Frei verkäufliche Arzneimittel gefährlicher als man denkt?
Ich bin immer sehr skeptisch, wenn ich im Fernsehen frei verkäufliche Arzneimittel sehe und wie beschwingt dort Werbung gemacht wird. So, als wenn man Süßigkeitenwerbung macht. Aber der letzte Satz in diesen Werbungen verunsichert mich dann doch immer wieder. Dieses, dass man zu Risiken und deren Nebenwirkungen den Arzt oder den Apotheker fragen soll ist dann schon etwas, was mich doch zweifeln lässt, ob manche Arzneimittel wirklich frei verkäuflich sein sollten.
Lasst ihr euch bei frei verkäuflichen Arzneimitteln immer vom Apotheker beraten oder kauft ihr diese Arzneimittel einfach, weil die Werbung Linderung verspricht. Denkt ihr eher, dass ein frei verkäufliches Arzneimittel gar nicht so schlimm sein kann, weil man ja schnell und ohne Probleme daran kommt? Oder macht ihr euch schon Gedanken zu solchen Arzneimitteln?
Ich bin ja persönlich der Meinung, dass man zu einfach an solche Arzneimittel kommt und gerade ältere Leute doch dann nur sehen, dass einem mit diesen Mitteln geholfen wird. Dass aber beispielsweise "Doppelherz" auch sehr gefährlich sein kann, wenn man schon andere Medikamente nimmt oder dass man irgendwelche Ginseng-Produkte auch nicht unbedingt ohne Beratung einnehmen sollte, ist vielen gar nicht klar. Was haltet ihr davon, dass für solche Medikamente Werbung gemacht wird, wenn sie doch nicht so unbedenklich sind, wie sie scheinen?
Skeptisch sollte man bei Werbung generell sein. Auch wenn es keine direkten Falschaussagen sind, ist es ja die Aufgabe der Werbung, die Vorzüge jedes beliebigen Produkts hervorzuheben und die Nachteile möglichst in den Hintergrund zu drängen. Das sieht man ja schon an den Werbekampagne für angeblich supi-toll gesunde Kinderprodukte, die nur aus Fett und Zucker bestehen, und natürlich auch bei Nahrungsergänzung und Medikamenten. Da müssen die Verbraucher eben schon selber mitdenken und vielleicht auch mal die Packungsaufschrift lesen.
Ich würde diese Frage also gar nicht an rezeptfreien Medikamenten aufhängen sondern generell daran, was die Werbung den Menschen alles versprechen "darf" und ob die Werbung schuld ist, wenn sich jemand mit Doppelherz die Kante gibt oder irgendwelche Kinder an Pudding und gesunden Bonbons verfetten.
Ich lese auch bei rezeptfreien Mittelchen immer den Beipackzettel und mache mir meine eigenen Gedanken. Nachfragen beim Apotheker halte ich auch nur bedingt für sinnvoll, da viele Apotheken ja auch vor allem ihre Produkte verkaufen wollen und einem deshalb beispielsweise irgendwelche Grippemittel aufschwätzen, obwohl es gewöhnlicher Tee auch tun würde. Im Zweifelsfall greife ich auch eher auf bewährte Hausmittel zurück und benutze nur dann die "chemische Keule", wenn ich wirklich schwer gebeutelt bin.
Jedes Medikament, ob frei verkäuflich oder nicht, hat Nebenwirkungen. Diese sind besonders zu beachten, wenn man schon andere Medikamente nimmt. Es ist sowohl Menschen in deinem Alter, als auch jüngeren Menschen möglich, den Beipackzettel zu studieren. Wenn du ihn so nicht lesen kannst, weil er sehr klein geschrieben ist, dann eben mit Lupe oder im Internet, wo du die Einstellung ändern kannst.
Ich glaube, du irrst dich gewaltig, wenn du ältere Leute als trottelig hinstellst, die nur den Vorteil der Linderung sehen und nicht die Nachteile. Ich denke schon, dass sie genau abwägen, was hilft und was sie besser nicht nehmen. Die älteren Menschen sind nicht unbedingt diejenigen, die sich nur die Werbung im Fernsehen angucken. Ich denke auch nicht, dass ein Apotheker nur verkaufen will und deshalb etwas anbietet, was zu Problemen führen kann, ohne es dem Kunden zu sagen.
Du scheinst dich ja gut mit Doppelherz auszukennen, ich kenne es nur dem Namen nach. Wenn es aber so gefährlich werden kann, dann teile uns doch bitte mal mit, in welcher Verbindung es so gefährlich ist.
Cid hat geschrieben:Du scheinst dich ja gut mit Doppelherz auszukennen, ich kenne es nur dem Namen nach. Wenn es aber so gefährlich werden kann, dann teile uns doch bitte mal mit, in welcher Verbindung es so gefährlich ist.
