KK-Leistung nur bei dringendem Bedarf in Anspruch nehmen?

vom 03.09.2013, 22:11 Uhr

Wie in einem anderen Beitrag schon geschrieben, wurde mir heute von der Kindergartenletung meines Sohnes (bald 5 Jahre) angeboten, dass er einmal pro Woche zu einem Physiotherapeuten gehen kann. Der würde eben direkt in den Kindergarten kommen und wenn ich ein ärztliches Attest habe, brauche ich auch nichts dafür bezahlen.

Mein Sohn hatte aufgrund einer heftigen Neurodermitsart lange Zeit motorische Defizite. In letzter Zeit hat er viel nachgeholt, aber kleine Defizite sind durchaus noch bemerkbar, auch wenn es nicht ernste Defizite sind. Sagen wir einmal so: der motorische Bereich ist nicht gerade seine Stärke, zumindest wenn es um den Gleichgewichtssinn, Klettern und Geschicklichkeit bei Spielplätzen und so geht. Privat versuche ich ihn da durchaus so gut es geht zu fördern. Ich bin selber Outdoorpädagogin und allein von daher kenne ich mich bei der motorischen Förderung ein wenig aus. Auch wenn das sicher nicht mit einer Physiotherapie vergleichbar ist. Bei meinem Bereich geht es eher um den Erlebnissinn.

Jedenfalls meinte auch die Kindergartenleiterin, dass die Defizite nicht groß sind, aber da es nicht gerade seine Stärke ist, bietet sie mir so eine Therapie trotzdem an. Aufgrund der Krankenvorgeschichte meines Sohnes wird es sicher auch nicht schwer sein, diesbezüglich ein ärztliches Attest zu bekommen. Und natürlich finde ich es gut, wenn ein Kind in einem Bereich gefördert wird, wo nicht gerade die Stärken liegen.

Dennoch ist der Defizit eben nicht wirklich stark ausgeprägt. Das muss man schon auf den Punkt bringen. Und irgendwie nagt da auch ein wenig das schlechte Gewissen, wenn ich das Angebot in Anspruch nehme, weil auch wenn es für mich kostenlos ist, heißt das ja nicht, dass es niemanden was kostet. Die Kosten müsste ja die Krankenkasse meines Sohnes übernehmen. Und da denke ich mir, dass die auch nicht gerade im Geld schwimmen. Und ob ich da nicht das Geld "stehle" und es dann an einer anderen Ecke fehlen wird, vielleicht für jemanden, der es dringender benötigen würde.

Einige hier wissen vielleicht noch, dass die ersten Jahre meines Sohnes wirklich sehr heftig waren, weil er eben eine sehr ausgeprägte Form einer Neurodermitis hatte. Er hätte sehr dringend eine gute Kur an einem Meer oder so benötigt, bin aber immer knallhart bei der Krankenkasse abgeblitzt. Es war nicht in der Leistung drinnen. Wir bekamen aber eine Kur in Österreich, für 4 Wochen, die war sicher auch nicht billig und hat genau nichts gebracht. Auf der Kur waren auch andere Betroffene und ich habe mich schon damals geärgert, dass viele offen dazu standen, dass sie eben einfach nur ein wenig Abwechslung wie eine Art „Urlaub“ wollten und deswegen auf Kur gefahren sind. Ihr Leiden war aber nicht wirklich vorhanden. Ich möchte da nicht alle über einen Kamm scheren, aber es gab durchaus mehrere von dieser Sorte.

Ich habe mich schon damals geärgert, weil ich mir dachte, dass wenn man nur dann Krankenkassenleistung in Anspruch nehmen würde, wenn es wirklich notwendig ist, dann wäre die finanzielle Lage der Kassen wohl auch besser und könnten in dringenderen Fällen besser fördern. Und eigentlich ist das Physiotherapeutenangebot bei meinem Sohn ja ein ähnlicher Fall. Ja, es wird ihm denke ich sicher gut tun und ja, es ist sicher ein gewisser Förderbedarf da. Aber ein wirklich dringender Fall ist er diesbezüglich sicher nicht. Und es geht ja auch durchaus in seiner Entwicklung bergauf und nicht gleichbleibend oder so. Dennoch will man für sein Kind natürlich nur das Beste und förderlich wäre es ja wie gesagt. Würdet ihr Krankenkassenleistungen nur bei dringendem Bedarf in Anspruch nehmen?

