Wegen Mobbing im Praktikum krankschreiben lassen?

vom 15.12.2013, 15:10 Uhr

Ich mache zur Zeit ein freiwilliges Jahrespraktikum. Freiwillig bedeutet, dass ich dieses Praktikum für nichts brauche. Ich mache es nur, um ein Jahr zwischen dem Abbruch eines Studiums und dem Beginn einer neuen Ausbildung zu überbrücken. Ich mache die Arbeit einer voll ausgebildeten Fachkraft und arbeite rund 45 Stunden die Woche. Zusätzlich mache ich noch zu Hause viele Aufgaben für die Arbeit. Ich verdiene nicht einen Cent.

Seitdem ich in dem Betrieb, einem Kindergarten, bin, machen sich die festangestellten Erzieherinnen ein lockeres Leben. Ich mache im Grunde die Arbeit für sie, während die Damen meinen, sie müssten gar nichts machen. Fast jeden Tag gehen sie eher nach Hause, während ich alleine mit den Kindern bin. Das das gesetzlich nicht erlaubt ist, ist ihnen egal.

Ich habe mittlerweile über 100 Überstunden angesammelt, während meine Kollegen mit ihren Überstunden betrügen, um eher gehen zu können. Ich darf meine Überstunden nicht nehmen. Mir wurde gesagt, ich solle mir sie doch auszahlen lassen, was bei einem unentgeltlichen Praktikum ein ganz schön schlechter Witz ist.

Ich habe noch sehr viel Urlaub, denn man lässt mich keinen Urlaub nehmen. Meine Chefin sagte zu mir, ich würde während des ganzen Jahres keinen Urlaub bekommen, weil sie dann ja Arbeiten müssten. Im August wurde mir Urlaub zugesagt, der mir dann aber wieder gestrichen wurde, weil eine Kollegin diese Woche freihaben wollte. Dabei hatte ich den Urlaub direkt in den Kalender eingetragen und er wurde mir mündlich zugesichert. Als ich mich beschwerte sagte meine Chefin den oben geschriebenen Satz.

Es gibt noch viel mehr, aber das zu Schreiben würde den Rahmen sprengen. Auf alle Fälle werde ich sehr ausgenutzt und gemobbt, um mir zu zeigen, dass ich die mit Abstand schwächste Position im Kindergarten habe. Ich werde sehr unter Druck gesetzt. Den Träger interessiert das leider alles nicht.

Einen Ausbildungsplatz habe ich schon, im September geht es los. Das Praktikum werde ich zum 31.01 beenden, da ich schon eine neue Stelle gefunden habe. Aber ich halte es nicht mehr aus. Jetzt vor Weihnachten ist es besonders schlimm. Ich habe so etwas noch nie gemacht und bin auch kein Freund vom krankschreiben lassen. Doch wenn ich dort weiterhin arbeite, gehe ich kaputt.

Morgen gehe ich zu meiner Ärztin. Am liebsten würde ich mich bis Weihnachten krankschreiben lassen, um einfach neue Kraft zu tanken, denn ich bin am Ende. Nur was sage ich meiner Ärztin? Soll ich die Wahrheit erzählen? Was, wenn sie mich dann nicht krankschreibt? Wäre es besser, eine Krankheit zu erfinden. Eigentlich widerstrebt mir das.

» schnueppchen » Beiträge: 27 » Talkpoints: 12,74 »



Ich finde nicht, dass du in irgendeiner Weise ein schlechtes Gewissen haben musst, wenn du dich krankschreiben lässt. Deine Kolleginnen - wobei das Wort hier so gar nicht passt - haben nichts anderes verdient. Und die Kinder haben dadurch keinen Nachteil. Niemand muss dafür zahlen und es entsteht auch keine nicht zu füllende Lücke. Warum also ein schlechtes Gewissen, wenn es für niemanden negative Folgen hat?

Im Gegenteil. Es wäre doch schön, wenn es ein paar Folgen haben würde. Gerade, dass du mit den Kindern allein gelassen wirst, ist haarsträubend. Merken das die Eltern denn gar nicht, wenn sie ihre Kinder abholen? Vielleicht solltest du denen mal den Sachverhalt erklären. Dann gehen einige von ihnen sicher auf die Barrikaden.

Den Träger interessiert das wirklich nicht? Dass die Chefin so reagiert, ist ja schon krass. Aber der Träger sollte nun wirklich mehr daran interessiert sein, dass alles korrekt und vor allem sicher abläuft. Und dass er seine Angestellten nicht überbezahlt und die dafür ihre Arbeit einer ungelernten Praktikantin aufhalsen. Hast du dich wirklich schon an den Träger gewandt?

Wegen der Krankschreibung. Kennst du denn die Ärztin? Wenn du dich so ungern krankschreiben lässt, wahrscheinlich nicht. Ich würde ihr von dem großen Stress erzählen, den du dort hast. Und dass du daher Schlafprobleme und Kopfschmerzen hast. Ich denke mal, dann bekommst du ein paar leichte Mittelchen verschrieben, die du ja nicht nehmen musst. Und eine Krankschreibung müsstest du damit auch problemlos bekommen.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Bei dem was du da alles erdulden musst, hätte ich ihnen die Arbeit schon lange vor die Füße geschmissen. Da der Träger sich nicht dafür interessiert, was da läuft, kannst du dich unter Umständen an das Arbeitsgericht wenden.

