenn ich auf der Akustikgitarre spiele so, als würde ich nochmals beginnen, Gitarre zu lernen.

Nun meine Frage: Ist es normal, dass es schmerzt, wenn man auf der Akustik- Gitarre spielt? Oder geht das dann, wenn man öfter in kurzen Abständen darauf spielt, wieder vorbei, wie es bei der klassischen Gitarre der Fall ist? Gibt es einen Trick, dass das Ganze nicht so schmerzhaft ist? Kann es sein, dass es unterschiedlich starke Saiten für die Akustik-Gitarre gibt und dass es welche gibt, die beim Andrücken nicht so schmerzen? Wer kann mir helfen mit seiner Erfahrung?

» nordseekrabbe » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von ten points am 02.11.2014, 21:17, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen


Klar kann das an den Saiten liegen. Zuerst müsste man wissen, was du für eine akustische Gitarre hast. Da gibt es auch unterschiedliche Modelle. Wie sehen denn deine Saiten aus? Sind die hohen G, H und E Saiten aus Metall? Dann hast du vermutlich eher eine Westerngitarre. Die habe ich auch recht schnell wieder gebraucht verkauft, weil mir die dünnen Saiten ziemlich in die Finger geschnitten haben und so stark unter Spannung standen. Zudem hat mir der Klang von meinem Modell nicht gepasst, was aber subjektiv ist. Solche Gitarren mit Stahlsaiten haben im Hals eine spezielle Verstärkung aus Metall, damit das Instrument den starken Zug der Saiten überhaupt aushält, ohne zu brechen. Starker Zug und dünne Saiten ist natürlich nicht das einfachste für Einsteiger oder Umsteiger.

Ich bin dann lieber bei meiner klassischen Konzertgitarre geblieben. Sie hat keine Metallsaiten wie oben beschrieben, sondern Nylonsaiten. Die erkennt man nicht an den tiefen E, A, und D Saiten, denn die sind da auch mit Metall umsponnen, aber haben einen Kern aus Nylon, den man nicht sieht. Dafür sieht man den Unterschied deutlich an der G, H und hoher E Saite. Diese sind aus mehr oder weniger durchsichtigem Nylon und auch dicker als Stahlsaiten. Von daher fingerfreundlicher.

Je nach Instrument werden aber auch bei den Nylonsaiten unterschiedliche Typen angeboten. Das Zauberwort heißt Tension oder Spannung. Es gibt Saiten mit hoher, niedriger oder mittlerer Spannung. Die Spannung wirkt sich auch auf den Klang aus. Aber: Saiten mit hoher Spannung sind für Anfänger schwieriger sauber zu greifen, weil man man mehr Druck ausüben muss. Allerdings kommt längst nicht jede Gitarre mit Saiten mit niedriger Spannung aus. Manche schnarren da schnell oder klingen unsauber.

Mein Tipp: Versuche mal Saiten mit niedriger Spannung, aber vielleicht nicht gleich die teuersten auf dem Markt. Ein Satz für zirka 10 Euro tut es meist auch. Wenn deine Gitarre damit gut klingt, kann man nichts falsch machen. Wenn die Saiten zu hohe Spannung haben, kann das eher zu Defekten führen.

Zudem scheinst du mir bei deiner Gitarre wohl noch nie Saiten gewechselt zu haben, wenn du noch nichts über Unterschiede weißt. Neue, preiswertere Instrumente werden oft mit schlechten Saiten ausgeliefert, so dass ein Tausch meist eine klangliche Verbesserung bringt. Bei gebraucht gekauften Instrumenten sind die Saiten oft schon so lange gespielt, dass sie auch nicht mehr gut ansprechen. Auch da lohnt ein Tausch.

Wichtig: Nie alle Saiten auf einmal entfernen, sondern nach und nach tauschen, damit die Gitarre nicht ganz entspannt wird. Sie könnte sonst Schaden nehmen!

Ansonsten hilft halt regelmäßiges kurzes, dafür häufiges Üben, um die Muskeln aufzubauen. Die braucht man halt. Lieber häufiger, als selten und lang üben und immer schön locker bleiben, damit man keine Verkrampfungen riskiert. Die können nämlich auch schmerzhaft sein.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge


trüffelsucher hat geschrieben:Wie sehen denn deine Saiten aus? Sind die hohen G, H und E Saiten aus Metall? Dann hast du vermutlich eher eine Westerngitarre

Ja genau, so eine mit sechs Stahlsaiten, meine ich. Ich dachte, es gibt nur solche Akustikgitarren. Ich wusste gar nicht, dass man eine Akustikgitarre auch mit drei Nylonsaiten kaufen kann. Also sprich: E, A, D Saite in Stahl und G, H, E aus Nylonsaiten.

Allerdings habe ich gerade im Internet nachgesehen, es kann gut möglich sein, dass es das gibt, es wird dann als Konzertgitarre, wie du schon erwähntest, bezeichnet.

