Wundert euch der Einbruch an Bereitschaft zu Organspenden?
Schon den ganzen Tag wird über die Medien der Einbruch an Organspenden im letzten Jahr beklagt. Für mein dafürhalten war das doch eine logische Konsequenz darauf, was da so alles gerade in den letzten zwei Jahren an Organhandel-Skandalen so hochgekommen ist. Seid ihr über diesen Einbruch überrascht oder habt ihr das auch so erwartet? Haben die letzten „Skandälchen“ irgendeinen Einfluss auf eure Spendenbereitschaft gehabt?
Nun dürften ja auch mehr Leute eine Stellung zu dem Thema eingenommen haben. Immerhin wurden ja die Organspendeausweise verteilt. Ich selber habe mir dazu noch nicht so viel Gedanken gemacht und kann es mir momentan nicht für mich vorstellen, wobei ich es nicht ausschließen möchte, dass ich das später anders sehe. Skandale beeinflussen mich da aber nicht. Man muss anderen Menschen ja helfen und sollte daher schon bereit zur Spende sein oder eben klar nein sagen. Man kann das aber nicht von Skandalen abhängig machen.
Also mich überrascht das keineswegs. Das war doch sonnenklar und geradezu vorhersagbar, dass das passieren würde. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass es tatsächlich noch Menschen da draußen gibt, die naiv geglaubt haben, dass diese ganzen Skandälchen spurlos an der Organspendebereitschaft der deutschen Bevölkerung vorübergehen würde. Wer das wirklich geglaubt hat, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
Ich bin ein von Natur aus sehr misstrauischer Mensch und habe schon vor dem ganzen Skandal nicht in Erwägung gezogen, zu spenden. Mir war gleich klar, dass es da nicht mit rechten Dingen zugeht. Außerdem kann es ja auch sein, dass Ärzte einen Patienten gezielt sterben lassen, weil sie die Leber oder das Herz für einen anderen Patienten brauchen. Der Hippokratische Eid wird mittlerweile von vielen Ärzten nicht mehr Ernst genommen, obwohl sie ihn leisten.
Natürlich habe ich den Fall mitbekommen, wo Patienten, welche bezahlt haben für Organe, bevorzugt wurden. Aber deswegen werfe ich noch lange nicht meinen Organspendeausweis weg. Wenn es soweit sein sollte, dann ist mir am Ende auch egal, wer meine Organe bekommt und ob er dafür gezahlt hat oder nicht. Wenn man mich natürlich deswegen sterben lässt, wovon ich mal nicht ausgehe, dann ist das was anderes.
Wobei ich sagen muss: bevor ich vor mich hin vegetiere, soll man mich lieber sterben lassen, als mich dann in dem Zustand zu retten. Aber das ist ein anderes Thema. Ich kann es nicht wirklich nachvollziehen, warum man sich deswegen dann davon beeindrucken lässt. Es wird immer Skandale geben, aber das ändert an meiner Bereitschaft nun nichts. Und in meinem Umfeld sieht das ähnlich aus.
Olly173 hat geschrieben:Außerdem kann es ja auch sein, dass Ärzte einen Patienten gezielt sterben lassen, weil sie die Leber oder das Herz für einen anderen Patienten brauchen. Der Hippokratische Eid wird mittlerweile von vielen Ärzten nicht mehr Ernst genommen, obwohl sie ihn leisten.
Punkt 1: Diesen Eid leistet heute kein Arzt mehr, es wird ein abgewandelter Schwur abgelegt. Das sei nur mal der Vollständigkeithalber gesagt.
Viel wichtiger ist aber, dass es nunmal totaler Unsinn ist, dass Menschen mit Absicht sterben gelassen werden um an Organe zu kommen. Die Frage der Organspende wird ja nicht mit Eintritt in ein Krankenhaus geklärt, sondern erst wenn absehbar ist, dass jemand sterben wird oder gerade gestorben ist.
Noch viel interessanter finde ich aber, inwiefern sich die Skandale denn nun faktisch auf das Spenden auswirken. Sicherlich bin ich nun nicht so naiv zu glauben, dass sich Menschen davon nicht beeinflussen lassen. Aber jetzt mal ganz nüchtern und neutral betrachtet, welche negativen Auswirkungen hatten die Skandale denn jetzt auf die Transplantationen an sich? Es ist ja nun eben nicht so, dass jetzt Leute umgebracht wurden um Organe zu erhalten oder auf der anderen Seite gesunde Menschen Organe bekommen hätten, die sie nicht gebraucht haben.
Im Grunde ist doch ganz nüchtern betrachtet nichts anderes passiert, als dass man die Reihenfolge an Patienten, die dringend ein Organ brauchten, etwas geändert hat. Das mag jetzt trivial klingen und die Skandale sicher augenscheinlich verharmlosen, aber an sich ist nichts anderes passiert. Damit will ich das jetzt nicht gutheißen, keinesfalls und es sollte dafür auch die entsprechenden Strafen geben.
