Hat Muskelkater auch etwas mit Muskelaufbau zu tun?

vom 19.06.2013, 21:15 Uhr

Ich habe es mit dem Sport gestern ein wenig übertrieben und habe tierischen Muskelkater. Der Trainer im Fitnessstudio meinte, dass man Muskelkater bekommt, wenn man die Muskeln beansprucht hat und diese im Muskelaufbau sind. Wenn ich keine Muskeln aufbauen will, dann sollte ich demnächst doch anders trainieren.

Ich habe bisher noch nicht gehört, dass Muskelkater mit Muskelaufbau zu tun hat, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Wisst ihr mehr darüber? Kann es sein, dass ich durch mein doch etwas übertriebenes Training meine Muskeln so stimuliert habe, dass sie sich nun gering im Aufbau befinden?

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» MissMarple » Beiträge: 6786 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 6000 Beiträge



Also meiner Meinung nach hat Muskelkater nicht direkt etwas mit dem Aufbau von Muskeln zu tun. Wenn man trainiert werden die Muskeln beansprucht. Sie arbeiten also, um die Arbeit, die von ihnen verlangt wird zu verrichten. Durch das Wiederholen dieses Vorganges trainiert man im Prinzip den Muskel. Die Stärke der Beanspruchung sollte man dabei nur langsam erhöhen, da man sonst Verletzungen oder Überanstrengungen riskiert.

Im Prinzip ist Muskelkater eine Form der Überanstrengung. Der Muskel kann der Belastung nicht einfach durch den Umsatz von den im Blut vorhandenen Stoffen standhalten. Durch diese zu starke Beanspruchung entsteht im Muskel Milchsäure, die dafür verantwortlich ist, dass der Muskel in den nächsten Tagen schmerzt und nicht so stark zu beanspruchen ist.

Wenn man es genau betrachtet hemmt Muskelkater sogar den Aufbau von Muskulatur, denn wenn Milchsäure produziert wird, wird der Muskel nicht aufgebaut und ist für die nächsten Tage unbrauchbar. Man sollte sein Training also im Prinzip so regulieren, dass man keinen zu starken Muskelkater davon trägt.

Zwar hat ein ehemaliger Trainer einmal zu mir gesagt, das Training sei nur effektiv, wenn man Muskelkater hat und mit diesem weiter trainiert, jedoch bin ich aufgrund der Vorgänge im Muskel, die ich gerade beschrieben habe alles andere als sicher, ob dieser Tipp zutrifft.

Besonders der Fakt, dass das Training mit Muskelkater um einiges schwerer fällt, obwohl man den Muskel weniger belasten kann bringt mich dazu, es nicht darauf anzulegen und lieber weniger zu trainieren, als einen heftigen Muskelkater zu riskieren. Die Schmerzen sind einfach für ein regelmäßiges Training sehr demotivierend, besonders wenn man so auch arbeiten muss.

» Mulucki1989 » Beiträge: 449 » Talkpoints: 14,27 » Auszeichnung für 100 Beiträge


Also soweit ich weiß, ist die von Mulucki1989 beschriebene Muskelkater-Theorie mit der Milchsäure längst überholt. Soweit ich das verstanden habe resultiert Muskelkater aus Rissen in den einzelnen Muskelfasern beziehungsweise auf molekularer Ebene in den Myofibrillen. Die Myosinköpfchen brechen mehr oder weniger weg, sodass der Muskel eben nicht mehr so stark beansprucht werden kann, da die Muskelkontraktion auf eine Verbindung zwischen Myosinköpfchen und Aktinsträngen basiert. Und eben diese ist durch die abgebrochenen Myosinköpfchen nicht mehr wirklich durchführbar.

Natürlich werden während der Muskelkontraktion auch Calcium-2+-Ionen ausgeschüttet, jedoch dürften diese eher nicht für die Schmerzen des Muskelkaters verantwortlich sein. Milchsäure entsteht im Muskel übrigens auch bei kleinsten Beanspruchungen. Wenn man es wirklich übertreibt, und damit meine ich weit über Muskelkater hinaus, dann übersäuert man den Muskel und das ist noch einmal eine ganz andere Geschichte als Muskelkater selber.

Und Muskelkater hemmt immer noch nicht den Muskelaufbau. Das sind zwei getrennte Paar Schuhe! Muskelaufbau findet auch ohne Muskelkater statt, jedoch auch ungehemmt während man Muskelkater hat. Tut mir Leid, aber wenn ich richtig informiert bin, wovon ich jetzt einmal ausgehe, dann ist das was Mulucki1989 gesagt hat zwar zunächst in sich schlüssig, letzten Endes aber auch nur eine Halbwahrheit, wenn nicht sogar ein veralteter Mythos. :wink:

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» KingTarzan » Beiträge: 722 » Talkpoints: 0,49 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Wie es aussieht muss ich KingTarzan an dieser Stelle recht geben. Wobei auch diese Hypothese noch nicht vollständig bewiesen ist. Aber meine Ansicht scheint wohl veraltet gewesen zu sein. Ist schließlich auch schon ein paar Jahre her, dass ich mit dem aktiven Sport aufgehört habe.

» Mulucki1989 » Beiträge: 449 » Talkpoints: 14,27 » Auszeichnung für 100 Beiträge



Ich kenne es auch nicht anders wie KingTarzan. Mit einer Übersäuerung des Muskels mit Milchsäure hat es jedenfalls nur wenig zu tun. Muskelkater entsteht tatsächlich durch kleinste Risse der Myofibrillen, also der kleinsten Bestandteile eines Muskels. Die Risse sind fein, aber lösen eben den Muskelkater aus. Somit hat ein Muskelkater auch nur indirekt etwas mit Muskelaufbau zu tun. Man weiß lediglich, dass man seine Muskeln beansprucht hat. Wenn man das nun regelmäßig macht, kann es durchaus sein, dass die Muskeln auch aufgebaut werden. Eine Garantie ist ein Muskelkater aber nicht. Es kommt schon auf die Qualität und Quantität der Übungen an.

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» Nettie » Beiträge: 7637 » Talkpoints: -2,59 » Auszeichnung für 7000 Beiträge


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