Sollte man präventiv in den Krankenstand gehen?

vom 02.02.2014, 22:12 Uhr

Eine Freundin von mir ist berufstätig und ist eigentlich kaum oder nur ganz selten krank. Sie meint, dass das daran liegt, dass sie präventiv in Krankenstand geht. Das heißt, sie wartet nicht, bis sie wirklich krank ist, sondern geht eben auch in Krankenstand, wenn sie meint, dass sie es gerade nötig hat. Also ich möchte dazu gleich sagen, dass sie eigentlich sehr fleißig ist und ihr ihre Arbeit sehr wichtig ist. Sie erklärte es mir damit, dass sie durch den präventiven Krankenstand gezielter in Krankenstand gehen kann, wenn es beruflich eben zumindest etwas besser passt.

Sie nimmt sich also bewusst Krankenstandstage, obwohl sie noch gar nicht krank ist. Diese Tage nutzt sie aber auch bewusst um sich auszuruhen und Energie zu sammeln. Also sie liegt dann wirklich den ganzen Tag im Bett und ruht sich aus, sieht fern, liest ein Buch oder dergleichen. Dadurch meint sie, dass ihr Körper sich gut regeneriert und wieder Energie tankt. Dadurch wird sie auch so selten krank.

Was haltet ihr von dieser Theorie. Im Prinzip muss man ja zugeben, dass durchaus etwas Wahres dran ist. Also es ist durchaus richtig, dass jemand, der überarbeitet ist oder dergleichen anfälliger für Krankheiten ist, als jemand der weniger Stress hat. Meine Freundin meint, dass wenn sie nicht präventiv in den Krankenstand gehen würde, sie bestimmt häufiger krank werden würde und dann müsste sie ja auch in den Krankenstand gehen. Nur auf ihre Art und Weise ist es etwas mehr „unter Kontrolle“ und nicht ganz so überraschend.

Aber auch wenn ich da ein paar Gedankengänge durchaus ein wenig nachvollziehen kann, würde ich es von meiner Einstellung her nicht schaffen, in Krankenstand zu gehen, obwohl ich noch gar nicht krank bin. Auch wenn ich den Tag dann wirklich wie in einem Krankenstand verbringen würde, hätte ich da ein mehr als nur schlechtes Gewissen. Den Krankenstand bekommt sie übrigens anstandslos von ihrem Hausarzt. Dem hat sie das auch so erklärt und er hat laut ihrer Aussage das auch mehr oder weniger genauso gesehen.

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» tournesol » Beiträge: 7773 » Talkpoints: 0,38 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Also den Hausarzt musst du aber unbedingt weiterempfehlen. Spaß beiseite. Ich finde das unmöglich. Für Tage an denen man sich ausruhen kann sind, meiner Meinung nach, die Wochenenden und Urlaubstage eingeplant. Deine Freundin sollte nicht vergessen, dass andere Mitarbeiter für ihre Tage in schwerer Krankheit herhalten müssen. Immerhin muss die Arbeit trotzdem gemacht werden.

Zum Thema präventiv. Sie könnte den Spieß doch mal umdrehen und ein Jahr lang keine dergleichen Maßnahmen ergreifen. Dabei würde sie vielleicht herausfinden, ob diese Tage wirklich zu ihrem guten Gesundheitszustand beitragen oder nicht.

» Fabienne3 » Beiträge: 824 » Talkpoints: 23,73 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Meine Freundin hat dies sogar angeblich ausprobiert. Ich möchte damit nun nicht sagen, dass ich ihre Meinung teile, aber sie hat eben gemeint, dass sie früher viel häufiger im Krankenstand war und in der Summe noch viel häufiger gefehlt hat, als jetzt, wo sie eben "präventiv" in den Krankenstand geht. Wie bereits beschrieben könnte ich s ebenfalls aus moralischen Gründen nicht machen, aber sie hat auch gemeint, dass sie das nun schon länger so macht. Angeblich hat sie irgendwann auch mal wieder probiert eben nicht präventiv in Krankenstand zu gehen und dann wäre sie angeblich wieder öfters krank geworden.

