Zahnimplantat innerhalb weniger Tage - was davon halten?

vom 12.04.2012, 18:40 Uhr

Ich habe heute bei meinem Hausarzt eine Zeitschrift gelesen. Dort wurde Werbung gemacht für eine Zahnarztpraxis. Sie versprachen Zahnimplantate in weniger als einer Woche. Ich habe mich dann gefragt, wie das funktionieren soll. Man bekommt Zähne gezogen, Abdrücke müssen gemacht werden und dann müssen die Implantate in einer Operation ja eingesetzt werden. Es wurde in dem Artikel geschrieben, dass man so das komplette Gebiss in weniger als einer Woche fertig hat und man dies auch mit einem Urlaub verknüpfen kann.

Was haltet ihr von solchen Zahnärzten? Sind diese empfehlenswert oder sollte man da hellhörig werden und lieber die Finger von lassen? Denkt ihr, dass es alles wirklich seriös ist und es auch gut gemacht werden kann, wenn es in so kurzer Zeit gemacht wird?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Ich kann davon nur abraten. Es ist auf gar keinen Fall möglich in dieser kurzen Zeit ein vernünftiges Implantat zu setzen. Zwar geht das Zähne ziehen, Abdruck machen und das Implantat einsetzen recht zügig und ist sicherlich innerhalb einer Woche machbar, wobei ich aber schon einmal ein wenig an dieser Stelle anzweifle, dass die Krone dann super genau passt und auch perfekt aussieht, denn um das hinzubekommen braucht es auch Zeit und einen guten Zahntechniker.

Das größte Problem sehe ich aber in der Abheilungsphase zwischen dem Zahn ziehen und dem Einsetzen des Implantats. Da ich selber ein Implantat erst vor etwa zwei Jahren gesetzt bekommen habe, weiß ich, dass das Abheilen am längsten gedauert hat. Ich weiß zwar nicht mehr genau wie lange das gedauert hat, aber es waren auf jeden Fall mehrere Wochen. Diesen Prozess kann man einfach nicht beeinflussen. Wenn man diese Zeit nicht abwartet kann es zu Entzündungen kommen und ein Einsetzen des Implantats ist erst gar nicht möglich.

Insgesamt war es, glaube ich, fast ein dreiviertel Jahr, bis alle Behandlungen abgeschlossen waren und bei mir der Zahn gezogen war, das Ganze abgeheilt war, das Implantat gesetzt war und letztendlich die Krone aufgesetzt war. Daher kann ich mir überhaupt nicht erklären, wie man seriös ein gutes und vernünftiges Implantat in so kurzer Zeit anbieten kann.

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» Nettie » Beiträge: 7637 » Talkpoints: -2,59 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Oh, man kann ein Implantat in so kurzer Zeit seriös einsetzen und das ganze kann auch ganz toll halten. Das Problem ist immer das "Kann", denn diese schnelle Variante hat, wie jede andere auch, Vor- und Nachteile. Sie ist nur dann geeignet, wenn der Kiefer wirklich frei von Entzündungen ist, keine Parodontitis vorliegt und der Patient idealerweise Nichtraucher ist. Das ist zwar für jedes Implantat im Mund wichtig, aber bei langsamerem Vorgehen kann die Situation während der Wartezeit deutlich verbessert werden.

Der größte Verlust an Kieferknochen findet in den ersten Wochen nach der Extraktion eines Zahnes statt. Hier wirkt das direkte Einsetzen des Stifts entgegen. In diesem Punkt ist es also durchaus nicht dumm gedacht. Die Einheilung verläuft in der Regel gut, wenn der verlorene Zahn zum Beispiel in einem völlig gesunden Gebiss gesessen hat und bei einem Unfall zerstört wurde.

Schwieriger ist der Teil mit der Krone. Die kann ein Zahntechniker zwar innerhalb weniger Stunden anfertigen, aber das Implantat ist natürlich noch nicht belastbar. Durch das direkte Aufsetzen der Oberteile neigt der Patient logischerweise dazu, damit auch nach wenigen Tagen zu kauen. Das ist allerdings eher ungünstig.

Neben dem Zustand von Zähnen und Kiefer spielt auch die Lage eine Rolle. Im Frontzahnbereich klappt dieses Vorgehen meist ganz gut, schließlich hat der ersetzte Zahn nur eine Wurzel und die einwirkenden Kräfte sind eher gering. Bei den großen Backenzähnen muss in der Wunde viel mehr Material gebildet werden und die Kräfte beim Kauen sind extrem.

Daher ist diese Art der Turboversorgung durchaus eine Alternative. Aber sie ist nur in wenigen Fällen die wirklich vernünftige Wahl. Mittelfristige Lösungen, bei denen die Implantate irgendwo zwischen 10 Tagen und 8 Wochen nach der Extraktion gesetzt werden und die Kronen später aufgesetzt werden, sind für die meisten Patienten sinnvoller. In manchen Fällen ist eine noch längere Wartezeit sinnvoll, auch wenn dann ein Knochenaufbau nötig werden sollte. Da kommt es wirklich auf den Einzelfall an. Interessierte sollten sich immer eine Zweit- oder auch Drittmeinung einholen und dann entscheiden.

» cooper75 » Beiträge: 13450 » Talkpoints: 524,56 » Auszeichnung für 13000 Beiträge



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