Die Kinder meiner Freundin haben zum Muttertag eine Flasche Doppelherz der Mutter gekauft. Dieses haben sie damals in einem Drogeriemarkt gekauft. Also wurde auch nicht einmal darauf geachtet, dass die Kinder noch minderjährig sind. Die Flasche enthält sogar Alkohol und die Kinder haben es dann einpacken lassen. Die Verkäuferin hat also gesehen, dass es ein Muttertagsgeschenk ist. Die Kinder waren zwischen 12 und 15 Jahre alt und haben in der Werbung nur gesehen, dass das Herz dadurch eben gesund bleibt und wollten der Mutter was Gutes tun. Sie hat es auch genommen und hat eine Woche später einen Herzinfarkt erlitten, weil dieses frei verkäufliche Medikament genau das Gegenteil bewirkt hat. Das Ganze ist schon ein paar Jahre her, aber es ist mir schon sehr im Gedächtnis geblieben. Damals wurde auch noch nicht so genau darauf geachtet, dass die Kinder minderjährig sind.
Was du da berichtet hast, ist aber schon sehr grenzwertig. War deine Freundin den herzkrank und die Kinder haben ihr das Medikament zur Stärkung gekauft? Es kann doch wohl nicht angehen, dass man von einem frei verkäuflichen Medikament oder Stärkungsmittel einen Herzinfarkt bekommen kann. Das ist ja furchtbar. Auch die Kinder werden sich Vorwürfe gemacht haben, dass sie der Mutter das Mittel geschenkt haben.
Selbst wenn die Kinder volljährig gewesen wären, und hätten das Medikament gekauft, konnten sie auch nicht wissen, dass ein Herzinfarkt dabei herauskam.
Da ich ja in einer Apotheke arbeite, weiß ich natürlich genau, dass Arzneimittel, die frei verkäuflich sind, nicht gleichzeitig harmlos sind. Darum stimme ich dir zu, dass die Werbung, die teilweise gemacht wird, schon grenzwertig ist. Zumindest sehe ich das so. Viele Kunden kennen ein Präparat dann aus der Werbung, wo es in den höchsten Tönen gelobt wird und möchten es unbedingt haben. Eine Beratung wird in einigen Fällen auch nicht gewünscht oder einfach übergangen, weil die Werbung ja recht hat.
Sicher lassen sich viele Kunden auch beraten und bekommen dann ein Präparat, das besser zu ihnen passt, aber ich finde auch, dass die Werbung suggeriert, dass die Produkte harmlos sind. Besonders bei einer Werbung für Abführmittel habe ich mich letztens wieder geärgert, weil meiner Meinung nach das Produkt echt verharmlost wurde und es dabei eben auch zu Abhängigkeiten kommen kann, wenn dieses Präparat länger eingenommen wird.
Barbara Ann hat geschrieben:Viele Kunden kennen ein Präparat dann aus der Werbung, wo es in den höchsten Tönen gelobt wird und möchten es unbedingt haben. Eine Beratung wird in einigen Fällen auch nicht gewünscht oder einfach übergangen, weil die Werbung ja recht hat.
Sicherlich gibt es unbelehrbare Leute, die nur auf die Werbung hören, in die nächst gelegene Apotheke laufen und das beworbene Präparat ohne Beratung kaufen. Allerdings denke ich, dass das nur einen geringen Prozentsatz betrifft. Jedenfalls sehe ich das so. Ich frage oft nach, warum jemand etwas haben möchte und oft stellt sich heraus, dass wenn man nachfragt, derjenige dann doch Beratung nötig hat, die er dann natürlich auch bekommt und zum großen Teil auch gerne annimmt.
Zum anderen gibt es aber nicht umsonst auch die Packungsbeilage, die man als verantwortungsvoller Mensch für seine Gesundheit lesen sollte. Ich kaufe ja auch sonst nicht alles, ohne mich darüber informiert zu haben oder wenigstens das Etikett gelesen zu haben. So sollte es dann auch bei Medikamenten der Fall sein, dass man wenigstens zu Hause die Packungsbeilage liest und sich über mögliche Neben- und Wechselwirkungen informiert, wenn man sich schon in der Apotheke nicht hat ausreichend beraten lassen.
Ich denke, dass jeder die Information aus der Werbung für sich selber deuten und einschätzen muss und verantwortungsvoll handeln sollte. Das sagt mir auf jeden Fall der gesunde Menschenverstand. Insofern denke ich nicht, dass die Werbung für frei verkäufliche Arzneimittel als grenzwertig einzustufen ist, zumal ja extra darauf hingewiesen wird, dass man die Packungsbeilage lesen soll oder den Arzt oder Apotheker um Rat fragen soll.
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