Warum nehmen Ärzte ihre Patienten nicht so, wie sie sind?
Ich kenne einen Orthopäden, der in einer Klinik arbeitet und den ich öfters sehe. Er hat mir neulich erklärt, dass er von vielen Hausärzten kein gutes Bild hat, denn diese würden oft an ihren Patienten herumnörgeln und die Patienten nicht so nehmen, wie sie sind. Das empfinde er aber als essentiell. Er sage auch den Patienten, wie sich sich bei bestimmten Problemen verhalten sollten und gibt Empfehlungen. Aber wenn diese es dann nicht machen, dann hacke er nicht immer wieder darauf herum. Wenn er etwa einem Patienten mit Arthrose rate, abzunehmen und der mache es nicht und der wolle auch nicht zur Ernährungstherapie, dann sei es eben so. Damit müsse man als Arzt leben.
Damit hat er meiner Ansicht nach recht. Viele Ärzte beharren immer so auf ihren Vorstellungen und werden sehr unfreundlich, wenn man sich nicht so verhält, wie sie es gerne hätten. Mich hat auch mal ein Arzt angemeckert, weil er meinte, ich solle im Bett liegen bleiben und das habe ich nicht gemacht oder ein anderer hat mir in einem Befehlston gesagt, was ich machen soll und wurde pampig, als ich mich dagegen gewehrt habe. Daher finde ich die Einstellung des Orthopäden, dass man die Patienten eben so nehmen muss, wie sie sind, bedeutend besser. Das ist ja auch für die Arzt-Patienten-Beziehung angenehmer, denn wer will schon einen rabiaten, nörgelnden Arzt?
Warum ist das aber eine Ausnahme? Warum machen das so viele andere Ärzte nicht und hacken dann immer wieder auf Patienten herum, die nicht machen, was sie wollen?
Für einen halbwegs engagierten Arzt ist es ziemlich schwierig zuzusehen, wie sich ein Patient zu Grunde richtet. Bei so vielen Erkrankungen bringt eine Veränderung des Lebensstils mehr als Medikamente. Sei es die Gewichtsabnahme, die Ernährungsumstellung und die Veränderung des Lebensstils bei Typ II Diabetes oder Erkrankungen von Herz- und Kreislauf oder eben bei orthopädischen Problemen.
Der Patient nimmt oft den bequemsten Weg und Pillen. Was das aber für seine Zukunft bedeutet, das wird verdrängt. Irgendwann werden dann zig Medikamente für die Erkrankungen benötigt und dazu ebenso viele Präparate, um die Nebenwirkungen in den Griff zu bekommen. Ist das Knie kaputt und der Patient extrem schwer und schlecht bemuskelt, ist auch bei einer Knieprothese schlecht. Dem Arzt ist das völlig klar, dem Patienten ist es zu unbequem. Und wer ständig gegen eine Wand redet, der wird eben auch einmal deutlich. Er hört sich später das Gejammer an, dann ist aber nicht mehr viel zu machen.
Natürlich kann und soll eine Mediziner seine Patienten nicht völlig verbiegen und so hohe Ansprüche stellen, dass der Betroffene schon vorher weiß, dass er es nicht schafft. Aber nur einmal etwas sagen und den Patienten dann ins offene Messer laufen lassen, ist auch keine Option. Sicherlich ist jeder selbst für seinen Körper und seine Gesundheit verantwortlich. Aber gerade weil Veränderungen so schwer fallen, sind ständige Mahnungen und manchmal auch deutliche Wort nicht generell falsch.
Ich denke, die Formulierung, die Patienten würden nicht machen, was die Ärzte wollen ist falsch. Die Patienten machen das nicht, wovon die Ärzte glauben zu wissen, dass es ihren Patienten Schmerzen und manchmal sogar einen schleichenden Tod ersparen würde. Und damit erklärt sich auch, warum sie so darauf beharren. Sie halten es für das Beste. Wenn dir ein Kumpel sagt, er kann mit dem Kopf einen Ziegelstein zertrümmern, würdest du auch versuchen, ihn davon abzuhalten.
