Freiheit durch Insulinpumpe oder eher Einschränkung?

vom 08.08.2014, 22:11 Uhr

Eine Bekannte von mir ist Diabetikerin. Sie soll nun eine Insulinpumpe bekommen. Der Arzt hat sie schon zu dem Diabetologen überwiesen. Meine Bekannte hat aber kein gutes Gefühl. Sie meint, dass sie doch mit der Pumpe viel mehr eingeschränkt ist. Sie kann keinen Bikini mehr tragen, sie kann nicht mehr ins Schwimmbad, ihr würde es unangenehm sein sich vor einem potentiellen Partner auszuziehen (sie ist noch Single) und sie meint, dass es bestimmt unangenehm ist.

Nun hat sie aber auch schon genau das Gegenteil gehört, dass sie sich damit viel freier bewegen kann, nicht mehr ständig messen und spritzen muss und dass man sich damit einfach freier fühlt.

Hier im Forum sind ja auch Diabetiker oder User, die Familienangehörige haben, die Diabetiker sind. Ist so eine Insulinpumpe eher eine Einschränkung oder eher befreiend, wenn man sie trägt? Wie ist das Tragegefühl einer solchen Pumpe? Fühlt man sich dann nicht immer irgendwie krank? Das glaubt meine Bekannte nämlich.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Deine Bekannte kann sich glücklich schätzen, dass man ihr die Insulinpumpe angeboten hat. Bei vielen Patienten stellen sich die Krankenkassen quer oder man hat den falschen Arzt gewählt. Gerade bei älteren Patienten, die es ja eh schon gewohnt sind zu spritzen, macht man es ihnen unnötig schwer. Aber auch bei Kindern, die gerade an Diabetes erkrankt sind, kommt es auch heute noch vor, dass man sie nicht direkt an die Insulinpumpe heranführt und das finde ich eine Frechheit.

Deine Bekannte sollte sich nicht so einen Kopf machen. Wenn sie sich aber so wie es momentan ist sicherer fühlt, sollte sie diese Behandlung auch beibehalten. Aber ich kann dir sagen, dass man natürlich auch noch ins Schwimmbad gehen kann. Die Pumpe muss nicht nonstop angeschlossen sein. Es gibt mittlerweile auch schon kleinere Modelle, die wie ein kleines Ei direkt auf der Haut sitzen. Dabei entfällt die Verbindung Kanüle zur Insulinpumpe und man muss nicht gucken wo man diese befestigen kann. In einer Partnerschaft sollte so etwas kein Problem sein. Und wenn doch ist es nicht der richtige Mann.

Ich würde die Pumpe ganz klar vorziehen und bin froh, dass mein Neffe sie auch hat. Es ist doch besser so ein kleines Gerät an der Kleidung zu tragen statt sich täglich einige Male sein Insulin spritzen zu müssen. Mit der Pumpe kann man entweder am Gerät selber oder per Fernbedienung eingeben wie viel Insulin verabreicht werden soll. Es bleiben nur noch die kleinen Piekser beim Messen und das Legen der Kanüle alle paar Tage.

Der Vorteil der neuen Pumpe meines Neffen ist bspw. auch, dass sie direkt den Blutzucker mitmisst und die stetige Insulingabe bei Bedarf auch stoppt. Hilfreich ist auch, dass die Geräte die Menge des Insulins vorschlagen. Das kann einem gerade am Anfang, wenn man noch unsicher ist, helfen. Und um es mal überspitzt zu formulieren. Es ist viel unauffälliger eben ein paar Knöpfe zu drücken statt sein Spritzbesteck hervorholen zu müssen. :wink:

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» Sonty » Beiträge: 1997 » Talkpoints: 20,24 » Auszeichnung für 1000 Beiträge


Ich bezweifle, dass der Hausarzt Deiner Bekannten die Insulinpumpe vorgeschlagen hat und erst dann zum Diabetologen geschickt hat beziehungsweise hätte die diabetologische Versorgung schon direkt bei dem Facharzt für Diabetologie stattfinden müssen. Denn einfach so bekommt man aufgrund der hohen Anschaffungskosten keine Insulinpumpe, sondern viele Personen müssen darum kämpfen. Dabei ist es bislang das Beste an Therapie, was ein Diabetiker bekommen kann.

Letztendlich ist es eine Einstellungssache. Ich konnte mir auch zu Beginn nie vorstellen, eine Insulinpumpe zu tragen, inzwischen sehe ich es anders und das Leben spielt sich ganz anders ab. Zu allererst muss man nämlich nicht mehr mit Spritzen und Pens hantieren. Denn diese immer in der Öffentlichkeit herauszuholen ist nicht ohne einen gewissen Aufwand verbunden. Ich würde daher auch gern einfach mal wissen wollen, wie sie denn das Spritzen empfindet. Auch die Gedanken, sich immer zu bestimmten Zeitpunkten dann das Insulin über den Pen zu geben, musste man haben. Man war doch sehr viel abhängiger.

Ich sehe es ja bei mir. Für mich ist die Insulinpumpe die ultimative Therapie. Nicht nur, dass sich damit meine Werte bis auf wenige Momente wirklich stabilisieren, es ist generell nachgewiesen, dass Folgeschäden da weniger auftauchen. Aber abgesehen davon ist es auch so, dass eine Insulinpumpe recht diskret ist, da sie nicht größer als eine Zigarettenschachtel ist. Inzwischen gibt es dafür zwei Optionen, man kann eine Schlauch gebundene Insulinpumpe verwenden, da ist man dann eben praktisch verbunden. Man kann aber auch eine Patchpumpe bekommen, bei der man dann ein etwa Ei großes Gerät direkt auf die Haut klebt. Diese Patchpumpe wird dann mit dem Blutzuckermessgerät, was gleichzeitig die Fernbedienung ist, bedient.

Ehe da eine Entscheidung getroffen wird, sollte sich diese Dame einfach mal unverbindlich erkundigen, sich mit anderen Diabetikern, die eine Insulinpumpe tragen, auseinandersetzen und beim Facharzt für Diabetologie eben auch die Pumpen sich zeigen lassen. Gegebenenfalls kann diese auch mit einer nicht für den Körper schädlichen Kochsalzlösung zur Probe getragen werden, um das Gefühl dafür zu bekommen.

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» *steph* » Beiträge: 18439 » Talkpoints: 38,79 » Auszeichnung für 18000 Beiträge



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