Apotheken mit gesundheitsschädlichen Werbeartikeln?
Ich bin ja ein großer Fan von kostenlosen Warenproben wenn es sich um Dinge handelt die ich gebrauchen kann. Neulich bekam ich als Postwurf an alle Haushalte von der Apotheke eine doppelte Probepackung Tee. Prima dachte ich, Tee trinkst du immer gerne und wenn ich kostenlos eine neue Sorte ausprobieren kann dann ist das auch in Ordnung.
Da mich das alles interessierte um was es sich nun genau handelte und ich gerade auch Zeit hatte las ich mir die kleinen Aufdrucke auf der Tüte und den Text der Postkarte ganz genau durch. Auf der Tüte waren ganz groß unser Stadtwappen sowie das Aesculap-Zeichen sowie der Name „Stadtapotheke“ und der des Apothekers als Inhaber sowie die Anschrift abgedruckt. Noch größer und in einer anderen Schrift prangte ganz fett gedruckt „Holunder-Blüten-Tee“ darauf. Darunter stand, etwa ¼ der bisherigen Schriftgröße nur einnehmend und damit extrem klein „Instant-Zubereitung für ein teeähnliches Getränk. Dann wieder ziemlich groß der Hinweis dass der Tee heiß oder kalt genossen ein Genuss ist.
Auf der Rückseite des wieder groß abgedruckten Wortes „Holunder-Blüten-Tee" standen dann wiederum ganz klein die Zutaten. An erster Stelle Zucker, dann Traubenzucker dann schon die Säuerungsmittel. Dazu noch die Empfehlung drei Teelöffel des Granulats für eine Tasse zu verwenden. Der Brennwert für 10 Gramm, also ungefähr 2 Teelöffel, war mit 38 kcal und die Kohlenhydrate waren mit 9,6 Gramm angegeben. Das entspricht 9,2 Gramm Zucker, also in Prozent gerechnet besteht dieses teeähnliche Produkt zu 92,8 Prozent praktisch nur aus reinem Zucker. Um den Schein zu wahren wurden bei dieser Menge noch 22 mg Vitamin C und 12 mg Calcium zugegeben was nun auch nicht gerade viel ist.
Auf dem angeklebten Flyer konnte man noch eine Abbildung sehen die erkennen lies dass es sich um diese üblichen Krümeltees in den großen 400 Gramm-Packungen handelt und als spezielles Angebot wurde bei Kauf von zwei Gläsern noch ein Drittes gratis angeboten. Wo der Preis sich bewegte weiß ich nicht, aber von den üblichen überteuerten Apothekenpreisen ausgehend wird er wohl bei mindestens drei Euro pro Packung gelegen haben.
Mein Vater hatte diese Probepackung auch erhalten und natürlich probiert. Er meinte dass der Holundergeschmack hervorragend ist, klar bei dem vielen Zucker als Geschmacksträger, und dass ich ihm doch zwei Gläser mitbringen soll. Er ist stark übergewichtig und muss bei seinem Zuckerhaushalt extrem aufpassen, für ihn ist so etwas absolut nichts. Den Beipackzettel hatte er natürlich nicht gelesen und auch bereits entsorgt.
Ich denke dass es einfach nur unfair ist solche Produkte über die Apotheke zu vertreiben und sie auch noch entsprechend zu bewerben. Gerade die älteren Leute lassen sich durch den Absender leicht beeinflussen und kleine Schrift können sie meistens auch nicht mehr richtig lesen. Dazu wird dann auch noch ständig erklärt dass besonders alte Menschen viel trinken sollen, was wenn sie dann gerade auf diesen Tee zurück greifen? Bin ich der Einzige der sich über solche Werbeartikel Apotheke aufregt? Immerhin wird durch den Aufdruck der Apothekenzeichen und durch den Absender suggeriert dass es sich um jemanden handelt der sonst Ansprechpartner in gesundheitlichen Fragen ist. Was haltet ihr von dieser Werbeaktion oder kennt ihr vergleichbare?
Ich kann deine Aufregung da definitiv verstehen. Immer hin sollen die Apotheken mit Dingen werben, die gesund sind und einem gut tun. Und die Apotheke sollte nicht unbedingt mit Dingen werben, die eigentlich total ungesund sind und sehr viel Zucker enthalten. Leider ist es aber meist so, dass es viele Menschen gibt, die sich das Kleingedruckte auf den Verpackungen nicht durchlesen und, somit auch nicht wissen, was für Inhaltsstoffe das Produkt enthält. Es ist des Öfteren sogar so, dass die Leute die kostenlose Probe probieren und sich von dem Geschmack täuschen lassen, um letztendlich zu entscheiden, ob diese Leute von der Probe noch mehr haben wollen und sich die Produkte kaufen.
