Wie funktioniert ein Schubladentest, für wen ist er wichtig?

vom 06.09.2014, 10:37 Uhr

Kürzlich traf ich einen alten Bekannten beim Arzt. Er humpelte und meinte, dass sein Bein nicht in Ordnung sei und der Arzt es untersuchen wollte. Die Rede war wohl auch vom Schubladentest. Er konnte mir jedoch nicht sagen, was das genau ist, also was gemacht würde.

Ich habe noch nie etwas von Schubladentest gehört und kann mir nichts darunter vorstellen. Was passiert genau, wenn ein Schubladentest gemacht wird? Ist das sehr schmerzhaft? Bekommt man eine Spritze gegen Schmerzen oder wie läuft das ab?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Ein Schubladentest gehört zu den unfallchirurgisch-orthopädischen Untersuchungstechniken. Hierbei soll die Stabilität der Kreuzbänder im Knie getestet werden. Hiervon gibt es in jedem gesunden Knie zwei Stück - ein vorderes und ein hinteres.

Beim Gesunden sind die Kreuzbänder unter anderem dazu da eine Translation zu begrenzen, also die Verschieblichkeit im Kniegelenk nach und hinten zu begrenzen. Nebenbei stabilisieren sie das Knie auch bei Beugung seitlich und unterstützen damit die Seitenbänder.

Für die Schubladentests kommt es aber auf die Translation an. Man versucht im Grunde also zu testen ob man den Oberschenkel im Vergleich zum Unterschenkel nach vorn oder hinten verschieben kann. Dazu fixiert man den Unterschenkel indem man sich zum Beispiel auf den Fuß setzt und versucht dann beim gebeugten Knie zunächst den Unterschenkel nach vorn zu ziehen. Gelint dies dem Untersucher ist der vordere Schubladentest positiv und deutet auf einen Riss des vorderen Kreuzbandes hin oder zumindest eine gewisse Laxizität. Analog dazu kann man genauso den hinteren Schubladentest durchführen. Hierbei versucht man den Unterschenkel im Vergleich zum Knie und Oberschenkel nach hinten durchzudrücken. Gelingt dies ist das ein Zeichen für eine Schwäche oder Schädigung des hinteren Kreuzbandes.

Man muss aber bei diesen Test auch immer beachten wo der Unterschenkel überhaupt "hängt" bevor man versucht zu ziehen. So kann es durchaus sein, dass auf Grund eines ausgeprägten Schadens des hinteren Kreuzbandes der Unterschenkel von Haus aus nach hinten durchhängt. Dann hat man das Gefühl bei der hinteren Schublade den Unterschenkel nicht mehr nach hinten durchdrücken zu können, kann diesen aber nach vorn ziehen. Statt fälschlicherweise zu glauben man hätte einen positiven vorderen Schubladentest hat man in Wirklichkeit nur den Unterschenkel aus der hinteren Schublade herausgezogen.

Einschränkend muss man aber sowieso sagen, dass die Wertigkeit dieser Tests tendentiell eher abnehmen. Waren sie früher zum Teil alleiniges Kriterieum für eine Gelenkspiegelung und damit einer Operation, sind sie heute eher Ansatzpunkt um zu wissen was man in einem MRT sehen will. Allein aufgrund der Tests wird heute kaum noch jemand operiert. Nichts desto trotz sind sie wichtig um überhaupt den Verdacht zu bekommen, ob am Knie ein Schaden vorliegen könnte.

Eine Spritze gibt es in der Regel nicht vor diesen Tests. Die Schmerzen sind moderat und treten meist nur im ganz akuten Stadium auf, als kurz nach einem Unfall bei dem man sich das Knie geschädigt hat. Wenn man die Tests erst Wochen nach dem Unfall oder Knieverdrehen macht, gibt es meistens gar keine Schmerzen.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


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