Internettherapie bei psychischen Problemen sinnvoll?

vom 11.10.2013, 13:04 Uhr

In manchen Ländern schon im Gesundheitswesen integriert ist die Internettherapie in Deutschland noch in der Versuchsphase. Ich habe soeben zufällig einen Artikel darüber gelesen und kann mir durchaus vorstellen, dass dies etwas für mich wäre, wenn ich psychische Probleme hätte.

Man wird bei einer solchen Therapie über den Computer betreut. Der Vorteil ist, dass die Wartezeiten, bis man einen Termin findet, nicht so unerträglich lang sind und dass die Sitzungen zu Hause stattfinden. Trotzdem spricht man wohl mit einem echten Psychologen und nicht mit einem Computerprogramm. Außerdem ist die Hemmschwelle niedriger, seine Probleme anzusprechen, wenn man dem Psychologen nicht körperlich gegenüber sitzt - für mich wäre das zumindest so, wenn die Probleme schambesetzt sind.

Was haltet ihr von der Internettherapie? Kann diese in euren Augen genauso hilfreich sein wie eine Behandlung von Mensch zu Mensch? Würde ihr eine solche Therapie ausprobieren?

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



ich finde diese Art von Therapie nicht wirklich sinnvoll. In einem persönlichen Gespräch finde ich, kann man persönlich sich besser darstellen und diese dann entsprechend behandeln. Zumal man bei einer OnlineTherapie ja nicht sicher sein kann, ob sich wirklich ein Arzt dahinter versteckt.

Was passiert, wenn sich jemand in meine Therapie hakt und ich der Meinung bin, dass ich mit dem Therapeuten spreche? Der erfährt dann vielleicht Dinge über einen, die man so nicht erzählen will und kann mir dadurch vielleicht mehr schaden. Sicherlich haben sich einige Patienten somit schon heilen lassen, aber ob sich diese Art von Therapie wirklich etabliert ist wirklich fraglich.

» Parzival » Beiträge: 888 » Talkpoints: 0,70 » Auszeichnung für 500 Beiträge


Mittlerweile geschieht schon so viel an zwischenmenschlicher Kommunikation online oder in virtuellen Räumen, dass der Versuch, auch Therapien im Internet anzubieten, für mich nur eine logische Weiterführung darstellt. Ob gängige Therapiemethoden und -strategien, die sich offline entwickelt und bewährt haben, quasi eins zu eins auf die Online-Kommunikation übertragen lassen, bezweifle ich allerdings. Mit ein paar Anpassungen kann ich mir aber schon vorstellen, dass gerade gängige und nicht allzu schwerwiegende Probleme gelindert werden können, ohne dass man monatelang auf einen Termin im "wirklichen Leben" warten muss.

Problematisch an dieser Idee finde ich vor allem die nur allzu menschliche Tendenz, sich in einer virtuellen Umgebung anders/besser darzustellen, als man ist. Im Kontakt mit virtuellen Fremden ist es eben einfacher, sich einsichtiger, toleranter oder lockerer zu geben als im direkten Kontakt von Mensch zu Mensch. Gerade die Erfolgskontrolle kann bei einer Therapie auf diese Art schwierig werden, vermute ich mal.

» Gerbera » Beiträge: 11346 » Talkpoints: 56,04 » Auszeichnung für 11000 Beiträge



Ich halte von einer solchen Therapie nicht viel. Wenn ich psychisch ein Problem hätte, würde ich es vorziehen, einen Arzt oder Psychologen anzusprechen. Woher soll ich wissen, wer sich im Internet hinter einem Namen wirklich verbirgt? Und wer sagt mir, dass eine Internet-Sitzung auch wirklich geheim bleibt? Ich bin da sehr skeptisch, ob zu Unrecht, das weiß ich nicht.

Aber für psychisch Kranke, die so schnell nicht an einen Termin kommen können, ist es vielleicht die einzige Möglichkeit, die sich ihnen kurzfristig bietet. Was ein solches Gespräch bringt, muss man ausprobieren.

Was ich nicht verstehe, wenn Psychologen erst langfristig Termine anbieten können, sollte das im Internet auch nicht anders sein, wenn es wirklich Psychologen sind und keine Hilfskräfte. Denn ob direkt oder im Internet, Termine sind an Personen gebunden und wenn Zeit fürs Internet da ist, ist auch die Zeit für persönliche Behandlung gegeben.

» Cid » Beiträge: 20027 » Talkpoints: -1,03 » Auszeichnung für 20000 Beiträge



Ich finde es irgendwie schwierig, mir vorzustellen, dass eine Psychotherapie im Internet an eine persönliche Therapie herankommt und diese vielleicht sogar ersetzen kann. Sicher ist es oft so, dass Patienten lange auf einen Termin warten, was bei solchen Problemen erst recht nicht angenehm ist, darum wäre es vielleicht schon sinnvoll, dass eine Möglichkeit der ersten Online-Therapie gegeben wäre, damit die Patienten sich schon mal versorgt fühlen.

Außerdem finde ich es auch für die Patienten angenehmer, weil eine solche Therapie anonymer ablaufen wird. Aber genau dabei sehe ich auch das Problem, weil man bei einem persönlichen Kontakt als Therapeut viel mehr an dem Patienten sehen kann als nur seine Antwort auf eine Frage. Man kann z.B. sehen, ob die Frage jemandem unangenehm ist oder nicht. Das alles würde mir bei einer Therapie über das Internet fehlen und ich denke nicht, dass ich eine solche Therapie ausprobieren würde, wenn ich mal eine benötigen sollte.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


Das gibt es ja schon längst, es bieten zahlreiche Onlinepsychologen usw. ihre Dienste im Internet an und das ist auch nicht neu. Wenn man sich einige Seiten mal genau anschaut, dann merkt man auch teilweise, dass das echte Therapeuten sind und eben keine Fakes. Das bezahlt nur eben die Krankenkasse nicht, denn das läuft unter Coaching. Was die Kasse bezahlt, sind nur persönliche Therapien und das in ganz bestimmten Verfahren und das auch nur bei Psychologen, die zudem noch eine Weiterbildung zum Psychotherapeuten absolviert haben.

D.h. der Psychologe muss nicht nur Psychologie studiert haben, es reicht auch nicht, wenn er mal in einer Klinik gearbeitet hat, sondern er muss eine wirklich teure Zusatzausbildung machen, die auch noch mehrere Jahre dauert. Dann ist es so wie bei den Ärzten, die haben ein Behandlungsbudget und können nur eine bestimmte Zahl an Patienten behandeln.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten, um das zu umgehen. So kann etwa ein normaler Psychologe, der diese Weiterbildung nicht gemacht hat, mit ein paar Kursen Entspannungstherapeut werden (etwa für autogenes Training) und das dann durchaus über die Kassen abrechnen. Genauso kann ein Psychologe sich zusätzlich den Titel „Heilpraktiker Psychotherapie“ verleihen lassen und dann bezahlen alle Versicherungen, die auch für Heilpraktiker aufkommen, die Behandlung. Und das machen viele, die auch online Beratungen anbieten.

D.h. diese typischen Online-Therapien, die es heute schon gibt, werden oft von Psychologen durchgeführt, vielleicht erfahrenen Psychologen, die in Kliniken arbeiten, die aber keine Therapeutenweiterbildung haben und daher keine richtige eigene Praxis haben können. Das ist auch das Geheimnis, warum die dann scheinbar mehr Zeit haben als Therapeuten, die offline therapieren, denn hier gibt es keinen regulären Kassenpatientenbetrieb.

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