Werden Frakturen heutzutage alle operativ versorgt?

vom 02.01.2014, 09:20 Uhr

Eine Bekannte liegt im Krankenhaus, weil sie sich den Oberarm gebrochen hat und operiert wurde. Sie hat mir das Röntgenbild gezeigt. Sicher bin ich kein Arzt, aber der Bruch war weder verschoben noch gesplittert. Es war ein glatter Durchbruch. Meine Bekannte meinte, dass die Ärzte gesagt haben, dass eine Fixierung den Arm schneller heilen lässt und dass sie operiert werden muss. Nach ein paar Monaten muss sie wieder operiert werden, weil dann die Schraube raus geholt wird.

Nun frage ich mich, warum eigentlich heutzutage fast jede Fraktur operiert wird. Wenn ich mal nachdenke und an meine Schulzeit denke, wo doch einige einen gebrochenen Arm hatten oder auch zwei, die das Bein gebrochen hatten, die wurden auch alle operiert. Aber ist das denn immer notwendig? Mein Bruder hatte die Elle gebrochen. Auch das war ein glatter, nicht verschobener Bruch. Auch hier wurde auf Anraten der Ärzte hin operiert.

Denkt ihr, dass es wirklich besser ist, wenn der Körper eine Vollnarkose bekommt und nach ein paar Monaten wieder die Stelle aufgemacht werden muss, weil der Fremdkörper entfernt werden muss, als dass man den Bruch einfach so heilen lässt? Sicher ist es bestimmt oft, wenn eben der Bruch gesplittert oder verschoben ist, notwendig. Aber ich kenne keinen, der einen Bruch ohne Operation überstanden hat.

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» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



MissMarple hat geschrieben: Denkt ihr, dass es wirklich besser ist, wenn der Körper eine Vollnarkose bekommt und nach ein paar Monaten wieder die Stelle aufgemacht werden muss, weil der Fremdkörper entfernt werden muss, als dass man den Bruch einfach so heilen lässt?

Zum einen kann man ja heutzutage auch sehr viel ohne Vollnarkose operieren und zum anderen ist eine Narkose zwar immer mit Risiken behaftet, aber gerade junge Leute vertragen diese wesentlich besser als ältere Menschen. Anderseits muss aber auch bei weitem nicht jedes Material wieder entfernt werden. Auch hier lässt man ja heutzutage gerade bei Menschen, die höhere Narkose oder OP-Risiken haben nach Möglichkeit viel Material im Körper und verzichtet auf Folgeoperationen, wenn diese nicht unbedingt sein müssen.

Sicherlich wird heutzutage wesentlich mehr operiert als früher, was aber auch daran liegt, dass man mittlerweile bessere Versorgungsmöglichkeiten hat als früher. Zum einen sind die OP-Techniken oftmals besser, zum anderen aber eben auch die Implantate die man verwendet und welche auch bei sehr schwierigen Brüchen noch guten Halt bieten und eine stabile Fixierung gewährleisten.

Vor allem aber kann man dadurch die Immobilisierungszeiten deutlich reduzieren bei vielen Brüchen. Bei einem gebrochenen Arm müsste man ja zum Beispiel in der Regel mindestens 6 Wochen einen Gipsverband tragen, nach einer operativen Versorgung ist man dagegen in der Regel nach 1- 1,5 Wochen wieder soweit hergestellt, dass der Bruch sogar belastungsstabil ist, auch wenn dieser dennoch für die vollständige Heilung nahezu genauso lange brauchen würde.

Und genauso ist glatter Bruch nicht gleich glatter Bruch. So muss der Bruchverlauf ja nur weil er glatt ist, noch lange nicht bedeuten, dass dieser auch eine gute Stabilität besitzt. Auf der anderen Seite gibt es aber auch genug Brüche, die auch heutzutage noch konservativ behandelt werden. Sicherlich ist der Anteil deutlich weniger als früher, aber auch heute wird noch immer nicht fast jeder Bruch operiert, teilweise gehen einige operative Versorgungen ja auch wieder zurück, weil das Endergebnis nicht wirklich besser ist als ohne Operation.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


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