Zahnfehlstellungen auch bei Erwachsenen korrigieren?

vom 10.11.2013, 22:53 Uhr

Ein Kollege hat seit seiner Kindheit schiefe Zähne. Seine Eltern haben daran nie etwas gemacht oder machen lassen. Aber er merkt, dass ihm diese schiefen Zähne besonders bei der Partnerwahl zu schaffen machen. Er überlegt nun diese Fehlstellung der Zähne korrigieren zu lassen. Aber geht das im Erwachsenenalter von ca. 40 Jahren noch? Mit welchen Kosten muss er da rechnen? Kann die gesetzliche Krankenkasse da auch was übernehmen oder muss er es komplett selber zahlen?

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» Sherlock-Holmes » Beiträge: 2025 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Es ist möglich auch noch bei Erwachsenen Zahnfehlstellungen zu korrigieren. Je nach Ausmaß der Fehlstellung kommen verschiedene Verfahren zur Auswahl: (feste) Zahnspange, Veneers oder Implantate:

    1. Unter einen festen Zahnspange kann sich jeder etwas vorstellen. Es gibt Versionen, die nicht so leicht sichtbar sind wie das klassische "Silbergebiss". Die Behandlung von Erwachsenen dauert meist länger als bei Kindern.
    2. Veneers sind kleine Blenden, meist aus Keramik, die auf die Vorderflächen der Zähne geklebt werden. Um Veneers zu montieren wird zum Teil der Zahn beschliffen und in Form gebracht. Sie können leichtere Fehlstellungen korrigieren. Ein prominentes Beispiel, bei dem viele Veneers (aber auch Implantate) verarbeitet wurden, ist Stefan Raab - siehe Vorher-Nachher-Bilder im Internet.
    3. Implantate sind vergleichbar mit künstlichen Zahnwurzeln auf denen ein Kunstzahn montiert wird. Für eine 'einfache' Zahnfehlstellung ist dies aber ein recht aufwändiger und teurer Eingriff.
Zur Finanzierung: Im Regelfall übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen keine Kieferorthopädischen Behandlungen bei Erwachsenen. In Ausnahmen könnten Kosten (anteilig) übernommen werden, wenn sich aus der Zahnfehlstellung ein Krankheitsbild entwickelt. Beispielsweise Ernährungsprobleme oder Schmerzen.

Dein Beispiel mit der Partnerwahl, Sherlock-Holmes, klingt nach einer kosmetischen Indikation, bei der eine gesetzliche Kasse mit großer Sicherheit keine Leistungen bezahlen würde. Eine private (Zusatz-)Versicherung übernimmt Leistungen abhängig vom Vertrag, demnach kann ich das hier pauschal nicht beantworten. Die meisten privaten Versicherungen decken kosmetische Eingriffe aber nicht ab.
Die Kosten sind schwierig abzuschätzen, weil sie vom Ausmaß der Fehlstellung abhängen. Ein Orientierung: die Korrektur von 4 schief stehenden Frontzähnen im Unterkiefer dauert mit einer festen Zahnspange ca. 3-5 Jahre und kostet um die 4.000-6.000€.

Oft ist es möglich sich kostenfrei bei einem Kieferorthopäden einen Therapievorschlag und Kostenvoranschlag machen zu lassen. Zahlt man privat, kann man sogar den Preis verhandeln (auch wenn es unüblich ist).

» samu.el » Beiträge: 16 » Talkpoints: 12,54 »


Hier hat "samu.el" in seiner Antwort ja praktisch alles schon geschrieben. Die Korrektur ist möglich, dauert nur lange (länger eben als bei Kindern) und ist verhältnismäßig teuer. Und nach den vielen Sparrunden der Krankenkassen ist das auch eine Leistung, welche in wirklich nur sehr seltenen Fällen übernommen wird. Wer also als Erwachsener daran denkt, hier entsprechend eingreifen zu lassen, muss sich nur darauf einstellen, hier viel Geld "opfern" zu müssen.

Wenn man sich aber die Zeiträume überlegt, über die wir hier reden, reduziert sich die "jährliche" Belastung, so dass das Geld wirklich nicht einen Grund darstellen sollte, es nicht zu machen! Viel schwerer dürfte es sein, über Jahre noch mal eine Spange tragen zu müssen. Das klassische "Silbergebiss" ist hier wohl zwar die günstigste Variante - aber es muss einem auch klar sein, dass diese Maßnahme über Jahre sichtbar sein wird. Aus Eitelkeitsgründen dürften die Meisten wohl an diesem Punkt scheitern und das Vorhaben abblasen.