Aber wäre es auch möglich, meine "Westerngitarre" einfach in eine Konzertgitarre umzuwandeln, indem ich andere Saiten kaufe? Oder ist die Westerngitarre dafür nicht gemacht, dass man solche Saiten hinauf gibt?

Ich muss zugeben, sie klingt viel schöner, wenn man darauf spielen kann, als die normale Klassik - Gitarre. Es gefällt mir auch besser als die Elektro - Gitarre. Allerdings sind wirklich binnen fünf Minuten meine Finger so am Schmerzen, dass ich gezwungener Weise einfach aufhören muss.

Ich habe mir schon überlegt, ob ich einfach ganz aufhören sollte, mit dieser Gitarre zu spielen. Sehr wahrscheinlich werde ich meine auch verkaufen, so wie du es gemacht hast und mir dann ein Instrument kaufen, an dem ich mehr Freude habe.

» nordseekrabbe » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von ten points am 05.11.2014, 22:30, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen


Wenn es ein höherwertiges Instrument ist, würde ich tunlichst jedes Experiment unterlassen. Wenn es ein billiges Instrument für 20 Euro aus dem Discounter war, kann man so experimentieren. Da ist der mögliche Verlust nicht allzu groß. Aber ich würde vermuten, dass das schief geht. Die Nylonsaiten sind dicker. Als Folge davon passen sie vermutlich auch nicht durch die Kerben am Sattel des Instruments.

Was ein Sattel ist, kannst du dir hier ansehen, falls du den Begriff als Einsteiger nicht kennst. Die Kerben kann man größer feilen, aber da die richtige Breite und Tiefe zu erwischen ist nicht einfach, vor allem als Einsteiger mit begrenzter Erfahrung. Wenn man die Saiten zu tief legt, schnarren sie, wenn man sie zu hoch legt, kann man auch Nylonsaiten schlecht greifen. Das Problem bleibt dann erhalten. Und Bruchteile von Millimetern können da schon entscheidend sein. Vorsicht!

Eventuell kann man einen Instrumentenbauer um Rat fragen, wenn man das nicht alleine kann. Aber ich sehe auch das Risiko, dass sich das Instrument beispielsweise verzieht, wenn die Saiten verhältnismäßig zu wenig Spannung haben, weil sie der falsche Typ sind. Dann kann sich ein Instrument verziehen und ist dann Schrott. Holz lebt halt und ist manchmal unberechenbar.

Ein Instrumentenbauer kann an deiner Stahlsaitengitarre auch unter Umständen die Saitenlage verändern, wenn die zu hoch sein sollte. Aber das kann man als Laie schlecht beurteilen. Dazu muss der aber das Instrument mal sehen und spielen. Ob sich das lohnt hängt vom Kaufpreis, Neupreis und Zustand ab.

Die Nylonsaiten sind übrigens alle 6 mit Nylon, falls das in meinem obigen Beitrag nicht so klar verständlich war. Nur bei den dicken Saiten sehen sie aus wie Metall, weil da die Nylonfäden eine Metallhülle haben. Gemischte Besaitung, teils aus Vollmetall, teils aus Nylon ist mir nicht bekannt. Aber ich bin auch kein Experte, sondern nur Spieler.

Was du machen kannst: Irgendwo mal eine Gitarre mit Nylonsaiten leihen oder probieren. Wenn du das besser greifen kannst, kannst du dir eventuell ein Einsteigermodell davon kaufen und dort so lange damit üben, bis die Finger kräftig sind und Hornhaut ansatzweise gebildet wird. Dann irgend wann umsteigen auf die die du hast.

Sofort würde ich die Stahlsaitengitarre noch nicht verkaufen, vor allem dann nicht, wenn dir ihr Klang besser gefallen sollte. Instrumente verlieren nicht so schnell Wert, wenn sie sachgerecht gelagert werden. Da ist es fast egal, ob du es jetzt oder erst in einem halbem Jahr verkaufst. Auf der kannst du ja auch gelegentlich mal spielen. Wenn du Platz und Geld genug hast, spricht nichts gegen eine Zweitgitarre.

Bis man ein passendes Instrument findet, kann das eine Weile dauern. Es empfiehlt sich zum Kauf auch immer jemanden zu haben, der sich auskennt und dich beraten kann. Auch für die ersten Saiten zum Tausch, dass die passen.

Wenn man auf einem Saiteninstrument nicht spielen kann, liegt das nicht unbedingt am Unvermögen. Es gibt eben auch einfach Instrumente, die so mies konstruiert sind, dass auch ein Profi die nicht richtig spielen kann. Deshalb: Auch hier wieder beim Kauf fachkundige Beratung suchen! Gib nicht so schnell auf.

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» trüffelsucher » Beiträge: 12446 » Talkpoints: 3,92 » Auszeichnung für 12000 Beiträge



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