Ursachen und Therapiemöglichkeiten einer Klaustrophobie

vom 10.11.2013, 22:46 Uhr

Neulich habe ich von einer Klaustrophobie gehört. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass jemand derart in Panik verfällt, wenn er nur den Gedanken daran hat, dass er in einen kleinen Raum muss und eventuell eingesperrt sein müsste. Der Bruder eines Kollegen geht beispielsweise in keinen Aufzug rein, weil der Raum zu klein ist und er Angst hat, dass er da nicht wieder heraus kommt. Da mein Kollege im 10 Stock wohnt, kommt der Bruder ihn kaum besuchen. Denn er fährt nicht mit dem Aufzug hoch.

Die Brüder sind zusammen aufgewachsen und keiner kann sich daran erinnern, dass der klaustrophobische Bruder mal ein Erlebnis hatte, was dazu führte so eine Angst zu entwickeln. Woher kommt eine Klaustrophobie und kann man es gut therapieren? Wie therapiert man eine Klaustrophobie?

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» Sherlock-Holmes » Beiträge: 2025 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich habe selbst keine Klaustrophobie und kenne auch niemanden mit einer derartigen Angst. Daher kann ich auch nicht sagen, wodurch die Entwicklung einer derartigen Phobie begünstigt werden würde.

Ich bin eine Anhängerin der so genannten "Konfrontations-Therapie". Ich glaube, dass man mit dieser Methode einen sehr großen Teil der Phobien und Ängste "heilen" kann. Ich glaube, wenn jemand Angst vor Spinnen hat und diese Angst kurieren will, sollte er sich eine Spinne auf die Hand setzen.

Ich selbst hatte mal eine Sozialphobie, also ging ich gezielt unter Menschen bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Ich hatte auch Angst vor Tieren und bildete mir ein, dass mich jedes Tier sofort beißen würde. Dabei kann ich mich nicht daran erinnern, jemals vor einem Hund oder so etwas gebissen worden zu sein. Dieses Problem legte sich aber, als ich als Kind eine Katze als Haustier bekam. So lernte ich, dass Tiere nur beißen, wenn man sie provoziert und meine Angst löste sich auf.

Ein Onkel von mir hatte mal Flugangst und ist dann mit seiner Frau von Deutschland nach Orenburg geflogen, um irgendwelche Verwandten zu besuchen. Es sollte eigentlich eine Direktverbindung ohne Zwischenstationen und Umsteigemöglichkeiten sein. Leider musste das Flugzeug außerplanmäßig 2 oder 3 Zwischenlandungen machen. Das muss sehr schlimm für meinen Onkel gewesen sein. Es stellte sich aber heraus, dass ihn dieses Flugmanöver mehr oder weniger geheilt hatte. Er hat seitdem keinerlei Probleme mehr mit dem Fliegen.

Wichtig ist nur, dass man klein anfängt. Bei einer Klaustrophobie wäre es schon krass, wenn man diese Person direkt in einen winzigen Fahrstuhl sperrt und abwartet, was passiert. Man kann ja so anfangen, dass der Betroffene sich jemanden mitnimmt um das Problem in den Griff zu bekommen. Der Betroffene geht in einen geöffneten Fahrstuhl während die Begleitung die Lichtschranke blockiert, sodass die Tür nicht zugehen kann und der Betroffene jederzeit den Fahlstuhl verlassen kann. Je nachdem wie der Betroffene sich damit fühlt und wie schnell er sich an die Unbedrohlichkeit der Situation gewöhnt, kann man das ja nach Bedarf steigern.

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» Olly173 » Beiträge: 14700 » Talkpoints: -2,56 » Auszeichnung für 14000 Beiträge


In erster Linie muss es darum gehen, dass die Verknüpfungsmuster im Gehirn aufgebrochen werden. Bei einer Phobie sind Reize mit ungünstigen Reaktionen verknüpft, die der Situation eigentlich nicht angemessen sind. Neue Verknüpfungen können beispielsweise durch positive Reize geschaffen werden. Wie bereits gesagt wurde, empfiehlt sich die vorsichtige Herangehensweise in der Konfrontation. Das Gehirn lernt, dass der Reiz keine Gefahr beinhaltet und kann sich in der Folge langsam umstellen.

» rambola » Beiträge: 32 » Talkpoints: 8,36 »



Nicht nur Klaustrophobien, sondern sämtliche Phobien sind sehr gut therapierbar. Wichtig dabei sind insbesondere behaviorale Therapiekonzepte, die unter anderem auch die Expositionstherapie beinhalten: Hat der Patient beispielsweise Angst einen engen Raum zu betreten, fängt er mit dem Therapeut an, zuerst vor dem Raum zu stehen, ohne ihn primär zu betreten. Das zeigt dem Patienten, dass von dem Raum keine Gefahr ausgeht und dass die vegetativen Symptome, die Angstpatienten zweifellos haben und die die Angst noch mehr triggern, irgendwann abklingen, je länger er vor dem Raum steht. Schritt für Schritt betritt der Patient dann den Raum und erfährt am eigenen Leibe, dass er nichts zu befürchten hat, auch wenn sein Herz (u.a. mit Herzklopfen), sein Gehirn, etc. ihm was anderes erzählen wollen.

Die Extremvariante dieses Verfahrens nennt sich "Flooding": In der Psychotherapie ist dieses ein bewährtes Verfahren, das häufig eingesetzt wird. Dabei wird der Patient einer Situation ausgesetzt, in der er den angstauslösenden Reizen am Stärksten ausgesetzt ist. Auch hier gilt ihm klarzumachen, dass Angst eine natürliche Reaktion des Körpers auf einen Reiz ist und nicht unendlich andauert - macht auch keinen Sinn, wenn der Organismus ständig auf 180 ist, irgendwann sind die physiologischen Reserven ausgeschöpft. Nach einer gewissen Zeit klingen auch hier die Symptome aus. Mit einem Mal ist es allerdings nicht getan, das bedarf schon mehreren Sitzungen.

Entscheidend ist bei Angstpatienten, dass sie nicht durch sogenannte negative Verstärkungen in ihren Aktionen bestätigt werden. Das Verstärkungsmodell nach Skinner ist ebenfalls ein sehr gutes Modell, um das Verhalten bei Phobien zu erklären und Therapieansätze abzuleiten.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge



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