Zuzahlung bei notwendigen Medikamenten für Kinder gerecht?
Ich habe neulich eine bekannte Mutter in der Apotheke getroffen. Deren Kleinkind hat chronisches allergisches Asthma, wenn ich sie richtig verstanden habe. Wenn es nicht mehrmals täglich mit einem Zerstäuber Cortison inhaliert, dann verschlechtert sich die Lunge immens und das Kind bekommt massive Beschwerden. Anderes half nicht ausreichend.
Warum ich das weiß? Weil die Mutter für einen Zerstäuber für das Kind knapp 7 Euro dazu zahlen musste. Der Grund ist wohl, dass es nur einen einzigen Hersteller gibt, der das Medikament noch durch ein Patent geschützt produziert. Generika und Rabattverträge gibt es also nicht. Und der verlangt eben wohl mehr Geld, als die gesetzlichen Krankenkassen zu zahlen bereit sind. Das Ende vom Lied: Diese Mutter muss rund alle zwei Monate den Zusatzbetrag zahlen, weil sich Pharmafirma und Kassen nicht einigen. Und das obwohl das Kind wie alle Kinder von der Zuzahlung eigentlich befreit ist.
Klar kann fast jeder mal 7 Euro verschmerzen. Aber bei chronisch kranken Kindern ist das ja nicht die einzige Mehrausgabe, die durch die Krankheit bedingt ist. Und man benötigt ja in einem Jahr auch deutlich mehr als eine Packung des Medikaments so dass man je nach Schwere der Krankheit schon auf hundert Euro Zuzahlung im Jahr kommen kann. Allein mit diesem Zerstäuber. Andere Eltern haben das Geld dann eben übrig für Spielzeug.
Ich hatte sie dann mal gefragt und sie hat mir schon erzählt, dass sie zum Beispiel das zwingend notwendige Inhaliergerät nur teilweise erstattet bekam. Die Kasse hätte nur ein ungeeignetes Modell ganz übernommen, was ihnen nichts gebracht hätte. Über das Jahr zahlen sie für das Kind und seine Gesundheit noch diverses anderes dazu. Die Eltern zahlen das zwar, weil ihr Kind das braucht, aber ich kann schon nachvollziehen, dass sie sich ungerecht behandelt fühlen, dass ihr Kind unverschuldet krank ist, aber sie auf so vielen Ausgaben sitzen bleiben und andere Leute bei selbst verschuldeten Krankheiten fast kostenlos versorgt werden.
Möglicherweise kann man das Geld auch wieder irgendwie erstatten lassen. Aber das ist für Eltern mit chronisch kranken Kindern wie ich finde eine unnötige Mehrbelastung, weil die eh schon viel mehr Stress mit der Pflege haben, als andere Eltern.
Verglichen mit anderen Ländern haben wir ein gutes Gesundheitssystem. Aber in solche Fällen trifft das meiner Meinung nach die falschen. Findet ihr so eine Regelung fair? Oder findet ihr, dass man generell auch für Kindermedikamente mehr zuzahlen sollte? Oder seht ihr eher wie ich die Gefahr, dass Eltern, die knapper bei Kasse sind dann auch mal nötige Medikamente nicht geben, weil es eben zu teuer ist? Sollte das besser geregelt werden?
Ich brauche für mein Asthma diverse Medikamente und zahle pro Doppelpack nur 5 Euro dazu. Vielleicht sollte die Mutter den Arzt mal ansprechen und versuchen Großpackungen zu bekommen. Dass man für Kinder dazu zahlen muss ist mit neu. Eine Bekannte hat ein stark asthmakrankes Kind und sie muss nichts hinzuzahlen. Sie hat sogar den "Pari Boy" Inhalator von der Kasse voll gezahlt bekommen. Die Medikamente bekommt sie auch in Großpackungen, wo immer 2 Asthmasprays drin sind und das bekomme ich auch.
