Differenzierung zwischen Lust und Sucht beim Sport?

vom 14.11.2013, 14:17 Uhr

Eine Bekannte hat ziemlich viel abgenommen, was ich ihr auch hoch anrechne. Sie macht auch sehr viel Sport und ist fast nicht mehr zu hause anzutreffen. Denn wenn sie von der Arbeit kommt ist sie beim Sport und auch vor der Arbeit ist sie beim Sport. Ich mache mir schon ein wenig Sorge, weil sie überhaupt nichts anderes mehr macht als Arbeit und Sport und selbst in der Pause geht sie manchmal ins Fitnessstudio, welches direkt neben ihrer Firma ist.

Wie kann mann beim Sport zwischen Lust und Sucht differenzieren? Sie meint, dass sie einfach Lust hat Sport zu treiben. Aber ich und auch ihr Partner sehen es schon als Sucht an. Wie unterscheidet man zwischen Lust und Sucht beim Sport?

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge



Was noch Lust und was schon Sucht ist, kann derjenige der den Sport betreibt eigentlich nur selbst beurteilen. Aber in diesem Fall kann man das natürlich auch versuchen, von außen zu beurteilen. Wenn ich deine Aussagen richtig entnehme, geht sie also mindestens 5x die Woche zum Sport, da sie ja in der Woche arbeitet und das sogar morgens und abends. Als aller erstes muss man derjenigen dann natürlich erstmal großen Respekt zollen, weil nicht jeder zu stark an die Aufgabe abzunehmen drangehen würde wie sie es scheinbar getan hat.

Natürlich sieht das für einen Außenstehenden erstmal ziemlich extrem aus, wenn jemand 5x die Woche zum Sport geht und scheinbar schon süchtig nach diesem Sport ist. Ich gehe selber auch mindestens 4-5x die Woche ins Fitnessstudio und kann dir nur aus meiner eigenen Erfahrung und meinem Empfinden sagen, dass es für mich keine Sucht ist. Ich bin Nebenbei Studentin und für ist der Sport als Ausgleich zu dem ganzen Lernen einfach unabdingbar und ich kann mir gut vorstellen, dass der Sport für deine Bekannte auch einfach zu einem super Ausgleich neben der Arbeit geworden ist.

Das hört sich für viele im ersten Moment nicht Nachvollziehbar an, weil viele einfach denken, dass Sport nach der Arbeit oder nach dem Lernen doch einfach noch mehr Arbeit für dich und deinen Körper bedeutet. Das kann ich aus meinen Erfahrungen nur stark zurückweisen, durch den Sport bekommst du einfach einen freien Kopf, wenn du dich im Fitnessstudio nochmal 1-1 1/2 Stunden auspowerst fühlst du dich danach einfach nur fantastisch. Das ganze sollte man am besten aber selbst ausprobieren, sonst wird man es wirklich nicht glauben.

Aber es reicht natürlich, wenn man das ganze 1x am Tag macht. Morgens & abends ist schon zu viel, gerade wenn du auch Fett abbauen und etwas Muskeln aufbauen willst. Ich weiß nicht, mit was für einem Trainingsprogramm deine Bekannte arbeitet, aber im Normalfall verbrennt sie alle ihre Muskel am Abend wieder, die sie am morgen aufgebaut hat, wenn sie dem Muskel nicht genügend Regeneration gibt.

Auf der anderen Seite kann man natürlich auch so argumentieren, dass man sagt, dass alles was man exzessiv tut, nicht mehr unbedingt so toll ist, sondern schon eher einer Sucht entspricht. Allerdings sollte man das nicht zu eng sehen, so lange das nicht dahin ausartet, dass sie beispielsweise schon weniger zur Arbeit geht, um im Fitnessstudio trainieren zu können.