Leider ist es auch bei älteren Menschen oft der Fall, dass sie das Kleingedruckte auf den Verpackungen nicht mehr lesen können, weshalb sie von dem großen Aufdruck auf den Verpackungen sich beeindrucken lassen. Wenn man auf der Probe auch noch liest, dass sie aus einer Apotheke kommt, sind die älteren Leute sicherlich noch beeindruckter und denken sich, dass das man die Probe doch mal kosten sollte. Von dem Geschmack angetan, wird denn noch mehr von den Proben bestellt und dieses Produkt gekauft. So ist es leider.
Ich lese auch gerne das Kleingedruckte auf den Verpackungen, vor allem, bevor ich es meinen Kindern zum Probieren anbiete. Ich möchte doch sehr gerne wissen, was meine Kinder doch kosten oder desgleichen. Wir persönlich haben nun noch keine Proben von einer Apotheke nach Hause bekommen. Aber, wenn wir in der Apotheke etwas kaufen, bekommen meine Kinder immer Gummibärchen angeboten, die sie natürlich auch gerne nehmen. Dort ist mir auch schon aufgefallen, dass die Gummibärchen aus der Apotheke damit beworben werden, dass die Gummibärchen durch den Traubenzucker Gehalt und durch zugesetzte Vitamine, gesünder für Kinder sind.
Da ich mich damit aber etwas auskenne, weiß ich, dass diese Gummibärchen insgesamt mehr Kohlenhydrate, also Zucker, enthalten, als handelsübliche Gummibärchen. Es ist ja auch nun mal so, dass Traubenzucker auch dick gemacht und, dass der Traubenzucker für meine schon übergewichtige Tochter nicht gut ist. Natürlich werde ich ihr nicht verbieten, diese Bärchen zu essen. Trotz all dem finde ich es nicht gut, dass die Apotheken solche Gummibärchen verschenken und letztendlich für ihre Apotheke damit werben. Die Apotheker müssten doch wissen, was für Inhaltsstoffe dort enthalten sind.
Ich bin auch der Meinung, dass Apotheken da eine moralische Verpflichtung haben. Immerhin kämpfen sie ja auch hart um das Vertrauen der Bevölkerung, bieten Beratungen in Sachen Bluthochdruck oder Diabetestests an. Am Ende jedes Werbespots eines medizinischen Produkts kommt der Text: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker". Da wird der Apotheker mit einem Arzt praktisch auf eine Stufe gestellt. Und die Ausbildung ist ja auch sehr umfangreich und geht über das Verkaufen meilenweit hinaus.
Somit sehe ich da keinen Unterschied zwischen einem Arzt oder Apotheker. Beiden sollte das Wohlergehen ihrer Patienten oder Kunden am Herzen liegen. Von meinem Arzt möchte ich auch keine ungesunden Dinge verschrieben bekommen. Wenn ich meinem Arzt beispielsweise gestehe, dass ich viel zu wenig trinke, darf er mir nicht sagen, dass so ein Zuckerkrümeltee ganz toll für mich ist. Ebenso wenig darf eine Apotheke dieses Zeug im Angebot haben. Denn durch die Verbindung Apotheke - medizinische Kompetenz - Krümeltee hält man diesen automatisch für gesund, wenn man nicht genau hinsieht. Man vertraut einer Apotheke doch.
Müssen Apotheker eigentlich auch einen hippokratischen Eid ablegen? Oder etwas Vergleichbares? Sind sie auf irgendeine Weise gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Kunden keinen Schaden zuzufügen? Also moralisch gesehen finde ich schon und daher würde ich mich bei der Apotheke über diesen Tee und das Werbeangebot beschweren. Erst recht, wenn sie meinen übergewichtigen Vater bereits in die Falle gelockt hätten.
Der Brennwert für 10 Gramm, also ungefähr 2 Teelöffel, war mit 38 kcal und die Kohlenhydrate waren mit 9,6 Gramm angegeben.
