Arzneitee lieber in Beuteln oder als Granulat kaufen?

vom 08.01.2014, 21:51 Uhr

Einige Arzneitees gibt es ja in der Form eines Granulats oder ganz normal als Teebeutel. So gibt es zum Beispiel einen Magentee, einen Hustentee oder auch einen Blasen- und Nierentee als tassenfertiges Granulat, über das man nur noch Wasser schütten muss. Der Tee muss dann nicht ziehen, wie es bei normalen Teebeuteln der Fall ist. Der Nachteil ist aber, dass das Granulat verklumpen kann, wenn man den Deckel nicht ganz fest zudreht. Außerdem ist die Haltbarkeit nach dem Anbruch der Dose begrenzt, was bei den Teebeuteln in der Regel nicht so ist, da diese einzeln verschweißt sind. Es ist komplett unterschiedlich, ob die Kunden lieber Beutel oder das Granulat kaufen, weil eben beides Vor- und Nachteile hat.

Wie sieht es bei euch aus, wenn ihr die Wahl zwischen Teebeuteln und einem tassenfertigen Granulat als Tee habt? Für was entscheidet ihr euch eher? Möchtet ihr lieber das Granulat haben, weil es bequemer in der Anwendung ist oder sind euch die Teebeutel lieber, auch wenn ihr einen Tee damit erst aufbrühen müsst? Warum entscheidet ihr euch für die Form, die ihr eben auswählen würdet?

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge



Es gibt Arzneitee als Granulat? Ich kenne nur diese giftfarbenen Granulat-Tees in den Geschmackssorten Zitrone, Apfel und - ich glaube - Himbeere. Und die haben mit Tee nicht viel zu tun, außer dass man sie auch heiß trinken kann. Das sind Spaßgetränke, die nie einen Apfel, Zitrone oder Himbeere gesehen haben. Also für mich ist das kein Tee und hat auch keinerlei Wirkung wie ein Tee.

Und daher verbinde ich Granulat mit "ungesund" und "wirkungslos". Es ist eine billige Methode ganz schnell ein Aufbrühgetränk herzustellen. Wenn ich aber Arzneitee benötige, brauche ich genau das Gegenteil und daher würde ich von Granulat einen ganz großen Abstand nehmen. Ich weiß nicht, ob das Granulat wirklich so schlecht ist, aber das wäre meine Reaktion.

Für mich muss Tee längere Zeit ziehen, um seine Wirkung zu entfalten. Das gehört dazu. Und die Zeit habe ich auch, weil ich das Wasser sowieso nicht trinken will, solange es noch 90 Grad hat. Das Granulat kann man also auch nicht sofort trinken. Vielleicht dauert es nicht ganz so lange wie die Teeziehzeit, aber doch nicht wesentlich kürzer.

Mein Mann und ich sammeln allerdings die Kräuter für Tee selber. Im Sommer sind wir öfter mal unterwegs um Kamille, Lindenblüten, Brombeerblätter und ähnliches einzusammeln. Salbei, Pfefferminze, Brennnessel und andere Kräuter wachsen im Garten.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Meines Wissens scheint es auch Heiltees als Granulat zu geben. Jedenfalls habe ich so einen Tee schon einmal in der Apotheke gesehen. Es gibt auch Kräutertees, also nicht diese reinen Chemie-Tees mit Apfel- oder Kirsch-Aroma, die in Granulatform angeboten werden. Hierbei werden wohl die extrahierten ätherischen Öle der Kräuter direkt mit Zucker vermerkt, was dieses zuckerstreußelartige Granulat ergibt. Trotz dieser Form sind dann eben die echten Kräuterauszüge im Granulat enthalten.

Der einzige Unterschied zur "normalen" Form von Tee wäre, dass das Granulat auf Zuckerbasis hergestellt wurde, und dass der Tee dann natürlich deutlich zuckerhalter ist, als einer, den man nur aus getrocknetem Kraut herstellt. Andererseits süßen viele Leute ihre Tees ja sowieso. Das würde bei so einem Kräuter- und Heiltee in Granulatform direkt wegfallen.

