Sich über eine Schilddrüsenüberfunktion freuen?
Bei mir ist vor einigen Jahren mal eine Schilddrüsenüberfunktion festgestellt worden. Es ist bis heute so, dass ich eigentlich sehr viel essen kann, ohne das ich zunehme, ich habe seit Jahren ein relativ konstantes Untergewicht, was sich auch nicht ändert, obwohl ich da nichts gegen hätte. An sich aber stört mich das nicht weiter und mein Arzt hat die Unterfunktion jetzt auch als keine großartige Bedrohung angesehen, weswegen ich keine Medikamente dagegen nehmen muss.
Eine gute Freundin von mir hatte jetzt in letzter Zeit einige Symptome, die sie zu einem Gang zum Arzt überredet haben. Sie hatte häufiger mal Herzrasen und heftige Heißhungerattacken, meistens hatte sie sogar nach dem Essen noch ein Hungergefühl. Beim Arzt hat sich dann herausgestellt, dass ihre Schilddrüse nicht richtig funktioniert und sie hat jetzt einen Termin beim Radiologen bekommen, damit das abgeklärt wird. Die Ärztin hat sie auch gefragt, ob sie zu oder abgenommen hätte, was aber beides nicht der Fall war.
Nun ist meine Freundin ganz aufgebracht und hat mich extra angerufen, um mir zu sagen, dass sie möglicherweise eine Schilddrüsenüberfunktion hat. Ein wenig lustig fand ich das schon. Meine Freundin ist jetzt nicht unbedingt die schlankeste, sie hat ein paar Kilo zu viel auf den Rippen und erhofft sich ganz offensichtlich durch die Schilddrüsenüberfunktion einen Gewichtsverlust. Neben mir gibt es in unserem gemeinsamen Bekanntenkreis ein weiteres Mädel, welches an einer Schilddrüsenüberfunktion leidet und diese ist auch sehr schlank, obwohl sie sehr viel isst.
Ich habe meine Freundin nun auch darüber aufgeklärt, dass es eigentlich sehr naiv ist zu glauben, dass man aufgrund einer Schilddrüsenüberfunktion abnimmt. Zwar ist bekannt, dass das in einigen Fällen so ist, aber das muss nicht immer zwangsläufig so sein und hängt auch von der Schwere der Überfunktion ab. Abgesehen davon bleibt und ist dies eine krankhafte Veränderung und je nach Schwere wird sie eventuell auch Medikamente bekommen. Gekontert hat sie dann allerdings mit dem Argument, dass es auch möglich wäre durch die Medikamente gegen eine Schilddrüsenunterfunktion abzunehmen. Sofern das vom Arzt unterstützt wird, stimmt das auch wirklich.
Ich wollte nun auch nichts weiter dazu sagen, sehe es aber ehrlich gesagt nicht als besonders klug an, wenn sich jemand über eine Fehlfunktion seiner Schilddrüse freut. Neben Veränderungen des Gewichts können da auch noch viele andere Sachen auftreten und die Gesundheit gefährden. Daneben glaube ich nicht, dass ein Arzt eine Diät mit Schilddrüsenhormonen unterstützen wird, wenn es sich nur um leichtes Übergewicht handelt. Ich kenne einen Fall, wo dies auf diesem Wege unterstützt worden ist, aber da ging es um eine Verbeamtung und war daher ziemlich dringend.
Abgesehen davon läuft eine Behandlung der Schilddrüsenfehlfunktion ja auch darauf hinaus, dass die Schilddrüse wieder richtig funktioniert. Und wenn dies erstmal der Fall ist, dann wird die Schilddrüse die Gewichtszunahme oder -abnahme auch nicht weiter unterstützen. Wenn also keine gleichzeitige Ernährungsumstellung erfolgt, dann gibt es eigentlich keine große Aussicht auf Hoffnung.
Mich würde mal interessieren, ob jemandem von euch schon mal die Diagnose einer Schilddrüsenüberfunktion gestellt worden ist und wenn ja, ob ihr euch darüber habt freuen können? Es soll ja Leute geben, die dass dann als Freischuss ansehen und meinen, sie könnten essen, was sie wollten. Wie habt ihr das empfunden? Hättet ihr gerne eine Schilddrüsenüberfunktion, um eure Gewichtsabnahme zu unterstützen?
Ich habe keine Schilddrüsenunterfunktion, würde mich aber glaube ich nicht wirklich darüber freuen. Natürlich ist es schön, so viel essen zu können, wie man möchte, ohne dick davon zu werden. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass man selbst sein Gewicht bestimmen können sollte, was man damit ja definitiv nicht kann.
Früher war ich immer zu dünn und untergewichtig, was aber einfach an meinen Genen lag. Ich wurde dann in der Schule und auf Feiern immer gefragt, ob ich magersüchtig wäre und nur die Hälfte der Leute hat mir geglaubt, wenn ich verneint habe. Das war schon ziemlich nervig und es hat mich auch gestört, inzwischen hat sich das zum Glück aber gegeben. Ich denke aber, dass es bei einer zu schlimmen Schilddrüsenüberfunktion auch so kommen könnte, das einem einige Leute die Krankheit einfach nicht glauben und denken, man wäre magersüchtig.