Aber sicherlich muss das eine Grenze haben. Da muss der Arzt individuell entscheiden. Jemand, der einfach nicht den Willen aufbringt, ein bisschen auf seine Ernähung zu achten, um seine Arthrose zu lindern, braucht oftmals einfach einen Tritt in den Allerwertesten und muss es mehr als ein Mal hören. Wenn man allerdings seinem Arzt erklären kann, warum man keinen Tag im Bett bleiben kann, sollte er das einsehen. Und vor allem kommt es auf den Ton an. Herablassend und nörgelnd sollte der sicherlich nicht sein.
Ich habe meinem Frauenarzt erklärt, dass ich von der Pille und damit von den Hormonen weg will. Er hat mir daraufhin die Hormonspirale empfohlen. Ich habe mich informiert und beim nächsten Termin gesagt, dass ich sie nicht will. Er ist richtig laut geworden und hat auf Frauen und andere Ärzte geschimpft, die die tolle Hormonspirale verteufeln. Gut, das ist jetzt bisschen überspitzt, aber mir war es schon unangenehm, wie er da plötzlich loswetterte. Das fand ich total daneben.
Hierbei ging es aber auch nicht um so etwas eindeutiges wie bessere Ernährung bei Arthrose. Da sind sich ja wohl alle Ärzte einig. Und wenn dann ein Patient praktisch der ganzen internationalen Ärzteschaft widerspricht, kann das schon mal einen Arzt verzweifeln lassen. Man muss ja auch sehen, dass er ähnliches womöglich mehrmals täglich erlebt und auch oft die Folgen davon sieht, wenn nicht auf ihn gehört wird.
Ich denke das viele Menschen Übergewicht unterschätzen. Du stellst es quasi gleich mit einer schiefen Nase oder einem auffälligen Muttermal. Es ist eben so. Man ist quasi damit geboren. Kann man nicht ändern. Und eben das finde ich falsch. Denn Übergewicht ist nicht angeboren und es bedarf auch keines komplizierten chirurgischen Eingriffes, um daran etwas zu ändern. Daneben wird die schiefe Nase an deiner Gesundheit nichts ändern, das Übergewicht aber schon. Ich bin keine Medizinerin, aber ich kann nur sagen, dass ich anders handeln würde, als dein Orthopäde, wenn ich Medizinerin wäre. Denn für mich ist Übergewicht keine Tatsache, die man hinnehmen sollte, weil es einfach so ist. Die Person hat sich das Übergewicht angefressen und sie bekommt es auch mit eigener Kraft wieder runter.
Und ich finde es nicht in Ordnung, dass Übergewicht als ein ''kleiner körperlicher Makel'' betrachtet wird, der eben so ist und wo die Patienten mit angenommen werden müssen, weil es dazu gehört. Das ist es nicht! Es gibt auch keine Ausreden hierfür! Schilddrüsenunterfunktion? Ich kenne so einige die das haben. Aber ich kenne keinen der das hat und dagegen keine Tabletten nimmt. Angeborene Neigung zum Übergewicht ist erst recht keine Ausrede. Wenn ich ohnehin schon weiß, dass viele in meiner Familie dick sind, ist gerade das ein Grund, aufzupassen. Und selbst wenn man das erst mit 20 oder später realisiert, wo man schon pummelig ist, man muss es nicht bleiben! Ehrlich gesagt finde ich es unverschämt, wenn Menschen meinen man müsse sie so nehmen wie sie sind, mit ihrem Übergewicht. Für mich ist das ein Mangel an Disziplin der mit dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems einhergehen könnte und da hört der Spaß auf.
