Alkohol grenzenlos unterschätzt und verharmlost?
Alkohol gehört neben Koffein und Nikotin wohl zur meist gesellschaftlich akzeptierten Drogen überhaupt. Ein Gläschen Sekt beim Empfang hier, ein "gesundes" Glas Wein am Abend da und dann nochmal ein "Feierabendbier".
Es ist nun unbestritten, dass Alkohol die Gefäße weitet und damit zu allermindest kurzfristig den Blutdruck senkt - ein nicht ungesunder Effekt.
Andererseits liegt es ebenso nahe von höchst gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen auszugehen. So wird Alkohol von der Leber mit höchster Priorität abgebaut, wodurch sich freie Radikale und auch andere Gifte hinten anstellen müssen. Dies steigert bereits das Krebsrisiko, besonders bei größeren Mengen an konsumiertem Alkohol. Desweiteren führt jeder Alkoholkonsum zur temporären Schwächung des Immunsystems, um über 40%. Krankheitserreger haben dann freie Bahn. Daneben verliert der Körper durch den Alkoholkonsum Mineralien und an den nächsten Tagen - besonders bei ein paar Gläschen zu viel - ist auch die kognitive Leistungsfähigkeit eingeschränkt.
Man muss zudem erkennen, dass es sich beim Alkohol um nichts anderes, als ein Anästhetikum handelt, u.U. mit euphorisierenden Effekten. Wie kann man da noch vom "gesunden Gläschen Wein" oder dem Alkohol als "sozialer Kitt" sprechen? Das oben genannte bezieht sich außerdem nur auf Erwachsene und nur auf gemäßigten Konsum. Bei exzessiverem Konsum und/oder bei Jugendlichen dürften die größten Schäden zu erwarten sein. Und diese sind wohl kaum zu verhindern, solange es an allen Ecken Alkohol-Werbung hagelt und die "Erwachsenenwelt" den Alkoholkonsum als völlig normal darstellt. Glaubt Ihr auch, dass Alkohol zu stark verharmlost wird?
Ich bin was Alkohol geht extrem vorsichtig. Mein Onkel war Alkoholiker und letztendlich ist ihm deswegen das Herz stehen geblieben. Er war gerade mal fünfzig Jahre und er war nur ein paar Jahre Alkoholiker, bis es ihm dann ein Ende gesetzt hat. Das bestätigt mich nur darin, wenig bis gar keinen Alkohol zu trinken und ich bin immer wieder verwundert, wie leichtsinnig in meiner direkten Umgebung mit Alkohol umgegangen ist.
Ich muss zugeben, dass ich den Zeitpunkt, bei dem in meinem Freundeskreis Alkohol „in“ wurde, verpasst habe und deswegen nie in die Szene hineingerutscht bin. Ich bin am Wochenende nicht bis zum Morgengrauen auf Partys und trinke ein Glas Alkohol nach dem nächsten. Als Außenstehende kommt mir das auch total verrückt vor und ich weiß nicht, was die Leute daran finden. Gesellschaft ist schön und gut, aber kann man nicht ohne so viel Alkohol Spaß haben? Was gefällt den Leuten daran, am nächsten Tag keine Erinnerung mehr zu haben, was sie ein paar Stunden zuvor gemacht haben? Mir wäre das schon fast peinlich und wenn ich immer wieder Bilder sehe oder Geschichten höre, dann bin ich froh, dass ich um diese Zeit einfach glückselig in meinem Bett geschlafen habe und kein Teil davon war.
Ich lehne Alkohol nicht grundsätzlich ab und wenn man sich in der Kneipe mal ein Bier bestellt oder an Silvester oder zu einem Geburtstag mit einem Glas Sekt anstößt, dann ist das völlig in Ordnung, aber das maßlose Übertreiben was den Alkoholkonsum angeht kann ich einfach nicht verstehen. Ein Bekannter von mir lag schon einmal mit einer Alkoholvergiftung im Koma, aber daraus gelernt hat er nicht. Das ist für mich einfach nur unverständlich.
Meiner Meinung nach wird nicht genügend darüber gesprochen, was Alkohol anrichten kann. In vielen Familien landet dieses Thema nie auf dem Tisch und das kann und sollte so nicht sein. Man muss seinen Kindern erklären, was es mit dem Körper anrichtet und dann lernen die auch normal damit umzugehen. Ich wurde früh darüber aufgeklärt und war in meinem Leben bisher auch noch nie total besoffen. Ich kenne meine Grenzen und höre an einem bestimmten Punkt auch auf zu trinken.
