Ist polyphasischer Schlaf wirklich produktiver?
Ich habe vor ein paar Wochen vom polyphasischen Schlaf gehört. Dabei verteilt man seine normalerweise einzige Schlafphase in der Nacht auf mindestens drei Schlafphasen. Das Mindestens steht dabei aber auch für die Möglichkeit, dass man mehrere Schlafphasen trainiert.
Die gängigsten Möglichkeiten bilden einmal der sogenannte Everyman, bei dem man in 4 Schlafphasen einmal in der Nacht 3 Stunden schläft und am Tag drei 20-minütige Phasen anlegt, mit denen man dann insgesamt auf 4 Stunden Schlaf kommt.
Die andere Möglichkeit ist eine äußerst fortgeschrittene Version, die des so genannten Übermann. Bei diesem Schlafrhythmus schläft man 6 Mal am Tag nur 20 Minuten und kommt somit auf eine Schlafzeit von nur 2 Stunden.
Meine Fragen sind, ob gerade letzteres wirklich noch gesund für den Körper sein kann. Sind die Zeiten, in denen man wach ist, wirklich noch produktiv nutzbar oder ist man dort äußerst schläfrig? Wie lange hält man solch einen Schlafrhythmus durch? Wie lange dauert die Zeit, bis man in diesem Schlafrhymthus ist? Kann man den Everyman auch für sein ganzes Leben durchziehen und so seine Tageszeit vervielfachen?
Und gibt es hier jemanden, der in einem polyphasischen Schlaf ist, oder bereits versucht hat einen zu machen?
Was man nicht alles optimieren, verändern, verbessern oder effizienter gestalten kann! Ich staune hier Bauklötze, halte diese Idee, seinen Schlafrhythmus aus dem Takt zu bringen, aber für absurd. Gelinde gesagt.
Ich nehme einfach mal an, dass es bei diesen Strategien darum geht, die Gesamtschlafdauer zu verkürzen, um mehr Zeit wach zu verbringen und den stressbedingten Herzinfarkt schon mit 35 Jahren zu bekommen. Zumindest fällt mir kein anderer Grund ein, den polyphasischen Schlaf anzuwenden. Bisher habe ich nämlich in dem Glauben gelebt, dass jeder Mensch ein Minimum an ununterbrochenem Tiefschlaf braucht, um nicht zusammenzubrechen. Manche Leute kommen mit vier Stunden aus, andere brauchen neun. Dass jemand dauerhaft mit 2 Stunden Schlaf am Tag auskommt, kann ich mir nicht vorstellen.
Wie viel Schlaf jemand braucht, wird natürlich neben der Veranlagung auch von vielen anderen Faktoren bestimmt, wie zum Beispiel dem Lebensalter oder der Frage, ob man im Job Briefmarken stemmt oder unter Tage Kohle aus dem Fels bricht. Dass man jedoch durch Training und Mini-Schläfchen am Tag daran groß etwas verändern kann, glaube ich nicht, die gesundheitlichen Folgen wären zu gravierend.
Ich selbst würde mich nie nach 3 Stunden Schlaf freiwillig aus dem Bett quälen, polyphasischer Schlaf hin oder her. Ich wäre den ganzen Tag ein Zombie und frage mich sowieso, was ich um vier Uhr früh Produktives schaffen könnte. Davon abgesehen würde sich beispielsweise mein Chef schön bedanken, wenn ich mein Everyman-Nickerchen während der Arbeitszeit halten würde.
Ich frage auch, warum ich das machen sollte, wenn es nicht meinem natürlichen Schlafrhythmus entspricht. Ich schlafe gerne und träume vor allen Dinge gerne. Warum sollte ich das verkürzen?
Vielleicht ist das eine angemessene Strategie für Extremfälle wie Weltumsegelungen oder Ähnliches. Aber auf Dauer ist das meiner Meinung nach für den Normalbürger nichts. Es gibt berühmte Leute, die viel geleistet haben und sehr wenig Schlaf brauchten, wie angeblich Leonardo Da Vinci. Aber der war wahrscheinlich so veranlagt. Das heißt nicht, dass man solche Leistungen vollbringt, wenn man seinen Schlaf auf die von dir beschriebene Weise einschränkt.
