Studenten befassen sich mit Patienten am Krankenbett

vom 18.10.2013, 10:24 Uhr

Medizinstudenten besuchen ja nicht nur Vorlesungen und lernen aus Fachbüchern zu Hause, sondern sie werden auch irgendwann ans Krankenbett eines Patienten dürfen. Sie horchen ihn ab und tasten ihn ab. Für ein Gespräch mit dem Patienten bleibt ihnen mehr Zeit. Da sind sie also gegenüber den Ärzten im Vorteil.

Aber wie sieht das der entsprechende Patient? Akzeptiert er den sehr jungen Studenten, der sich mit ihm befasst? Gibt er ihm bereitwillig Antwort und schildert er ihm seine Probleme? Oder hält er sich bedeckt und gibt nur mürrische Antworten? Kommt es auch vor, dass er es ablehnt, von einem Studenten untersucht zu werden? Wenn das der Fall ist, wie reagiert der Student. Bleibt er trotzdem freundlich dem Patienten gegenüber? Habt ihr schon einmal in einer Uniklinik gelegen und seid von Studenten untersucht worden? Wie lief das ab?

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Als ich als Kind wegen meines Asthmas im Krankenhaus war kam eines Tages der Oberarzt zu mir und fragte mich ob ich denn Lust hätte mit zu kommen in den Unizweig der Klinik damit die Studenten mich mal abhorchen könnten und untersuchen könnten. Ich habe im ersten Moment ja gesagt, denn ich war 10 und konnte mir das nicht so richtig vorstellen. Auf einmal stand ich als Vorführobjekt für 15 Studenten herum und jeder betrachtete mich nur als Objekt und nicht mehr als Kind. Sie untersuchten mich alle der Reihe nach und tasteten mich ab. Mit 10 Jahren hat man dann doch schon Schamgefühl und ich fand dieses Gefühl nur ein Objekt zu sein wirklich eklig. Da war der Arzt doch wesentlich netter, denn die Studenten hatten kein nettes Wort und kein nettes Lächeln für mich.

Durch dieses Erlebte würde ich mich schlichtweg nicht von Studenten untersuchen lassen. Da müsste schon der Arzt her, oder der Student eben so sympathisch sein, dass ich es mir anders überlegen würde.

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» pichimaus » Beiträge: 2016 » Talkpoints: 6,99 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Ich würde mich definitiv nicht von Studenten untersuchen lassen. Selbst habe ich damit zwar noch keine Erfahrungen gemacht, dafür aber eine Bekannte. Als sie vor Jahren mal im Krankenhaus lag, hatte sie solch einem Projekt zugestimmt und es bitter bereut.

Eine ganze Klasse junger Studenten durfte sie nahezu unbekleidet sehen, um zu lernen. Ihr war das sehr peinlich, denn die Studenten waren noch sehr jung und noch längst keine Ärzte. Sie hatte sich furchtbar geschämt und in den Studenten auch keine Ärzte oder Pfleger gesehen. Sie fühlte sich richtig gedemütigt, musste dann aber durch, wo sie nun zugestimmt hatte.

» Sternchen* » Beiträge: 2805 » Talkpoints: 2,97 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Irgendwann müssen die Studenten ja den Kontakt mit den Patienten aufnehmen. Und das sollte so früh wie möglich sein. Ich würde das je nach Erkrankung abwägen. Man hat ja ein gewisses Schamgefühl und wenn ich mir vorstelle das rund 10- 15 Studenten um mich herumstehen und mich vielleicht Intimbereich untersuchen möchten, da würde ich bestimmt ablehnen. Ist es aber ein einzelner Student der mit dem Arzt zusammen die Untersuchung macht, dann würde ich nicht nein sagen. Es kommt immer auf die jeweilige Situation an. Wenn der Student jedoch unfreundlich wäre würde ich das dem behandelnden Arzt sagen,

Ich wohne in der er Stadt mit einem anthroposophischen Krankenhaus, da habe ich bisher ganz gute Erfahrungen gemacht, egal ob Arzt oder Pfleger, alle gehen auf deine Fragen und Bedürfnisse ein. In diesem Krankenhaus hätte ich nun keine Bedenken mich von Studenten untersuchen zu lassen. In dem Krankenhaus ist man auch als Patient nicht irgendeine Nummer, sondern wird noch als Mensch behandelt. Da fühle ich mich noch ernst genommen. Ich denke, Studenten die in dieses Krankenhaus kommen haben von vornherein eine ganz andere Einstellung zum Patienten. ich habe da jedenfalls noch keine negativen Erfahrungen gemacht.

