Ab wann menschliches Bewusstsein bei einem Embryo vorhanden?
Ich und meine Freundin hatten eine Diskussion in der es darum geht wie schlimm es wäre eine Fehlgeburt zu welchem Zeitpunkt zu erleiden. Im Endeffekt lief die Diskussion darauf hinaus, dass wir ziemlich verschiedene Ansichten davon hatte, ab wann ein Embryo überhaupt als Mensch gilt. Meiner Meinung nach ist es nicht ganz leicht zu definieren wann das eigentliche menschliche Leben beginnt.
Doch insgesamt bin ich der Meinung, dass das menschliche Bewusstsein erst später während der Schwangerschaft einsetzt und nicht von Anfang an vorhanden ist. Dieses ist für mich die Grundvoraussetzung um von einem menschlichen Lebewesen zu sprechen. Vergleichbar also mit der rationalen Ansicht ich denke, also bin ich.
Leider ist mir ein solcher Zeitpunkt nicht bekannt, von dem man sagen könnte jetzt besitzt der Embryo ein Bewusstsein, aber das dieser irgendwann einsetzt ist meiner Meinung nach nicht zu leugnen. Ich sehe die ganze Schwangerschaft daher als möglichen Zeitpunkt an, jedoch erscheint es mir logisch, dass vor dem 3 Monat , also vor der 12. Woche ein solche Bewusstsein noch nicht eingesetzt hat.
Sollte man jedoch unterstellen, dass bereits der Embryo kurz nach der Einnistung als Mensch gilt, so wäre es meiner Meinung nach auch nötig den Vorprodukten dieses Embryos ebenfalls ein menschliches Bewusstsein und Denken zu unterstellen. Auch wenn man direkt hört, dass ich kein Befürworter dieser These bin, ist dies eine Überzeugung die meine Freundin vertritt. Mit der Einnistung beginnt ihrer Meinung nach das Leben eines Menschen. Aus diesem Grund würde für sie auch eine Abtreibung niemals in Betracht kommen.
Unabhängig von einer Abtreibung bedeutet, das jedoch auch, dass es egal ist wann man als Frau ein Kind verliert. Der Zeitpunkt spielt keine Rollte, da es sich bereits um ein menschliches Wesen handelt und der Verlust über dieses tief sitzen würde.
Meiner Meinung nach ist in den ersten Wochen noch nichts entstanden, was ein menschliches Denken aufweist, jedoch denke ich ist es wenn man selbst in der Situation gibt und bereits über Namen etc. nachdenkt nicht immer unbedingt alles mit purer Logik zu betrachten.
Ein Freund von mir geht sogar noch ein Stück weiter und sagt, das menschliche Leben beginnt erst ab dem Tag an dem das Kind wirklich geboren wird und seinen ersten eigenen Atemzug macht, da das der Zeitpunkt ist an dem es sich vom Organismus der Mutter trennt und alleine anfängt zu leben. Mich würde eure Meinung zu diesem Thema interessieren.
Das ist wirklich ein schwieriges Thema. Ich beneide dich nicht um die Diskussion mit deiner Freundin.
Ich würde nämlich eher dir zustimmen.
Bei der Befruchtung und auch bei der Einnistung ist doch nur ein Zellhaufen vorhanden. Es ist potentielles Leben, daher kann man Abtreibung auch zu diesem Zeitpunkt gerne ablehnen. Aber ich finde, es ist noch kein tatsächliches Leben. Und wenn man dann wirklich schon Eizelle und Spermium Leben zuspricht, ist jede Menstruation und jeder Samenerguss Mord. Das geht doch nun wirklich zu weit.
Dem Kind erst Leben zuzusprechen, wenn es von der Mutter abgenabelt ist, finde ich aber wiederum zu spät. Das ist doch nur ein praktischer Vorgang. Würde man es eine Woche vorher machen, wäre das Kind genauso lebensfähig. Eventuell mit Behinderung, aber lebensfähig sind Föten sogar schon viele Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin.
Es gibt sehr genaue Erkenntnisse darüber, in welcher Woche die Organe ausgebildet sind, wann das Herz anfängt zu schlagen, wann Hirnströme messbar sind, wann die Schmerzempfindlichkeit einsetzt. Aber Bewusstsein wird immer etwas Philosophisches sein und lässt sich daher nicht auf einen Zeitpunkt festlegen.
Schmerzempfindlichkeit ist meiner Meinung nach z.B. kein Kriterium dafür. Das ist etwas biologisches, hat mit Reizen und Synapsen zu tun. Es ist keine bewusste Entscheidung. Ist es eine bewusste Entscheidung vom Kind die Arme zu bewegen oder die Lage zu ändern?
Ich finde die gesetzliche Situation eigentlich ganz gut. Abtreibung ist bis zur 12. Schwangerschaftswoche erlaubt. Danach nimmt der Fötus menschliche Gestalt an. Das ist, denke ich, ein akzeptabler Zeitpunkt. Aber auch wenn ich es nüchterner betrachte als deine Freundin, würde eine Abtreibung vor der 12. Woche für mich auch nicht in Frage kommen. Aber das liegt dann daran, wie ich mich fühlen würde, nicht aus Sorge darum, wie sich der Zellklumpen fühlen würde.
