Ist eine Alkoholvergiftung auch nur von Bier möglich?

vom 04.12.2013, 22:19 Uhr

Der Neffe eines Kollegen kam vor einiger Zeit ins Krankenhaus wegen einer Alkoholvergiftung und er behauptet steif und fest, dass er nur Bier getrunken hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man volumenmäßig so viel Bier trinken kann, dass man eine Alkoholvergiftung bekommen kann. Denkt ihr, dass man nur durch Bier eine Alkoholvergiftung bekommen kann? Warum ist Bier dann gesetzlich ab 16 Jahren erlaubt, wenn es doch genauso gefährlich ist wie harte Getränke?

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» Ampelmännchen » Beiträge: 1310 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Das ist doch von mehreren Faktoren abhängig. Allem voraus von den körperlichen Gegebenheiten. Jemand, der regelmäßig trinkt, der verträgt einfach auch wesentlich mehr. Jemand, der etwas gegessen hat im Vorfeld, verträgt auch etwas mehr, jemand, der sehr schlank ist, verträgt in der Regel auch weniger als jemand, der etwas beleibter ist.

Und natürlich ist es auch von der Menge abhängig, die er getrunken hat. Wenn er richtig viel getrunken hat, nichts gegessen hat und sonst nichts oder kaum was trinkt, dann halte ich das schon für möglich. Man muss sich nicht immer zwei Flaschen Whisky rein schütten, damit man eine Alkoholvergiftung bekommt. Mit Bier ist das aber sicherlich schon schwieriger als mit Alkohol, der mehr Prozente hat.

Und man geht ja nicht davon aus, dass sich jemand damit zuschüttet. Bier hat eben weniger Prozente und in der Regel sollte man ab 16 Jahren auch selber einschätzen können, was man verträgt und wann Schluss sein sollte. Eigentlich.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge


Ein 16-jähriges Mädchen, das 1,70 m groß ist und 60 kg wiegt, hat nach 2 Litern Oktoberfestbier, in zwei Stunden getrunken, also zwei Maß auf dem Oktoberfest, fast zwei Promille Alkohol im Blut, also eine Alkoholvergiftung bis zur Bewusstlosigkeit. Bei kräftigeren Männern ist es ein bisschen mehr. Also kann man durchaus von Bier eine Alkoholvergiftung bekommen - und das passiert nicht allzu selten.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Man muss natürlich auch erst einmal 2 Liter Bier trinken können. Mir war nach zwei Schlucken auf dem Oktoberfest schon schlecht. Das meine ich mit: es spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Unter anderem eben, was man so gewöhnt ist. Wenn man regelmäßig 2 Liter Bier trinken würde, würde das auch anders aussehen.

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» winny2311 » Beiträge: 15159 » Talkpoints: 4,91 » Auszeichnung für 15000 Beiträge



winny2311 hat grundsätzlich Recht. Die Entfaltung der alkoholischen Wirkung von Getränken hängt von sehr vielen Faktoren ab. An erster Stelle steht sicherlich der Alkoholgehalt per se: Je höher dieser ist, umso stärker ist natürlich auch die Wirkung, wobei auch hier allerdings wiederum in der Resorption und im Metabolismus einige Faktoren hineinspielen. Alkoholische Getränke mit niedrigem Alkoholgehalt können bis zu 30% im Magen (plus durch die Mund- und Rachenschleimhaut )resorbiert und aufgenommen werden. Dieser Prozentsatz sinkt mit steigendem Alkoholgehalt bis zu 10%.

Dann kommt auch noch die Konstitution des Menschen hinzu. Ein recht adipöser Patient mit einem BMI von stolzen 35 hat ein sehr großes Volumen zu bieten, in dem sich der Alkohol verteilen kann, das Verteilungsvolumen ist recht entscheidend für den Wirkungseintritt, denn je größer das Verteilungsvolumen, umso mehr Zeit hat der Körper den im Blut fließenden Alkohol zu verstoffwechseln. Umgekehrt kann der Stoffwechsel ausgeschöpft sein, der Mensch aber noch weiterhin eifrig trinken, womit die Anflutung im Gehirn zunehmen würde, weil die Elimination der Resorption nicht nachkäme. Entscheidend ist hier die Leberfunktion, denn in der Leber wird 95% des aufgenommenen Alkohols mittels Alkoholdehydrogenase im sogenannten MEOS (=mikrosomales, ethanol-oxidierendes System) zu Acetaldehyd und weiter zu Acetat abgebaut. Hierbei entstehen recht schädliche Sauerstoffradikale und eine negative, intrazelluläre Energiebilanz: Die Zelle verbraucht für den Abbau mehr Energie, als sie durch den Abbau gewinnt.

Was nun hier das Problem ist, dass es sehr unterschiedliche Isoenzyme der Alkoholdehydrogenase oder des MEOS gibt man kann also keine pauschalen Aussagen darüber treffen, wie schnell der Alkohol bei Person A und bei Person B abgebaut wird, das hängt stark davon ab, wie hoch die Enzymaktivitäten sind. Regelmäßige Trinker beispielsweise haben sowohl eine höhere Aktivität dieser Enzyme als auch von der Anzahl her eine starke Enzyminduktion, was mehr oder weniger das Phänomen etwas erklärt, weshalb sie mehr Alkohol vertragen können, was aber nicht heißt, dass niedrige Konzentrationen für sie unschädlich und unbedenklich wären. Um ein Beispiel aus dem Leben zu geben: Soweit ich weiß, haben Asiaten ein anderes Isoenzym des MEOS als Europäer, weshalb sie schlecht Alkohol vertragen können.

