Pseudologie, das krankhafte Verlangen zu lügen auch heilbar?

vom 04.12.2013, 14:26 Uhr

Ich habe heute zum ersten Mal von einer Krankheit gehört, die angeblich nicht heilbar ist. Das ist die Pseudologie, das krankhafte Verlangen immer zu lügen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so was nicht heilbar ist oder zumindest in den Griff zu bekommen ist. Es müssen auch sehr wenig Menschen an dieser Krankheit leiden. Es wurde im Fernsehen ein Bericht gesendet, der aussagte, dass solche Menschen ein Leben lang in einer Psychiatrie leben müssen, weil sie durch die Lügerei auch sich und andere gefährden.

Habt ihr von dieser Krankheit schon mal gehört und kann man sie wirklich nicht heilen? Kennt ihr sogar Menschen, die daran leiden und wie kann man selber damit leben und wie geht man damit um? Wie wird so was diagnostiziert und versucht man wenigstens diesen Menschen zu helfen, außer dass man sie weg sperrt?

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» Ampelmännchen » Beiträge: 1310 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 1000 Beiträge



Ich kenne niemanden, der an dieser Krankheit leidet, oder zumindest wüsste ich davon bisher nichts. Von der Krankheit an sich habe ich aber schon in den Medien gelesen. Dass sie absolut nicht heilbar sein soll, ist mir aber dennoch neu. Ich dachte eigentlich, dass man sie durch Psychotherapie behandeln könnte. Dass es vielleicht schwierig und sehr langwierig sein würde, habe ich mir schon gedacht. An richtige, eindeutige Unheilbarkeit hätte ich aber nicht geglaubt.

Dass es Menschen gibt, die gerne mal übertreiben, oder aber mit irgendwelchen Geschichten prahlen, deren Wahrheitsgehalt man anzweifeln darf, soll es ja aber öfters geben. Nur ist gleich jeder dieser Angeber ein krankhafter Lügner? Ich bin mir dessen nicht sicher. Ich glaube sogar, dass Übertreibungen bei vielen Menschen an der Tagesordnung sind. Grund dürfte normalerweise der Wunsch nach Anerkennung oder Aufmerksamkeit sein. Diesen Wunsch verfolgen viele Menschen, und einige denken sich dafür offenbar auch Geschichten aus. Die Vorstellung, dass aber alle diese Menschen gleich psychisch erkrankt sein könnten, halte ich für etwas unwahrscheinlich.

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


Pseudologie hat nichts mit Übertreibung zu tun oder mit Prahlen. Menschen mit dieser Störung können nicht anders als zu lügen und sie lügen selbst dann wenn ihnen Schaden dadurch entsteht. Jemand der nur übertreibt hat Kontrolle über das was er tut und kann sich entscheiden ob er die Wahrheit sagt oder ob er lügt. Das Problem bei der Behandlung ist dass der Patient auch sich selbst belügt, er kann gar nicht anders als lügen aber bei einer Behandlung muss ein Patient sich mit sich selbst und seinen Problemen auseinandersetzen um eine Änderung herbeiführen zu können.

Man muss aber auch unterscheiden ob jemand einfach schon als Kind gelernt hat dass Lügen und Phantasieren ihm Vorteile bringt oder ob eine Hirnläsion die Kontrolle verhindert. In beiden Fällen dreht sich die Welt dieser Menschen nur um sich und die anderen sind nur Statisten die man austauschen kann. Der Patient selbst verspürt keinen Leidensdruck da er sich jederzeit in seine Lügenwelt zurückziehen kann. Wenn ihr eine Vorstellung haben wollt denkt an Pippi Langstrumpf (Ich mache mir die Welt wie sie mir gefällt).

Eine bekanntere Form der Pseudologie sind das Münchhausen-Syndrom und das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom. Hierbei fügen sich die Patienten teilweise Verletzungen zu um von Ärzten oder ihren Angehörigen umsorgt zu werden, vergiften sich oder setzen sich Krankheitserregern aus. Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom gilt als selten und betrifft Eltern die ihre Kinder krank machen oder verletzen um diese versorgen zu können, es gibt diese Störung aber in letzter Zeit häufiger (wenn auch nicht als solche erkannt) im Bereich der Haustiere, vor allem bei Hunden. Dann werden Hunderassen angeschafft die unter vielen gesundheitlichen Problemen leiden und diese werden dann umsorgt oder man kümmert sich um "arme, alte, kranke" Hunde oder Katzen.

Sehr viele Pseudologen findet man in der Tierschutzszene, sie lügen so gut dass jeder sie bedauert und ihnen hilft und oft die Missstände nicht gesehen werden. Meist verzahnen sich hierbei zwei Komponenten, einmal die Genugtuung der Anerkennung, aber vor allem eine Kontrollstörung die die Krankheit überhaupt erst entstehen lässt. Denn nicht jeder der durch eine Lüge oder eine Verletzung Anerkennung oder Zuwendung erfährt nutzt dieses ohne Rücksicht auf andere und sich selbst sondern sie sind empfänglich für die Vermittlung von Wertvorstellungen zu denen auch gehört dass man sich selbst zurücknehmen muss wenn man mit anderen Menschen zusammenleben will.

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» Karteileiche » Beiträge: 259 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Karteileiche hat geschrieben:Das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom gilt als selten und betrifft Eltern die ihre Kinder krank machen oder verletzen um diese versorgen zu können, es gibt diese Störung aber in letzter Zeit häufiger (wenn auch nicht als solche erkannt) im Bereich der Haustiere, vor allem bei Hunden. Dann werden Hunderassen angeschafft die unter vielen gesundheitlichen Problemen leiden und diese werden dann umsorgt oder man kümmert sich um "arme, alte, kranke" Hunde oder Katzen.

Hast Du darüber irgendwelche echten, also nachprüfbaren, Belege? Ich wage ehrlich gesagt zu bezweifeln, dass Pseudologie der Grund dafür wäre, dass einige Menschen sich kranke Tiere anschaffen. Dass kranke Tiere gezüchtet und gekauft werden, liegt vermutlich eher daran, dass einigen Menschen Moden und die Optik eines Tieres leider wichtiger sind, als seine Gesundheit. Wer einen kurzschnäuzigen Mops oder Pekinesen, der so kaum atmen kann, "drollig" findet, und sich daher einen zulegt, ohne über die gesundheitlichen Folgen für das arme Tier überhaupt nachzudenken, dürfte wohl kaum unter Pseudologie leiden. Und auch das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom dürfte hier eigentlich nicht zutreffend sein, denn der Tierhalter macht das Tier nicht gezielt krank, um Wohltätigkeit und Fürsorge heucheln zu können, sondern das Tier ist einfach aufgrund genetischer Faktoren krank und kommt schon so zur Welt.

Karteileiche hat geschrieben:Sehr viele Pseudologen findet man in der Tierschutzszene, sie lügen so gut dass jeder sie bedauert und ihnen hilft und oft die Missstände nicht gesehen werden.

Auch dafür hätte ich gernen einen haltbaren Beleg. Dass einige Spendensammler möglicherweise übertreiben, um besonders mitleidserscheinend höhere Spendenbeiträge erhalten zu können, hat ja wohl nichts mit einer krankhaften Sucht zu Lügen zu tun. Ebenso gibt es definitiv Missstände, auf die man hinweisen sollte, weil viele Menschen sich darum trotz eines tatsächlich bestehenden Problems keinen Kopf machen wollen. Ich hätte also wirklich gerne einen Beleg für Deine Aussage und auch ein paar konkrete Beispiele dafür. Denn so kann ich Deine These erst einmal nicht nachvollziehen.

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



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