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» tournesol » Beiträge: 7773 » Talkpoints: 0,38 » Auszeichnung für 7000 Beiträge



Ich weiß ja nicht, wie es in Österreich ist. Aber hier in Deutschland haben die Krankenkassen einen sehr hohen Überschuss erwirtschaftet. Da muss ich ehrlich sagen, dass ich da keine Gewissensbisse hätte, wenn es meinem Kind zugute kommt. Ich würde mir da nicht so große Gedanken machen und mit das Attest holen. Ich glaube nicht, dass die Krankenkassen dadurch ärmer werden. Die Beiträge sind meines Erachtens hoch genug, dass man auch solche Leistungen von der Krankenkasse bezahlen lassen kann. Der erwirtschaftete Überschuss der Krankenkassen kommt ja davon, dass die Versicherten viel zu viel bezahlen.

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» Diamante » Beiträge: 41749 » Talkpoints: -4,74 » Auszeichnung für 41000 Beiträge


Ich kann verstehen, dass dich die Urlauber in der Kur geärgert haben. Das empfinde ich auch sozusagen als Schmarotzen, wenn man tatsächlich gar nichts hat. Aber das finde ich mit dem Fall deines Sohnes überhaupt nicht zu vergleichen. Dein Sohn hat ja Bedarf an dieser Leistung. Außerdem sind die Kosten von ein bisschen Physiotherapie im Kindergarten ganz sicher nicht mit denen einer vierwöchigen Kur zu vergleichen.

Ich kann deine Bedenken sehr gut verstehen und finde es nobel von dir, dir solche Gedanken zu machen. Aber in dem Fall sind sie übertrieben. Dein Sohn ist ordnungsgemäß in einer Krankenkasse und die Beiträge werden genau dafür gezahlt, der Bedarf an der Physiotherapie ist gegeben. Es spricht wirklich nichts dagegen, dass ihr diese Leistung in Anspruch nehmt. Vor allem, finde ich es besser, wenn jetzt ein wenig Geld in deinen Sohn investiert wird als dann später die Folgen zu bezahlen, wenn er jetzt nicht gefördert wird. Lieber jetzt Physiotherapie als später ständig Krankenhausaufenthalte, weil er "ungeschickt" war.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Über Schmarotzer ärgere ich mich auch. Eine Freundin von mir wollte tatsächlich einmal eine Kur wegen "Spätschäden" durch ihr Kind beantragen. Da war er schon 20 Jahre. Sie meinte ganz offen, dass es so etwas gäbe und dass sie gerne ans Meer wolle. Sie war dann ganz empört, dass die Krankenkasse das ablehnte.

Bei einem Kind sehe ich das aber anders. Hier ist jede Maßnahme zu viel besser als eine zu wenig. Auch Mütter-Kind-Kuren sollten öfters bewilligt werden, auch wenn sie für den Laien und Nichtkenner der Lage unnötig erscheinen. Die Physiotherapie für deinen Sohn ist wichtig und sollte von der Allgemeinheit getragen werden. Die Kosten sind nämlich wesentlich höher, wenn er später Haltungsschäden und Rückenschmerzen hat, weil er sich zu wenig bewegt.

Im Großen und Ganzen glaube ich, dass die Krankenkassen eher zu wenig bewilligen als zu viel. Gerade für Kinder sollten Brillen, Allergikerüberzüge für die Matratzen und andere Hilfsmittel unbedingt bezahlt werden, was leider nicht der Fall ist. Diese Leistungen würde ich auch nicht von der finanziellen Lage der Kassen abhängig machen.

In deinem Fall hätte ich kein schlechtes Gewissen, dafür sehe ich keinen Anlass.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »



Nicht richtig finde ich es, wenn man sich krank schreiben lässt und dementsprechend Kosten verursacht, aber eben gar nicht krank ist, sondern nur keine Lust auf Arbeiten hat. Ebenfalls nicht richtig finde ich es, wenn man wegen jedem kleinen Nieser und kleinem blauen Fleck zum Arzt geht. Auch nicht richtig ist es, wenn man wegen einem Pieks den Krankenwagen ruft.