» Knicks » Beiträge: 24 » Talkpoints: 17,28 »


Nach Sport kann man auch ganz leicht mal süchtig werden und in dem Fall würde ich auch von einer Sucht sprechen. Das Problem ist, dass nach dem Sport Glückshormone ausgeschüttet werden, man fühlt sich gut und diesen Zustand möchte man eben gerne wieder herbei führen. Nun sollte sie es schon auf ein gesundes Maß bringen und ihren Körper nicht überfordern. Ich denke, dass man so alle 2 Tage Sport machen kann und das auch noch reicht. Selbst 1- 2 Mal in der Woche wären gut. Es wäre nur wichtig, dass sie weniger macht, weil das auf Dauer ja auch Stress für den Körper ist und jeden Tag ist das in der Form ja auch nicht richtig gesund.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



Lust und Sucht können oft fließend ineinander übergehen. Sucht ist definiert durch die Abhängigkeit von einer Substanz oder einem Verhalten, von der Steigerung der Dosis, von der Flucht in das Verhalten bei Problemen oder Konflikten, von dem Leiden des Süchtigen oder dessen Umgebung. Es kann durchaus sein dass ein Süchtiger kein Problem mit seinem Verhalten hat aber die Familie sich vernachlässigt fühlt.

Wenn nach dem Laufen noch Zeit da ist mit ihrem Mann zu reden, mit ihm Zeit zu verbringen, dann würde ich es noch unter Lust verbuchen. Wenn ihr aber jede Ausrede recht ist um Sport zu treiben und alles andere im Leben untergeordnet wird dann sollte sie aufpassen dass sie nicht schon süchtig ist. Das ist für die Betroffenen selbst oft gar nicht so einfach zu erkennen denn sie fühlen sich ja wohl, sie vermissen nichts, solange sie ihrer Sucht nachgehen können. Die wenigsten Süchtigen leiden selbst unter ihrem Verhalten, meist ist es das Umfeld das die Probleme erkennt und anspricht.

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» Karteileiche » Beiträge: 259 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Eine Abhängigkeit respektive Sucht ist ja meist bei irgendwelchen Substanzen oder Glücksspielen zu finden. Aber auch in Sachen Sport kann man, sofern man seine Grenzen nicht kennt, schnell in die Suchtschiene rutschen. Folgende Kriterien müssen - bezogen auf eine substanzbezogene Sucht, die in gewisser Hinsicht auch sicherlich für den Sport gilt - erfüllt werden, damit man von einer Sucht sprechen kann: 1.Kontrollverlust über Dosis (=Dauer/Intensität), Beginn und Ende, 2.Entzugssymptome, sofern man dem Wunsch nicht nachgeht (keine Ahnung, wie es bei Sport-Süchtigen diesbezüglich aussieht), 3.Toleranzentwicklung (auch durchaus auf den Sport übertragbar), 4.Vernachlässigung anderer Vergnügen (auch im Sport vorstellbar), 5.Anhaltender Konsum, trotz des Wissen, dass es einem schädigt, 6.Starker Wunsch, Drang, Zwang nach Substanz XY

3 der 6 Kriterien müssen im Regelfall erfüllt sein - über einen bestimmten Zeitraum -, damit zumindest den Kriterien zufolge eine Sucht in Betracht gezogen werden kann. Die medizinische Diagnosestellung ist diesbezüglich relativ offensichtlich, sofern man sich an den Leitlinien orientiert. Letzten Endes ist es immer eine schwere Angelegenheit, weil die Person selbst meist nicht einsichtig ist.

Im beschriebenen Fall würde ich nicht unbedingt von einer Sucht ausgehen, es kann ja auch was anderes dahinter stecken, etwa eine psychische Komponente. Es gibt viele Menschen, die gerne im Fitnessstudio verweilen, dort trainieren und ausschließlich abends zu Hause sind. Dass sie weiterhin ihrer Arbeit nachgeht, zeigt ja, dass sie durchaus Prioritäten setzen kann, ebenso die Tatsache, dass sie einen Partner hat. Insofern wäre man hier vorsichtig, was die Aussage einer Sucht angeht.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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