Generell finde ich, sollte man sich nicht über Krankheit freuen, weil so etwas ja immer bedeutet, das irgendetwas mit dem Körper nicht stimmt und somit auch überwacht werden muss, auch wenn es keine schlimme Krankheit wie beispielsweise Krebs ist. Außerdem kann sich die Krankheit auch immer verschlimmern, wodurch ich Freude nicht wirklich angemessen finde. ![]()
Ich kann schon verstehen, dass man eine Überfunktion der Schilddrüse als etwas Gutes empfindet, wenn man mit seinem Gewicht unzufrieden ist. Die Vorstellung, essen zu können, was man möchte, ohne zuzunehmen oder dabei sogar noch abzunehmen, ist wirklich verführerisch. Für Übergewichtige wirkt sowas schonmal wie der ultimative Weg zur Abnahme - ohne großen Aufwand automatisch Abnehmen und da vergisst sicher so mancher, dass es sich um eine Erkrankung handelt, von der mehr als nur das Gewicht abhängt.
Bei mir wurde vor Jahren eine Unterfunktion der Schilddrüse festgestellt. Das ist quasi das Gegenteil - selbst, wenn man normal isst, neigt man dazu, zuzunehmen, weil der Stoffwechsel verlangsamt ist. Ich nehme also Hormone in Tablettenform, um eine normale Funktion zu haben. Als ich bei richtiger Dosierung dann binnen 2 Monaten trotz schlechten Essens fast 20 Kilo abgenommen hatte, was dann aber aufhörte, hatte ich schon die Idee, die Tabletten höher zu dosieren um damit eine Überfunktion der Schilddrüse zu provozieren, um mehr abzunehmen. Ich hatte aber zum Glück genug Verstand, das sein zu lassen.
Ich habe genau das Gegenteil, nämlich eine Schilddrüsenunterfunktion. Als ich das damals erfahren habe, habe ich mich erst einmal doch sehr erschrocken. Ich habe dann auch darüber nachgelesen, was genau bedeutet und mein erster Gedanke war, dass ich nun dick werden könnte, als ich eben las, dass bei einer Unterfunktion oft Übergewicht eine Rolle spielt bzw. es dazu kommen kann. Ich finde mich ja eh schon dick und das wäre für mich eine Katastrophe gewesen.
Ich nehme seit Jahren deswegen Tabletten und könnte auch gut und gerne darauf verzichten. Ich würde mich niemals über eine Erkrankung freuen und kann es nicht nachvollziehen, dass deine Freundin das offensichtlich tut. Eine Krankheit ist doch nie was Gutes und da sollte einem doch die Gesundheit wichtiger sein. Wie du schon sagst, kann Gewichtsverlust eine Ursache dafür sein, aber es kommt eben nicht immer vor. Meine Oma hat auch eine Überfunktion und ist nicht dünner geworden. Sie hat Normalgewicht, würde ich sagen.
Ich habe selbst auch eine Schilddrüsenunterfunktion und habe mich bei der Einstellung auf die Tabletten sehr schwer getan und hatte über sehr lange Monate die Erscheinungen einer Überfunktion bis sich das irgendwann einmal dann eingependelt hat. Ich muss ehrlich sein, dass die (leider nur vorübergehende) Gewichtsabnahme da ein angenehmer Nebeneffekt war, allerdings hatte ich auch Herzrasen, Haarausfall und andere Geschichten, die ich wiederum nicht so doll fand. Ich hätte lieber eine normal funktionierende Schilddrüse.
Gerade die Schilddrüse ist ein sehr wichtiges Organ, auf das man immer gut achten sollte. Daher sollte man meiner Meinung nach eine Unter- bzw. Überfunktion sofort behandeln bevor sich irgendwelche langfristigen negativen Folgen einstellen. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen wie man auf die Idee kommt, durch eine künstliche Überfunktion abnehmen zu können. Dadurch hat man doch definitiv mehr Schaden als Nutzen. Man sollte auch nicht vergessen, dass das gerade bei Kinderwunsch auch gefährlich sein kann, da eine nicht optimal funktionierende Schilddrüse auch zu Fertilitätsproblemen und vermehrten Fehlgeburten führen kann.
Wie man sich über eine fehlfunktionierende Schilddrüse, das beinhaltet auch eine Schilddrüsenüberfunktion, freuen kann, ist mir rätselhaft. Gewichtsabnahmen hin oder her, Schilddrüsenüberfunktionen liegen unter anderem autonome Areale vor, die unabhängig vom Kreislauf arbeiten und ständig Hormone produzieren, obwohl keine benötigt werden. Morbus Basedow kann aber auch vorliegen, eine autoimmunogene Schilddrüsenerkrankung. Das muss im Rahmen der Diagnostik festgestellt werden.
Eins sei aber auch gesagt: Unbehandelte Hyperthyreose wird früher oder später zu einer Struma führen, das ist nahezu sicher wie das Amen in der Kirche. Insofern kann ich die Freude beim besten Willen nicht teilen, zumal eine große Struma durchaus operationsbedürftig sein kann und man damit noch mehr mit der Erkrankung zu tun hat, als es einem lieb ist.
Dann doch lieber frühzeitig eine Therapie einleiten und sich auch angemessen mit der Erkrankung auseinandersetzen, als sich nur an einem, möglichen Symptom zu erfreuen, vom dem nach nicht 100%ig voraussagen kann, dass es auch so kommen wird. Die Langzeitfolgen einer Hyperthyreose darf man nicht unterschätzen, von daher ist eine frühe Therapie ganz wichtig.
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