Ursachen und Symptome von Gichterkrankungen

vom 29.11.2013, 22:23 Uhr

Meine Oma leidet laut neuster Diagnose unter Gicht. Ich habe eigentlich immer gedacht, dass die Ursache dafür euch Rheuma ist. Aber unter Rheuma hat sie nie gelitten. Die einzigen Symptome, die plötzlich aufgetreten sind, waren Knubbel an den Gelenken und Verformungen. Welche Symptome hat man in der Regel bei Gicht und welche Ursache hat es, wenn man Gicht bekommt? Hätte man vorbeugen können?

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» Sherlock-Holmes » Beiträge: 2025 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Gicht ist die typische Erkrankung bei Hyperurikämien, sprich bei zu hohem Blutspiegel an Harnsäure. Dadurch, dass der Blutharnsäurespiegel meist lange Zeit erhöht ist, lagern sich Uratkristalle gerne im im Knorpel, in der Kapsel und ihm Gewebe um das Gelenk herum ab - hat sehr wahrscheinlich etwas mit dem Löslichkeitsprodukt von Harnsäure zu tun. Das führt dann zu den typischen, knotigen, schmerzhaften, geröteten Schwellungen meist des Großzehengrundgelenkes, der Fingergelenke und des Ellenbogengelenkes.

Unterschieden wird die primäre von der sekundären Gicht. Bei der primären Gicht liegt der Erkrankung eine genetische Ursache zugrunde, bei der ein Enzymdefekt vorliegt. Das führt dann auf Dauer zu einer vermehrten Harnsäurebildung, der die Niere mit der Ausscheidung nicht nachkommen kann. Bei der sekundären Gicht gibt es hingegen zwei Schienen: Entweder ist die Produktion bzw. die Zufuhr an Harnsäure erhöht oder aber die Ausscheidung erniedrigt. Die Zufuhr/Produktion kann, ohne hier jemandem Angst einjagen zu wollen, der Vollständigkeit halber bei folgenden Sachen erhöht sein: Hämoblastosen (also sämtliche Erkrankungen des blutbildenden Systems), Psoriasis (Schuppenflechte), hoher Fleisch-/Innereienkonsum, erhöhter Zelluntergang im Rahmen einer Zytostatikatherapie bzw. Bestrahlung. Die Ausscheidung hingegen kann verringert sein bei chronischer Nierenerkrankung, was bei älteren Menschen ja nahezu immer vorliegt, Alkoholabusus oder Einnahme gewisser Medikamente. Man darf hier jedoch nicht den Fehler machen und sich nur auf einzelne Punkte beschränken. Der Mensch ist komplex und ungewiss ist, ob nicht irgendwelche Grunderkrankung durchaus mit eine Rolle spielen in der Entstehung bzw. Aufrechterhaltung der Gicht.

Die Symptome habe ich kurz oben bereits erwähnt, aber hier nochmal die charakteristischen Erscheinungen: Podagra ist relativ typisch für die Gicht, meist ist es sogar die Erstmanifestation der Gicht. Podagra bezeichnet den akuten Gichtanfall des Großzehengrundgelenks. Dieser geht mit einer Rötung, Schwellung und Schmerzhaftigkeit einher. Erst im chronischen Stadium bilden sich die Kristalle nach Ablagerung über einen längeren Zeitraum. Die Ablagerungen können übrigens sowohl im Weichteilgewebe vorliegen (also im Bindegewebe um das Gelenk herum) als auch im dem Gelenk angrenzenden Knochen.

Diagnostiziert wird die Gicht meist klinisch, mit entsprechenden laborchemischen Parametern. Wenn das typische Befallsmuster vorliegt, die Symptomatik relativ typisch ist und die Blutwerte für eine Hyperurikämie sprechen, dann kann die Diagnose der Gicht gestellt werden. Die rheumatoide Arthritis kann eigentlich relativ einfach ausgeschlossen werden, da sie ebenfalls für sich typisch Erscheinungen hat, die wiederum nicht bei der Gicht vorkommen.

Die Therapie eines akuten Gichtanfalls besteht letzten Endes darin die Schmerzen zu reduzieren. Eher langfristiger ist das Ziel, den Harnsäurespiegel zu senken. Das kann zum einen erzielt werden mittels Xanthinoxidasehemmer (Allopurinol), also durch Hemmung der Harnsäureproduktion, und zum anderen durch Erhöhung der Harnsäureausscheidung über die Niere mittels Urikosurika wie Benzbromaron oder Probenezid.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge


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