Ist nicht unterbrochener Schlaf tatsächlich gesünder?
Ich habe in medizinischen Ratgebern immer wieder von Kriterien gelesen, die angeblich den gesunden Schlaf charakterisieren. So heißt es nicht nur, dass es zum Schlafen ruhig und möglichst dunkel sein sollte, und dass man je nach seinem Alter eine bestimmte Mindestanzahl an Stunden schlafen sollte, sondern als Kriterium für guten Schlaf wird auch genannt, dass man durchschläft und nicht andauernd erwacht. Beziehungsweise wird schon gesagt, dass man während der bestenfalls sieben Stunden Schlaf schon ab und zu aufwacht, aber dann eben nur sekundenweise, und so, dass man sich morgens daran nicht mehr erinnern kann. Vor allen Dingen sollte man dann aber nicht lange wach bleiben oder sich im Bett herumwälzen, sondern schnell weiterschlafen. Wach zu werden und erst einmal eine längere Zeit nicht mehr wieder einschlafen zu gönnen, gilt als alles Andere als ideal.
Umso interessanter fand ich daher etwas, was ich neulich in einem Artikel über Schlafkultur gelesen habe, oder besser gesagt über Schlafgewohnheiten zu anderen Zeiten und in anderen Teilen der Welt. Dabei habe ich festgestellt, dass die Art und Weise, zu schlafen, wohl kulturell sehr unterschiedlich ist. Ebenso scheint es mit den Auffassungen zum "gesunden Schlaf" zu sein.
So ist es wohl bei vielen noch sehr natürlich lebenden Völkern, beispielsweise indigenen Völkern, die kein oder wenig künstliches Licht verwenden, sehr üblich, dass diese schon bei Sonnenuntergang schlafen gehen. Im Winter kann das ja bekanntlich sehr früh sein. Diese Menschen werden dann aber schon alle paar Stunden wach, und stehen dann auch auf. Während eines "Schlafzeitraums" kann es so sein, dass sie mehrfach für mehrere Stunden aufstehen und irgendwelche Dinge unternehmen, und sich dann wieder hinlegen. Es ist also nicht so, dass sie, wie es hier ja immer als ideal dargestellt wird, sieben Stunden am Stück oder nur mit geringsten Unterbrechungen schlafen. Sie schlafen vielleicht drei Stunden, sind dann zwei wach, legen sich dann wieder zwei hin, sind dann noch einmal zwei Stunden auf den Beinen, und so weiter. Das unterscheidet sich sehr von dem, was hier als üblich gilt.
Interessanterweise gelten Schlafstörungen ja nach Meinung einiger Ärzte als "Zivilisationskrankheiten". Bei sehr naturverbunden und ursprünglich lebenden Völkern scheint es bei Weitem nicht solche Schlafstörungen wie hier zu geben. Und das, obwohl ihr Verhalten, immer nur wenige Stunden zu schlafen und Schlaf und Wachsein so extrem abzuwechseln, nach der Meinung vieler europäischer Ärzte ja geradezu tödlich sein müsste. Und doch geht es ihnen offenbar in Sachen Schlaf besser, als vielen Menschen hier.
Wieso also empfiehlt man hier immernoch, man solle möglichst durchschlafen? Auf welcher Basis wird das empfohlen? Ist es vielleicht doch nicht wissenschaftlich haltbar, sondern einfach nur eine Tradition, die in Europa schon lange üblich ist? Sollte man vielleicht erforschen, ob das Verhalten, immer wenige Stunden Schlaf und Wachzustand abzuwechseln, nicht möglicherweise gesünder für den menschlichen Organismus ist?
Ich habe da mittlerweile einige Reportagen zu gesehen und gehört und die gehen eigentlich alle dahin, dass das moderne Leben dem Bio-Rhythmus des Menschen völlig entgegen läuft und dem ganzen sogar widerspricht. Verschlimmert wurde dies durch Elektrizität und die damit verbundene Möglichkeit, den Tag zur Nacht zu machen. Mittlerweile hat zumindest auch die Wissenschaft akzeptiert, dass es Menschen gibt, die morgens nicht rauskommen, nicht weil sie faule Langschläfer sind, sondern weil sie einfach eine anders tickende innere Uhr haben, als jene, die morgens putzmunter scheinen. Momentan liest man häufig, dass viele Krankheiten deshalb begünstigt werden, weil die Menschen gegen ihre Natur leben müssen. Demenzerkrankungen sollen mitunter genau deshalb auf dem Vormarsch sein beispielsweise.