Aber ich will damit eben auch sagen, dass man doch seine Bereitschaft erklärt Organe zu spenden um damit Menschen zu helfen, die diese dringend brauchen. Und unter dem Strich ist genau das auch in den Skandalzentren passiert. Es haben Menschen Organe erhalten, die sie dringend gebraucht haben. Wenn man jetzt noch etwas zynisch sein will, kann man sogar behaupten, dass man damit wahrscheinlich sogar noch deutlich mehr Lebenszeit gewonnen hat, da die Überlebensraten natürlich bei vermeindlich gesünderen Patienten, nach Transplantation besser sind, als bei denen die eigentlich auf den ersten Listenplätzen stehen.
Ich denke also man sollte seine Bereitschaft zur Organspende in erster Linie daran festmachen, ob man der Meinung ist man möchte auch nach seinem Ableben noch anderen Menschen mit einer Spende helfen oder nicht und nicht ob da nun auf einer Liste auf der nur Leute stehen, die ohne Spende sterben, Nummer 1 oder Nummer 100 das Organ bekommt. Am Ende hilft das Organ jedem auf der Liste, der es bekommt. Und wenn es genug Spender geben würde, dann müsste man auch keine Rankings manipulieren. Mir selber ist es völlig egal, wer am Ende meine Organe bekommt. Wenn sie nach meinem Tod noch brauchbar sind und bei jemandem landen, der sie dringend benötigt, dann reicht mir das völlig aus.
Es ist traurig für die Menschen, die dringend ein Spenderorgan benötigen.
Mich persönlich haben diese ganzen Skandale doch sehr verunsichert. Nicht, dass ich früher gedacht hätte, es ginge immer mit rechten Dingen zu. Es gibt ja immer Menschen, die solche extremen Notlagen für sich ausnutzen, um sich zu bereichern. Aber dieser ganze Sumpf aus geldgierigen Medizinern, der da zu Tage trat, war für mich trotzdem ein Schock. Sicher handelt es sich da nur um die Spitze des Eisberges.
Wenn man an den florierenden Organhandel in Dritte Welt Ländern denkt oder sich überlegt, dass weltweit gesunde junge Menschen Kriminellen zum Opfer fallen, die sie entführen, um ihre Organe auszuschlachten, wird einem klar, mit was für einem Milliardengeschäft man es hier zu tun hat. Und wo es viel Geld zu verdienen gibt, geht die Moral nicht selten den Bach runter. (Das sieht man ja überall, ob es nun um die Pharmaindustrie, den Menschenhandel, die Zwangsprostitution, Kinderpornos oder Waffenhandel geht).
Der Skandal hat (teilweise) aufgedeckt, dass es an ausreichender staatlichen Kontrolle und strafrechtlicher Verfolgung fehlt. Hoffentlich ist der Rückgang der Organspender für die Politik ein Alarmsignal, dass an dem System Organspende dringend etwas ändern muss (in anderen europäischen Ländern wird das ja zum Teil wesentlich strenger gehandhabt). Verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, wird nicht einfach sein.
Wenn die "Götter in Weiß"sich plötzlich als ganz normale Sterbliche erweisen, unter denen es eben auch skrupellose Exemplare mit sehr viel krimineller Energie gibt, sollte man ihre Entscheidungen eben auch entsprechenden Kontrollmechanismen unterziehen und nicht blind auf ihre Ehrenhaftigkeit vertrauen.
Wer einen Organspenderausweis ausfüllt, sollte sich sicher sein können, dass seine Organe im Ernstfall einer Person zu Gute kommen, die nicht nach Kriterien wie Reichtum, Status oder Beziehungen, sondern nach seiner Stelle auf einer (nicht manipulierten) Warteliste ausgewählt wurde. Diesen Eindruck habe ich im Moment leider nicht.
Es ist ein Dilemma, weil die Bereitschaft zur Organspende eigentlich gefördert werden sollte. Ich selbst bin mit mir da auch noch nicht ganz im Reinen. Eigentlich will ich es, aber eben nicht unter diesen Bedingungen.
WEIL DU ARM BIST, MUSST DU FRÜHER STERBEN.
ALLE SIND GLEICH, ABER MANCHE SIND GLEICHER.
Das ist traurig!
Überrascht wird wohl niemand gewesen sein bei solchen Skandalen. Die Zurückhaltung der Menschen kann ich schon verstehen. Es ist sehr schade, dass gerade Ärzte sich dazu herablassen solche kriminellen Sachen zu machen. Es ist doch nicht so, dass sie am Hungertuch nagen, dass man es als eine kleine Entschuldigung gelten lassen könnte. Es sind Spezialisten, die ganz bestimmt auch ohne solche Schwindeleien genug Geld verdienen. Nur schade, dass sie dadurch potentielle Organspender verunsichert haben.
Schade für diejenigen, die dringend ein Organ benötigen, um weiter leben zu können. Dabei spielt es in meinen Augen sehr wohl eine Rolle, ob dieses Organ der erste Wartende auf der Liste bekommt oder der hundertste. Der Letztere wird noch etwas mehr Wartezeit für eine Organtransplantation haben, als der erste auf der Liste, der vielleicht schon einige Jahre warten musste und für den es nun sehr knapp wird, am Leben zu bleiben. Richtig ist natürlich, dass das gespendete Organ in beiden Fällen seiner Bestimmung zugeführt wird, nur wie das gemacht wurde, ist nicht in Ordnung und kann nicht hingenommen werden.
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