Ich würde nicht mehr hingehen und vom Träger verlangen, dass er dir den entgangenen Urlaub anrechnet und die Überstunden bezahlt laut Kollegin X, die dir das sagte. Ferner würde ich der Ärztin die Wahrheit sagen, dass du nervlich völlig fertig bist und nur noch weinst, wenn du nach Hause kommst. Sie möchte dich für den Rest des Monats krank schreiben. Macht sie es nicht, geh zum Neurologen. Verlange ein gutes Zeugnis vom Träger und sage ihm auch, dass du oft alleine mit den Kindern warst. Mach dir von allem Notizen, was passiert ist und vergesse nichts.

Ab Januar nimmst du dann deinen dir zustehenden Urlaub (Überstunden?) Wenn du ein oder zwei Eltern davon berichtest, was passiert ist, werden die den Kollegen schon Dampf machen und alle anderen unterrichten. Unter solchen Voraussetzungen dürften sie dir kaum den Urlaub verweigern.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Ich muss zugeben, das ich bei dieser Ausbeuterei wohl auch schon viel früher dort aufgehört hätte, denn so wie sich es heraus ließt, haben alle einen Nutzen davon eine Praktikantin zu haben, die ein Jahr lang umsonst dort arbeitet, nur eben die Praktikantin nicht. Man sollte sich nicht alles gefallen lassen.

Leider habe ich dies vor ein paar Monaten selbst erlebt, wie es ist, wenn man als letzte Angestellte in einen Betrieb kommt und alle einen Nutzen darauf sehen, der neuen Angestellten alle Arbeiten auf zu geben, nur um früher heim gehen zu können. Auch die Fehler die die alteingesessenen begangen haben wurden immer auf mich geschoben, obwohl man es handschriftlich nachweißen konnte, das ich es nicht war. Wie hast du dich denn nun letztendlich entschieden? Warst du beim Arzt gewesen und hast ihm alles erzählt?

Ich hätte beim Arzt wohl die Wahrheit erzählt und wie es in diesem Kindergarten eben abläuft. Mich wundert es auch sehr, das es dem Träger des Kindergartens null interessiert, wie es im Kindergarten abläuft. Normal sind die Träger doch sehr daran interessiert. Ich würde mich zudem noch an den Träger wenden und dies alles so schildern wie du es hier geschildert hast, damit sich dort endlich mal etwas ändert.

Haben dich die Eltern die ihre Kinder tagtäglich abholen noch nie angesprochen, wenn du mit den Kindern alleine täglich alleine bist? Als ich meinen Sohn bis zum Sommer im Hort abgeholt habe, habe ich im Hort auch mal nachgefragt, wieso die Praktikantin mit den Hortis immer alleine ist. Kurz darauf wurde dies aber wieder geändert, sodass immer eine Kindergärtnerin mit dabei war. Man nahm die Eltern sozusagen ernst und versuchte schnellstmöglich etwas dran zu ändern.

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» SybeX » Beiträge: 3896 » Talkpoints: 11,19 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Ich war heute bei meiner Hausärztin. Passenderweise hatte ich nämlich heute Morgen furchtbare Halsschmerzen. Da ich ja eh beim Arzt war, hab ich mir mal schnell in den Hals schauen lassen. Diagnose: Ich habe eine Mandelentzündung und bin leider, leider die ganze Woche krankgeschrieben. Meine Ärztin fragte mich dann noch nach meinem Job und wir kamen ins Plaudern. Ich erzählte ihr dann, was da abgeht und sie sagte, ich solle nächsten Montag noch mal vorbeikommen und mir die nächste Krankschreibung abholen :lol: .

Nun zu euren Fragen: Die Eltern wissen nicht wirklich, was da abgeht. Ich habe die Anweisung, wenn die Eltern beim Abholen nach den Erzieherinnen fragen, zu sagen, diese wären oben und hatten eine wichtige Beschäftigung. Bisher hat aber noch nie jemand gefragt.

Ja, wie gesagt, an den Träger habe ich mich schon gewandt. Allerdings ist dieser Träger eh schon für seine laxe Einstellung bekannt, man sagte mir dort, ich solle mich freuen, dass sie mir so Vertrauen. Nun hab ich mich für die Woche krank gemeldet und meine Chefin tobt. Denn nun kann sie leider nicht den Urlaub nehmen, den sie möchte...

Nun muss ich überlegen, ob ich den Januar überhaupt noch hingehe. Wie gesagt, normalerweise ist das nicht meine Art, aber in diesem Fall sehe ich keinen anderen Ausweg mehr. Und meine Ärztin war auch sehr verständnisvoll.

» schnueppchen » Beiträge: 27 » Talkpoints: 12,74 »


Ich finde es schon dreist, das die Eltern bei Nachfragen der Erzieher angelogen werden sollen. Ich hätte nun echt nicht gedacht das man in einem Kindergarten zu solchen Methoden greifen muss, damit die Erzieher früher heim gehen können. Ich verstehe sehr gut, das man auch mal seine Überstunden abbauen möchte aber dann muss doch wenigstens eine Erzieherin noch anwesend sein.