Folgende weitere Faktoren beeinflussen die Resorption von Alkohol. Rasche Aufnahme bei konzentriertem Alkohol, in Kombination mit warmen, heißen und CO2-haltigen Getränken, Alkohol auf leeren Magen und beim erhöhten Sympathikotonus, was soviel heißt wie "unter Stress" oder "nach Trauma". Die Aufnahme ist verzögert bei gefülltem Magen, beim gleichzeitigen Verzehr von fetthaltigen Speisen oder wenn die Magenschleimhaut gereizt ist, viele Patienten haben erosive Magenveränderungen, die allerdings symptomlos sind, und entsprechend auch nicht diagnostiziert werden.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Natürlich kann man auch von Bier eine Alkholvergiftung bekommen. Im Gegensatz zu hochprozentigen Sachen wie Wodka, Rum oder Whisky musst du einfach eine höhere Menge davon konsumieren um auf den jeweiligen Promillegrad zu kommen,ab den man eine Alkoholvergiftung bekommt. Es kommt eben, wie bei allem, auf die Menge des Konsumierten an.

In diese Sinne kommt es natürlich auch darauf an, was du selber unter einen Alkoholvergiftung verstehst. Solche Alkoholvergiftungen fangen schon Enthemmungserscheinungen, verlängerter Reaktionszeit, Gleichgewichtsstörungen und leicht undeutlicher Sprache an. Das wäre sozusagen das 1. Stadium einer Alkoholvergiftung, auch Exzitation genannt. In diesem Falle sind zwischen 1-2 Promille im Blut und die genannten Syndrome treten eben auf.

Viele sprechen aber auch erst von einer Alkoholvergiftung, wenn derjenige der diese hat, schon im 2. Stadium einer Alkoholvergiftung angekommen ist, sprich zwischen 2-2,5 Promille im Blut hat. Mit Syndromen wie Erbrechen, Sehstörungen, Sprachstörungen, Gedächtnisstörungen (im Nachhinein unter dem schönen Ausdruck "einen Filmriss haben" zu finden), eventueller Aggressivität (da kommt es eben voll und ganz auf die Person an, die den Alkohol konsumiert hat) und so weiter sieht das ganze natürlich für einen Außenstehenden schon viel extremer aus und ich bin mir ziemlich sicher, dass viele Leute erst dann von einer Alkoholvergiftung sprechen werden.

Um in so ein Stadium zu gelangen, wo man 2,0-2,5l Blut im Bier hat, muss man schon gut über einen 2L Bier trinken, wenn wir jetzt vom normalen handelsüblichen Bier ausgehen. Das würde wiederum heißen, dass man gut und gerne 7 von den 0,33L Flaschen trinken müsste, um einen solchen Promillewert zu erreichen.

Auf das dritte und vierte Stadium einer Alkoholvergiftung was sich zwischen 2,5-4 und über 4 Promille bewegt, will ich gar nicht erst eingehen. Da wird dann jeder wissen, was Sache und was dabei alles passieren kann. Aber das sind natürlich nicht alle Faktoren, die so etwas beeinflussen. Des weiteren kommt es natürlich darauf an, was für einen Körperbau du hast, wie gut du Alkohol vertragen kannst und auch ob man vorher viel gegessen hat kann beeinflussen, wie sich der Alkohol auf deinen Körper auswirkt. Es ist ja ganz logisch, dass der Alkohol viel schneller wirkt, wenn sich kaum etwas anderes als dieser im Körper befindet. Brot schadet also vor Alkohol nicht wirklich.

» Knicks » Beiträge: 24 » Talkpoints: 17,28 »


winny2311 hat geschrieben:Und man geht ja nicht davon aus, dass sich jemand damit zuschüttet. Bier hat eben weniger Prozente und in der Regel sollte man ab 16 Jahren auch selber einschätzen können, was man verträgt und wann Schluss sein sollte. Eigentlich.

Dein "Eigentlich" trifft es in diesem Fall sehr gut, finde ich. Aber ich denke nicht, dass Jugendliche keine Ahnung hätten, wie viel sie problemlos an Alkohol vertragen könnten. Viele besaufen sich doch absichtlich bis zum Umkippen, weil sie damit unter ihren Freunden prahlen können wollen. Ich weiß auch nicht, was daran so toll sein soll, aber "Komasaufen" soll ja bei Jugendlichen in manchen Gegenden schon nahezu zu einem Wettbewerb geworden sein. Da geht es also nicht darum, dass sie nicht einschätzen könnten, wie viel sie vertragen, sondern, dass sie absichtlich mehr trinken, als maximal verträglich wäre.

Und ja, sicher kann man so einen Rausch auch mit Bier auslösen. Man muss nur eben mehr davon trinken. Ich denke, wenn jemand es darauf anlegt, dann würde das durchaus klappen. Außerdem habe ich mitbekommen, dass es wohl bei einigen Jugendlichen, die sich mit Bier betrinken wollen, die Tendenz gibt, sich extra Mix-Bier oder Bier mit einem sehr milden Geschmack zu kaufen, eben, damit einem nicht so schnell schlecht wird. Dieses meiner Meinung nach nach gar nichts schmeckende "Beck's Ice" soll beispielsweise so ein Bier sein, dass Teenager sich massenhaft reinkippen, wenn sie nicht an härtere Alkoholsorten kommen können.

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



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