Homöopathie - Aufklärung oder Glauben?

vom 01.08.2014, 11:36 Uhr

Ich habe mich nie wirklich mit der Homöopathie befasst, aber jedesmal wenn ich irgendwie mit ihr in Kontakt gekommen bin, hatte ich das Gefühl, dass viele Menschen eigentlich gar nicht wissen, worüber sie denn da überhaupt wirklich reden. An sich ist das wahrscheinlich gar nicht mehr so verkehrt, denn die Homöopathie ist ja noch nicht in dem Sinne erforscht, wie die Schulmedizin, man weiß nicht, warum einige dieser Mittel wirken. Vermutet wird in vielen Fällen eben nur, dass es der Mensch selbst ist, der sich heilt, einfach weil er daran glaubt, dass es ihm hilft.

Eine Bekannte von mir und auch meine Mitbewohnerin selbst nutzen die Homöopathie zu unterschiedlichen Zwecken. Meine Bekannte hat beispielsweise immer die heiße Sieben parat. Ich fand dieses Mittel zur Krampflösung immer schon etwas dubios, denn immerhin steht auf den Tabletten ja auch drauf, wie viel Magnesium sie enthalten. Geht man nun davon aus, dass man Krämpfe hat, weil ein Magnesiummangel vorherrscht, dann sollte man doch eigentlich auch die Mengen an Magnesium einnehmen die notwendig sind, um diesen Mangel zu decken. Tatsache ist jedoch, dass die heiße Sieben nur einen Bruchteil des Magnesiumsanteils enthält, wie ihn beispielsweise handelsübliche Brausetabletten im Supermarkt oder in der Drogerie haben. Von den Brausetabletten kann man am Tag dann auch sogar zwei nehmen, wenn ein Mangel vorherrscht.

Da frage ich mich dann einfach, wie die ''heiße 7'' einem was bringen kann. Tatsächlich hat sie bei mir nie geholfen, wohingegen Brausetabletten für 45 Cent aus dem Aldi stets ihre Wirkung getan haben. Meine Bekannte kauft sich aber lieber teure Tabletten mit wenig Inhalt und glaubt, dass die heiße 7 ihr hilft. Natürlich kann es bei leichten Krämpfen auch helfen, wenn man einfach nur was warmes trinkt. Als ich sie einmal darüber aufgeklärt habe, wie viel Magnesium sich wirklich in den Tabletten befindet, war sie verwundert. Gewusst hatte sie das nicht, aber seitdem ist sie der Überzeugung das die Brausetabletten komplett überdosiert sind.

Schlimmer war es bei meiner Mitbewohnerin die eine große Anzahl an unterschiedlichen Globuli regelmäßig einnimmt, ohne überhaupt zu wissen, was das überhaupt ist. Ihre Mutter befasst sich mit der Naturheilkunde und deswegen hat meine Mitbewohnerin gegen jedes Wehwehchen ein Globuli, aber was das ist, weiß sie auch nicht. Meistens steht auf ihren Döschen auch nur drauf, wogegen es ist und nicht was es überhaupt ist. Das es sich bei Globuli um schlichte Zuckerkügelchen handelt die mit einem sehr geringen Anteil eines anderen Stoffes vermischt sind, der meist nicht großer ist, als etwa ein Molekül pro Globuli, wollte sie mir auch nicht glauben.

Auch Internetrecherchen ergeben ein ähnliches Ergebnis, viele Websites die sich mit der Homöopathie befassen behandeln dieses Thema aus einem sehr merkwürdigen Licht, es ist direkt immer von harmonischen Schwingungen der Natur die Rede und anderem esoterischem Kram, der mit der Homöopathie an sich gar nicht wirklich was zu tun hat. Deswegen habe ich mich zu diesem Thema immer schon gefragt, ob es einfach so ist, dass die Menschen an die Homöopathie glauben, weil sie eigentlich gar nicht wissen, was das ist.

Es ist ein Unterschied, ob man diverse Globuli und so weiter vorgesetzt bekommt und der Arzt einem sagt, dass es eine Wirkung hat, als wenn man sich selbst etwas kauft und sich der Tatsache bewusst ist, dass die Dosierung in diesen Globuli eigentlich zu gering ist, um eine Wirkung zu haben und man sie genauso gut zum Süßen von Kaffee verwenden könnte. Steckt die Kraft der Homöopathie vielleicht einfach darin, dass die Menschen die Wirkungsweise nicht wissen und deswegen erwarten, dass es ihnen hilft? In dem Sinne handelt es sich nämlich um einen Placebo Effekt und dieser würde seine Wirkung verlieren, wenn man die Menschen darüber aufklären würde, dass es eigentlich die körpereigenen Kräfte sind, die einem wirklich helfen, wenn man glaubt, die Homöopathie hätte geholfen?

