Gehört ihr auch zu den Glückspillen Konsumenten?
Immer mehr Leute schlucken Pillen. Unter anderem auch Antidepressiva. Diese
Glückpillen werden immer beliebter wie der verlinkte Artikel besagt. Ich persönlich kann es nicht verstehen, dass man nach derartigen Tabletten greift. Diese Tabletten machen ja meist auch noch süchtig und man ist doch eigentlich nicht der Mensch, der man wirklich ist, wenn man diese Tabletten genommen hat.
Gehört ihr auch zu den Glückspillen Konsumenten und seid ihr ein anderer Mensch, wenn ihr sie nicht nehmt? Was war der Anlass, dass ihr angefangen habt mit diesen Tabletten?
Ich denke, dass man das nicht so schreiben sollte, wie du es getan hast. Solche Tabletten sollten Menschen mit starken Depressionen bekommen um über den Berg zu kommen und wieder ins Leben finden zu können. Die Tabletten sollten nicht zu lange genommen werden, müssen sie aber mit einer Kombination mit einer guten Therapie auch nicht.
Glückspillen wie du sie nennst sind keine Bonbons und richtig harte Tabletten. Das Problem, dass es immer mehr Menschen nehmen müssen, liegt in unserer Gesellschaft. Die psychischen Probleme nehmen zu, weil es immer schneller gehen muss, immer mehr Stress von außen kommt und man einfach nicht mehr damit umgehen kann. Es wird immer schwieriger jedem gerecht zu werden und das geht eben auf die Psyche. Es ist also nicht unnormal, dass man solche Tabletten nehmen muss. Leider werden sie manchmal auch viel zu früh gegeben um sich Arbeit zu ersparen.
Ich bin eigentlich schon der Meinung, dass jeder seines Glücks eigener Schmied ist und wenn es vielleicht gerade nicht so läuft wie man es gerne hätte, dann wird es dadurch sicherlich auch nicht besser, wenn man dann legale Drogen wie diese nimmt. Klar gibt es Menschen, die einfach Depressionen bekommen und dafür nichts können, dann ist das vielleicht über einen gewissen Zeitraum sinnvoll, heutzutage aber gelten teilweise schon leichte Stimmungsschwankungen als Depressionen und die Definition scheint sehr umfassend zu sein.
Eine gute Bekannte von mir meinte vor einigen Wochen auch, dass sie beim Arzt etwas verschrieben bekommen habe, da sie depressiv sei. Ich habe sie während der letzten Wochen schon häufiger gesehen gehabt und wusste auch viel über ihr Privatleben, genug eigentlich um sagen zu können, dass das keine richtige Depression war. Ich meine klar hat man damit zu kämpfen, wenn man sich nicht mit den Eltern versteht und vom Freund verlassen worden ist, dass will ich ja auch gar nicht anzweifeln, aber depressiv wirkte sie auf mich nicht und solche Probleme sollte man als gesunder Mensch auch ohne Medikamente zu überwinden wissen.
Ich selbst würde solche Medikamente nicht so leichtfertig nehmen, aber Fakt ist ja, dass man heutzutage generell sehr leichtfertig zu Medikamenten greift, dass betrifft ja nicht nur Antidepressiva, sondern auch Schmerzmittel wie Ibuprofen, Aspirin und dergleichen. Ich habe schon häufiger beobachtet, dass Leute bei leichten Erkältungen schon alle möglichen Mittel einwerfen, ungeachtet dessen, dass jede Tablette Ibuprofen dem Organismus nachhaltig schaden kann. Deswegen käme es für mich nicht in Frage mir vom Arzt solche Pillen verschreiben zu lassen, sollte ich nicht ernsthafte Probleme haben.
Na gut, die wenigsten Menschen werden diese "Glückspillen" aus Spaß an der Freude nehmen, sondern weil sie jedenfalls glauben, ohne medikamentöse Hilfe nicht richtig auf die Beine zu kommen. Ob die Einnahme von Antidepressiva in jedem Fall sinnvoll ist, sei zunächst mal dahingestellt.
Antidepressiva sind in meinen Augen aber auch absolut keine Glückspillen, sondern meistens knallharte Psychopharmaka mit zum Teil sehr fiesen Nebenwirkungen, weshalb wohl kaum jemand auf die Idee käme, diese einfach mal so zu nehmen, weil er gerade ein wenig unfröhlich ist. Der Begriff der "Glückspillen", der in dem von dir verlinkten Artikel genutzt wird, stört mich insofern, als dass er suggeriert, diese Pillen würden glücklich machen. Gerade darum geht es aber ja bei Antidepressiva nicht. Da geht es darum, die Symptome der Depression insoweit zu bekämpfen, dass der Patient wieder ganz "normal" empfinden kann, ergo auch wieder Glück empfinden kann, wie ein normaler Mensch. Durch diese Pillen rennt man in der Regel dann aber eben nicht mit einem Dauergrinsen durch die Welt.
Ich selber bin Konsument von Antidepressiva, genau gesagt von zwei verschiedenen Medikamenten. Ich werde zumindest eines der Medikamente wohl dauerhaft nehmen müssen, da ich einfach schon seit früher Jugend an regelmäßig schlimmste depressive Phasen hatte. Da war es so, dass ich ca. zwei mal im Jahr für mehrere Wochen nicht mehr in der Lage war, irgendetwas zu machen. Dank der Medikamente sind diese Phasen eingedämmt. Ich habe diese Phasen ergo immer noch und werde sie möglicherweise auch mein Leben lang haben. Aber diese Phasen sind wesentlich kürzer und nicht mehr so heftig, dass ich wirklich daran kaputt gehe. Mir helfen diese Tabletten also, trotz der Nebenwirkungen, ein normales und lebenswertes Leben zu führen und dafür bin ich sehr dankbar.
Da ich aber am eigenen Leib spüren musste, wie sehr diese Tabletten auf einen einwirken, wie schlimm die ersten Wochen auf Grund der Nebenwirkungen waren und wie übel die Entzugserscheinungen werden, wenn ich die Tabletten mal vergesse, kann ich jedem nur dazu raten, sich ganz genau zu überlegen, ob man wirklich ohne Tabletten nicht mehr klarkommt im Leben. Und ich glaube auch, dass viele -auch Ärzte- dazu neigen, sich einfach nicht mehr die Zeit dafür zu nehmen, potenzielle Auslöser einzelner depressiver Phasen, beispielsweise nach dem Verlust eines geliebten Menschen, vernünftig zu bearbeiten. Da geht es dann nur um Funktionstüchtigkeit und da wirken Medikamente dann meist doch schneller als eine Therapie, weshalb diese dann leichtsinnig verschrieben und geschluckt werden. Meiner Meinung nach sollten solche Medikamente wirklich ultima ratio sein.
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