Verschreibungspflichtige Arzneimittel wirkungsvoller?
Ich habe heute im Wartezimmer beim Arzt ein Gespräch mitbekommen zwischen zwei Patienten. Die eine meinte, dass sie sich wieder ein Rezept abholen muss. Denn die verschreibungspflichtigen Medikamente sind doch wirkungsvoller als die, die man so in der Apotheke kaufen kann. Unter anderem ging es da wohl um Schmerztabletten und um eine Schmerzsalbe.
Sind denn verschreibungspflichtige Medikamente wirklich wirkungsvoller als die Medikamente, die man so in der Apotheke kaufen kann? Bei welchen Medikamenten würdet ihr sagen, dass die verschreibungspflichtige Variation einfach besser ist?
Es hat wohl seinen Grund, warum einige Medikamente verschreibungspflichtig sind und andere nicht. Das deutsche Arzneimittelgesetz hat diese Unterscheidung nach dem Kriterium getroffen, dass rezeptfreie Medikamente nach bestimmungsgemäßer Einnahme die Gesundheit des Patienten nicht beeinflussen, auch wenn die Einnahme unter keiner ärztlichen Aufsicht steht. Daraus kann man automatisch schlussfolgern, dass verschreibungspflichtige Medikamente gefährlicher für den Organismus sind und somit natürlich auch wirkungsvoller. Viel Wirkung bringt auch viel Nebenwirkung mit sich und ist daher unter ärztliche Aufsicht zu stellen. Das ist einfach eine Tatsache und keine Sache der persönlichen Meinung.
Ich glaube nicht, dass man da Pauschalurteile fällen kann. Wahrscheinlich spielt mal wieder der Placebo-Effekt eine Rolle, weil an Medikamenten, die man nicht als Laie einfach so kaufen kann, bestimmt etwas Besonderes dran sein muss. Mir fehlt es auch an Fachwissen, sodass ich hier auch nur spekulieren kann.
Ich dachte bisher immer, dass rezeptfreie Arzneimittel sich vor allem dadurch auszeichnen, dass man mit ihnen weniger Schaden anrichten kann, wenn man damit absichtlich oder versehentlich Schindluder treibt. Das kann verschiedenen Ursachen haben. Beispielsweise kann der Wirkstoff weniger hoch konzentriert enthalten sein oder es handelt sich um Wirkstoffe, die generell dafür bekannt sind, dass sie wenig Nebenwirkungen haben, schwer zu überdosieren sind und in Kombination mit Alkohol nicht sofort zum Multiorganversagen führen. Aber wie gesagt, das ist nur meine Theorie.
Ob Medikamente gegen bestimmte Krankheiten oder Beschwerden gut oder weniger gut helfen, ist natürlich auch von der Art der Krankheit und dem individuellen Patienten abhängig. Manchmal ist es ja auch gar nicht nötig, beispielsweise starke Schmerzmittel bei banalem Kopfweh einzunehmen, nur weil diese zehn Minuten schneller wirken, aber dafür bei Überdosis die Leber ruinieren können. Deshalb würde ich pauschal nicht behaupten, dass verschreibungspflichtige Arzneimittel immer besser helfen.
Ich würde das nie so einfach sagen, dass verschreibungspflichtige Arzneimittel wirksamer sind als die Arzneimittel, die man so in der Apotheke kaufen kann. Natürlich gibt es starke Medikamente, die man nur auf Rezept bekommen kann und die sind eben ganz klar wirksamer als die schwächeren Medikamente, die man auch ohne ein Rezept erhält. Aber genauso gibt es ja Medikamente, die man verschrieben bekommt, manchmal auch in der gleichen Stärke auch ohne ein Rezept. Bei Schmerzmitteln denke ich da vor allem an Ibuprofen in 400mg. Dabei ist es dann natürlich nicht so, dass die verschreibungspflichtige Form in irgendeiner Art stärker wäre.
Es wird mit Sicherheit so sein, dass verschreibungspflichtige Medikamente in manchen Fällen tatsächlich wirksamer sind als die frei käuflichen Medikamente, was zum einen auf die Inhaltsstoffe, zum anderen auch auf die Dosis der Inhaltsstoffe zurück zu führen ist.
Um mal bei Barbara Anns Beispiel der Schmerzmittel zu bleiben, ist es sicherlich so, dass es keinen Unterschied zwischen dem verschriebenen 400er Ibuprofen und dem nicht verschriebenen gibt. Es ist halt nur in der Dosis nicht verschreibungspflichtig - das heißt ja nicht, dass es nicht trotzdem verschrieben werden kann. Geht man dann eine Stufe höher, auf 600mg Ibuprofen, so bekommt man es in Deutschland nicht mehr ohne entsprechendes Rezept, was insofern unsinnig ist, als dass man auch eine Tablette mit 400mg und eine mit 200mg nehmen könnte, um 600mg Ibuprofen zu nehmen. Das Mittel ist also verschreibungspflichtig, aber per se nicht wirksamer, weil man die Dosis eben auch auf anderem Wege erreichen könnte, ohne ein Rezept.
Als weiteres Schmerzmittel fällt mir Tramadol ein. Das bekommt man auch nicht frei in der Apotheke - in meinen Augen aus gutem Grund, weil die Nebenwirkungen schon so manchen aus den Socken gehauen haben. Ich habe mal Tramadol verschrieben bekommen, bin dann aber wegen der Nebenwirkungen auf freies Ibuprofen umgestiegen und konnte die Schmerzen damit auch bekämpfen. Das Tramadol war also nicht zwangsläufig wirksamer als das Ibuprofen, wohl aber sehr viel intensiver in der Wirkung.
Außerdem kommt mir bei dem Thema auch das Schlafmittel oder das Antidepressivum in den Sinn. Die freiverkäuflichen Mittel sind in der Regel gefahrlos zu nutzen, während die verschreibungspflichten Mittel einen wirklich platt machen können und zum Teil auch ganz erhebliche Nebenwirkungen haben. Aber je nach Körper kann es auch sein, dass das verschriebene Medikament keinerlei Wirkung zeigt, während das frei gekaufte Medikament zuverlässig seinen Dienst tut.
Ich glaube also, dass die verschriebenen Medikamente mitunter insofern wirksamer sind, als dass sie auf Grund der Nebenwirkungen mit sehr viel mehr Vorsicht zu genießen sind. Sie sind aber nicht zwangsläufig wirksamer im Hinblick auf die erwünschte Wirkung.
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