» ratacrash1962 » Beiträge: 674 » Talkpoints: 7,40 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Da bin ich aber echt überrascht, was die Dozenten mit Patienten machen. Ich hatte mir eingebildet, dass jeweils ein oder höchstens zwei Studenten auf einen Patienten losgelassen werden und der Arzt dabei ist. Wenn aber zehn bis fünfzehn auf einmal um das Bett eines Kranken herumstehen und alle wollen mal eben untersuchen, finde ich das doch sehr unangenehm. Das würde ich also nicht mitmachen. Die Krankenhäuser haben mehrere Patienten und da meine ich, dass die Studenten schon aufgeteilt werden könnten und nicht alle auf einmal den Patienten belagern. Das würde mir nicht behagen. Corona1983, dass deine Bekannte sich geschämt und die Zustimmung bereut hat, kann ich voll und ganz nachempfinden.

@pichimaus, das war ein sehr negatives Erlebnis für dich mit 10 Jahren. Der Arzt hätte dich darauf vorbereiten müssen. Aber davor hatte er sicherlich auch Angst, dass du es ablehnen würdest. Sich so als Objekt missbraucht zu fühlen, das ist nicht schön. Ich hätte zumindest gedacht, dass jeder einzelne Student ein paar nette Worte für dich gehabt und ein Lächeln auf dein Gesicht gezaubert hätte. Sicherlich hast du noch lange danach dich nicht wohl gefühlt, was ich nachvollziehen kann.

Du hast natürlich recht, ratacrash1962, irgendwann müssen die Studenten es lernen. Aber wenn so wie beschrieben vorgegangen wird, werden viele Patienten einfach ablehnen. Da muss schon etwas einfühlsamer vorgegangen werden, damit jeder zustimmt. Ich würde unter solchen Umständen auch ablehnen. Vielleicht ist es bei den Anthroposophen wirklich anders. Das entsprechende Krankenhaus hier in der Nähe hat einen guten Ruf.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


Mir selbst ist es zwar noch nicht passiert, dass ich von Studenten untersucht wurde. Aber ich kenne Aussagen, wo die Patienten vorher gefragt worden, ob das für sie in Ordnung ist. Und ich selbst hätte damit kein Problem. Denn angehende Ärzte brauchen auch Erfahrungen in der Praxis. Außerdem werden sie ja nicht allein auf die Patienten losgelassen, sondern es sind Ärzte mit dabei.

Aber selbst in privaten Arztpraxen wird man auch mit Auszubildenden konfrontiert. So habe ich im Frühjahr meinen Stützverband am Fuß von einer Azubine angelegt bekommen. Auch da hat meine Hausärztin vorher gefragt, ob das für mich in Ordnung ist. Immerhin dauerte der Vorgang damit wesentlich länger.

» Punktedieb » Beiträge: 17970 » Talkpoints: 16,03 » Auszeichnung für 17000 Beiträge


Ich als Medizinstudent kann das Ganze aus der anderen Perspektive berichten, nämlich, dass es in der Regel (in gut 95% aller Fälle) so ist, dass die Medizinstudenten im Rahmen des Studiums - wenn sie mal ein Pflichtpraktikum haben - gar nicht mit 15-20 Mann auf die Patienten losgelassen werden. Selbstverständlich werden die Patienten zuerst immer in Abwesenheit der Studenten gefragt, ob sie sich bereit erklären, dass 2 bzw. höchstens 3 Patienten die Anamnese erheben - sie also befragen - und sie untersuchen dürfen. Anschließend wird man in Kleingruppen, meist bestehend aus 2-3 Stunden, auf die entsprechenden, zugesagten Patienten gelassen und kurze Zeit später stellt man dem entsprechenden Arzt die Ergebnisse vor.