Ich bin der Meinung, dass man seinem natürlichen Rhythmus folgen sollte und der ist eben bei jeden anders.
Interessante Sache! Mein erster Gedanke war ja, dass es total widernatürlich ist. Mein Körper sagt mir schon, wie viel er schlafen will. Mein Mann und ich schlafen jeden Tag einfach so lange, wie wir wollen. Durch die berufliche Selbständigkeit können wir uns das erlauben. Dadurch habe ich festgestellt, dass mein Körper 9 Stunden Schlaf haben will und ich fühle mich damit gut und habe keinerlei Einschlafprobleme etc. Aber ganz so einfach ist es nicht. Ich werde auch tagsüber mal müde und kämpfe aber dagegen an. Wer weiß, wie lang ich nachts schlafen würde, wenn ich jeder Müdigkeit tagsüber nachgeben würde?
Und nach der Geburt, wenn es uns noch gestattet ist, zu schlafen, wenn wir wollen, schlafen wir ja polyphasisch. Hören Kinder damit freiwillig auf oder weil die Umwelt es so will? Letztlich beruht das vielleicht alles darauf, dass die Eltern wollen, dass das Kind nachts schläft, wenn sie das auch tun und dass es wach sein muss, wenn der Kindergarten beginnt, Mittagsschlaf mit den anderen Kindern etc. Wir werden da schon ziemlich früh in ganz feste Muster gepresst.
Und in freier Wildbahn wäre es auch nicht so günstig, jede Nacht 8 Stunden so wegzudriften. Da wären mehrere, kurze Schläfchen, aus denen man bei Gefahr schnell aufwachen kann, sehr viel logischer. Ich weiß nicht, ob das auf jedes Tier zutrifft, aber die meisten schlafen doch ziemlich viel, aber nicht sehr tief.
Wozu der Schlaf tatsächlich dient, ist den Forschern ja auch noch nicht klar. Auch bei polyphasischem Schlaf gelangt man in die wichtige REM-Phase. Der Tiefschlaf bleibt meines Erachtens komplett aus. Das widerspricht total dem, was mein Körper im Moment will (es ist 22 Uhr
) Aber es wäre nicht die erste Sache, bei der der Mensch gegen die Natur handelt.
Leider gibt es dazu so gut wie keine wissenschaftliche Forschung. Eine kurze Recherche hat gerade nur Versuche zu Tage gefördert, die bereits in der Eingewöhnungszeit abgebrochen wurden. Heutzutage ist es aber auch wirklich schwer, einen zu allen anderen Menschen konträren Schlafrythmus einzuhalten. Mir wäre es möglich. Vielleicht krieg ich dann mein Haus endlich mal richtig sauber. Aber die harte Umgewöhnungszeit ist sehr, sehr, sehr abschreckend. Und wie gesagt, mein Körper will definitiv seine 9 Stunden im Moment und mein Geist auch.[/quote]
Link dieser Seite https://www.talkteria.de/forum/topic-226433.html
Ähnliche Themen
Weitere interessante Themen
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr 4051mal aufgerufen · 18 Antworten · Autor: anlupa · Letzter Beitrag von Wibbeldribbel
Forum: Alltägliches
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft 2166mal aufgerufen · 6 Antworten · Autor: merlinda · Letzter Beitrag von Hufeisen
Forum: Alltägliches
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft
- Welche Bindung habt oder hattet ihr zu euren Urgroßeltern? 1387mal aufgerufen · 6 Antworten · Autor: Ampelmännchen · Letzter Beitrag von Verbena
Forum: Familie & Kinder
- Welche Bindung habt oder hattet ihr zu euren Urgroßeltern?
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land? 2701mal aufgerufen · 19 Antworten · Autor: damomo · Letzter Beitrag von bambi7
Forum: Freizeit & Lifestyle
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land?
- Was fasziniert euch an amerikanischen Serien 3425mal aufgerufen · 16 Antworten · Autor: Federmäppchen · Letzter Beitrag von mittenimleben7
Forum: Film & Fernsehen
- Was fasziniert euch an amerikanischen Serien