Naturvölker haben diese Probleme eher nicht, weil sie enger mit der Natur leben und ihre Zeit eher nicht mit mechanischen Zeitmessern einteilen. Übrigens lässt sich auch der moderne Mensch umstellen:
Studie
Wenn man nun über die Ursachen nachdenkt und dann die gängigen Ratgeber liest, denke ich, dass diese eher gut gemeinte Tipps sind, die Symptome zu lindern, aber nicht zu dem Kern der Problematik vorstoßen.
Ich habe zwar überhaupt keine Ahnung, warum man am Stück durchschlafen sollte und ob so etwas wissenschaftlich belegt werden kann. Ebenso weiß ich nicht, warum andere Völker und Kulturen das anders machen als wir und man dort keinerlei Probleme hat es eben genau so zu machen, wie man es macht.
Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, da ich zwei kleine Kinder habe, die mich zur Zeit noch selten eine Nacht komplett durchschlafen lassen, es für mich wichtig wäre, die Nacht durchzuschlafen, da ich, auch wenn ich meine normale Stundenanzahl geschlafen habe, mich mit Unterbrechungen in der Nacht, am Morgen richtig gerädert fühle. Ich komme sehr schwer in die Gänge und stehe erst nach zehn Minuten auf. Früher, als ich durchgeschlafen habe, stand ich praktisch mit dem Klingeln des Weckers auf. Jetzt tue ich mir selbst bei zehn Minuten nach dem Klingeln des Weckers noch schwer und muss mich regelrecht zum Aufstehen zwingen.
Ich könnte mir nie vorstellen, freiwillig nur ein paar Stunden zu schlafen, ein paar Stunden wach zu sein und dann wieder zu schlafen. Wir sind es anders gewohnt und mit den ständigen Unterbrechungen kommt mein Körper einfach nicht richtig klar, auch wenn es eben so sein muss zur Zeit. Demzufolge kann ich mir schon vorstellen, dass es auf jeden Fall gesünder ist, eine Nacht durchzuschlafen.
Dass man nachts aufwacht, ist wirklich normal und das wird mit dem Alter mehr. Ältere müssen ja nachts auch mal auf Toilette usw. und schon allein dadurch entstehen Lücken im Schlaf. Besonders wichtig für den Körper ist ja der Tiefschlaf und den hat man vor allem in der ersten Nachthälfte. Das würde bei den Naturvölkern bedeuten, dass diese nach dem ersten Aufwachen schon den Tiefschlaf weg haben und danach kommt nur noch leichter Schlaf, der einen etwas erholter macht, aber nicht absolut notwendig ist.
Vielleicht machen sich die Naturvölker auch nicht so viele Gedanken über alles, Die müssen ja nicht früh raus und gehen dann eben schlafen, wenn sie müde sind und rechnen nicht aus, wann sie schlafen sollten, um beim Weckerklingeln eine bestimmte Stundenanzahl Schlaf absolviert zu haben. Wenn wir in unseren modernen Welt keine Termine hätten und keine festen Arbeitszeiten, sondern den ganzen Tag machen machen könnten, was wir wollen und wann wir wollen, könnte es und auch herzlich egal sein, wann wir schlafen gehen und wann wir aufstehen oder ob wir zwischendrin mal eine Weile wach sind. Nur ist es eben leider nicht so. Wir müssen eben leider früh raus und daher macht man sich dann Sorgen, wenn der Schlaf nicht so klappt wie geplant.
Bellikowski hat geschrieben:Ich habe da mittlerweile einige Reportagen zu gesehen und gehört und die gehen eigentlich alle dahin, dass das moderne Leben dem Bio-Rhythmus des Menschen völlig entgegen läuft und dem ganzen sogar widerspricht. Verschlimmert wurde dies durch Elektrizität und die damit verbundene Möglichkeit, den Tag zur Nacht zu machen.
Aber Naturvölker scheinen das ja auch zu machen, wenn die Angaben stimmen, dass sie nachts öfters mal wach sind, und zwar nicht nur kurz, sondern oftmals sogar mehrere Stunden am Stück. Und das ganz ohne elektrisches Licht. Die Frage ist, inwiefern das dem Biorhythmus besser entsprechen soll, als das Leben in der "Zivilisation" hier. Oder variieren die Biorhythmen verschiedener Völker so sehr? Dann sollte man das vielleicht auch noch einmal etwas detaillierter erforschen. Aktuell neigt man ja eher dazu, Aussagen über "den Menschen" allgemein zu machen, obwohl das vielleicht etwas zu einfach ist.