Sollte es so kommen, dass man mit der gesamten Horde aus 15-20 Stundenten ins Patientenzimmer geht, läuft das im Regelfall so ab, dass der Patient (mit seinem Einverständnis natürlich!) selbst erstmal erzählt, wieso, weshalb er ins Krankenhaus gekommen ist, was er für Beschwerden und Symptome er gehabt hat,etc. und im Anschluss daran man theoretisch die Untersuchung durchgeht: Der Arzt fragt die Stundenten beispielsweise, was man an Diagnostik machen könne bzw. sollte, wie die körperliche Untersuchung aussehen würde, wie die Untersuchungsmethoden durchgeführt werden, wie sie heißen und ähnliches. Je nach dem, was für einem Arzt man begegnet, fragt er den Patienten zusätzlich, ob er die Theorie kurz an ihm demonstrieren dürfe. Hier hapert es meines Erachtens erheblich, wenn sich sehe, dass man zwar den Studenten vieles erzählt und demonstriert, den Patienten allerdings eine Erklärung schuldig bleibt.

Im Rahmen der Famulaturen (=Pflichtpraktika), die wir unter anderem auch in Krankenhäusern machen müssen, habe ich bisher nie erlebt, dass ein Patient nicht wollte, dass ich die Untersuchung nicht mache. Lediglich einige Patienten lehnten die Blutabnahme ab, da sie große Angst hatten gestochen zu werden - eine Patientin sagte später zu und war erstaunt, dass es kein bisschen wehtat :) Allerdings bin ich auch zu jedem Patienten ehrlich gewesen zu sagen, dass es nicht an meinen Künsten lag sondern vielmehr am Venenstatus des Patienten und man bei Patienten mit guten Venen keinerlei Probleme hat. Ablehnungen hingegen nahm ich keineswegs persönlich, vielmehr fasste ich sie mit Verständnis auf. Ich hätte nämlich zugegebenermaßen auch leichte Bedenken, wenn ein angehender Arzt mich stechen würde.

Bei den körperlichen Untersuchungen und der Anamneseerhebung bin ich bisher auf keine einzige Ablehnung gestoßen - da war ich allerdings auch alleine im Zimmer. Im Gegenteil, viele Patienten waren sogar richtig begeistert und behaupteten, in ihrem Leben bisher kein einziges Mal derart sorgfältig untersucht worden zu sein. Diesen Aussagen kann ich tatsächlich glauben, habe ich auch unseren Patienten gesagt: (Klinik-)Ärzte stehen heutzutage dermaßen unter Zeitdruck, dass man sich nicht mehr einfach 30 Minuten nehmen und den Patienten gründlich untersuchen kann. Ich als Student kann bzw. konnte es, demzufolge waren die Patienten auch froh und glücklich, dass man sich Zeit für sie nahm.

Generell ist es aber so, dass Medizinstundenten ohne das Einverständnis der Patienten nicht einmal die Anamneseerhebung durchführen können bzw. dürfen - die Patienten müssem dem zustimmen, ansonsten läuft gar nichts. Die Anamnese bzw. Untersuchung läuft dann meist wie oben beschrieben ab: Entweder tun das die Studenten selbst in 2er bzw. 3er-Gruppen oder aber die komplette Gruppe schaut und hört den Demonstrationen bzw. Erklärungen der Arztes am Patientenbett zu. Habe selbst bei uns an der Uni noch nie erlebt, dass 15-20 Stunden mit dem Arzt zusammen einen Patienten untersucht hätten.

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» getku » Beiträge: 883 » Talkpoints: 11,06 » Auszeichnung für 500 Beiträge



@getku, das ist sehr interessant, was du schreibst. Auf diese Weise erfährt man mal, wie alles abläuft. Aber so ist meine Annahme, wie es normal ablaufen sollte, doch gar nicht falsch, denn ich hatte mit ein bis zwei Studenten gerechnet. Dadurch, dass sich die Studenten mehr Zeit nehmen können, kann vielleicht das eine oder andere von diesen entdeckt werden, was Ärzte in der Hektik übersehen könnten. Denn gewisse Kenntnisse haben die Studenten ja schon erworben. Also finde ich das gar nicht so schlecht. Nur mit der ganzen Gruppe anzukommen, wäre mir zu viel.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge


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