Im Notfall abgelehnt - Arzt der Krankenkasse melden?
Ich hatte diesen Sommer ein paar Tage lang Atemnot. Nach der vierten Nacht, in der ich gar nicht schlafen konnte, sondern aufrecht stundenlang nach Luft geschnappt habe, habe ich mich entschlossen, einen Arzt aufzusuchen. Wir sind vor vier Jahren umgezogen und haben uns seitdem noch nicht um einen Hausarzt bemüht.
Daher blätterte ich im Telefonbuch und rief die nächstgelegene Ärztin an und schilderte fast Wort für Wort mein Anliegen, weil ich ganze Sätze gar nicht mehr rausbekam. Die Sprechstundenhilfe lehnte ab, dass mich die Ärztin empfangen würde. Immerhin sei ich keine Patientin bei ihnen und sie seien nächste Woche im Urlaub und daher diese Woche sehr im Stress.
Daraufhin habe ich den nächsten Arzt angerufen, wo ich wieder abgelehnt wurde. Die Sprechstundenhilfe empfahl mir eine andere Praxis, was aber genau die war, bei der ich eine Minute zuvor abgelehnt wurde. Als sie keine weitere Alternative wusste, legte ich heulend auf.
Letztlich hat mich mein Mann in die Notaufnahme gefahren, die mir auch sofort ein Mittel gespritzt haben. Ich war dann zwei Nächte im Krankenhaus. Im Entlassungsbrief steht auch, dass ich bei Aufnahme "psychisch empfindsam" gewesen sei, was ich nur betätigen kann, obwohl ich dachte, ich hätte mich zusammengerissen. Aber die zwei Ablehnungen in der Situation haben mich echt fertiggemacht.
Nun überlege ich, ob ich diese zwei Ablehnungen meiner Krankenkasse melden soll. Ärzte haben ja die Verpflichtung, Notfälle zu behandeln, wenn sie sich nicht der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen wollen. Dies gilt aber so konkret wohl nur, wenn der Patient schon in der Praxis steht. Dann ist es ihm nicht zuzumuten, wieder zu gehen und sein Glück woanders zu suchen. Ich hatte ja nur telefonisch angefragt. Auch war mein Fall sicher kein lebensbedrohlicher Notfall. Und es gibt ja Alternativen wie den Krankenwagen zu rufen oder in die Notaufnahme zu fahren.
Aber es wird ja allgemein dazu aufgerufen, Fälle solcher Ablehnungen zu melden. Die Krankenkassen sollten eben Bescheid darüber wissen. Es kann ja sein, dass ein Arzt ständig Patienten ablehnt und wenn sich keiner dieser Patienten meldet, erfährt davon niemals jemand etwas. Aber ich will auch auf keinen Fall jemanden anschwärzen oder dass den Ärzten da Nachteile entstehen. Ich kann ja nachvollziehen, warum sie mich ablehnten.
Wie reagieren Krankenkassen denn auf solche Meldungen? Ich denke, mein Fall wäre nur eine Aktennotiz wert und wäre eben nur ein weiteres Indiz, falls für diese Ärzte mehrere Beschwerden eintrudeln. Oder wird da jedes Mal bei der Praxis nachgefragt? Oder verlieren sie automatisch die Lizenz ab einer gewissen Anzahl an gemeldeten Fällen oder ähnliches?
Was würdet ihr tun? Würdet ihr die Fälle melden? Oder gehören sie nicht in die Kategorie Notfall und meldewürdig? Würdet ihr es vielleicht anonym melden, damit es nur als Vermerk in den Akten landet und sich nicht weiterentwickelt? Habt ihr schon mal einen Fall von Ablehnung durch einen Arzt eurer Krankenkasse gemeldet?
Ich finde schon, dass es sich um einen Notfall gehandelt hat. Immerhin hattest du Luftnot und da bekommt man doch auch schnell Panik, wenn man eben nicht richtig atmen kann. Du hast den Sprechstundenhilfen doch auch genau geschildert, was dir fehlt und ich bin der Meinung, dass sie dich nicht hätten einfach abweisen dürfen.
Vielleicht ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber irgendjemand muss mal den Anfang machen. Daher würde ich es durchaus der Krankenkasse melden. Mir wurde auch schon mal geraten, mich wegen einem Arzt an die Krankenkasse zu wenden, der mich nicht korrekt behandelt hat. Damals war ich durch diesen Arztbesuch so fertig und eingeschüchtert, dass ich das nicht gemacht habe. Aber im Nachhinein habe ich mich darüber geärgert, weil dieser Arzt nun einfach so weiter machen kann. Auch wenn es die erste Beschwerde ist, vielleicht kommen noch welche dazu und irgendwann bringt es dann etwas. Man kann sich als Patient auch nicht einfach immer alles gefallen lassen, sollte man auch nicht.
Soweit ich weiß wohnst du doch eher ländlich. Gerade da finde ich es wichtig, dass Ärzte dort gemeldet werden, wenn sie Patienten ablehnen. Immerhin ist die Ärztedichte ja auch nicht besonders hoch und flächendeckend. Ich finde schon, dass du ein ernsthaftes Anliegen hattest und dass man das nicht herunterspielen sollte. Schließlich dauerte dein Zustand mehrere Tage und ich finde, wenn man dann panisch wird, weil man die Kontrolle über seinen Körper verliert, kann das alles noch schlimmer werden.
Man stelle sich mal vor, wie die Sprechstundenhilfe reagiert hätte, wenn jemand mit größeren gesundheitlichen Problemen Hilfe benötigt hätte. Gerade Luftnot sollte man nicht unterschätzen, weil bei Sauerstoffunterversorgung das Gehirn irreparabel geschädigt werden könnte, was im Extremfall auch zum Tod führen könnte. Ich finde es absolut verantwortungslos, wenn man in so einem Fall abgelehnt und als "Bagatelle" abgestempelt wird. Bei einer Großstadt wäre mir das vermutlich egal, da ist die Ärztedichte in der Regel auch so hoch, dass man im Prinzip alle 30 Meter den nächsten Arzt findet. Auf dem Land sieht das aber anders aus und bis man den nächsten Arzt gefunden hat, bei dem man nicht abgelehnt wird, können wertvolle Minuten vergehen.
Ich persönlich würde diese beiden Ärzte bei der Krankenkasse melden. Mag sein, dass mein Vorredner da Recht hat und das nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, aber wenn sich mehrere beschweren könntet ihr etwas bewirken.
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