Therapiemöglichkeiten, Vorbeugung, Ursache bei Osteoporose?
Welche Ursachen liegen eigentlich zugrunde, wenn jemand an Osteoporose erkrankt? Wie kann man Osteoporose behandeln und kann man Osteoporose auch heilen? Kann man, wenn man so eine Diagnose gestellt bekommt auch wieder völlig genesen oder ist es eine unheilbare Krankheit? Wie wird Osteoporose behandelt? Kann man auch vorbeugend etwas machen, damit man keine Osteoporose bekommt? Kann man auch dann feststellen, ob man mal Osteoporose bekommt, wenn man sie noch nicht hat?
Osteoporose wird definiert als eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine niedrige Knochenmasse mit niedriger Knochendichte charakterisiert ist, mit der Folge vermehrter Knochenbrüchigkeit. Einige Autoren sind sogar der Meinung, dass eine manifeste Osteoporose eine pathologische Fraktur - also eine Fraktur ohne adäquates Trauma - voraussetzt.
Der diagnostische Parameter kann mittels DEXA (=Dual X-Ray Absorptiometry) ermittelt werden. Hierbei wird ein T-Score ermittelt, der angibt, wie hoch die Abweichung vom Mittelwert der maximalen Knochendichte gesunder Menschen im Alter von 30 Jahren ist. Bei einem Wert von -2,5 sagt man, dass man eine Osteoporose hat, eine latente Osteoporose kann man natürlich auch bei höheren Werten haben.
Die Ursachen der Osteoporose sind vielfältig: Da wird erstmal unterschieden zwischen einer primären Osteoporose (zu 95%!) und einer sekundären Osteoporose. Zur primären Osteoporose zählt die senile Osteoporose (TypII) und die postmenopausale Osteoporose (TypI). Die viel seltenere idiopathische Osteoporose bei jungen Menschen wird auch dazu gezählt. Die sekundäre Osteoporose setzt sich zusammen aus endokrinen Erkrankungen (insbesondere Hypercortisolismus, Hypogonadismus, primäre Hyperparathyreoidismus), Immobilisation, medikamentös-bedingter OP und Malabsorptionssyndrom. Darüber hinaus sagt man, dass folgende Erkrankungen mit Osteoporose assoziiert sind: rheumatoide Arthritis, M.Crohn, Diabetes Typ 1, Epilepsie. Folgende Medikamente vermindern nachweislich die Knochendichte, insbesondere in der Langzeittherapie: Kortikosteroiden (Cortisol), Protonenpumpenhemmer, Antiepileptika, Antiandrogene. Zu dieser Einteilung stoßen dann noch die Risikofaktoren, die die Entstehung der Osteoporose fördern. Alter, Geschlecht und Genetik spielen eine große Rolle, die man nicht beeinflussen kann. Weiterhin ist ein Mangel an Geschlechtshormonen, körperliche Inaktivität, Mangelernährung (insbesondere an Calcium und Vitamin D) und starker Zigarettenkonsum schlecht bzw. fördert ebenfalls die Entstehung einer Osteoporose.
Die Diagnose setzt sich im Prinzip aus der Anamnese (Knochen- und insbesondere Rückenschmerzen; Kyphosierung des Rückens mit Bildung eines Rundrückens; Spontanfrakturen; Evaluation der Risikofaktoren), apparativen Diagnostik (DEXA-Messung, evtl. Röntgen) und vielleicht spezieller Marker im Blut zusammen, die spezifisch für Knochenab- und anbau sind.