Für mich wäre es aber übrigens nichts. Ich zuckere meinen Tee niemals und mag es auch gar nicht, wenn Tee zu süß ist. Außerdem gibt es normalen getrockneten Heilkräutertee einfach viel häufiger, kostengünstiger und in verschiedensten Varianten zu kaufen, während Heiltee in Granulatform relativ selten ist. Es ist also auch eine praktische Frage, allein schon diese Sache, wo man den gewünschten Tee überhaupt kaufen kann. Um einen Heiltee zu erwerben, möchte ich nicht einmal quer durch die Stadt fahren müssen. Aber ganz abgesehen davon mag ich Tees in klassischer Form irgendwie allgemein lieber, als Granulate. Das ist dann aber wohl auch ein wenig eine Frage des individuellen Geschmacks.

Barbara Ann hat geschrieben:Außerdem ist die Haltbarkeit nach dem Anbruch der Dose begrenzt, was bei den Teebeuteln in der Regel nicht so ist, da diese einzeln verschweißt sind.

Viele Heiltees, die man in Kräuterform kaufen kann, sind nicht einmal unbedingt einzeln eingeschweißt. Ich hatte jedenfalls schon verschiedene Sorten und darunter waren auch immer mal wieder welche, bei denen die Teebeutel lose in der Pappschachtel sind. Die bessere Haltbarkeit aufgrund einer Einzelverpackung ist also nicht bei jedem getrockneten Heiltee unbedingt gewährleistet. Wobei man die Teebeutel natürlich selber luftdicht in einer Tupperdose oder in ähnlichen Gefäßen unterbringen könnte, um die Haltbarkeit zu verlängern.

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Die Granulate sind nicht so wirksam wie ein aufgebrühter Tee. Wenn man keine Zeit hat um sich einen Tee aufzubrühen sollte man lieber Kapseln oder Tinkturen verwenden. Viele Tees enthalten Bitterstoffe, diese können aber nur wirken wenn kein Zucker begefügt ist. Diese Granulate stehen auf einer Ebene mit den Vitamin-Brausetabletten. Sie bringen gutes Geld und beruhigen das Gewissen des Verbrauchers. Ausnahme sind TCM-Granulate; diese sind kein Instantpulver und müssen auch länger ziehen.

Heiltees halten maximal ein Jahr, dann wird die Wirksamkeit eingeschränkt. Man sollte sie also nur kaufen wenn man sie auch braucht. Selbst gesammelte und ganz belassene Pflanzenteile können etwas länger halten, aber die stark zerkleinerte Teebeutelware lässt sehr schnell nach.

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» Karteileiche » Beiträge: 259 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Karteileiche hat geschrieben:Diese Granulate stehen auf einer Ebene mit den Vitamin-Brausetabletten. Sie bringen gutes Geld und beruhigen das Gewissen des Verbrauchers. Ausnahme sind TCM-Granulate; diese sind kein Instantpulver und müssen auch länger ziehen.

Du bist Dir sicher, dass man verallgemeinernd sagen kann, dass "TCM-Granulate" immer besser und wirkungsvoller seien? Wenn Du die "TCM" meinst, die ich kenne, handelt es sich dabei um den Begriff "Traditionelle Chinesische Medizin". Mit diesem Begriff wird in Europa ziemlich viel Schwachsinn veranstaltet. Die Benennung soll Tradition, altes Wissen und damit auch tatsächliche Heilwirkungen suggerieren, dabei kann theoretisch alles unter diesem Label vermarktet werden, selber der hinterletzte esoterische Blödsinn.

Abgesehen davon, dass auch Methoden, die tatsächlich aus dem alten China stammen, und die eine Tradition besitzen, nicht automatisch wirkungsvoll sein müssen. Schon früher basierten Wirkungen teilweise lediglich auf dem Placebo-Effekt, und der Aberglaube spielt bei chinesischen Heilungsmethoden auch manchmal eine große Rolle, wogegen diese Mittel keine wissenschaftlich nachweisbare, wirkliche Arznei-Wirkung besitzen. Man kann also keineswegs sagen, dass ein Tee automatisch wirkungsvoll und gut sei, bloß, weil irgendein Europäer behauptet, es handle sich dabei um eine traditionelle, uralte chinesische Arznei.

