Risiken und Grenzen einer Selbstmedikation
Das Internet ist eine Plattform, wo man nicht nur eventuelle Krankheiten ergoogeln kann, sondern auch die Medikation zu vermuteten Krankheiten und einige Medikamente gibt es auch rezeptfrei in der Apotheke. Leider kenne ich eine Frau, die genau das macht. Sie sucht im Internet nach der Krankheit, die sie durch die Symptome sucht und sucht weiter nach eventuellen Medikamenten. Ihre Hausapotheke gleicht einem Lager in der Apotheke.
Ich finde das sehr riskant. Wo seht ihr die Risiken und die Grenzen einer solchen Selbstmedikation? Lasst ihr euch immer beraten bei eurem Arzt oder Apotheker? Nehmt ihr gar keine Medikamente, die der Arzt euch nicht verschrieben hat? Wenn ihr selbst Medikamente kauft, lasst ihr euch dann wenigstens von der Apotheke beraten und sagt ihr dann auch alle eure Beschwerden, damit die Mitarbeiterin da auch Bescheid weiß? Denkt ihr, dass so eine Beratung auch Risiken birgt, denn schließlich sind Apotheker, pharmazeutische Assistenten und andere Mitarbeiter in der Apotheke keine Ärzte.
Ich denke, solange man geistig halbwegs auf dem Laufenden ist, ist man auch für seine Gesundheit, ihre Erhaltung und die Behandlung von Krankheiten selber verantwortlich. Ärzte, Apotheker und sonstige Fachleute können im Endeffekt nur dann dabei helfen, wenn man sie auch lässt. Wer trotz Beschwerden nicht zum Arzt geht, sondern lieber googelt und dann bei den rezeptfreien Medikamenten zuschlägt, ist meiner Meinung nach selbst schuld, wenn der Schuss nach hinten los geht.
Natürlich birgt eine Beratung oder sogar eine Untersuchung beim Arzt auch gewisse Risiken, da auch Spezialisten und Fachleute Fehler machen, aber generell verlasse ich mich eher auf das Urteil von Profis als auf meine Google-Fähigkeiten, wenn es um Gesundheitsfragen geht. Dass Ferndiagnosen über das Internet und Selbstmedikation riskante Verhaltensweisen darstellen, dürfte ja allgemein bekannt und kaum umstritten sein.
Für mich selbst muss ich zugeben, dass ich nicht wegen jeder Erkältung oder Verspannung zum Arzt gehe. Manchmal sitze ich den Schnupfen oder das Bauchweh einfach aus und trinke viel Tee, manchmal gehe ich auch in die Apotheke und lasse mich dort beraten, was es an rezeptfreien Medikamenten gibt und wie es mit deren Nebenwirkungen aussieht. Das stellt natürlich auch eine Form der Selbstmedikation dar. Schließlich untersucht mich die Apothekerin ja auch nicht persönlich, sondern verlässt sich darauf, dass die von mir geschilderten Symptome der Realität entsprechen und empfiehlt mir entsprechende Medikamente.
Letzten Endes muss jedoch jeder selbst wissen, wo er oder sie die Grenze zieht, die Selbstmedikation einstellt und zum Arzt geht. Ich finde jedoch, dass es bei allen Symptomen, die länger anhalten und über Schnupfen hinaus gehen, generell empfehlenswert ist, zum Arzt zu gehen und nicht selber herum zu doktern.
Es mag sein, dass eine Jede und ein Jeder Erkältungskrankheiten selbst heilen kann. Dazu sind dann aber auch keine "Medikamente" zwingend notwendig. Aber immer dann, wenn man glaubt, dass es eben ohne Medizin nicht mehr geht (z.B. wegen der Schmerzen oder das die Krankheit nicht vergeht), dann sollte niemand versuchen, sich durch Raten selbst zu behandeln.
Zwar ist es richtig, dass jeder für sich selbst am besten weiß, welche Stellen schmerzen. Aber als Laie achtet man vielleicht nicht wirklich auf alle Symptome und vertut sich hier recht schnell. Und so was kann sich rächen - wobei man einfach auch sagen muss, dass der Körper nicht vergleichbar mit einem Auto ist, bei dem der Laie dann einen (Folge-)Schaden verursacht, dessen Behebung teuer ist. Ist der Körper ruiniert, dann leidet der Patient ggfs. das restliche Leben.
Ich wüsste übrigens auch keinen Grund, warum man das machen sollte und sich selbst über z.B. Laienforen heilen zu wollen. Finanzielle Gesichtspunkte werden es alleine nicht sein, weil die Medikamente müssten - ohne Rezept - ja selbst bezahlt werden. Und ärztliche Behandlungskosten halten sich im Standardfall/Normalfall auch in Grenzen.