Zitronengras hat geschrieben:Dass man nachts aufwacht, ist wirklich normal und das wird mit dem Alter mehr. Ältere müssen ja nachts auch mal auf Toilette usw. und schon allein dadurch entstehen Lücken im Schlaf. (...) Wir müssen eben leider früh raus und daher macht man sich dann Sorgen, wenn der Schlaf nicht so klappt wie geplant.
Dass man nachts ganz kurz wach wird, ist wirklich normal. Aber es besteht ja ein Unterschied, ob man bloß für ein paar Sekunden wach wird und sich daran am nächsten Morgen gar nicht mehr erinnern kann, oder ob man vielleicht kurz auf Toilette geht, oder ob man wirklich zwischendurch für mehrere Stunden wach wird, aufsteht, und dann auch ganz normal Sachen unternimmt. Das ist ja nicht wirklich zu vergleichen.
Außerdem sprichst Du meiner Meinung nach ein wirkliches Problem an. Ja, viele Leute machen sich Stress und Sorgen, ausreichend zu schlafen. Das liegt dann an den Terminen, die man am nächsten Vormittag hat. Ich glaube, damit, dass man sich so einen Stress macht, entstehen einige Schlafstörungen vielleicht auch erst. Schließlich muss man zum Einschlafen ruhig und gelassen sein. Stress und Sorgen und Grübeleien stören den Schlaf hingegen. Vielleicht sind diese Aspekte viel ungesünder, als das elektrische Licht, das ja sonst gerne an Schlafstörungen Schuld sein soll.
Bei mir ist es übrigens so, dass ich mich nach kurzen Schlafphasen, also durchaus auch mal nur drei Stunden, weitaus fitter fühle, als wenn ich eine längere Zeit am Stück geschlafen habe. Besonders schlimm ist es, wenn ich über sieben Stunden schlafe. Dann bin ich meistens völlig platt und habe das Gefühl, dass ich aus dem Halbschlafzustand gar nicht mehr herauskomme. Da fühle ich mich komischerweise richtig erschöpft, und das, obwohl ich vorher über Stunden nur geschlafen hatte. Woran das liegt, weiß ich nicht. Ob es bei jedem Menschen so ist, oder ob es an meinen individuellen Gewohnheiten oder auch an meinem Hormonhaushalt liegt, weiß ich nicht. Ich kann mir schon vorstellen, dass es da von Mensch zu Mensch Unterschiede gibt.
Schwierige Frage. Im Prinzip kann ich über sehr kurze Schlafphasen ein ganzes Buch schreiben. Mein Sohn hat gute drei Jahre lang krankheitsbedingt nur etwa 20 bis maximal 30 Minuten durchgeschlafen. Jene Zeit war knallhart. Stundenmäßig kam ich zwar durchaus zum notwendigen Pensum, und auch mein Sohn, da wir dann eben auch über den Tag verteilt einen Mittagsschlaf oder auch zwei gehalten haben, aber dennoch waren wir beide wie gerädert. Nun muss man aber auch dazu sagen, dass es wohl sicher noch einmal einen Unterschied macht, ob man von 20 Minuten oder von 2 Stunden Schlaf redet.
Mein Sohn hat dann auch Defizite in der Entwicklung gehabt. Er ist für sein Alter zu klein, und auch im motorischen Bereich hat er ein paar Defizite. Ärzte meinen durchaus, dass das auf den ständig unterbrochenen Schlaf zurückzuführen ist. Das kann ich mir zusammengefasst durchaus vorstellen.
Wenn die Theorie mit den paar Stunden Schlaf stimmen würde, wären denke ich nicht so viele frisch gebackene Eltern so gerädert. Sie leben ja oft nach diesem Prinzip, weil der liebe Nachwuchs eben bei weitem noch nicht durchschläft.
Andererseits muss ich auch sagen, dass so ein Mittagsschlaf oft schon sehr extrem erholsam sein kann. Da war es manchmal schon so, dass ich nur 45 Minuten oder so geschlafen habe, dafür scheinbar richtig gut und danach fühlte ich mich frisch wie nach einer komplett durchgeschlafenen Nacht.
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