Schlimme Krankheitsdiagnose - wem vertraut ihr euch an?
Ein sehr sehr guter Freund von meinem Mann hat eine schwere Krankheitsdiagnose bekommen. Er hat eine Frau und zwei kleine Kinder. Im Moment ist er dabei sein Leben zu regeln, dass die Frau und die Kinder auch gut versorgt sind. Aber weder die Eltern von ihm noch seine Frau wissen über seine Krankheit Bescheid. Er will sie nicht beunruhigen und so hat er sich seinem besten Freund, meinem Mann, anvertraut. Da ich es am Rande mitbekommen habe, hat der Freund mich in das Gespräch einbezogen.
Irgendwie kann ich verstehen, dass er die Frau nicht beunruhigen will. Aber hat sie nicht ein Recht darauf zu wissen, was mit ihrem Mann los ist? Wem würdet ihr euch anvertrauen und aus welchem Grund würdet ihr euch gerade dieser Person anvertrauen? Versteht ihr, wenn man in dieser Situation nicht mit dem Partner spricht?
Ich kann es irgendwie nachvollziehen, dass er seine Frau nicht beunruhigen und schützen möchte. Aber letztlich bewirkt er damit genau das Gegenteil. Er nimmt ihr Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Er stiehlt ihr die Möglichkeit, für ihn da zu sein. Das wird sie nach seinem Tod ewig verfolgen. Damit schadet er ihr sehr, sehr viel mehr als er sie im Moment schützt.
Ich würde so eine Diagnose sofort mit meinem Mann besprechen. Es geht ihn mindestens so viel an wie mich. Wenn nicht sogar mehr, weil er damit weiterleben muss, im Gegensatz zu mir. Als nächstes würde ich es meiner Mutter sagen. Ich habe schon erlebt, dass sie alles tut, was in ihrer Macht steht, um in solchen Fällen zu helfen. Und in dem Fall, wenn man sich hilflos wie ein kleines Kind fühlt, würde ich auch einfach Schutz bei Mama suchen.
Aber ich würde auch Freunden und Bekannten nichts verschweigen. Natürlich würde ich sie nicht alle sofort anrufen. Ich würde ein Treffen verabreden, als ob nichts wäre und würde es dann ansprechen. Die Diagnose ist da. Ob man nun darüber spricht oder nicht. Und da hilft es doch allen, wenn man darüber sprechen kann, sich darauf einstellen, so gut es möglich ist. Füreinander da ist. Das ist alles, was man noch tun kann und das sollte man niemandem verwehren. Das finde ich grausam.
Da du nicht geschrieben hast, um welche Diagnose es sich handelt, setze ich mal voraus, dass es um eine Krankheit mit sicherer Todesfolge geht. In einem solchen Fall ist es sehr eigennützig, der eigenen Frau das zu verschweigen. Das ist eine falsche Rücksichtnahme. Irgendwann wird die Ehefrau es sowieso erfahren und die verbliebene Zeit ist für sie sehr knapp, damit umzugehen. Wenn die Kinder noch klein sind, hat man frühzeitig die Chance, sie darauf vorzubereiten, dass der Papa sie bald verlassen muss. Es ist bestimmt nicht einfach, Kindern das zu erklären und sie in jungem Alter mit dem Tod zu konfrontieren. Aber sie werden lernen, es zu verstehen und werden auch an den Papa Fragen stellen. Die Chance sollte man ihnen nicht nehmen.
Wäre es umgekehrt und die Ehefrau würde so handeln, dann wäre sicherlich der Mann auch nicht begeistert. Wenn beide darüber gesprochen haben, kann man die Eltern einweihen und so wie es sich ergibt, alle anderen Verwandten und Bekannten. Auf keinen Fall ist das etwas, womit man jemanden um die Zeit des Noch-Zusammenseins betrügen sollte und sich selbst auch nicht. Denn selbst braucht man auch Zuspruch und Trost in einer solch schweren Zeit.
Ich musste auch schon mal eine nicht angenehme Diagnose weitersagen. Angefangen habe ich bei meinem Partner und dann habe ich nach und nach den Rest informiert. Bei mir wird irgendwann eine schwere Operation anstehen und dann wird es sicherlich wieder gut werden, aber es wird keine leichte Sache werden.
Ich finde es unverschämt, wenn man die Frau nicht informiert und dann lieber mit einem Freund darüber redet. Die Frau ist ihm doch wichtig und müsste sich alleine um die Kinder kümmern, wenn er daran sterben sollte. Es ist ja auch wichtig, damit man noch schöne Zeit miteinander verbringen kann und der Partner ist ja auch immer eine Stütze.
Mein erster Weg würde damit auch zu meinem Partner führen. Ich lebe am engsten mit ihm zusammen und so hat er auch das Recht von der Diagnose einer schlimmen Krankheit zu erfahren. Ich fände es als Partner schlimm, wenn mein Partner erst zuletzt mit so einer Diagnose zu mir kommen würde. Man versucht doch dann auch gemeinsam alles zu regeln und für den Partner bzw. für einander da zu sein und alles zusammen durch zu stehen. Dafür sind Partner oder eine Beziehung doch auch da.
Ich finde es wichtig, dass der Partner früh Bescheid weiß. Beim Rest der Familie kann man sich ja dann Zeit lassen, bis man die schlimme Nachricht selbst irgendwie etwas begriffen hat.
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