Die Therapie schließlich beinhaltet mehrere Stützen. Liegt eine organische Ursache der Osteoporose zugrunde, kann man die Therapie kausal angehen, beispielsweise mit Testosteronsubstitution bei Hypogonadismus. Andernfalls stehen in der symptomatischen Schiene folgende Sachen zur Verfügung, die man machen kann: Förderung der Mobilisation, Muskelkraft verbessern, Vermeidung von Stürzen, Kortikoide möglichst niedrig dosiert einnehmen, Vitamin D Versorgung sicherstellen, Untergewicht vermeiden, Rauchen aufgeben, physikalische und krankengymnastische Behandlung anstreben. Die medikamentöse Stütze kommt bei bestimmten Indikationen ins Spiel, das wäre z.B. eine Kortikoideinnahme von > 3 Monaten oder Wirbelkörperfrakturen bei einem T-Wert von < -2. Bei allen Medikamenten, die in der Behandlung von Osteoporose eingesetzt werden, ist nachgewiesen, dass sie insgesamt das Frakturrisiko senken. Das Mittel der Wahl sind sicherlich die Bisphosphonate (Alendronat, Zoledronat, Risedronat, etc.). Des Weiteren gibt es dann noch das Strontiumranelat, sogenannte SERMs (=selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren) mit Raloxifen und Bazedoxifen, Denosumab. In unkomplizierten Fällen wird auch Parathormon gegeben, das bei subkutaner Anwendung eher den Knochenaufbau stimuliert. Östrogene werden aufgrund des erhöhten Risikoprofils auf Herzinfarkt, Schlaganfall, tiefe Beinvenenthrombosen und Brustkrebs eher kaum verschrieben, nur, wenn vorzeitig Östrogenmangel besteht.
Welche Therapie letzlich für den Patienten die richtige ist, muss der Arzt dann individuell entscheiden. Die Medikamente haben natürlich auch ihre Nebenwirkungen und entsprechende Kontraindikationen, die in Betracht gezogen werden müssen. Heilbar ist die Osteoporose leider nicht, denn der Knochen baut sich altersbedingt so oder so ab - diesen kann man hemmen, aber nicht stoppen. Gerade deswegen ist die Prävention so wichtig, beeinflussbare Risikofaktoren kann man zu ungunsten der Osteoporose ändern, sodass man eben evtl. mit 80-90 Jahren osteoporotisch wird statt mit 50-60 Jahren.
getku hat geschrieben:Bei einem Wert von -2,5 sagt man, dass man eine Osteoporose hat, eine latente Osteoporose kann man natürlich auch bei höheren Werten haben.
Das kann man so pauschal gar nicht mehr sagen. Es gibt keinen einheitlichen T-Wert der das Vorhandensein einer Osteoporose angibt. Dafür gibt es große Tabellen, in denen das nach Geschlecht und Alter aufgeschlüsselt wird, sodass durchaus auch größere T-Werte (also dichter an der 0) trotzdem für eine Osteoporose stehen können.
getku hat geschrieben:Bei allen Medikamenten, die in der Behandlung von Osteoporose eingesetzt werden, ist nachgewiesen, dass sie insgesamt das Frakturrisiko senken. Das Mittel der Wahl sind sicherlich die Bisphosphonate (Alendronat, Zoledronat, Risedronat, etc.).
Interessante Aussage, die du da gibst. Auch das kann man gerade mit dem Nachsatz so nicht stehen lassen. Das Frakturrisiko wird wie du erwähnst hast reduziert, aber das gilt nicht für immer, sondern vornehmlich für den Zeitraum, der eng am Therapiebeginn liegt. Besonders bei dei den Bisphosphonaten erhöht sich mit zunehmender Dauer das Risiko für atypische Frakturen. Es gibt Studien, die zeigen nach 3-5 Jahren Bisphosphonattherapie ein 30-50%ig erhöhtes Frakturrisiko gegenüber einer Therapie ohne Bisphosphonate.
Klehmchen hat geschrieben:getku hat geschrieben:Bei einem Wert von -2,5 sagt man, dass man eine Osteoporose hat, eine latente Osteoporose kann man natürlich auch bei höheren Werten haben.
Das kann man so pauschal gar nicht mehr sagen. Es gibt keinen einheitlichen T-Wert der das Vorhandensein einer Osteoporose angibt. Dafür gibt es große Tabellen, in denen das nach Geschlecht und Alter aufgeschlüsselt wird, sodass durchaus auch größere T-Werte (also dichter an der 0) trotzdem für eine Osteoporose stehen können.
Deswegen habe ich ja auch geschrieben, dass man eine latente Osteoporose auch bei höheren Werten haben kann
Klehmchen hat geschrieben:getku hat geschrieben:Bei allen Medikamenten, die in der Behandlung von Osteoporose eingesetzt werden, ist nachgewiesen, dass sie insgesamt das Frakturrisiko senken. Das Mittel der Wahl sind sicherlich die Bisphosphonate (Alendronat, Zoledronat, Risedronat, etc.).