Ich finde es aber auch in Ordnung, wenn man sich immer mal die Kante gibt. Das machen viele ja auch nicht ständig und verzichten auch sonst auf Drogen. Ich bin auch der Meinung, dass man ja eh an irgendetwas sterben wird und da ist es doch besser, wenn man vorher ein bisschen Spaß gehabt hat im Leben und manche brauchen dafür eben Alkohol. Es gibt Alkohol doch auch schon immer und es gibt eben Menschen, die ihre Grenzen kennen und andere Menschen, die der Sucht verfallen so ist es nun mal. Verharmlost wird das nicht mehr als bei anderen Drogen auch.
Über das Thema Alkohol wird einfach überhaupt nicht gesprochen und auch viel zu wenig. Deshalb wird so etwas vor allem von Jugendlichen nicht ernst genommen und dann kommt so etwas wie totale Verharmlosung heraus. Also ich sehe da dringend Handlungsbedarf darüber ganz klar und deutlich zu sprechen und vor allem auch die Eltern sind dazu aufgefordert zu reden.
Hinzu kommt noch, dass so etwas erst durch alkoholisierte Eltern, Freunde und Werbung entsteht. Wenn Gerede überhaupt nichts bringt, sollen die Politiker denn Verkauf von Alkohol einfach verbieten und auch die Werbung. Was wiederum auch nichts bringen würde, da sich jeder sein Alkohol irgendwo im Ausland kaufen oder bestellen kann. Da hilft einfach nur ein ausführliches und deutliches Gespräch über Alkohol. Vielleicht noch mit live Schockmomenten.
Zudem lernen Jugendliche immer von Vorbildern und diese müssen anfangen etwas zu unternehmen
Ich bin ebenfalls der Ansicht, dass das Thema Alkohol als gesundheitsschädigendes Suchtmittel im gesellschaftlichen Diskurs zu sehr verharmlost und an den Rand gedrängt wird. Es liegt mir selbstverständlich fern, illegale Drogen zu verharmlosen, aber rein mengenmäßig gesehen richten sich viel mehr Bundesbürger am Alkohol zugrunde als an Heroin oder irgendwelchen Designerdrogen, vor denen (zu Recht) an allen Ecken gewarnt wird.
Alkoholische Getränke stellen eben auch einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor dar, ganz davon abgesehen, dass sie in unserer Kultur anscheinend untrennbar mit positiven Aspekten wie "Feiern", "Spaß haben", "locker" oder "gesellig sein" verknüpft sind.
Gruppenzwang und das Vorbild der älteren Generationen spielen hier sicher eine entscheidende Rolle. Auch ich habe schon oft die Erfahrung gemacht, mich aktiv rechtfertigen zu müssen, wieso ich in geselliger Runde nur Apfelschorle trinke. Zwar bin ich keine Abstinenzlerin, aber ich vertrage einfach nicht viel Alkohol und höre lieber auf mit Trinken, bevor ich mich zum Deppen mache oder mir schlecht wird. Manche Leute fühlen sich anscheinend indirekt kritisiert, wenn nicht jeder in der Gruppe das gleiche trinkt wie sie und reagieren darauf mit Anpassungsdruck.
Meiner Meinung nach gehört das Image von Alkohol und Alkoholkonsum verändert, sodass sich allmählich die gefühlsmäßige Einstellung in der Bevölkerung breit macht, Alkoholkonsum sein nicht länger cool und lustig, sondern ein Gesundheitsrisiko. Aber wie das genau geschehen soll, weiß ich auch nicht. Bloße Verbote führen ja in der Regel dazu, dass das Verbotene noch attraktiver und interessanter wird.
Also meiner Meinung nach wird das Thema Alkohol definitiv verharmlost. Ich denke aber auch, dass das von der Politik bzw. der Lobby in den Medien bewusst so dargestellt wird.
Man könnte jetzt viele Vorwürfe formulieren, so nach dem Motto: "Durch Tabak und Alkohol sterben jedes Jahr Unmengen von Menschen, warum verbietet die Politik das nicht gesetzlich?" Schließlich entstehen dadurch Kosten im Gesundheitssektor, die man sich hätte sparen können. Einen Schritt in die richtige Richtung hat es bereits gegeben, schließlich wurde gesetzlich die öffentliche Tabak-Werbung eingeschränkt und Rauchen in Restaurants ist auch verboten. Aber mehr wird es meiner Meinung nach auch nicht geben.
Ich glaube, dass der Konsum von Alkohol und Tabak dem Staat sogar noch Geld erspart und er deswegen dazu tendiert den Konsum zu fördern, statt ihn einzuschränken oder zu unterbinden. Durch den Konsum verursachte Gesundheitsschäden wie Lungenkrebs oder Leberversagen haben in der Regel einen frühzeitigen Tod zur Folge, sodass der Staat weniger oder im besten Fall gar keine Rentenbeiträge zahlen muss.