Wenn du vom menschlichen Denken in Form vom Wahrnehmen des eigenen Ich ausgehst, wirst du das im embryonalen Stadium noch gar nicht finden, sondern erst im Kleinkindalter. Ich glaube daher, dass das überhaupt nicht zu dieser Argumentation passt. Immerhin beginnt das Leben da mit Sicherheit weit vorher. ![]()
Es kommt ganz darauf an, was genau die Fragestellung ist. Ist mit dem menschlichen Bewusstsein das Bewusstsein per se gemeint, also ungefähr in die Richtung gehend, wie sie Bellikowski dargestellt hat, dann hat das weder was mit dem Embryo noch was mit dem Neugeborenen zu tun - dieses Bewusstsein entwickelt erst im Kindesalter und festigt sich irgendwann im Alter von 20-30 Jahren. Unter dem menschlichen Bewusstsein verstehe ich allerdings auch die typisch menschlischen Attribute wie Trauer, Freude, Empathie, Sympathie, Charakter, Rationalität, Verantwortung, Fürsorge, etc., daher auch das relativ hohe Alter.
Ein menschliches Bewusstsein in dem Sinn, dass es einem Wesen bewusst ist, dass es existiert und über sich selbst reflektieren kann, hat ein Embryo auf keinen Fall. Das hat selbst ein Säugling noch nicht. Das entwickelt sich erst später. Aber davon hängt ja nicht ab, ob man abtreiben darf oder nicht. Die Menschenwürde im Grundgesetz hängt nicht vom Bewusstsein ab. Auch bewusstlose Menschen, Alzheimer im Endstadium oder schwer geistesgestörte sind Menschen, obwohl sie kein Bewusstsein im Sinne von Selbstreflexion haben. Das Thema Abtreibung würde ich nicht unter dem Thema menschliches Bewusstsein diskutieren.
Mit der Menschenwürde zu argumentieren ist an dieser Stelle meiner Meinung nach nich passend. Wenn ich mich recht erinnere, steht diese jedem Menschen mit Vollendung seiner Geburt automatisch zu, da wir hier jedoch über einen Zeitraum von mehreren Monaten vor der Geburt sprechen, denke ich findet die Würde des Menschen hier keinen Ansatz.
Zudem gibt es ja Ausnahmen bezüglich Abtreibungen nach der 12. Schwangerschaftswoche. Im Zuge der pränatalen Feindiagnostik besteht die Möglichkeit, Behinderungen festzustellen, zwar nicht mit absoluter Sicherheit, jedoch zu einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit, sollte eine Behinderung festgestellt werden, darf auch nach der 12. Schwangerschaftswoche eine Abtreibung vorgenommen werden.
Da die Würde des Menschen einschließlich ihres Umfangs und ihres Beginns per Gesetz festgelegt wurde und vom Grundsatz im christlichen Glauben ihre Wurzeln hat kann man meiner Meinung nach nur schwer von diesem Standpunkt aus argumentieren. Es handelt sich selbst bei diesem Grundgesetz lediglich um eine Annahme, die Menschen in der Vergangenheit getroffen haben und gesetzlich festgeleg haben. Das menschliche Bewusst sein mag ebenfalls Definitionssache sein, jedoch lassen sich hier zusätzliche Einschränkungen treffen.
Ich denke hier weniger an den philosophischen Aspekt, wann beginnt ein Mensch sich und sein Handeln bewusst wahrzunehmen und zu reflektieren. Sondern eher wann beginnt man selbstständig zu leben. An dieser Stelle finde ich den Ansatz von Bienenkönigin nicht schlecht, davon auszugehen, wann ein Fötus alleine lebensfähig wird, oder der Herzachlag einsetzt
Ich tendiere dabei eher zum Einsetzen des Herzschlages, denn mit diesem beginnt schließlich ein wirkliches eigenes Leben auch wenn es noch nicht alleine überlebensfähig ist.
Ich denke, dass man einem Embryo nicht zusprechen kann, dass er sich selber auch in der Form wahrnimmt, wie es einem Erwachsenen bewusst ist. Meiner Meinung nach entwickelt sich dieses Denken und die Eigenwahrnehmung nach der Geburt. Was ja nicht heißt, dass es vorher kein Mensch ist, aber die Sichtweise muss sicherlich erst erlernt werden.
Außerdem besteht hier auch die Frage ab wann man lebensfähig oder überlebensfähig ist und überleben könnte, aber es in diesem speziellen Fall dann nicht tut. Ich tue mich aber schwer mit Aussagen wie in dem Stadium müsste es so sein und dann so und man muss das und das fühlen. Jedoch finde ich, dass man einem Baby im Bauch nicht so viel Emotionalität und Selbstbestimmtheit wie einem geborenen Baby zusprechen kann. Man nimmt sich im Bauch vielleicht selber war, aber kann das doch nicht analysieren, begreifen und verarbeiten.
Dennoch finde ich, dass man nicht davon reden sollte, wann es besonders schlimm ist. Wir reden hier immerhin von einer Fehlgeburt und da macht es eigentlich kaum einen Unterschied wie alt das Wesen im Bauch war, weil es immer fehlen wird und eine große Lücke hinterlassen wird.
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