Interessante Aussage, die du da gibst. Auch das kann man gerade mit dem Nachsatz so nicht stehen lassen. Das Frakturrisiko wird wie du erwähnst hast reduziert, aber das gilt nicht für immer, sondern vornehmlich für den Zeitraum, der eng am Therapiebeginn liegt. Besonders bei dei den Bisphosphonaten erhöht sich mit zunehmender Dauer das Risiko für atypische Frakturen. Es gibt Studien, die zeigen nach 3-5 Jahren Bisphosphonattherapie ein 30-50%ig erhöhtes Frakturrisiko gegenüber einer Therapie ohne Bisphosphonate.
Na gut, dass eine Langzeittherapie mit Bisphosphonaten das Frakturrisiko erhöht, wusste ich nicht, wäre mir auch neu. Danke für den Hinweis und die Aufklärung. Auf aerzteblatt.de habe ich diesbezüglich einen Artikel gefunden, in dem es um einige Bisphosphonatstudien geht: Darin steht unter anderem, dass Frauen, die Bisphosphonate länger als 5 Jahre eingenommen haben ein 2,74-fach erhöhtes Frakturrisiko gehabt haben als Frauen, die weniger als 100 Tage das Medikament eingenommen haben. Weiter steht allerdings auch folgendes:"Denn den 716 subtrochanteren oder atypischen Femurschaftfrakturen standen in der gleichen Kohorte 9.723 typische osteoporotische Frakturen gegenüber, deren Risiko unter der Anwendung von Bisphosphonaten zurückging." Da wäre es dann evtl. interessant zu wissen, ob die entsprechenden Patienten/Innen weitere Erkrankungen gehabt haben, ob sämtliche Risikofaktoren ausgeschaltet waren, etc. Im weiteren Absatz wird dann weiterhin erwähnt, dass Oberschenkelhalsfrakturen bei einer Anwendungsdauer von mehr als 5 Jahren um rund 24 Prozent reduziert wurden.
Wie sähe denn den Studien zufolge dann die weitere Therapie der Osteoporose aus, wenn das Frakturrisiko nach 3-5 Jahren letztlich sich doch erhöht? Gerade das will man ja verringern und soweit ich weiß wäre die Bisphosphonattherapie, soweit keine Kontraindikationen vorliegen, eine lebenslange Dauertherapie.
getku hat geschrieben:Wie sähe denn den Studien zufolge dann die weitere Therapie der Osteoporose aus, wenn das Frakturrisiko nach 3-5 Jahren letztlich sich doch erhöht? Gerade das will man ja verringern und soweit ich weiß wäre die Bisphosphonattherapie, soweit keine Kontraindikationen vorliegen, eine lebenslange Dauertherapie.
Dazu habe ich bisher auch noch nicht wirklich etwas richtig Schlüssiges gefunden und das ist auch Gegenstand vieler Forschungen. Man reduziert definitiv das Risiko osteoporotischer Frakturen, also beispielsweise Wirbelkörperfrakturen oder am Oberschenkelhals. Das erkauft man sich aber eben mit dem gestiegenen Risiko an atypischen Frakturen, die dann zum Beispiel am Oberschenkelschaft auftreten, aber genauso ohne adäquates Trauma auftreten. Die sehen dann meistens auch schon morphologisch anders aus und ihr Risiko steigt mit zunehmenden Therapiedauer.
Die Studien, die ich kenne, haben nur Zeiträume von 3-5 Jahren abgedeckt, da hatte man insgesamt noch einen positiven Effekt der Therapie, da man zusammengefasst durch die Therapie mehr osteoporotische Frakturen verhindern kann, als atypische Frakturen auftreten. Interessant wären da aber Studien über längere Zeiträume um zu sehen, aber wann das umschwenkt und das Risiko für atypische Frakturen überwiegt.
Wenn es mal zur atypischen Fraktur kommt, sollte die Bisphosphonattherapie auf andere Medikamente umgestellt werden, aber wirkliche Standards dazu kenne ich auch noch nicht so richtig. Das liegt aber auch daran, dass diese atypischen Frakturen durch Bisphosphonattherapie noch eine relativ neue Erkenntnis sind. Alternativ kann man auch engmaschig kontrollieren und gegebenenfalls schon prophylaktische Frakturversorgungen unternehmen, indem man bei ersten Anzeichen für drohende atypische Frakturen zum Beispiel schon den Oberschenkelknochen nagelt.
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