Kann Homoöpathie wirken, wenn man nicht dran glaubt?

vom 01.08.2014, 11:50 Uhr

In einem anderen Thread, habe ich das Thema Homöopathie und der Glauben daran bereits angeschnitten: Homöopathie - Aufklärung oder Glauben?. In diesem Thread würde ich mich nun gerne näher damit befassen, ob die Homöopathie eurer Meinung nach denn auch wirken kann, wenn man eben nicht dran glaubt. Der Unterschied zwischen Schulmedizin und Homöopathie ist eben der, dass man Schulmedizin nachweisen kann, die Wirkung eines Medikamentes tritt ein, ganz egal ob man nun daran glaubt oder eben nicht. In der Homöopathie ist das anders, denn die Mittel dort haben keine nachweisbare Wirkung und der Anteil des Wirkstoffes ist meist so gering, dass der nach der Schulmedizin eigentlich gar keine Auswirkungen auf den Organismus haben sollte.

Dennoch wird immer weiter auf diesem Gebiet geforscht, weil einfach viele Menschen überrascht sind, welche Selbstheilungskräfte sich offenbare in der Homöopathie verbergen. Natürlich würde man lieber harmlose Globuli nehmen, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, als Medikamente schlucken zu müssen, die neben der eigentlichen Wirkung noch zig Nebenwirkungen haben und dem Körper am Ende vielleicht mehr schaden, als bringen. Tatsache ist aber, dass die Homöopathie meistens nur in Bereichen angewandt wird, die nicht ''akut'' sind, wo es also nicht um schwere gesundheitliche Schäden geht, sondern mitunter eben nur um Dinge, die psychisch beeinflusst werden können und wo man vielleicht dann auch davon ausgehen muss, dass der Patient sich dann aufgrund des Placeboeffekts selbst heilt und es eigentlich gar nichts mit den Mitteln zu tun hat.

Für Menschen die von der Homöopathie überzeugt sind, wäre das sicherlich kein Argument, denn das würde ganz klar bedeuten, dass es egal ist ob ich jeden Tag Zuckerkugeln schlucke oder eben Zuckerkugeln mit was drin. Menschen die an die Wirkung dieser Globuli glauben, sehen die Kraft in der Natur und so weiter und denken, dass diese die körpereigenen Kräfte zwar aktiviert, aber dass der Körper es ohne diese Mittel eben nicht schaffen würde. Deswegen liegt meine Vermutung eben darin, dass Homöopathie nur bei Menschen wirken kann, die daran glauben, denn sobald jemand der vielleicht etwas wissenschaftlicher veranlagt ist, sich mit dem Thema befasst und herausfindet, dass Homöopathie eigentlich gar nicht wirken dürfte, würde die Person ja nicht mehr davon ausgehen, dass sie etwas einnimmt, was ihr hilft. Der klassische Placeboeffekt wäre dann verschwunden.

Bei meinem Freund und mir war es schon immer so, dass er an die Homöopathie geglaubt hat und ich eher nicht. Bevor ich mich überhaupt mit der Homöopathie befasst habe, habe ich schon solche Mittel genommen (etwa die heiße Sieben) und konnte keine Wirkung feststellen. Nachdem ich mich näher damit befasst habe, habe ich auf diese Mittel ganz verzichtet und auch wenn ich jetzt sowas nehme, hat das keine Wirkung bei mir. Mein Freund meint, dass ihm bestimmte Mittel wie etwa Bachblüten helfen würden, auch wenn er weiß, dass sie eigentlich keine Wirkung haben. Er ist aber der Meinung, dass mehr in der Homöopathie stecken muss, als dass, was man nachweisen kann und verlässt sich daher auf die Tropfen. Dabei macht es für ihn aber auch keinen Unterschied, ob er Bachblüten in seinem Wasser hat oder nur vier Tropfen Kirschlikör, was für mich wieder für den Placeboeffekt spricht.