Benutzt ihr häufiger homöopathische Mittel? Ist euch bewusst, was das eigentlich bedeutet oder zieht ihr es lieber vor euch da nicht zu sehr zu informieren, damit der Zauber dieser Mittel nicht verfliegt? Prinzipiell finde ich es nicht schlecht, wenn etwas wirkt, was eigentlich nach Schulmedizin keine Wirkung haben sollte, denn dadurch erspart man sich andere Medikamente, die dem Organismus vielleicht schaden könnten. Aber manchmal denke ich, dass die Kraft dieser Mittel eben in dieser Unwissenheit liegt. Wie denkt ihr zu diesem Thema?

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Diese Sichtweise ist schon interessant, so habe ich es bislang noch nicht gesehen. Ich selber benutze keine homöopathischen Arzneimittel, weil ich nicht so ganz an eine Wirkung glaube, auch wenn ich von der Kundschaft schon ganz andere Dinge gehört habe. Die heiße 7 ist ja erst mal kein klassisches homöopathisches Arzneimittel, sondern sie gehört zu den Schüssler-Salzen. Das sind zwar auch homöopathische Potenzierungen, aber die Schüssler-Salze verstehen sich wohl als Mischung aus der Homöopathie und einem Ausgleich an Mineralstoffen. So wird bei den Schüssler-Salzen ja schon Magnesium gegen Krämpfe eingesetzt, während in der Homöopathie ein Stoff eingesetzt wird, der in größerer Menge genommen die Symptome auslösen würde.

Ein beliebtes Beispiel ist hier die Küchenzwiebel, die ja tränende Augen verursacht. Also wird in der Homöopathie die Küchenzwiebel in stark verdünnter Form eben gegen tränende Augen eingesetzt. Ich bin mir bei der Homöopathie einfach noch nicht sicher über die Wirkung. Viele Menschen sagen mir immer wieder, wie begeistert sie von den Mitteln doch sind, aber ich sehe immer nur die Tatsache, dass in diesen Mitteln kaum noch oder gar kein Wirkstoff enthalten ist. Es soll sich ja auch um die Information handeln, die bei der Verdünnung weitergegeben wird und in dieser Information ist die Wirkung begründet.

Sicher gibt es einige Menschen, die nicht wissen, was sie eigentlich da einnehmen und die es nur einnehmen, weil ihr Arzt oder Heilpraktiker es ihnen verordnet oder dazu geraten hat. Aber genauso gibt es die Menschen, die bei einem Problem erst mal dicke Bücher wälzen und damit herausfinden möchten, welches homöopathische Mittel für sie das richtige ist. Bei beiden Sorten von Menschen habe ich schon gehört, wie toll doch die homöopathischen Mittel helfen. Deswegen glaube ich nicht, dass es nur die Unwissenheit ist, die den Menschen hilft, wenn sie homöopathische Mittel einnehmen.

Aber bestimmt ist es der Glaube an die Wirkung des Mittels, die etwas bringt. Aber das ist ja nicht nur bei homöopathischen Mitteln der Fall, sondern auch bei der Schulmedizin. Außerdem finde ich es immer interessant, wenn die Menschen bei der Homöopathie auch von Erfolgen bei ihren Tieren berichten. Denen kann man ja nicht einreden, dass sie nun etwas bekommen, was ihnen hilft. Aber natürlich weiß man nicht, wie die Krankheit ohne die Gabe des Arzneimittels verlaufen würde.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Barbara Ann hat geschrieben:Es soll sich ja auch um die Information handeln, die bei der Verdünnung weitergegeben wird und in dieser Information ist die Wirkung begründet.

Vielleicht bin ich da auch zu wissenschaftlich oder realistisch. Aber jetzt mal ein ganz einfaches Beispiel. Du schreibst auf ein Blatt Papier einen Text und dann reißt du jedes mal die Hälfte davon ab und schmeißt es weg. Was glaubst du wieviel an Information kommt nach 20 Durchgängen noch beim Adressaten an? Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären wie man Informationen weitergeben will, wenn man den Informationsträger durch Verdünnung eliminiert.

Viele Krankheiten kuriert der Mensch einfach selber wieder aus, egal ob mit oder ohne Homöopathie, bei vielen Sachen verkürzt ja auch die Schulmedizin nicht wirklich die Krankheitsdauer. Letztens habe ich auch einen Schulmediziner gesehen, der über die ärztliche Behandlung sagte, die Kunst ist es den Patienten solange bei Laune zu halten, bis sich der Körper selber geholfen hat. Das würde ja auch eins zu eins auf die Homöopathie treffen.

Grundsätzlich habe ich zum Beispiel gar nichts gegen die Naturheilkunde. Da gibt es wirklich sehr viele Sachen die einen super Nutzen haben. Merkwürdig wird es eben immer erst dann, wenn dieses irre Potenzieren anfängt und man versucht den eigentlich Wirkstoff mehr oder weniger komplett aus dem Präparat heraus zu verdünnen. Wenn das was eigentlich hilft nicht mehr in dem Präparat drin ist, dann kann es auch nicht mehr helfen. Eine Linderung oder Heilung liegt dann mit Sicherheit nicht mehr an dem Präparat, sondern an einer Selbstheilung, wozu der Körper ja genügend Mechanismen hat.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge



Ähnliche Themen

Weitere interessante Themen

^