Der Staat gibt ungeheure Summen im Jahr für Übergewichtige aus. Wenn ich Ärztin wäre und da würde jemand kommen und dauernd wegen einer Krankheit meckern, die ganz klar durch das Übergewicht entstanden ist, dann würde ich ihm sicherlich etwas dagegen verschreiben, aber ihm auch zum Abnehmen raten. Und wenn er dann nochmal und wieder kommt und ich sehe kein Resultat, dann hätte ich ehrlich gesagt auch genug. Irgendwann ist auch mal Schluss. Man kann sich nicht vollstopfen und ungeheure Mengen an Fett deponieren und dann rumheulen, weil es schlechte Konsequenzen hat. Da machen die Personen es sich etwas zu einfach, wenn sie denken, sie können einfach so weiter machen, die Ärzte werden sie schon mit Tabletten füttern.
Klar kann man als Arzt sagen, ach es ist mir egal wenn XY einen Winterurlaub mit seiner Lungenentzündung macht, aber Tatsache ist, solche Patienten möchte man dann auch nicht haben, denn dann hat die Therapie auch gar keinen Sinn weil der Patient sich dagegen einfach wehrt. Und wenn der Arzt nicht einmal die Chance bekommt eine Therapie vorzuschlagen und diese nicht vom Patienten angenommen wird, fragt man sich, wofür so ein Patient denn dann überhaupt noch zum Arzt geht, wenn er sowieso alles besser weiß. Weil er verschreibungspflichtige Medikamente braucht vermutlich. Dann können wir die Ärzte demnächst auch durch Automaten ersetzten. Es ist eben Fakt, dass Ärzte meist besser wissen, was gut für einen ist. Deswegen sind sie Ärzte. Und deswegen sollte man auch auf sie hören und nicht meinen, man wüsste alles besser. In dieser Hinsicht weicht meine Meinung dann doch ganz ordentlich von deiner ab.
Wenn ich ein Verhalten an den Tag lege, das meine Gesundheit auf lange Sicht schädigt oder die Genesung bei einer akuten Erkrankung hinaus zögert - warum sollte ein guter Arzt das dann einfach so hinnehmen, sich zurücklehnen und sich denken "hach, so ist sie halt, hat ja jeder seine Eigenheiten"?
Das ist nicht sein Job, dafür ist er nicht ausgebildet und letztendlich erwarte ich das auch nicht von einem Arzt. Wenn ich Anweisungen bekomme, die ich nicht so toll finde ist das mein Problem und nicht das Problem meines Arztes. Niemand hört gerne, dass er aufhören soll zu rauchen oder, dass er abnehmen soll, aber nur weil man etwas nicht hören will ist es deshalb noch lange nicht falsch oder sollte nicht kontinuierlich angesprochen werden.
Wenn ich in einem anderen Bereich einen Fachmann zu Rate ziehe halte ich mich doch auch an das, was er mir sagt, weil er von der Materie einfach mehr Ahnung hat. Wenn mir meine Werkstatt sagt, dass ich den Auspuff machen lassen muss weil ich sonst nicht durch den TÜV komme schmolle ich doch auch nicht wie ein kleines Kind und werfe dem KFZ-Mechaniker vor, dass er eine zu negative Einstellung hat.
Ja, der Ton macht die Musik und es kommt mehr darauf an, wie man jemandem etwas sagt. Aber wenn man selber erwartet, dass man von seinem Arzt so genommen wird wie man ist, muss man diesen Anspruch auch vorleben. Dann muss man den Arzt nämlich auch so nehmen wie er ist und nicht jeder Mensch ist eben der geborene Diplomat, manch einer bevorzugt eben den direkten Weg.
Du hältst zwar große Stücke auf deinen Orthopäden, den du schon in anderen Threads erwähnt hast, aber seine Ansicht kann ich nicht teilen. Wenn ein Patient nachweislich zu dick ist, kann sich das mit auf die Arthrose auswirken, aber nicht alleine der Grund sein. Adipositas trägt zu manchen Krankheiten mit bei, so auch zur Arthrose. Diese Krankheit kann nicht nur durch Abnehmen geheilt werden, das weiß auch dein Orthopäde.
Wenn er dem Patienten nun sagt, dass er abnehmen muss ist das richtig. Aber wenn der Patient es nicht macht, kann er nicht einfach wegsehen und nichts mehr sagen. Da er im Krankenhaus arbeitet, wird es für ihn lohnender sein, dem Patienten in absehbarer Zeit ein neues Gelenk zu verpassen, als ihn nochmals zur Gewichtsabnahme zu veranlassen.
