Warum werden im Süden mehr künstl. Kniegelenke eingesetzt?
Künstliche Kniegelenke sind heute nichts Besonderes mehr. Natürlich hängt es von dem Krankheitsbild und den Beschwerden ab, ob und wann jemand ein künstliches Kniegelenk bekommt. Aber es kommt auch noch darauf an, wo man wohnt, in welcher Gegend von Deutschland, ob im Norden oder Süden.
So wurde auf Basis von AOK-Daten von 2011 festgestellt, dass auch der Wohnort eine Rolle spielt. So erhielten beispielsweise in einem bayrischen Ort von 100.000 Einwohnern 214 ein neues Gelenk. In einem brandenburgischen Ort erhielten 73 von 100.000 Einwohnern ein neues Kniegelenk. Dieser Unterschied ist verblüffend, bedeutet aber nicht, dass die Menschen in Frankfurt/Oder gesünder sind als in Bayern oder dass sie ihre Kniegelenke mit einem Wundermittel behandelt haben.
Als Grund wird vermutet, dass die Arztdichte im Landkreis Neustadt größer ist als in Brandenburg. Es werden also mehr Ärzte aufgesucht und Untersuchungen gemacht. Ein anderer Grund könnte sein, dass in reicheren Regionen die Ansprüche an die Lebensqualität höher sind. Was meint ihr, könnte der wahre Grund sein? Vielleicht habt ihr noch eine andere Vermutung, warum der regionale Unterschied so groß ist? Haben die Menschen in Brandenburg eine andere Einstellung bezüglich Verschleiß-Krankheiten?
Ich glaube hauptsächlich liegt es einfach an der Arztdichte. Je einfacher es ist zu einem Arzt oder einem Facharzt zu kommen umso mehr wird auch behandelt. Gerade im ländlichen Brandenburg ist es oft recht weit um zu einem Arzt zu kommen, also werden viele Menschen erst gar nicht da hingehen und dann muss man ja auch noch zu einem Orthopäden, der wahrscheinlich noch schwerer zu erreichen ist.
Wenn man jetzt davon ausgeht, dass alle mehr oder weniger gleich krank beziehungsweise die Gelenke gleich verschlissen sind, dann wird man natürlich bei mehr untersuchten Patienten mehr finden, denen man ein künstliches Gelenk einbauen sollte. Das muss jetzt also nicht mal etwas verwerfliches sein oder Gewinndenken dahinter stecken.
Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass dieses vermeintliche Phänomen an der Arztdichte liegt. Ich bin eher der Meinung, dass es aus den Lebensumstände und vielleicht auch aus den Gewohnheiten der Menschen resultiert.
Was ich jetzt äußere, mag von Vorurteilen und Stereotypen geprägt sein. Ich lebe weder in Bayern, noch in Brandenburg und habe es auch nicht getan. Aber ich weiß, dass Bayern eine Gebirgsregion ist. Und Brandenburg - so weit ich informiert bin - ist es nicht. Gut und schön, was hilft das jetzt? Nun, es ist natürlich für ein Knie anstrengender und verschleißender, wenn es zeitlebens bergauf bergab gehen muss und dementsprechend ganz anders belastet wird, als wenn es auf dem flachen Land in einer Ebene läuft und sich dabei voll entfalten kann. Natürlich wird es auch hierbei beansprucht und abgenutzt, aber nicht so sehr, als wenn es im Gebirge unterwegs wäre. Zudem ist es in meiner Vorstellung so, dass gerade im Süden Deutschlands mehr Wert auf körperliche Bewegung gelegt wird. Sei es nun Wandern oder sonst etwas. Auch dies würde mit dazu beitragen, dass mehr Knieoperationen und Transplantationen durchgeführt werden müssten. Wie gesagt, diese Vorstellung kann ich natürlich keineswegs belegen. Jedoch habe ich dieses Bild in meinem Kopf.
Daher überrascht es mich nicht, dass man im Süden von Deutschland so viel mehr Kniegelenke ersetzt. Und ich denke auch nicht, dass es mit dem Unterschied zwischen einkommensschwachen und einkommensstarken Gegenden zu tun hat. So wie ich es kenne, übernimmt nämlich die Krankenkasse in einem solchen Fall die Kosten. Kein versicherter muss also auf diesen Anspruch an Lebensqualität verzichten, wenn sein Kniegelenk ernsthaft beschädigt ist. Aber wie gesagt, das sind alles nur meine persönlichen Thesen.
olisykes91 hat geschrieben:Und ich denke auch nicht, dass es mit dem Unterschied zwischen einkommensschwachen und einkommensstarken Gegenden zu tun hat. So wie ich es kenne, übernimmt nämlich die Krankenkasse in einem solchen Fall die Kosten. Kein versicherter muss also auf diesen Anspruch an Lebensqualität verzichten, wenn sein Kniegelenk ernsthaft beschädigt ist. Aber wie gesagt, das sind alles nur meine persönlichen Thesen.
Was aber nichts daran ändert, dass zunächst einmal jemand die Indikation für die Prothesenimplantation stellen muss. Das macht man ja nicht zu Hause und sagt sich einfach mal so, dass man nun eine Knieprothese braucht, weil es ab und zu zwickt. Und die Inanspruchnahme ärztlicher Leistung ist in Deutschland nun einmal stark vom Einkommen abhängig.
Abgesehen davon ist das ja kein Einzelfall, sondern ein Phänomen, dass auch in anderen Fachrichtungen zu sehen ist. So operieren auch Neurochirurgen wesentlich häufiger Bandscheibenvorfälle oder bei Rückenschmerzen im Süden Deutschlands. Dabei sieht man das auch noch sehr stark zum Beispiel in München, wo die Arztdichte mit am Größten ist. Zumindest ein statistischer Zusammenhang besteht zwischen Arztdichte und Operationen eindeutig, ob das nun auch kausal zusehen ist steht auf einem anderen Blatt, ich denke aber dass es schon ein wichtiger Grund ist.
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