Ärzte wollen Krebs oder andere Krankheiten

vom 12.08.2014, 11:18 Uhr

Ich habe neulich die Aussage von einem recht kritischen Mensch gehört. Er war der Meinung, dass man als Arzt Krebs wollen würde damit man damit Geld verdienen kann. Ich finde diese Aussage wirklich eine Frechheit und habe das auch so gesagt. Immerhin forschen die Mediziner schon seit so vielen Jahren und ich denke, dass keiner zusehen will wie andere Menschen sterben. Man wird ja nicht Arzt um den Menschen schlechtes zu gönnen. Was denkt ihr darüber?

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



Ich glaube schon, dass da was dran ist. Ein Arzt ist ja auch ein Mensch, der Geld verdienen muss, um überleben zu können. Deswegen arbeitet er und deswegen arbeiten wir alle. Ohne das Geld, das wir für unsere Arbeit bekommen können wir ja schlecht Miete und Lebensmittel bezahlen.

Natürlich sollte man dann schon einen Beruf ausüben, der einem Spaß macht. Ich beispielsweise wäre bei einem Job als Altenpflegerin total überfordert, eben weil ich einen feineren Körperbau habe und nicht so stark physisch belastbar bin. Auch sollte ein Arzt diesen Beruf nur dann erlernen, wenn er sehr an das Wohl der Patienten interessiert ist und ihnen helfen will. Aber leider gibt es genug Ärzte, die das nicht aus diesen Gründen tun, sondern nur weil sie dazu gezwungen werden.

Ein Bekannter von mir, der in der Oberstufe zusammen mit mir Unterricht hatte, fing beispielsweise an nach dem Abitur Medizin in Münster zu studieren. Aber nicht, weil ihn das selbst interessierte, sondern weil die Eltern das wollten. Was seine Eltern beruflich gemacht haben, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass sie sehr reich waren und er als Prestigeobjekt was prestigeträchtiges lernen sollte.

Eine ehemalige Mitschülerin meiner Schwester hat nach dem Abitur auch Medizin studiert, aber auch nicht weil sie das selbst wollte, sondern weil der Vater (Gynäkologe) darauf bestanden hat. Er hat sogar seine Kontakte spielen lassen, damit sie einen Studienplatz bekommt. Eigentlich wäre sie mit einem NC von 2,4 zu schlecht für ein Medizin-Studium gewesen und ohne diese Kontakte ihres Vaters wäre sie auch nie zugelassen worden. Dieses Mädchen war auch absolut ungeeignet für diesen Beruf. Sie konnte nicht einmal Blut sehen und war ansonsten auch sehr zart besaitet, was das Gemüt angeht. Ich stelle mir das schon sehr problematisch vor, wenn so jemand dann aufgefordert wird, eine Leiche zu sezieren. Als Mediziner sollte man so einiges abkommen, weil man genug "eklige" Sachen zu Gesicht bekommen wird.

Es gibt leider genug Leute, die einen Beruf nur deswegen erlernen, weil man damit viel verdient und nicht, weil sie charakterlich dafür am besten geeignet wären. So kenne ich auch sehr viele Menschen, die BWL/VWL studieren, nur weil man damit viel verdienen kann und nicht, weil sie ein besonderes Interesse an der Thematik haben.

Ich habe neulich sogar eine Dokumentation von Panorama gesehen. Diese Sendung ist sehr kritisch und hinterfragt fast alles. In der Sendung, die ich konkret meine ging es um Operationen an der Wirbelsäule, die haufenweise durchgeführt werden, weil diese Art der Operation am meisten Geld einbringt. Da werden dann auch Operationen an der Wirbelsäule durchgeführt, auch wenn diese komplett unnötig sind und im Prinzip nur ein Gang zur Physiotherapie oder ähnliches ausgereicht hätte. Da wurde auch von einem Patienten berichtet, der Probleme hatte mit einem komplett anderen Körperteil (ich meine, es wäre der Fuß oder die Hand gewesen, sicher bin ich jetzt nicht) und trotzdem wurde er an der Wirbelsäule operiert. Dabei hatte es nichts mit der Haltung zu tun. Der Patient war auch ziemlich ratlos und kein Arzt hat ihm logisch erklären können, warum bei seinem Problem jetzt ausgerechnet die Wirbelsäule operiert werden soll.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


Natürlich "wollen" Ärzte bis zu einem gewissen Grad auch etwas zu tun haben und ich glaube, dass niemand unzählige Jahre an ein Medizinstudium verschwenden möchte, nur um anschließend in einem leeren Krankenhaus zu sitzen und keine Patienten zu haben. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass sich alle Ärzte so eine schlimme Krankheit wie Krebs wünschen, vielleicht eher die Blinddarmoperationen oder meinetwegen auch die gebrochenen Beine.

