Unfallzeuge und Trauma - psychologische Hilfe notwendig?

vom 10.06.2013, 09:58 Uhr

Eine Freundin von mir hat vor ca. einer Woche einen Unfall gesehen und ist seitdem neben der Spur. Sie schläft schlecht und hat ein richtiges Trauma. Wenn man sie darauf anspricht weint sie und sie hat immer die Unfallopfer vor Augen. Es war kein Unfall, bei dem es Tote gab. Zum Glück, aber es muss dennoch schrecklich ausgesehen haben. Sie hat auch als Ersthelfer mit geholfen und ist auch stolze dabei geholfen zu haben. Aber dennoch lässt sie das Geschehen nicht los.

Ich habe ihr nun vorgeschlagen, dass sie psychologische Hilfe in Anspruch nimmt. Aber bei der ersten Psychologin, die ich für sie angerufen habe wollte sie nicht mehr, weil sie da hätte 3 Monate auf einen Termin warten müssen. Gibt es irgendwo behördliche Hilfe für Unfallzeugen, wenn sie ihr Trauma nicht los werden, so dass sie schneller Hilfe bekommt? Oder denkt ihr, dass es auch von alleine wieder weg geht? Was sollte sie nun machen?

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» supermami » Beiträge: 2317 » Talkpoints: 0,00 » Auszeichnung für 2000 Beiträge



Ich würde mich an einen psychologischen Notdienst wenden. Das müsst ihr einfach mal für eure Region googeln. Es gibt auch telefonische Beratung. Wahrscheinlich braucht sie ja keine monatelange Therapie, sondern nur eine schnelle, aber professionelle Aufmunterung. Es passiert oft, dass Ersthelfer traumatisiert sind.

Ihr könntet auch bei Feuerwehr und Polizei nachfragen. Die sind oft damit konfrontiert. Und sie kennen das Problem, dass die Ersthelfer und Zeugen schnell vom Unfallort verschwinden und danach erst die Probleme einsetzen. Übrigens je besser man helfen konnte, desto besser fühlt man sich danach. Vielleicht sollte deine Freundin also über eine Auffrischung des Erste-Hilfe-Kurses nachdenken, damit sie auch weniger Angst hat, nochmal in so eine Situation zu geraten.

Aber Probleme sind auch normal. Sie hat Schreckliches erlebt. Wenn sie selber keine psychologische Hilfe möchte, gib ihr einfach noch etwas Zeit. Eine Woche ist ja wirklich nicht lang. Ich glaube, ich würde mir ab ca. einem Monat Sorgen machen. Wenn sie darüber reden will, höre zu. Wenn sie abgelenkt werden will, dann hilf ihr dabei.

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» Bienenkönigin » Beiträge: 9448 » Talkpoints: 19,93 » Auszeichnung für 9000 Beiträge


Ich bin ebenfalls schon einmal in der Situation gewesen Ersthelfer zu sein. Ich bin damals 15 Jahre alt gewesen und habe gesehen, wie ein Mann aus dem 4. Stock gesprungen ist und auf dem Gehweg aufgeschlagen ist. Er war sehr weit weg, deshalb habe ich am Anfang gedacht, dass es sich dabei um einen Sack oder sonst etwas handelt. Da ich genau in diese Richtung nach Hause laufen musste, habe ich schließlich den Mann auf dem Gehweg gesehen. Er lag bereits in einer großen Blutlache. Ich leistete sofort Erste Hilfe und konnte feststellen, dass das Blut vermehrt aus dem Kopf hervortrat. Es waren noch weitere Personen in der Nähe, die alles gesehen haben, aber es kam niemand. Die Leute glotzten nur dämlich aus ihren Autos und Fenstern. Ich habe den Mann dann in die stabile Seitenlage gepackt und bin schnell nach Hause gerannt, welches nur ein paar Schritte weiter war. An der Tür habe ich schon geschrien das sie den Notarzt rufen sollen und als meine Mutter die Tür aufmachte sah sie schon meine blutüberströmten Hände. Sie schrie sofort los, weil sie dachte ich hätte mich verletzt, sagte ihr dann aber wo das Opfer liegt und bin zurückgerannt.

Kurz nach meinem erneuten Eintreffen bekam das Opfer Atemaussetzer, weshalb ich die Mund-zu-Mund Beatmung eingeleitet habe und die Herzmassage durchgeführt habe. Diese habe ich bis zum Eintreffen des Notarztes durchgezogen, war stark am Schwitzen und überall voller Blut. Danach weiß ich nur noch wie die Notärzte weitergemacht haben, mit der Liege kamen und so weiter. Danach habe ich erst einmal einen Riss von ca. einer Stunde und erinnere mich nur noch, wie der Notarzt mir die Hand schüttelte und mitteilte, dass der Mann nur wegen mir überlebt hätte. Die Polizei stand neben ihm und wollte mir einige Fragen stellen, aber ich konnte nicht richtig reagieren. Ich hatte eine kleine, ungefährliche Schockstarre und habe erst nach meinem "Einsatz" mitbekommen, was da wirklich vorgefallen ist. Ich hatte psychologische Hilfe von einem Feuerwehrmann, der sich mit mir unterhalten hat. Danach ging es mir schon deutlich besser und ich war sehr stolz auf mich, dass ich dem Mann so gut helfen konnte.

Vielleicht ist es bei Deiner Freundin ähnlich. Vielleicht merkt sie erst jetzt so richtig was da passiert ist. Es spielt keine Rolle ob es Tote gegeben hat oder nicht. Es ist einfach so, dass es nicht normal ist, wenn wir einen Unfall so hautnah miterleben das wir helfen müssen. Ich würde auch vorschlagen, dass sie bzw. ihr einmal Rat sucht bei einer Behörde. Die haben meist ausgebildetes Fachpersonal vor Ort und können vielleicht schon helfen. Ich denke nicht, dass eine längere Therapie durch einen Psychiater für Deine Freundin in Frage kommt, weil so etwas in der Regel nicht benötigt wird. Vielleicht findest Du ja bei Google eine Telefonnummer von einer Beratungsstelle. Möglicherweise reicht auch einfach mal ein längeres Telefonat.

» Horkrux » Beiträge: 564 » Talkpoints: 53,84 » Auszeichnung für 500 Beiträge



Ich weiß nicht, wie es bei euch in der Gegend ist, aber ich kenne es von unserer Stadt, dass es hier Beratungsstellen gibt und man da auch jederzeit hingehen kann. Das sind psychologische Beratungsstellen um eben solche Sachen auch zu bedienen, weil man kann ja keine Monate mit einem solchen Problem verbringen, sondern braucht sofort Hilfe. Das kann man im Internet aber finden. Ansonsten würde ich es wirklich nicht bei einem normalen Psychologen versuchen, weil da die Wartezeiten immer ziemlich lang sind und man hier keinen schnellen Erfolg haben wird. Da müsste man dann auf die Hilfe länger warten.

Ich denke, dass man erst im Nachhinein merkt, was da eigentlich passiert es und es einem deswegen nicht so leicht wieder loslässt. Das man Hilfe geleistet hat darauf kann man stolz sein, aber man muss sich dann auch Hilfe suchen, wenn man sie selber braucht und da ist so eine Beratungsstelle nicht schlecht.

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» Ramones » Beiträge: 47758 » Talkpoints: 8,52 » Auszeichnung für 47000 Beiträge



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