Sterbehospize: Jeder 3. möchte dort sterben

vom 31.03.2014, 16:59 Uhr

Obwohl ich mich mit dem Thema Tod und Sterben schon seit längerer Zeit befasse, muss ich ehrlich sagen, dass ich von Hospizen erst zum ersten Mal gehört hatte, als ich schon relativ alt war. In meiner Kindheit habe ich davon nie gehört, in meiner Jugend seltsamerweise auch nicht. Und das, obwohl ich durchaus auch sehr alte Verwandte hatte, die in einem sehr schlechten gesundheitlichen Zustand waren, bevor sie starben. Aber dass es Einrichtungen gibt, in denen ein Mensch betreut und versorgt von bezahltem Personal sterben kann, das habe ich wirklich erst relativ spät erfahren.

Das Thema Sterbehospize und Palliativmedizin kam aber nun schon seit einigen Jahren verstärkt in die Medien. Woran das liegt, weiß ich nicht, aber ich habe nun immer wieder von Hospizen lesen können. Und neulich fiel mir auch noch ein Nachrichtenartikel in die Hand, der besagte, dass sich laut einer Umfrage jeder dritte Mensch in Deutschland wünschen würde, seine letzten Lebenstage betreut in so einem Sterbehospiz zu verbringen.

Das empfinde ich schon als interessant. Ich selber würde nämlich bevorzugt im Kreis der Menschen, die ich liebe, sterben wollen, also bei meiner Familie oder bei Freunden. Außerdem würde ich gerne in einer gewohnten Umgebung sterben, also möglichst bei mir selber zuhause, und nicht anderswo, sei es nun Hospiz oder Krankenhaus. Mir ist natürlich klar, dass man auch im Hospiz von seinen Verwandten und Freunden besucht werden kann, und dass man das Zimmer, in dem man dort lebt, auch mit eigenen Sachen ein wenig dekorieren lassen kann. Aber ich empfinde es doch als etwas Unterschiedliches, ob man nun wirklich zuhause stirbt, oder aber in einem Hospiz.

Ich frage mich, ob die Tendenz der Menschen, die im Hospiz sterben möchten, steigt. Weiß jemand von Euch etwas darüber? Statistiken wird es doch sicherlich geben. Außerdem würde mich interessieren, ob es irgendwelche Gründe dafür gibt, dass immer mehr Menschen in einer speziellen Einrichtung, betreut von Fremden, sterben wollen. Einerseits kann ich mir zwar schon vorstellen, dass es beruhigend ist, wenn man weiß, dass man die letzten Tage gut betreut wird, und dass notfalls medizinisch etwas gegen Schmerzen unternommen werden kann. So leidet man zumindest körperlich nicht zu sehr, wenn es zuende geht.

Andererseits aber bin ich dann doch auch so gesellschaftspessimistisch, dass ich mich frage, ob dieser Wunsch, von Fachpersonal umsorgt zu sterben, vielleicht auch etwas damit zu tun hat, dass gesellschaftliche Bindungen heute immer lockerer und brüchiger werden. Es gibt viele alte Leute, die weder einen Partner, noch sonderlich viele Freunde haben. Kontakte zu Kindern oder Enkeln bestehen auch nicht immer. Gerade in Großstädten gibt es zwischen vielen Menschen eine ziemliche Anonymität. Die Scheidungsrate steigt ebenfalls. Klar kann man sich fragen, ob es besser wäre, sich nicht scheiden zu lassen, und dafür unglücklich mit einem Menschen, mit dem man nicht wirklich etwas anfangen kann, viele Jahre zu verbringen. Das halte ich auch nicht für optimal.

Aber dass immer mehr Ehen zerbrechen, dass immer mehr Leute Singles bleiben und alleine leben, die Tendenz gibt es heute schon. Die Leute sind dann eben oft auch im Alter alleine und werden dann teilweise eben auch nicht von Verwandten oder Freunden unterstützt. Da muss dann natürlich eine bezahlte Unterstützung her, weil sonst niemand da ist. Ich sage nicht, dass es allen Leuten, die in Hospizen sterben, so schlimm gehen muss. Aber solche Fälle wird es sicherlich auch geben, und mit der zunehmenden sozialen Isolation vieler Leute werden solche Fälle sicher nicht weniger werden.

Von daher könnte ich mir vorstellen, dass es auch soziale Entwicklungen gibt, die es einfach notwendig machen, dass Menschen im Hospiz sterben. Ob sich das noch verstärken wird? Oder ob irgendwann vielleicht doch wieder ein "Trend" dazu auftaucht, zuhause bei seiner Familie zu sterben und sich gar nicht in fremde Hände begeben zu wollen, wenn nicht zwingend notwendig?

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Solche Stationen und Häuser sind einfach ganz wichtig für unsere Gesellschaft. Ärzte in Krankenhäusern können sterbenden Menschen keine richtige Aufmerksamkeit schenken, sie dürfen nur behandeln müssen immer wieder dran bleiben und können den Menschen nicht in Ruhe in schöner Umgebung sterben lassen. Das ist in einem Hospiz eben anders. Dort kann man in Würde sterben und kann vor allem auch in ruhiger Umgebung sterben und muss nichts nehmen, wenn man nicht will.

Ich denke, dass hier noch viel getan werden muss, dass die Leute solche Einrichtungen kennenlernen und vor allem müssen solche Einrichtungen mehr werden, weil man im Krankenhaus oder zu Hause eben nicht so ruhig sterben kann. Man wird dort richtig gut betreut und bekommt alles, was man braucht. Ich würde auf jeden Fall dahin gehen und ich denke, dass es nicht schaden kann, wenn man sich so etwas mal ansieht. Sicherlich wird der Trend dazu gehen, dass die Menschen mehr dahin gehen, was nicht nur an den Umständen im familiären und privaten Umfeld liegt.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge


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