Mein Arzt hat mich damals ganze 7 Wochen krank geschrieben, weil ich es einfach nicht mehr geschafft habe in meinem Betrieb zu arbeiten. Es war Mobbing pur für mich und mein Arzt riet mir schon viel früher dort aufzuhören, doch ich dachte nur an das Geld und letztendlich habe ich eigentlich viel zu spät die Reißleine gezogen. Heutzutage braucht und sollte man sich keinesfalls so ausnehmen und behandeln lassen. Mir ist meine Gesundheit mehr wert als das Behalten einer Arbeitsstelle mit solch einem Druck und solch einem Mobbing. Ich bin letztendlich so krank geworden, das ich für den Kundenkontakt nicht arbeitsfähig war, denn ich konnte nicht mehr reden (Stimme total weg), Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und hohes Fieber, das mir jeder Kunde ansah und trotzdem war ich einen Tag davon arbeiten und musste mich am nächsten Tag krank schreiben lassen. Es ging einfach nicht mehr und meine Chefin tobte.

Ich würde das Toben deiner Chefin ignorieren. Meine tat dies auch, weil sie nicht wie sonst in ihrem Mini-Büro versteckt von den Kunden pausieren konnte, sondern sie ins Großraumbüro und Stellung halten musste. Ich würde an deiner Stelle im Januar nicht mehr hingehen, denn die Zeit die du nun krank machst, die bekommst du mit Garantie irgendwie zurück gezahlt. Darauf würde ich wetten.

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» SybeX » Beiträge: 3896 » Talkpoints: 11,19 » Auszeichnung für 3000 Beiträge


Dass die Eltern belogen werden, finde ich auch sehr dreist. Die Zustände in diesem Kindergarten sollte man eigentlich öffentlich machen. Würdest Du Dir das zutrauen? Hättest Du dabei etwas zu verlieren? Du könntest mit dem Bericht ja auch bis nach der Praktikumszeit warten. Aber ich finde, dass die Eltern dringend von diesem Verhalten erfahren sollten.

Das Problem, dass man als Praktikant teilweise der "Depp vom Dienst" ist, kenne ich leider auch schon. Selbst habe ich es so extrem noch nicht erlebt, aber ich weiß von Freunden und von meinem damaligen Partner, dass Praktikanten gerne mal dazu missbraucht werden, nicht nur die Drecksarbeit zu übernehmen, sondern, allgemein die meisten Arbeiten zu übernehmen, während der Rest der Angestellten sich einen faulen Tag macht. Gerade bei kleineren Betrieben scheint das öfters vorzukommen.

Ein schreckliche Sache, und gerade, wenn jemand das Praktikum dringend braucht, beispielsweise für den Abschluss seiner Ausbildung oder seines Studiums, dann haben viele auch Angst, im Praktikumsbetrieb ihre Meinung zu sagen, und lassen sich dafür den allerletzten Mist gefallen. Und dann dazu noch verbal gemobbt wird, werden viele Praktikanten nach Wochen und Monaten solcher Behandlung psychisch und psychosomatisch krank. Ich frage mich immer, wie man einen Praktikanten so behandeln kann. Am eigenen Leid will man so ja auch nicht behandelt werden. Aber einige Menschen kennen wohl keine Skrupel.

schnueppchen hat geschrieben:Nur was sage ich meiner Ärztin? Soll ich die Wahrheit erzählen? Was, wenn sie mich dann nicht krankschreibt? Wäre es besser, eine Krankheit zu erfinden.

Es gibt Ärzte, die reagieren bei der Thematik sehr verständnisvoll. Wie ich in einem Deiner neueren Postings gelesen habe, scheint Deine Ärztin auch zu diesen Leuten zu gehören. Das finde ich wirklich gut. Aber leider sind auch nicht alle Ärzte so. Ich habe sogar schon welche gesehen, die gaben Mobbingopfern selbst die Schuld daran, gemobbt zu werden. So nach dem Motto "Dann lernen Sie jetzt halt, sich besser durchzusetzen!". Einfach nur grauenvoll. Aber solche Ärzte gibt es, und das leider gar nicht zu selten.

In solchen Fällen spräche meiner persönlichen Meinung nach gar nichts dagegen, notfalls eine Krankzeit zu erfinden. Auf Dauer wäre natürlich der Arztwechsel die beste Methode, aber wenn es schnell gehen muss, ist meiner Meinung nach in so einem Mobbingfall, bei dem der Arzt nicht helfen will, auch eine kleine Notlüge "erlaubt". Das sage ich, obwohl ich sonst sehr für Ehrlichkeit plädiere. Aber in diesem Fall wäre das sicher noch besser, als sich seelisch komplett kaputtmachen zu lassen, ehe man endlich einen Arzt gefunden hat, der einen ernst nimmt und auch tatsächlich krankschreibt.

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» Wawa666 » Beiträge: 7277 » Talkpoints: 23,61 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



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