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Wawa666 hat geschrieben:Abgesehen davon, dass auch Methoden, die tatsächlich aus dem alten China stammen, und die eine Tradition besitzen, nicht automatisch wirkungsvoll sein müssen. Schon früher basierten Wirkungen teilweise lediglich auf dem Placebo-Effekt, und der Aberglaube spielt bei chinesischen Heilungsmethoden auch manchmal eine große Rolle, wogegen diese Mittel keine wissenschaftlich nachweisbare, wirkliche Arznei-Wirkung besitzen. Man kann also keineswegs sagen, dass ein Tee automatisch wirkungsvoll und gut sei, bloß, weil irgendein Europäer behauptet, es handle sich dabei um eine traditionelle, uralte chinesische Arznei.

TCM ist nichts was man nach dem Schema "ich habe Husten, ich nehme Salbei" anwendet. Die Kräutermedizin ist ein Bestandteil der TCM den man nicht isoliert betrachten kann was westliche Anwender gerne tun. Das gleiche gilt für die Akupunktur. Mit den wissenschaftlich nachweisbaren Wirkungen wäre ich immer vorsichtig, auch Placebo-Knieoperationen sind so wirksam wie echte und die lange Zeit durchgeführte Kortisontherapie bei Rückenleiden ist gegenüber Placebo gleich wirksam oder unwirksam. Vor Aberglauben ist auch die Schulmedizin nicht gefeit. In China werden TCM und Schulmedizin oft nebeneinander angewandt und man weist sich gegenseitig Patienten zu, je nachdem welche Therapien erfolgversprechender sind.

TCM ist also Traditionelle Chinesische Medizin, nicht Kräuterpillen und nicht Akupunktur, sondern ein in sich geschlossenes Diagnose- und Therapiekonzept. Und die in diesem Rahmen individuell verschriebenen Kräutergranulate, die entsprechend der Anweisungen zubereitet werden, sind gemeint, nicht obskure bunte Abnehmpillen. Leider wird die Pflanzenheilkunde wie auch die TCM immer mehr trivialisiert, jeder hat was darüber gelesen und nimmt irgendetwas ein und wenn es dann nicht funktioniert ist die Methode schuld.

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» Karteileiche » Beiträge: 259 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Nun, das kannst Du nicht wissen, aber ich bin chinesischer Abstammung und brauche daher keine Belehrungen über chinesische Traditionen. ;) Ich kenne mich mit dem Thema gut aus, betrachte aber gerade auch die Formen von Aberglauben, die es in China, wie auch überall anders auf dieser Welt, gibt, sehr kritisch. Und nach meinen Erfahrungen würde ich Dir sagen, dass es in den traditionellen chinesischen Heilmethoden viele Dinge gibt, die wirklich nur Aberglaube und nicht wirklich haltbar sind.

Abgesehen davon gibt es immernoch einen Unterschied zwischen dem, was in China traditionell in Sachen Medizin gemacht wird, und dem, was in Deutschland und anderen europäischen Ländern unter diesem Label verkauft wird. Naturheilkunde ist "in" und Exotik und Fernost gehen immer gut weg, vorgeblich traditionelle Methoden sowieso. Japanische oder chinesische Methoden kann man vielen Europäern sehr gut verkaufen, ob wirkungsvoll oder nicht. Oder besser gesagt:

Es ist auch beliebt, Europäern Dinge als "typisch asiatisch" zu vermarkten, die es genuin in Asien eigentlich gar nicht gibt. Es ist eben eine Art Verkaufsargument. Und von daher bin ich skeptisch darüber, ob das überhaupt irgendetwas über eine Wirkung aussagt, wenn nun ein Tee-Hersteller auf die Teeschachteln einen Aufkleber klatscht, auf dem "TCM" oder "nach jahrhundertealter asiatischer Tradition" steht. Das ist Marketing und sagt nichts über die Qualität aus. Und unter naturheilkundlichen Ärzten gibt es auch Scharlatane.

Zum Placebo-Effekt noch schnell: Den gibt es natürlich weltweit. Der ist aber eine gewissermaßen eigenständige Sache. Wenn jemand aufgrund des Placebo-Effekts auf ein eigentlich wirkungsloses Heilkraut anspricht, dann heißt das nicht, dass das Heilkraut plötzlich doch eine Wirkung hätte, sondern lediglich, dass der Placebo-Effekt eingetreten ist und etwas beim Patienten, auf einer psychischen Basis, bewirkt hat. Das ginge dann aber auch bei einer völlig wirkstofflosen Zuckerkugel oder bei destilliertem Wasser.

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



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