Wie krank ist man, wenn man schwere Krankheit vortäuscht?
Was mir heute eine Freundin erzählte hat mich wirklich schlucken lassen. Vor einem Monat wurde das Enkelkind meiner Freundin getauft und mit unter den Gästen war eine Großtante, die aber vorgab schwer krank zu sein. Sie kam mit Kopftuch zur Taufe und sagte, dass sie eine Chemotherapie hatte, weil sie Krebs hat. Alle haben sich natürlich auch rührend um diese Großtante gekümmert, weil sie auch vorgab sehr schwach zu sein. Sie kam auch mit einem Gehstock. Ein Kind, welches auch unter den Gästen war hat an dem Kopftuch gespielt, als es bei der Tante auf dem Schoß saß und ihre langen Haare kamen zum Vorschein. Die Tante ist direkt zur Toilette und hat ihr Kopftuch zurecht gerückt. Sie ist auch dann nicht mehr lange geblieben.
Es hat alle, die es gesehen haben schon stutzig gemacht und sie war Gesprächsthema Nummer eins, als sie weg war. Nun kam heraus, dass die Tante gar nicht krank ist. Der Sohn dieser Tante hat es selber meiner Freundin erzählt. Ich frage mich aber, wie krank man sein muss, wenn man eine so schwere Krankheit vor täuscht und ob man die Tante nicht eher bedauern sollte als verachten sollte. Denn alle in der Familie verachten diese Frau nun. Der Sohn überlegt auch einen Psychologen einzuschalten und eine Pflegschaft zu beantragen. Denn es ist doch wirklich nicht normal, wenn man so eine Krankheit vor täuscht.
Wie würdet ihr mit so einem Menschen in Zukunft umgehen? Würdet ihr so einen Menschen eher verachten oder bedauern? Kennt ihr vielleicht solche Menschen?
Das ist wirklich eine schlimme Sache. Ich denke, dass die Frau psychisch erkrankt ist und man ihr deswegen auch Hilfe zukommen lassen muss. Zwar ist das wirklich eine schlimme Sache, was da passiert ist, aber ich denke, dass ich weiterhin neutral mit ihr umgehen würde. Ich würde ihr keine Vorhaltungen machen oder versuchen ihr zu erklären, dass es falsch war. Da muss der Fachmann herangezogen werden und nicht eine Privatperson.
Eine Pflegschaft kannst Du doch nur dann beantragen, wenn jemand nicht mehr für sich alleine sorgen kann und einen Psychologen kann man nur dann zwangsweise einschalten, wenn jemand sich selbst oder andere gefährdet. Das ist ja hier nicht der Fall. Sicherlich ist das etwas verrückt, was die Frau da gemacht hat; vielleicht wollte sie eben Aufmerksamkeit, aber so wahnsinnig furchtbar ist es nun auch wieder nicht, dass man sie deswegen verachten muss. Nur weil jemand mal was Verrücktes macht, muss man ihn nicht gleich entmündigen wollen.
Wenn jemand der Meinung ist, dass diese Frau extrem krank sein muss, weil sie die „eingebildete Kranke“ spielt, dann frage ich mich doch, woran man das festmacht, dass der Sohn sogar eine Pflegschaft beantragen will. Sicherlich müsste sie zum Psychologen gehen, aber das heißt nicht, dass der Sohn sie entmündigen lassen kann. Hat die Großtante vielleicht viel Geld? Dass der Sohn darauf zugreifen möchte? Man weiß nicht, was wirklich in ihrem Kopf vorgegangen ist. Vielleicht wollte sie auch die Reaktion ihrer Verwandten testen.
Solche Menschen kenne ich nicht. Aber ich würde sie nicht verachten. Vielleicht würde ich etwas sagen und mit einem Lächeln darüber hinwegsehen. Bei der Großtante wird gefragt, wie krank sie sein muss, aber der Sohn, der sie entmündigen lassen möchte, ist der vielleicht gesund?
Ich denke auch, dass der Sohn hier nicht zwangsweise einen Psychologen einschalten kann, denn seine Mutter hat ja niemandem etwas getan. Natürlich ist es absolut nicht gut, was sie gemacht hat und es wäre sinnvoll, wenn sie sich in psychologische Behandlung begibt. Aber zwingen wird man sie dazu nicht können. Ich kenne solche Menschen nicht und sicher weiß ich es auch nicht, wie ich in der Zukunft mit einem solchen Menschen umgehen würde.
Einerseits ist es richtig, dass man so jemanden bedauern sollte, weil bestimmt ein psychisches Problem dahinter steckt, wenn man sich solche Geschichten ausdenken muss, um bei der Familie Beachtung zu finden. Aber andererseits kann ich es auch verstehen, dass sie von der Familie nun verachtet wird. Immerhin war es ja keine Kleinigkeit, was sie sich mit ihrer Lügengeschichte geleistet hat. Wenn die Familie der Frau zeigt, dass sie ein solches Verhalten nicht toleriert, wird sie vielleicht ja schon ein Stück weit einsehen, dass sie etwas falsch gemacht hat.
Link dieser Seite https://www.talkteria.de/forum/topic-220196.html
Ähnliche Themen
Weitere interessante Themen
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr 4049mal aufgerufen · 18 Antworten · Autor: anlupa · Letzter Beitrag von Wibbeldribbel
Forum: Alltägliches
- Junge Generation kennt deutsche Wörter nicht mehr
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft 2165mal aufgerufen · 6 Antworten · Autor: merlinda · Letzter Beitrag von Hufeisen
Forum: Alltägliches
- Ungerechte / ungleiche Freundschaft
- Welche Bindung habt oder hattet ihr zu euren Urgroßeltern? 1386mal aufgerufen · 6 Antworten · Autor: Ampelmännchen · Letzter Beitrag von Verbena
Forum: Familie & Kinder
- Welche Bindung habt oder hattet ihr zu euren Urgroßeltern?
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land? 2700mal aufgerufen · 19 Antworten · Autor: damomo · Letzter Beitrag von bambi7
Forum: Freizeit & Lifestyle
- Spazieren - In der Stadt oder auf dem Land?
- Was fasziniert euch an amerikanischen Serien 3424mal aufgerufen · 16 Antworten · Autor: Federmäppchen · Letzter Beitrag von mittenimleben7
Forum: Film & Fernsehen
- Was fasziniert euch an amerikanischen Serien