Ich empfinde das schon ein wenig als übertriebene Aufregung. Aus den zwei Teelöffeln macht man sich doch eine Tasse und da trinkt man vielleicht ein oder zwei Tassen am Tag und bleibt dennoch unter 100 kcal. Das ist etwa so wie bei einer Limonade. Ein Erwachsener soll doch etwa 2000 kcal am Tag zu sich nehmen, was macht denn da die eine Tasse aus? Er wird ja nicht die komplette Packung Tee an einem Tag trinken. Man erleidet auch keinen Schaden, nur weil man mal einen süßen Tee trinkt. Die Menge macht’s. In der Apotheke gibt es auch Traubenzucker und Fruchtgummi mit Hustenmittel drin. Das ist auch nicht zum massenweisen Konsum gedacht.
Ich verstehe den Einwand schon, dass man nun in einer Apotheke nur Medikamente oder gesunde Dinge erwartet. Aber selbst eine heiße Zitrone, die man dort kaufen kann, wird ähnlich viel Zucker haben. Aber andererseits hat Krümeltee doch immer viel Zucker. Wo soll denn der Geschmack sonst herkommen? Ungesüßter Tee schmeckt halt irgendwie lasch, entweder man macht Zucker oder Süßstoff rein und bei Süßstoff würden sich bestimmt auch wieder einige beschweren, die Süßstoff für etwas Schlimmes halten.
Egal, was auch immer man kreiert, es kann immer der Einwand erhoben werden, dass etwas nicht gesund genug sei. Es kommt immer darauf an, wer etwas isst und wie viel er zu sich nimmt. Große Mengen sind von keinem Nahrungsmittel gut, noch nicht einmal von Obst oder Salat. Beim Obst kann man Durchfall bekommen, beim Salat Blähungen usw. Man darf von nahezu keinem Nahrungsmittel größere Mengen essen. Selbst zu viel Wasser kann schädlich sein, weil man dadurch den Mineralstoffhaushalt durcheinander bringt.
Und so ist es auch bei diesem Tee. Der schmeckt gut, weil er Zucker enthält. Wäre keiner drin, würde der nicht schmecken oder zumindest wäre er dann lasch. Was soll denn der Hersteller machen? Ein intensiv schmeckender Tee braucht ein Süßungsmittel. Wenn die 10 Gramm Tee dann auch noch 22 mg Vitamin C enthalten, ist der doch gar nicht so schlecht, denn 100 mg Vitamin C ist dann glaube ich schon wieder der Tagesbedarf an diesem Vitamin. Man muss da nicht gleich immer eine Verschwörung wittern. Und der Tee ist deswegen nicht automatisch gesundheitsschädlich.
Ich mag überhaupt keinen Zucker in Reinform und deshalb empfinde ich zehn Gramm für so ein kleines Glas als sehr viel. Man geht hier auch von 100 ml aus was nicht viel mehr als ein Sektglas ist. Eine große Kaffeetasse fasst 200 ml, mein Teepott 0,5 Liter und wer sich eine ganze Kanne kocht der ist mindestens mit 0,75 Liter dabei. Da kann sich das dann doch ganz schön summieren. Bei der Gelegenheit kann man ja gleich noch die in der Apotheke geschenkt bekommen Gummibärchen auf Fruchtsaftbasis mit verzehren, dann ist der Zuckerschock komplett.
Ich hatte neulich auch so eine Tüte mit Gummibären geschenkt bekommen, aber in groß und natürlich „Bio“. Die konnte man wirklich nur entsorgen, zum selber essen taugte sie nicht. Ich habe sie natürlich gekostet, aber so etwas extrem Süßes habe ich schon lange nicht mehr gegessen. Wenn so etwas auch in der Apotheke mit verschenkt wird, und so wie hier geschrieben auch an übergewichtige Kinder, dann wundert mich das mit dem Zuckertee eigentlich auch nicht mehr.
So Probesendungen von Waren sind bei uns gar nicht zugelassen. Die Proben in den Apotheken da kann man leider nichts gegen machen, da hilft nur das lesen. Aber ich kann deine Aufregung Verstehen, gerade wenn dein Vater Probleme mit seinem Gewicht hat. Und eventuell eine Zuckerkrankheit mit im Raum steht, wird es bei solchen Probesendungen leicht gefährlich. Hast du den Apotheker mal drauf angesprochen, das seine Sendungen auch leicht nach hinten los gehen können?
19kitty90, extra dafür zur Apotheke gehen wollte ich auch nicht. Meistens sind nach 16:00 Uhr sowieso nur noch die Angestellten da und die können ja nichts dafür. Ich hatte eine Mail geschickt wo ich meinen Unmut äußerte, aber die wurde bisher noch nicht beantwortet.
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