» derpunkt » Beiträge: 9898 » Talkpoints: 88,55 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Ich hatte bis vor einem Jahr noch eine Zahnspange und dies im Alter von fast 30 Jahren. Ich hatte eine große Zahnlücke zwischen den Schneidezähnen und diese hat mich so stark gestört, das ich immer gehänselt wurde. Auch bei der Partnersuche war dies für mich ein Störfaktor und so habe ich mich entschieden, mir im Alter von fast 30 eine Zahnspange verpassen zu lassen. Mittlerweile gibt es Zahnspangen, so wie ich sie hatte, die fast unsichtbar sind, sodass man sie kaum sieht. Dieses "Extra" kostet zwar mehr, aber ich wollte, das man es im Frontbereich der Zähne so wenig wie möglich sieht.

Ich ging zum Kieferorthopäden und habe mir einen Kostenvoranschlag machen lassen. Dieser lag bei einer einjährigen Behandlung, die so angesetzt war bei ca. 5.000 €, jedoch kann dies noch nach oben variieren. Die Krankenkasse hat diese Kosten natürlich nicht übernommen und so habe ich mein Erspartes dafür genommen, die Rechnungen die Quartalsweise kommen, bezahlen zu können. Da die Zahnlücke nicht gerade klein war und die Behandlung doch schwerer wie gedacht war, musste ich die Zahnspange über zwei Jahre tragen. Es war eine lange, schwere und anfangs auch sehr schmerzhafte Zeit für mich, doch am Ende hat sich das ganze gelohnt und ich bin wahnsinnig froh drum, diese Behandlung über diese Dauer gemacht zu haben. Am Ende habe ich knapp 7.000 € bezahlt und das nur weil meine Eltern sich damals nicht richtig drum gekümmert waren, denn laut Kieferorthopäde hätte man das ganze schon viel viel früher beheben können als die Krankenkassen das noch übernommen hätten, aber dies hat man leider verpasst.

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» SybeX » Beiträge: 3896 » Talkpoints: 11,19 » Auszeichnung für 3000 Beiträge



Wenn dein Freund arbeiten geht & kein Hartz4 bekommt, wird er es leider alles selbst zahlen müssen. Ich persönlich habe auch einige Probleme mit meinen Zähnen, da meine Eltern auch nichts für mich machen lassen haben.

Allerdings lasse ich das so. Das hat aber keine medizinischen Gründe, sondern ich unterstütze dieses System einfach nicht (kurze Erklärung: Krankenkassen zahlen Behandlungen für Alkoholiker, jedoch keine kieferorthopädischen Behandlungen für Erwachsene.) Sollte das irgendwann eine Inklusivleistung sein, werde ich mir die Zähne machen lassen. Vorausgesetzt ich habe dann die Zeit dafür.

» meurer » Beiträge: 32 » Talkpoints: 10,14 »


meurer hat geschrieben:Wenn dein Freund arbeiten geht & kein Hartz4 bekommt, wird er es leider alles selbst zahlen müssen.

Leider verstehe ich den Beisatz mit Hartz IV nicht oder nur als unkluge Stimmungsmache die jeder Grundlage vermissen lässt. Denn es hat nichts damit zu tun, ob Hartz IV Leistungen bezogen werden oder nicht. Solche Behandlungen werden bei Erwachsenen nie bezahlt! Ebenso gut hättest du schreiben können, dass der Freund wenn er arbeitet und nicht schwul ist, die Behandlung selber zahlen muss. Damit suggerierst du einfach, dass wenn die Bedingung nicht gegeben wäre, würde die Kasse die Leistung bezahlen. Dem ist aber nicht so und daher - gerne als Wiederholung - halte ich die Hetzt gegen Hartz IV Empfänger für mindestens unangebracht.

meurer hat geschrieben:kurze Erklärung: Krankenkassen zahlen Behandlungen für Alkoholiker, jedoch keine kieferorthopädischen Behandlungen für Erwachsene

Kurze Erklärung: Krankenkassen bezahlen medizinisch notwendige Behandlungen. Alkoholismus ist definitiv eine Krankheit, welche zu behandeln ist und behandelt gehört. Kosmetische Eingriffe die ausschließlich das subjektive und temporäre Wohlbefinden des "Patienten" betreffen, werden natürlich nicht bezahlt. Wenn die "Entstellung" tatsächlich schwerwiegend ist und echte gesundheitliche Folgeschäden zu befürchten sind, dann haben wir es wieder mit einer anderen Situation zu tun.

Ob das Verhalten der Krankenkassen so nun in Ordnung ist oder nicht will ich nicht beurteilen. Aber man sollte einfach in solchen Situationen auch bedenken, welche Leistungen zwingend durch die Krankenkassen abgesichert werden müssen und welche Leistungen eben nicht zwingend zu erbringen sind.

» derpunkt » Beiträge: 9898 » Talkpoints: 88,55 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


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