Nun ja, ich betreibe durchaus auch Selbstmedikation, aber das betrifft harmlose Dinge. Halstabletten, Schnupfenspray und Mittel gegen Blasenentzündung sind so die gängigen Mittel, die ich ohne Beratung kaufe. Da informiere ich mich ein bisschen im Internet bei Erfahrungsberichten und auf der Herstellerseite und das genügt mir in der Regel. Das sind jetzt aber auch gewöhnlich eindeutige Fälle, bei denen ich mir sicher bin, dass ich nichts anderes habe. Bei unbestimmten Schmerzen gehe ich schon zum Arzt.
Wenn ich etwa immer wieder Unterleibsbeschwerden hätte, würde ich nicht auf Dauer einfach nur Schmerz- oder Magentabletten nehmen - da würde ich dann schon abklären wollen, ob es jetzt nicht doch beispielsweise der Blinddarm oder der Eierstock ist. Irgendwo sind einem als Laie Grenzen gesetzt und an manchen Orten kommen mehrere Krankheiten in Frage, die nichts miteinander zu tun haben, da würde ich dann schon sicher gehen wollen.
Meine Mutter hatte auch mal scheinbar Ohrenschmerzen und vermutete eine Mittelohrentzündung, ich besorgte ihr auf ihren Wunsch Tropfen aus der Apotheke - diese halfen jedoch nicht, sie ging schließlich zur Ärztin und die stellte fest, dass sie Arthrose im Kiefer hatte - da war klar, dass die Ohrentropfen niemals hätten helfen können.
Wegen jeder Kleinigkeit geht niemand zum Arzt. Handelt es sich um eine Erkältung, Kopfschmerzen, oder eine kleinere Verletzung, wird jeder wissen, wie er sich von der Krankheit erholen kann mit einigen Hausmittelchen oder erprobten verschreibungsfreien Medikamenten. Eine Selbstberatung durch das Internet kann eine gewisse Gefahr beinhalten. Krankheiten verschiedener Art können sich in ihren Symptomen ähneln. Das kann man als Laie nicht so gut erkennen.
Wo viele nicht darüber nachdenken, dass auch die freiverkäuflichen Mittel Nebenwirkungen haben. So sollte man sich wenigstens in der Apotheke beraten lassen, wenn man die Medizin kauft. Was aber ebenso gefährlich werden könnte, sind die Wechselwirkungen. Der Apotheker kann nicht wissen, welche Medikamente man für bestehende Krankheiten einnimmt. So sollte man erst die Beipackzettel durchlesen, bevor man ein zusätzliches, freiverkäufliches Medikament zusätzlich zu einem bestehenden einnimmt.
Ich finde das Verhalten der Frau auch riskant, wobei es ja nicht nur um die Risiken der Selbstmedikation in einem Fall geht, sondern auch um eventuelle Wechselwirkungen, die auftreten können, wenn sie so viele Medikamente einnimmt. Natürlich ist es bei Kleinigkeiten mehr als verständlich, dass man nicht sofort zum Arzt geht, sondern sich erst mal selber mit Medikamenten hilft. Auch die Suche im Internet, was die Symptome bedeuten und was für eine Krankheit man haben könnte, finde ich mittlerweile nicht mehr ungewöhnlich. Aber natürlich sind irgendwann schon die Grenzen der Selbstmedikation erreicht.
Da ich in einer Apotheke arbeite, nehme ich natürlich auch einige freiverkäufliche Medikamente ein, wenn ich sie mal brauche. Zum Glück brauche ich nicht regelmäßig irgendwelche Medikamente. Deswegen ist auch die Gefahr von Wechselwirkungen nicht so groß bei mir. Aber wenn man mehrere Medikamente zusammen einnehmen möchte oder muss, dann würde ich mich immer beraten lassen, ob diese Medikamente zusammen eingenommen werden können oder ob es zu Problemen führen kann.
So eine Beratung kann auch in der Apotheke erfolgen. Natürlich sind dort keine Ärzte, aber es gibt Computerprogramme, in denen die Wechselwirkungen abgefragt werden können, wenn das pharmazeutische Personal diese nicht im Kopf hat. Außerdem können dort noch mal die Beschwerden abgefragt werden und so kann man klären, ob das ausgesuchte Medikament überhaupt das richtige für die Symptomatik ist. Im Zweifelsfall ist natürlich auch an einen Arzt zu verweisen. Wichtig dafür ist natürlich, dass vom Kunden auch eine Beratung zugelassen wird, was nicht immer der Fall ist.
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