Ich bin absolut gegen Alkohol. Du nennst da den Großteil der Gründe, da es eben nicht gesund ist und auch das Krebsrisiko erhöht. Ein weiterer Grund ist einfach die Sinnlosigkeit, die dahinter steckt. Man verpulvert Unmengen an Geld, damit man besoffen wird und am Ende kann man sich an kaum etwas erinnern. Das ist jetzt mal der Extremfall, aber selten ist das nicht und genau das ist das Problem. Hier ist also nicht der Mensch gemeint, der Abends mal eine Flasche Bier trinkt.
Das Problem liegt einfach darin, dass man das alles zu sehr auf die leichte Schulter nimmt. Natürlich kann man nicht auf alles achten und absolut perfekt leben, aber man muss es ja nun auch nicht übertreiben. Natürlich soll man Spaß haben und das Leben genießen, aber auf diese Art? Da kann man sich streiten. Man denkt offenbar nicht an Probleme oder eventuelle Krankheiten, da man noch nicht davon betroffen ist. "Wird schon gut gehen" sagen sich dann die meisten oder sie leben in der "Mir-ist-alles-egal"-Stimmung. Genau das wird wohl das Hauptproblem sein.
Alkohol ist in der Tat ein kompliziertes und umfangreiches Thema, über das man unzählige Beiträge, Artikeln, Doktorarbeiten, etc. verfassen kann. Man muss sich nur einmal dessen bewusst sein, dass Alkohol eine ernstzunehmende Droge ist, die der Körper nicht braucht, in Maßen allerdings durchaus seine Berechtigung haben kann - die Betonung liegt hier auf kann. Gerade bei jungen Leuten ist es verdammt schwierig ihnen dieses Denken einzuimpfen. Bei vielen glaube ich sogar, dass sie einfach nicht bereit bzw. gewillt sind, die ganzen Folgen des dauerhaften Alkoholkonsums zu wissen, denn verstehen und nachvollziehen würde sie jeder.
Viele Menschen haben übrigens das Problem, dass sie Alkohol als eine Art Entspannung im Sinne von "Es befreit mich von meinen Sorgen, es lässt mich alles vergessen" sehen und ihn auch dementsprechend konsumieren. Das fällt aber in die Kategorie der Sucht und die daraus folgenden Konsequenzen brauche ich hier nicht erläutern. Vielmehr sollte Alkohol, wenn man ihn überhaupt konsumiert, als Genuss empfunden werden, wenn man sich nach einem harten Arbeitstag abends gemütlich auf das heimische Sofa setzt und mal ein Glas Rotwein trinkt und es auch dabei belässt. Das ist nämlich bei mir der Fall, dass ich je nach Lust und Laune - vorausgesetzt ich habe die entsprechende Zeit - mal abends mich hinlege und 1-2 Gläser Rotwein trinke. Passiert aber relativ selten und insbesondere unregelmäßig, als dass ich mich als Alkoholiker bezeichnen würde.
Wie man Alkohol als Hilfs- und Fluchtmittel betrachten kann, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht, denn man verliert schließlich nicht das Bewusstsein (mal das Koma-Saufen ausgelassen), lediglich die Hemmschwelle sinkt bzw. verschwindet komplett. Dennoch ist man sich aber dessen bewusst, was man tut und man weiß ganz genau, was man denkt, sagt und hört. Nebenbei finde ich auch Nikotin total sinnfrei, der Alkohol hat für die Menschen wenigstens den Vorteil, dass er nur dem Konsumenten schadet, während das Rauchen auch die Mitmenschen in Mitleidenschaft zieht.
Viele junge Leute wissen meines Erachtens zu wenig über die Folgen eines exzessiven Alkoholkonsums, erstens, weil sie unzureichend darüber aufgeklärt werden und zweitens, weil sie sich damit nicht auseinandersetzen möchten - wieso auch, viele andere Menschen tun es ja auch. Leider ist das die Mentalität vieler Jugendlicher, was den Alkohol angeht und solange man die Jugendlichen nicht dazu bewegt, sich ernsthaft mit den positiven sowie negativen Folgen des Alkohols selbst auseinanderzusetzen, wird sich am jugendlichen Alkoholkonsum auch nichts ändern. Die Werbeindustrie wird weiterhin ihre Werbekampagnen durchziehen, wichtig ist also, die Auseinandersetzung mit dem Alkohol ins Bewusstsein der jungen Menschen zu rufen.
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