Glaubt ihr selbst an die heilenden Kräfte der Homöopathie oder haltet ihr das eher für Unfug? Denkt ihr, dass die Homöopathie helfen kann, wenn man nicht daran glaubt? Bestehen die Heilungskräfte der Homöopathie nur darin, dass man eben daran glaubt? Und wenn es wirklich so ist, ist euch das dann genug oder findet ihr es unverschämt, dass man dann für viel Geld zigfach verdünntes Blütenwasser mit Alkohol und nahezu gehaltlose Zuckerkügelchen verkauft? Glaubt ihr selbst vielleicht nicht an Naturheilkräfte und habt dennoch positive Erfahrungen mit der Homöopathie gemacht ohne das zu erwarten? Leider bin ich bisher nur enttäuscht worden, weswegen ich inzwischen dazu tendiere es als reinen Placeboeffekt abzutun, mit dem sehr viel Geld gemacht wird.

» Crispin » Beiträge: 14916 » Talkpoints: -0,43 » Auszeichnung für 14000 Beiträge



Ich finde die "Wissenschaft" die dahinter steht total bizarr. Die Wirkstoffe werden ja so weit mit Wasser verdünnt, dass sie nicht mehr nachweisbar sind, und das Wasser soll sich dann irgendwie an die Struktur dieser Stoffe "erinnern" und die Wirkung verstärken.

Wenn das stimmen würde hätten wir ein verdammt großes Problem, denn es werden sehr viele Stoffe in Wasser gelöst und früher oder später wird auch ehemaliges Abwasser wieder von Menschen und Tieren konsumiert. Dass unser Trinkwasser sämtliche Tests bestanden hat und frei von Schadstoffen, Chemikalien, Medikamentenrückständen und so weiter ist würde ja laut Homöopathie keine Rolle spielen, dann in deren "wirksamsten" Mitteln kann man ja auch nichts mehr nachweisen. Mit jedem Schluck aus meiner Wasserflasche würde ich also die volle Wirkung von allem, was jemals in diesem Wasser gelöst war, abbekommen. Na dann Prost.

Und was den Placebo Effekt angeht - ich habe mal einen Vortrag über skeptisches Denken gesehen, bei dem der Redner zu Beginn eine ganze Packung eines homöopathischen Schlafmittels genommen hat. Empfohlen waren zehn Kügelchen und er hat 500 genommen und den ganzen Vortrag ohne jegliche Ermüdungserscheinungen durchgehalten. Er hat nicht an die Wirkung geglaubt und deshalb ist sie auch nicht eingetreten.

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» Cloudy24 » Beiträge: 27476 » Talkpoints: 0,60 » Auszeichnung für 27000 Beiträge


Ich erlebe dieses Thema täglich bei meiner Arbeit und dort erlebe ich eben auch die verschiedensten Meinungen. Ich bin mir noch immer nicht sicher, was ich von der Homöopathie halten soll. Ich nehme diese Mittel nicht ein, weil ich auch so recht nicht an eine Wirkung glauben kann. Aber abhalten würde ich niemanden davon, wenn derjenige davon überzeugt ist, dass diese Mittel den gewünschten Erfolg bringen. Immerhin würde das ja auch die Wirkung schmälern, weil derjenige dann vielleicht nicht mehr so von der Wirkung überzeugt ist.

In der Homöopathie ist es ja genau andersherum als in der Schulmedizin. In der Schulmedizin wirkt das Präparat mit der größeren Wirkstoffmenge auch entsprechend stärker. In der Homöopathie wirkt das Präparat stärker, das häufiger verdünnt wurde, in dem also rein rechnerisch kein Wirkstoff mehr vorhanden ist. Denn die Information, die weitergegeben wird, wird mit jedem Verdünnungsschritt wohl stärker und das macht dann auch die Wirkung aus.

Ich muss zugeben, dass ich mich auch lieber auf die Schulmedizin verlasse, weil einfach die Wirkung nachgewiesen ist. Wir haben auch ein paar Kunden, die homöopathische Mittel bei ihren Tieren anwenden und dabei dann auch auf die gute Wirkung schwören. Das finde ich immer interessant, weil man Tieren ja keinen Placebo-Effekt einreden kann. Man weiß natürlich nicht, wie es ohne die Behandlung wäre, aber da auch einige Kunden die Mittel bei chronischen Leiden der Tiere nehmen und von deutlichen Verschlechterungen berichten, wenn sie es mal nicht geben, denke ich doch immer wieder, dass vielleicht doch etwas dran ist an der Homöopathie.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



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