Fachärzte, die Medikamente unterschiedlich einschätzen

vom 24.06.2013, 01:03 Uhr

Ich war die letzten Wochen ziemlich erkältet und irgendwie schlug sich die Erkältung auch auf die Ohren. Da die Vertretung meiner Hausärztin meinte, sie findet nichts und wenn es nicht besser wird, soll ich zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen, zog ich diese Option in Betracht. Wobei sich die Suche nicht als ganz einfach heraus stellte.

Als ich endlich einen passend Facharzt gefunden hatte, musste ich natürlich auch einen Fragebogen ausfüllen. Vor allem der Punkt eingenommene Medikamente ist da ein wenig heikel. Einmal weil ich eben Psychopharmaka nehme und weil ich ein Schlafmittel nehme, welches nicht ganz ohne ist. Im entsprechendem Zeitraum habe ich auch noch ein Schmerzmittel genommen, von dem ich ebenfalls weiß, dass es abhängig machen kann. Somit war die Liste, in den Augen des Arztes recht lang. Ich weiß allerdings, dass ich auch schon mehr Medikamente eingenommen habe.

Mit dem Schmerzmittel gehe ich vorsichtig um, da ich weiß, dass ich zu Suchtproblemen neige. Beim Schlafmittel war ich leider nicht so vorsichtig. Meine Hausärztin sieht die Einnahme eher kritisch an, thematisiert sie aber nicht, weil sie mir das Schlafmittel nicht verschreibt. Andere Ärzte sehen die Einnahme dieses Medikamentes auch nicht besonders gerne. Die verschreibende Stelle ist da unterschiedlicher Meinung. Die momentan verschreibende Ärztin sieht es nicht gerne, sagt aber, sie kann es nicht einfach absetzen, weil ich es schon zu lange nehme und ich damit zumindest leicht abhängig wäre.

Aus diesem Grund sehe ich jedes Medikament, welches leicht abhängig macht, sehr kritisch an. Dazu gehören für mich auch Nasentropfen und Nasensprays. Ich benutze diese, wenn es gar nicht anders geht und da muss schon viel passieren. Ich habe mir mittlerweile angewöhnt, mit offenem Mund zu schlafen, weil ich eben nicht von Nasentropfen abhängig sein möchte.

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt meinte dann zu mir, ich soll weiter Nasenspray nehmen. Mein Einwand, dass die ja abhängig machen könnten, hörte er zwar, wiegelte aber ab. Er meinte, dazu muss man das schon länger nehmen. Er empfahl eine Einnahme von bis zu viermal am Tag für zwei Wochen. Zum Schlafmittel meinte er, das würde ja nicht abhängig machen. Ich habe ihm nicht gesagt, dass mir da mittlerweile eine Abhängigkeit bescheinigt wird. Verwies aber darauf, dass ich es doch schon sehr lange einnehmen würde.

Ich meine, ich weiß an sich, dass ich durchaus abhängig bin von dem Schlafmittel, es aber zurzeit einfach nicht anders geht und es oberste Priorität hat, dass ich halbwegs schlafen kann. Trotzdem bin ich verwundert, wie unterschiedlich verschiedene Fachärzte das einschätzen. Wie gesagt, Psychiater und Allgemeinmediziner sehen das eher heikel an.

Kennt ihr das auch, dass Fachärzte unterschiedlicher Fachrichtungen Medikamente so unterschiedlich einschätzen? Auf welche Aussage verlasst ihr euch dann eher? Oder sind eure Fachärzte da immer einer Meinung? Ach ja mein Schlafmittel ist kein Medikament, welches nur von Fachärzten für Psychiatrie verschrieben wird. Selbst für meine Hausärztin wäre das Medikament, bei meinen Schlafproblemen, das Medikament der ersten Wahl.

» LittleSister » Beiträge: 10426 » Talkpoints: -11,85 » Auszeichnung für 10000 Beiträge



Da Medizin keine Wissenschaft ist, sondern eine Heilkunst, hat jeder Arzt andere Einschätzungen. Es gibt viele Medikamente von denen man weiß, dass sie helfen, aber nicht warum. Ebenso sind die Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten noch gar nicht alle bekannt. Auch wirken Arzneien bei jedem Menschen ein bisschen anders. Der Arzt muss da eine eigene Abwägung vornehmen, die durchaus unterschiedlich ausfallen kann.

Ein Beispiel ist die Homöopathie. Manche Ärzte verschreiben sie, weil sie an die Wirkung glauben, andere verschreiben sie, weil sie an die Kraft der Einbildung glauben, wiederum andere lassen die Finger ganz davon, weil sie davon überzeugt sind, dass sie überhaupt keinen Nutzen hat.

Ich hatte für meine Kinder einen Kinderarzt, der sehr gerne harte Medikamente verschrieb, während meine Schwester bei einem Homöopathen war. Die Medikamente gegen die Beschwerden waren dementsprechend sehr unterschiedlich.

» anlupa » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »


LittleSister hat geschrieben:Kennt ihr das auch, dass Fachärzte unterschiedlicher Fachrichtungen Medikamente so unterschiedlich einschätzen?

Eigentlich sollte es sogar nicht unüblich sein, dass Ärzte der gleichen Fachrichtung Medikamenten eine unterschiedliche Bedeutung zuordnen. Es hat schließlich ein jeder Arzt andere Erfahrungen gesammelt und verschiedene Patienten reagieren eben verschieden auf die gleichen Medikamente. Daher ist die Vielfalt sicher nicht überraschend und das ist letztlich auch das Geheimnis des Erfolgs sog. alternativer Heilmethoden. Ich selbst sehe mich noch in einem Alter, in dem ich lieber auf die Selbstheilungskräfte des Körpers setze und auch nur im Notfall auf Medizin setzte. Daher sind mir die Mediziner von Haus aus lieber, die erst beim dritten Besuch zur selben Sache den Rezeptblock holen.

» derpunkt » Beiträge: 9898 » Talkpoints: 88,55 » Auszeichnung für 9000 Beiträge



Das Problem sehe ich eher in der Wechselwirkung der Medikamente, die viele Ärzte nicht beachten und jeder Arzt kennt natürlich auch sein Patienten mehr oder weniger gut. Außerdem machen Ärzte natürlich auch Fehler und sind nicht allwissend. Wer Medikamente öfters einnimmt oder an einer chronischen Krankheit leidet, kann seine Problematik außerdem oft besser einschätzen als die Mehrzahl der Ärzte, wenn er sich etwas um sein Problem kümmert.

» Juri1877 » Beiträge: » Talkpoints: Gesperrt »

Zuletzt geändert von ten points am 28.06.2013, 22:03, insgesamt 1-mal geändert. Zeige Beitragsversionen


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