Inwiefern nun diese ganzen Aussagen von ihr stimmen, habe ich ehrlich gesagt nie nachgeprüft. Ich kann nur das weitergeben, wie sie es mir gesagt hat. Also das mit dem präventiven Krankenstand ist sicher so, dass sie das so macht, aber ob sie früher öfters im Krankenstand war als jetzt habe ich natürlich nicht nachgeprüft.

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» tournesol » Beiträge: 7773 » Talkpoints: 0,38 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Für mich liest sich das so, als hätte deine Freundin eine besonders raffinierte Strategie entwickelt, um ihre zusätzlichen Urlaubstage vor sich und ihren Mitmenschen zu rechtfertigen. Man hat ein viel weniger schlechtes Gewissen, wenn man sich zur "Gesundheitsprävention" im Bett räkelt und Tee trinkt als wenn man sich einfach eingesteht, keinen Bock auf Schneeregen und voll gestopfte Pendlerzüge zu haben.

Dass mich niemand falsch versteht: Natürlich ist es sinnvoll, von Zeit zu Zeit mal auszuspannen und Energie zu tanken, damit die Arbeit dann wieder leichter von der Hand geht. Auch mein Immunsystem würde es mir danken, wenn mich nicht ständig fremde Leute anhusten würden. Aber dafür hat der Arbeitgeber in der Regel den sogenannten "Erholungsurlaub" vorgesehen, sprich, bezahlte arbeitsfreie Tage, die dem Arbeitnehmer die Möglichkeit geben sollen, neue Kräfte zu sammeln. Was natürlich letzten Endes dem Erhalt der Leistungsfähigkeit und der gesundheitlichen Regeneration dient. Meiner Ansicht nach macht deine Freundin also ganz einfach Urlaub.

Krankheitstage sind nach der allgemein gültigen Definition etwas anderes. Ich glaube, den Unterschied muss ich nicht im Detail ausführen. Meiner Meinung nach ist es durchaus legitim, nicht erst dann zu Hause zu bleiben, wenn die Erkältung oder Grippe auf dem Höhepunkt ist, sondern schon bei den ersten Symptomen, weil diese Art Krankheit oft wirklich schneller abklingt, wenn man sie quasi im Keim erstickt. Sich jedoch "pumperlg'sund", wie der Bayer sagt, in die Koje zu legen, weil man dann angeblich auf lange Sicht weniger krank wird, halte ich für Selbstbetrug. Aber solange der Arbeitgeber mitspielt, nutzen manche Zeitgenossen die gängigen Regelungen eben bis aufs Letzte aus und belächeln manchmal sogar diejenigen Kollegen, die pflichtbewusst nur dann zu Hause bleiben, wenn sie wirklich krank sind oder legitim Urlaub haben.

» Gerbera » Beiträge: 11346 » Talkpoints: 56,04 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Ich bin auch zum Glück nur selten krank, was aber ganz sicher nichts damit zu tun hat, das ich präventiv in den Krankenstand gehen würde. Einem solchen Verhalten kann ich nicht viel abgewinnen, wenn ich ehrlich bin. Sicher kann ich es schon einsehen, dass die Angestellten, die dauernd gestresst sind, vielleicht eher krank werden, als die Angestellten, die sich auch mal Ruhephasen oder ganze Ruhetage gönnen. Aber dafür muss man sich doch nicht krankschreiben lassen. Eigentlich hat doch jeder Angestellte auch mal freie Tage oder Wochenenden. An diesen Tagen kann man dann doch auch mal so tun als sei man krank, wenn einem das etwas bringt.

Auf jeden Fall kann man diese Tage dazu nutzen, sich zu erholen und zu regenerieren. Oder auch die Urlaubstage, die jedem Arbeitnehmer zustehen, eignen sich hervorragend dazu, mal zu entspannen. Dass der Arzt die Geschichte so akzeptiert und sie tatsächlich präventiv krankschreibt, kann ich nicht wirklich nachvollziehen, wenn ich ehrlich bin. Das ist nicht in Ordnung, finde ich. Der Arzt muss ja gegenüber der Krankenkasse den Grund der Krankmeldung angeben. Denkt er sich dann jedes Mal etwas aus? Auf jeden Fall ist es dann ja eine Lüge und so etwas sollte ein Arzt nicht machen.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


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