Ich finde es auch nicht nett von ihm, so von seinen Kollegen, den Hausärzten zu sprechen. An mir hat noch kein Arzt herumgenörgelt und mir auch keine Anweisung im Befehlston erteilt. Aber wenn ein Arzt einem Patienten zu seinem eigenen Wohl eine Empfehlung gibt, sollte man die überdenken und nach Möglichkeit auch befolgen.
Es ist mir schon klar, dass dir die Aussage, den Patienten so zu nehmen, wie er ist, entgegenkommt, weil sie deinem Naturell entspricht. Aber bringt sie dich auch weiter? Einen Arzt, der auf Patienten herum hackt, habe ich noch nicht erlebt. Das wird sich kein Arzt herausnehmen.
Dein Orthopäde handelt aus rein wirtschaftlichen Gründen. Denn wenn Patienten die Ratschläge der Ärzte nicht annehmen, dann werden sie halbwegs regelmäßig in der Praxis sitzen und das bedeutet am Ende Geld für den Arzt. Man könnte wohl auch überspitzt sagen, dass solche Patienten bei dem Arzt die Dollarzeichen in den Augen blinken lassen. Und ob das dann für den Patienten wirklich so gut ist, kann man dann natürlich hinterfragen.
Und wenn dir ein Arzt Bettruhe verordnet, dann wird er das bestimmt nicht ohne Grund machen. Dass du dabei auch mal raus musst, weil eben sonst niemand da ist, um für dich einzukaufen, ist auch den Ärzten bewusst. Aber sie gehen auch davon aus, dass du erwachsen genug bist, um zu wissen, dass notwendige Dinge auch erledigt werden müssen und dazu die Bettruhe unterbrochen wird.
Ich kann beide Seiten verstehen. Sicher sollte man die Menschen so nehmen, wie sie sind, weil man sie auch als Arzt nicht ändern kann. Aber ein Arzt gibt die Ratschläge doch nicht, weil er die Patienten ärgern oder ihnen schaden möchte. Er möchte seinen Patienten doch helfen, eine Krankheit in den Griff zu bekommen, damit sich die Patienten besser fühlen. Ich kann es mir schon vorstellen, dass es dann frustrierend sein kann, wenn die Patienten immer wieder mit den gleichen Beschwerden in die Praxis kommen, weil sie die Ratschläge nicht befolgen wollen und es so eben auch nicht besser wird.
Dann braucht man die Patienten sicher nicht anzumeckern, aber ich verstehe es dann schon, dass man einen eindringlichen Ton anschlägt, um den Patienten klarzumachen, dass man ihnen mit den Tipps doch nur helfen möchte. Der Orthopäde, den du kennst, macht es sich meiner Meinung nach zu leicht, wenn er den Patienten zwar Ratschläge gibt, es ihm aber egal ist, ob diese befolgt werden. Von einem guten Arzt mit wirklichem Interesse an seinen Patienten erwarte ich auch, dass er auch mal Klartext redet, wenn das hilft.
Weißt du denn wie es frustriert, wenn man genau weiß was aus manchen Menschen wird und die einfach nicht auf einen hören? Es wird immer nur geschimpft, dass die Ärzte schlecht sind und warum? Weil keiner hören will, dass er etwas falsch macht. Keiner will hören das Abnehmen besser wäre, Bewegung dem Körper gut tut und so weiter. Dass man dann aber immer wieder hinkommt und der Arzt einem immer wieder dasselbe erzählen müsste will man ja auch nicht. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, was so schlimm an einem Arzt ist, der ehrlich ist und sagt was er denkt.
Wenn man es nicht machen will ist es ja gut und schön, aber man sollte dem Arzt doch einfach seine Meinung lassen. Menschen sind manchmal wirklich komisch. Ärzte stehen doch schon genug unter Stress, muss man sich dann wirklich nicht aufregen, wenn sie ehrlich sind?
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