Vielleicht "wünschen" sich auch einige Ärzte Krebs, damit sie an dieser Krankheit weiter forschen können und vielleicht mit der passenden Therapie zu dieser Krankheit berühmt werden. Hier steht aber nicht das Leiden eines Menschens im Vordergrund, sondern die eigene Karriere. Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, dass sich die meisten Ärzte etwas Schlechtes für ihre Mitmenschen wünschen, denn immerhin wissen sie doch am besten, wie schlimm diverse Krankheiten sind und mit welchem Leiden sie verbunden sind. So etwas wünscht man anderen Personen nicht grundlos oder zum Spaß, wenn man halbwegs mit anderen Menschen mitfühlen kann.

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» soulofsorrow » Beiträge: 9239 » Talkpoints: 26,10 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Dem kritischen Menschen, der dir das erzählt hat, hättest du noch länger zuhören sollen. Er hätte dir sicher interessante Dinge erzählt. Die Aussage des Mannes sehe ich keineswegs als Frechheit an; er wird wohl recht haben. Das heißt nicht, dass nun alle Ärzte dem Patienten etwas Böses wollen, im Gegenteil, sie wollen die Patienten ja dann von ihrem Leiden heilen. Sie wollen also den Krebs besiegen. Nur was haben sie zur Verfügung, um zu helfen? Sie können operieren; Sie können den Krebs bestrahlen; Sie können dem Patienten eine Chemotherapie verpassen. Medizin gibt es kaum. Ich bin sogar der Meinung, dass je nach forschendem Arzt in der Pharmaindustrie eine hilfreiche Medizin dem Patienten vorenthalten wird.

Das wird meiner Meinung nach gemacht, weil Pharmafirmen mit der Chemotherapie viele Milliarden verdienen und nicht nur sie, sondern eben auch die Ärzte, beziehungsweise das Krankenhaus. Pharmafirmen und Ärzte sind keine Altruisten, das solltest du dir merken. Sie wollen verdienen und da die Pharmafirmen gut verdienen, wollen auch andere ein Stück von dem Kuchen mit haben. Ist das so falsch gedacht von den Ärzten? Jeder möchte gerne viel Geld verdienen. Du bist der Meinung, dass Ärzte sich zu ihrer Tätigkeit berufen fühlen. Das ist ein kleiner Teil der Ärzte, der so denkt und handelt, die anderen sehen es als einen Beruf, in dem man Geld verdienen kann, genau wie du in deinem Beruf das siehst. Das ist normal.

Olly173 beschrieb ja schon, aus welchen Gründen es einfach verlangt wird, Medizin zu studieren. Das werden dann ganz sicher keine Altruisten. Sollte auch niemand mehr erwarten und verlangen. Einem Patienten etwas Böses wünschen, wird kein Arzt machen, aber die Patienten, die mit verschiedenartigen Krebsfällen zu ihm kommen, lassen ihm die Wahl, wie er vorgeht und behandelt, denn er hat ja mehrere Möglichkeiten. Schlägt eine Behandlung bei einem Patienten nicht an, dann vielleicht beim nächsten. Warum das so ist, wird der Arzt nicht herausfinden können im Krankenhaus, dazu müsste er dann forschen.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Ich denke, dass der Arzt in erster Linie viele Patienten haben möchte, damit er halt Arbeit hat. Bei Hausärzten ist das auf jeden Fall so. Das heißt aber noch nicht, dass er diese Patienten ständig krank vor sich sehen möchte. Ich denke, der Traum eines Arztes ist, eine Krankheit, die man leicht diagnostizieren und ebenso leicht behandeln kann.

Es kann doch schließlich nicht schön sein, Patienten zu haben, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass sie sterben, recht hoch ist. Als Arzt möchte man andere Menschen schließlich gesund pflegen und ist glücklich, wenn man das dann auch geschafft hat und die Dankbarkeit der Patienten in deren Augen sehen kann.

Als ich längere Zeit im Krankenhaus war, haben sie auch alles gegeben, damit ich schnell wieder auf die Beine komme. Und ich konnte sehen, dass sie sich gefreut haben, als sie mich endlich entlassen konnten. Vielleicht gibt es einige Ärzte, die tatsächlich gerne Krebspatienten haben, allerdings gehe ich davon aus, dass das die Ausnahme ist.

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» Fluffeltuch » Beiträge: 797 » Talkpoints: 3,85 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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