Jedoch ist es vollkommen in Ordnung zum Arzt zu gehen, oder eine Leistung in Anspruch zu nehmen, wenn etwas da ist. Natürlich ist das jetzt nicht die Riesensache mehr bei deinem Sohn, aber wie er sich entwickelt weiß man trotzdem nicht. Es handelt sich hier um ein Kind, dein Kind, er kann die Entscheidung nicht alleine treffen, daher würde ich jede Leistung in Anspruch nehmen, die ihm helfen kann und mich deswegen absolut nicht schlecht fühlen. Der Defizit in seiner Motorik mag klein sein, aber was wenn er jetzt nicht weggeht? Dann ist er sein Leben lang ein wenig benachteiligt. Das hat nichts mit Schmarotzen zu tun. In dem Moment wo wirklich etwas vorliegt soll man dieses Gesundheitssystem nutzen und nicht zögern. Denn zögern kann man manchmal teurer werden als direkt eine Leistung in Anspruch zu nehmen. Dann belastet man die Kasse und das System erst Recht.

Ich hab einmal gezögert und gedacht ich müsste wegen einer kleinen Erkältung das System doch nicht belasten. Nun hat mein Asthma sich genau dadurch auf mittelschwer verschlimmert und ich nehme täglich Medikamente was ich vorher nicht tat. Zögern kann auch Schaden und gerade bei Kindern würde ich lieber alles was helfen kann in Anspruch nehmen.

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» pichimaus » Beiträge: 2016 » Talkpoints: 6,99 » Auszeichnung für 2000 Beiträge


Nunja wenn dein Kind Problem hat, auch wenn die eher gering sind, dann nimm doch die Leistung in Anspruch. Es ist ja nicht so, dass ihr jetzt wegen einer Lapalie ins Krankenhaus rennt und die Pferde Scheu macht. Ganz im Gegenteil, ihr würdet genau das machen, was man in solchen Fällen macht sollte, nämlich ordentlich Prävention betreiben.

Wem ist denn geholfen, wenn ihr diese Möglichkeit jetzt nicht in Anspruch nehmt, und dein Kind hat jahrelang motorische Rückstände und muss dann später noch richtig behandelt werden. Jetzt kann man doch mit ein wenig Physiotherapie sehr viel erreichen und vor allem sehr viel deinem Kind helfen und die Kosten dürften verglichen mit möglichen Folgekosten sehr gering sein.

» Klehmchen » Beiträge: 5497 » Talkpoints: 1.016,89 » Auszeichnung für 5000 Beiträge


Also ich sage es ganz ehrlich, ich nutze was ich kriegen kann. Es ist ohnehin schwierig Leistungen zu bekommen weil die Krankenkassen bei uns in Österreich eben nicht so in Geld schwimmen. Aber ich sehe was bei anderen Leuten geht und ärgere mich darüber. Ich hätte auch für meine Tochter gewisse Dinge benötigt und habe sie nicht von der Krankenkasse bekommen. Andere, die geringere Leiden haben, haben es zum Beispiel schon bekommen. Von dem her schaue ich jetzt nur noch auf mich und meine Kinder. Und wenn sie etwas benötigen, auch wenn es nicht so dringend ist, dann nehme ich diese Leistung in Anspruch.

Also wenn dein Sohn auch nur geringe Defizite hat und es von der Krankenkasse bezahlt wird dann mache das. Und habe kein schlechtes Gewissen. Ich habe deine Geschichte ein wenig verfolgt und er hat eh schon genug mitgemacht. Wenn ihm das hilft dann würde ich keine Sekunde zögern und seien die Defizite auch ganz klein. Alles was deinem Sohn hilft ist gut.

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» torka » Beiträge: 4376 » Talkpoints: 7,91 » Auszeichnung für 4000 Beiträge



Ich sehe auch schon einen großen Unterschied zwischen den Schmarotzern, von denen du berichtest, dass du sie bei der Kur getroffen hast, und deinem Sohn, der die Leistung wirklich brauchen könnte. Wenn überhaupt keine Beschwerden da sind, eine Kur zu beantragen und bewilligt zu bekommen, das finde ich einfach nur gemein gegenüber anderen, die dringend so etwas benötigen und es nicht bekommen. Aber bei der Physiotherapie für deinen Sohn würde ich kein schlechtes Gewissen haben.

Vielleicht sind seine Defizite nicht ausgeprägt, aber sie sind doch da und dann finde ich es schon wichtig, so früh wie möglich dem entgegen zu wirken. Das sehe ich absolut nicht als schmarotzen an. Ich kannte mal eine Frau, die eine Perücke wegen einer Erkrankung von der Kasse bezahlt bekommen hat. Diese brauchte sie eigentlich nicht und wollte sie auch nicht tragen, aber sie wollte einfach alles haben, was kostenlos war. So etwas finde ich dann auch schlimm und absolut unfair.

» Barbara Ann » Beiträge: 28946 » Talkpoints: 58,66 » Auszeichnung für 28000 Beiträge


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