Selbst ich als erwachsener chronisch kranker Asthmatiker zahle nur pro Großpackung 5 Euro und auch für den "Pari Boy" Inhalator für Erwachsene habe ich nur 5 Euro hinzu gezahlt. Vielleicht kommt es auf die Krankenkasse an. Ist denn die Mutter privat versichert? Bei der AOK muss man als Kind nichts hinzu zahlen und als Erwachsener nur 5 Euro pro Artikel, denn man aufgeschrieben bekommt, wenn es verschreibungspflichtige Mittel sind.
So weit ich weiß ist die Familie gesetzlich versichert. Gesprochen haben sie mit der Kasse schon. Außer ein paar nette und verständnisvolle Worte war da aber nichts zu erreichen.
Das Kind ist wie gesagt ein Kleinkind. Und als es den Inhalator brauchte, war es noch sehr klein. Um es genauer zu sagen: Es brauchte da einen speziellen PariBoy für sehr kleine Kinder. Den für ältere Kinder und den für Erwachsene zahlt die Kasse wohl tatsächlich. Aber den für die ganz kleinen Kindern nicht ganz, weil der wohl irgendwie teurer im Preis ist. Aber einen anderen kann man wohl laut Kinderarzt nicht effektiv genug nutzen. Ich weiß nicht, ob das bei allen Kassen so ist oder nur bei deren.
Die Mutter hat sich wohl auch schon im Internet schlau gemacht und gesehen, dass andere Eltern mit dem Medikament für ihr Kind auch zuzahlen müssen. Und das bei vielen Kassen. Je nach Kasse ist das wohl auch immer ein wenig mehr oder weniger Zuzahlung. Aber etwa vergleichbar viel. Aber nicht so viel Unterschied, dass sich ein Kassenwechsel entscheidend verbessernd auswirken würde.
Welches Medikament das ist, weiß ich nicht mehr. Die Packung war so rosa, weiß. Aber wenn euch das interessiert, kann ich bei Gelegenheit mal nachfragen. Ich weiß nur nicht, ob das so wichtig ist,
Wenn Erwachsene anscheinend sogar gerechter behandelt werden, wenn sie Asthmatiker sind, dann finde ich das zwar schön für die betroffenen Erwachsenen, aber nicht fair für solche Eltern.
Zudem ich vorhin vergessen habe zu erwähnen, dass so ein Schicksal die Familie eben auch anderweitig finanziell trifft. Bei anderen Familien können ab einem gewissen Alter beide Elternteile arbeiten gehen, wenn das Geld knapp ist. In der Familie findet die Frau einfach keinen flexiblen Arbeitsplatz, wo es nicht schlimm ist, wenn das Kind mal wieder unplanbar ausfällt und nicht regelmäßig in eine Einrichtung gehen kann. Und ein Einkommen weniger plus Zusatzausgaben, das macht sich dann schon bemerkbar.
Habe heute Früh die Mutter mal getroffen. Es handelt sich wohl um das Medikament Flutide. Die genaue Dosierung hatte sie jetzt auch nicht im Kopf, aber sie glaubte sich zu erinnern, dass es die geringste erhältliche ist.
In der Packung, für die sie knapp 7 Euro gezahlt hat, war auch nur ein so ein Zerstäuber drin. Und der kann laut Hersteller mindestens 120 mal sprühen. Das heißt, dass der bei ihrem Kind je nach Zustand des Kindes etwa einen Monat reicht, eventuell auch etwas länger, wenn das Kind fitter ist.
Auf andere Produkte kann sie wohl nicht ausweichen, laut ihrer Kinderärztin. Vielleicht könnt ihr damit ja mehr anfangen. Und vielleicht hat ja einer schon Erfahrungen gemacht, dass es doch Alternativen gibt, die nicht so teuer sind? Und warum darf das sein, dass die Hersteller einfach irgend welche Preise fest legen?
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